Wie Selbstbewustsein lernen bzw. Selbsthass bekämpfen

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
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Fusselchen
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Wie Selbstbewustsein lernen bzw. Selbsthass bekämpfen

Beitrag von Fusselchen » 09.10.2017, 16:20

Moin,

Ich versuche grade mal wieder an meinem mangelnden Selbstbewustsein zu arbeiten, ich denke das ist für mich der erstmal der wichtigste Punkt. Ich glaube einige meiner Probleme, wären viel leichter wennn ich mich selbst Akzeptieren bzw. Mögen würde. Meist habe ich nur Ablehnung und Hass für mich übrig. Als Kind und Jugendliche war ich mehrmals in Therapie deswegen, gebracht hat es allerdings nie etwas. Auch mehrere Bücher bzw. Höhrbücher zum Thema Selbstbewustsein lernen haben mich nie weiter gebracht.
Das dieses Gefühl nicht normal zu sein bzw. nicht liebenswert oder Okay zu sein aus meiner Kindheit kommt habe ich mitlerweile verstanden. Es war sehr interesannt und beruhigend zu lesen das es anderen Erwachsenen genauso geht, die ebenfalls mit einem Alkoholabhängigen Elternteil aufgewachsen sind.
Mit der erkenntnis das es nicht nur an mir liegt, will ich es jetzt noch einmal angehen. Ich habe ein ganz gutes Höhrbuch gefunden, zum Thema "Selbsvertrauen, den inneren Kritiker zähmen". Es wird anfangs viel erklärt woher diese innere Stimme kommt und auch mit einigen plausiblem Beispielen erklärt. Zum Schluss gibt es noch 26 Übungen die man machen kann damit es einem besser geht.
Das hat mir zwar viele Erkenntnisse gebracht und ich will auch die Übungen komplett durchziehen, trotzdem bleibt dieser Starke negative gedanke in mir, das ich mir gerade nur was vormache. Das ich für immer ein Mensch zweiter Klasse bleiben werde, auch wenn das quatsch ist und alle Menschen gleich viel wert sind.
Warscheinlich bin ich einfach mal wieder zu ungeduldig, aber es würd mich interesieren ob es anderen ähnlich geht bzw. Tips haben, wie sie gelernt haben sich selbst zu akzeptieren.
Liebe Grüsse und schin mal vielen Dank für eure Antworten
Fusselchen

Tabea75
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Beitrag von Tabea75 » 21.03.2018, 13:02

Hallo Fusselchen,

Dein Beitrag ist zwar schon etwas älter, hat mich aber angesprochen. Eine Methode, die bei mir manchmal zieht, ist, dass man sich vorstellt, jemand anderes schüttet Dir sein Herz aus und erzählt Dir genau das, was Du hier geschrieben hast. Was würdest Du antworten? Dann antworte, indem Du es laut sprichst, wenn Du allein bist.
Wenn man sich selbst dabei reden hört, indem man seinem imaginären Gesprächspartner Trost spendet, kann man es vielleicht auch für sich selbst besser annehmen.
Ich würde mich freuen, wenn es Dir ein wenig weiter hilft.
Tabea

Miss Daisy

Beitrag von Miss Daisy » 21.03.2018, 13:57

Die schlechten Gefühle wie Angst oder schlechtes Gewissen oder die Sorge, nicht geliebt zu werden, wenn man nicht perfekt ist,... sind gar nicht so leicht auszurotten, und vielleicht wird es einem EKA auch nie ganz gelingen.

Ich für mich habe festgestellt, dass es gar nicht so sehr darauf ankommt, kein schlechtes Gefühl zu haben, sondern darauf, dass man nach seiner Einsicht und seinem Verstand handelt. Viele Leuten haben mir schon gesagt, dass ich auf sie sehr mutig und selbstbewusst wirke. Ich war erstaunt und fragte mich, wie die mich so falsch einschätzen können! Jedenfalls hat mich das zum Nachdenken gebracht, und seitdem lebe ich nach dem Motto: Wenn andere mich als selbstbewusst wahrnehmen, dann will ich das mal auch so sehen. Ich versuche dann so zu handeln, als ob ich selbstbewusst und mutig wäre und weder Angst noch schlechtes Gewissen hätte. Auf Dauer beeinflusse ich vielleicht so mein Gefühl in eine positive Richtung.

Ich weiß, dass ich aufgrund meiner verkorksten Kindheit auch jede Menge verkorkste Verhaltensmuster habe, die ich mir nicht selbst ausgesucht habe und die meinem Glück heute als Erwachsene im Wege stehen. Ich weigere mich (soweit mir das gelingt), auf meine unangemessen schlechten Gefühle zu hören und ihnen nachzugeben, denn ich weiß, es sind „nur“ Gefühle, die ich nicht hätte, wenn ich in einer gesunden Familie aufgewachsen wäre.

Wenn ich beispielsweise nach langem und gründlichen Nachdenken zu dem Schluss gekommen bin und gut begründete Argumente dafür gefunden habe, dass ich keinen Kontakt mehr zu meiner trinkenden Mutter haben sollte und möchte, dann lasse ich mich auch von meinem Mitleid und schlechten Gewissen nicht kleinkriegen. Ich habe meiner Mutter genug meiner Zeit und Lebenskraft geopfert. Da lasse ich mich auch von so einer dummen Floskel wie „Sie ist schließlich immer noch meine Mutter“ (kotz!) nicht herunterziehen. Ich habe alle lieben Briefe und sentimentalen Geschenke wie Kuscheltiere von ihr weggeworfen, damit ich nicht in eine Tränendrüsenstimmung gerate und vielleicht schwach werde, meinem Mitleid für sie nachzugeben.

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