65- und neu hier

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
silten
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65- und neu hier

Beitrag von silten » 12.10.2017, 00:01

Ich habe schon laenger im Forum mitgelesen und bin sicher, Unterstuetzung von euch erfahren zu koennen. kurze Info zu meiner Schreibweise: im hiesigen Sprachraum habe ich keine Umlaute zur Verfuegung, auch nicht auf der Tastatur, deshalb auch ae,oe,ue . Tut mir leid, wenn ich euch Leseschwierigkeiten bereite. Es ist keine Absicht :wink:
Ok, ich merke gerade, dass ich meinen Humor noch nicht verloren habe, das ist gut so.
Mein akutes Problem: mein Mann trinkt seit 7 Jahren immer mehr, immer haeufiger. Die Beschimpfungen steigern sich, nicht nur an Lautstaerke sondern auch an Intensitaet Unser normaler Sprachstil gibt das eigentlich nicht her. Wir haben schon x-mal ueber Alkoholismus gesprochen, er hat auch schon im Forum gelesen (ich hoffe, ich kann das jetzt mal glauben), aber hilfreich war es bisher nur wenig. Es trifft ganz minimal nur auf ihn zu, etc. die ganze Leier. Das Forum hier hat mir Dinge aufgezeigt, die ich nur theoretisch kannte, an die Moeglichkeit, dass es mich mal so hautnah beruehrt, habe ich nicht geglaubt. Ganz bloed an meiner Situaton ist, dass wir beide genuegend psychologische Kenntnisse haben, um uns haeuslich therapieren zu wollen. Das klappt aber nicht. Seit mein Nervenkostuem hinueber ist, die Anspannung sich in starkem Zittern aeussert und ich beschlossen habe, eine "Auszeit" aus unserem gemeinsamen Leben zu nehmen, habe wir sehr intensiv diskutiert. In nuechternen Zustand ist das immer sehr aufschlussreich, allerdings auch ein paar Stunden spaeter wohl der Anlass, aus einer der nicht anwesenden Flaschen zu trinken. Ich werde ironisch bis sarkastisch, um mich von meinen Gefuehlen nicht ueberrennen zu lassen. Wir leben seit ueber 25 Jahren zusammen, sind aus Alters- und Versorgungsgruenden seit 5 Jahren verheiratet. Und ja, ich muss raeumlichen Abstand fuer mich gewinnen, und ja, ich will unsere Ehe nicht aufgeben. Ja, ich habe Angst, jetzt meine gewohnte Umgebung aufzugeben, ja ich fuerchte mich, allein finanziell nicht durchzukommen, ja, ich weiss, dass mein Mann das weiss, ja, ich war nicht konsequent, habe meine Drohung nicht wahrgemacht. Das habe ich allerdings auch schon zu hoeren bekommen! Und natuerlich gebe ich so den Anlass fuer mehr Alk, ich will ihn ja schliesslich verlassen!
Ich finde den Absprung nicht. Jede noch so kleine nuechterne Phase laesst mich wieder hoffen, und ich werde wieder und wieder eines Besseren belehrt. Also: nix Neues fuer euch, nix Neues fuer mich...und doch fuehle ich mich hilflos. - Und "danke" fuers Lesen, auch weil der Text so lang ist!
Ich moechte gerne einen Rat bekommen

lütte69
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Beitrag von lütte69 » 12.10.2017, 08:59

Hallo Silten,

herzlich willkommen im Forum.
Ich habe beim Lesen deines Posts das Gefühl, dass Du sehr überlegt schreibst und Deine Worte sehr gut auswählst. Aber mal Butter bei die Fische, wie geht es Dir, was fühlst Du? Es ist eine beschi**ene Situation in der Du Dich befindest. Du möchtest weg vom Alki, weißt aber nicht wie. Du meinst, ihr könnt euch selbst häuslich therapieren, aber das funktioniert eben doch nicht. Es ist schwierig, Ratschläge zu erteilen, aber ich kann Dir sagen, wie es bei mir war.

Ich habe auch jahrelang mit gespielt, auch aus dem Grund, dass ich einfach nicht wusste, wo die Ursache für meine ambivalenten Gefühle lagen. Nach außen hin waren wir eine normale Familie. Meine Tochter, die damals schon erwachsen war, hat mich mit der Nase drauf gestoßen. Es war das Zusammenleben mit einem Menschen, der zu viel Alkohol konsumiert. Ich fing an, mich mit dem Thema zu beschäftigen um ihm zu helfen. Es hat nicht lange gedauert und ich bin auf die Co-Abhängigkeit gestoßen. Meine Verwirrung war perfekt. Irgendwann war ich an dem Punkt, entweder ich geh mit ihm unter oder ich nehm mein Leben selbst in die Hand. Also bin ich bei Nacht und Nebel ausgezogen. Das brachte dann ne Menge Steine ins rollen. Die mussten wir erst mal beiseite räumen und daraus unseren Weg bauen, aber für uns hat es funktioniert. Es war ein harter Weg mit so vielen widersprüchlichen Gefühlen, aber ich hab gelernt sie auszuhalten. Was hat mir geholfen? Zum einen das Schreiben hier im Forum. Das hat glaube ich den größten Ausschlag gegeben. Dann hab ich eine sehr gute Freundin gehabt und mein Vater hat mich sehr unterstützt. Und ich hab angefangen, mich wichtig zu nehmen, meinen Gefühlen und Wahrnehmungen wieder zu trauen, mir mal wieder bewusst Kleinigkeiten gegönnt. Das war ganz grob umrissen mein Weg.

Vielleicht nimmst Du Deine Wünsche mal wieder wahr. Wie soll Dein Leben aussehen. Ich denke, auch mit 65 sind Träume und Wünsche wichtig und gut.

Viel Kraft und Geduld für Deinen Weg.
sonnige Grüße
Lütte

Aurora
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Beitrag von Aurora » 12.10.2017, 09:06

Liebe Silten,

zuerst mal herzlich willkommen hier im Forum :D !

Du steckst in genau der Zwickmühle, in der sich ganz, ganz viele Angehörige auch befinden. Da ist einerseits das Gefühl, alles satt zu haben. Auch Wut darüber, wie es läuft und dass er immer wieder doch trinkt. Obwohl das Gespräch, die Gespräche vorher so gut waren. Da sind die Ängste, die du hast und die Gefühle und Hoffnungen.

Und diese Hilflosigkeit.

Aus eigener Erfahrung und den Erfahrungen, die ich mit anderen Menschen ausgetauscht habe, weiß ich, dass es einfach kaputt macht, neben einem Abhängigen zu leben, der keine Krankheitseinsicht bzw. den Wunsch zur Veränderung hat.

Was ist da ein guter Rat? Was kann ein guter Rat sein?

Natürlich, Rat Nummer 1 ist immer der, sich zu trennen. Denn das ist echt das, was am meisten Sinn macht. Und das ist das, was am allerschwersten fällt. Aus verschiedenen Gründen. Über 25 Jahre sind ja fast das halbe Leben, das ihr zusammen verbracht habt.

Du weißt theoretisch alles. Jetzt ist es an der Zeit davon umzusetzen, was umsetzbar ist. Und damit beginnt die schwere Arbeit.

Ich hoffe, du kannst hier genügend Austausch, Rat und Hilfe für dich heraus ziehen, damit du einen Weg gehen kannst, der dir auch wirklich hlft und dein Leben erleichtert.

Liebe Grüße
Aurora

silten
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Beitrag von silten » 14.10.2017, 19:18

Liebe Aurora, liebe luette 69,
eure posts haben mir erst einmal den Boden unter den Fuessen weggerissen!
Jetzt habe ich Bauchweh. Ich muss erst verdauen, dass ihr mir kaum Hoffnung auf ein weiteres, gelaeutertes Zusammenleben macht. Gibt es hier niemanden, der es geschafft hat, mit einem doch noch "getrockneten" Alkoholiker und selbst gesundet, eine Ehe weiter zu fuehren?
Ich habe eine derartige Vision. Spinn' ich? Habe ich nur Angst? Bin ich zu bequem, um mich aus diesem Auf und Ab abzuseilen?

lütte69
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Beitrag von lütte69 » 14.10.2017, 19:43

Liebe Silten,
ich lebe wieder mit meinem Mann glücklich zusammen. Das ist meiner Meinung nur dadurch möglich geworden, dass jeder erst mal sein Leben neu sortiert hat. Die Liebe war auf beiden Seiten noch da und so haben wir uns als Paar neu gefunden. Hier im Forum ist das aber eher selten. Es ist wichtig dass der Alki von seinem Suchtmittel los kommt, weil er daswill und auch der Co muss von seinem Suchtmittel weg kommen, sprich, sich wieder in den Fokus rücken, sich wahrnehmen und seinen Gefühlen trauen.

Es kann niemand in die Zukunft schauen, wir leben heute. Das bedeutet für mich, dass ich versuche so zu leben, dass ich heute glücklich/zufrieden bin. Als ich damals ging, war ich mir sicher, dass alles besser ist, als in dieser Situation zu verharren. Es war ein wahnsinnig schwerer Schritt. Mir war im Prinzip alles egal, nur nicht weiter aushalten müssen.

Ich will dir Mut machen, Dein Leben so zu gestalten, dass Du glücklich bist.

sonnige Grüße
Lütte

silten
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immer wieder

Beitrag von silten » 22.10.2017, 22:20

:roll:
Ach ja, zum wievielten mal???

Liebe luette69,
ich hatte Deinen post gerne, allzu gerne fuer real angenommen.-2 Tage lang war alles suuuper. Habe doch schon wieder gehofft: endlich diese Selbsterkenntnis (habe ich da etwas vergessen?) !
Warum falle ich doch zu gerne auch auf die koerperliche Naehe rein.
Selbstbeschuldigungen ohne Ende. Jetzt sitzt mein Mann im Sessel neben mir. Er haelt Monologe, spricht mit mir(?) , hat die Augen geschlossen. Ich schreibe hier und warte, dass er endlich einschlaeft. Diese Situation ist schon krass!
Irgendwie k...mich das Ganze an, aber dann finde ich doch nicht den entscheidenden Schritt fuer mich.
Wo soll ich hin, im fremden Land, mit einer Freundin, die mich zwar kurz aufnehmen wuerde, deren Mann das aber nicht wissen soll und meinem Mann, der, wenn er dann nuechterner wird, mich sucht und zwar zuerst bei den Nachbarn.---Ich mach' erst mal Schluss hier, bevor er heftig werden koennte, also rumkrakelen wird. --. Viel Lesestoff! Hilft mir aber ungemein!

Slowly
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Beitrag von Slowly » 23.10.2017, 06:53

Hallo Silten,

es gibt in vielen deutschen Städten Selbsthilfegruppen.

Zum Beispiel Coda.

Das ist eine anonyme Selbsthilfegruppe für Menschen die Probleme haben gesunde Beziehungen einzugehen und aufrecht zu erhalten.

Vielleicht schaust du mal im Netz ob eine Gruppe bei dir in der Nähe ist und vielleicht magst du dann ja sogar einmal hin gehen.

Das kann sehr hilfreich sein, zusätzlich zu dem Austausch den du hier bekommst.

Liebe Grüße

Slowly

Martin

Beitrag von Martin » 23.10.2017, 12:55

Hallo Sitten,
Gibt es hier niemanden, der es geschafft hat, mit einem doch noch "getrockneten" Alkoholiker und selbst gesundet, eine Ehe weiter zu fuehren?
sicherlich gibt es Paare die wieder zusammenfinden, das sind aber eher Ausnahmen.

Co-Abhängige leben meist Jahre in ihrer Beziehung und kommen da sehr schwer wieder heraus.

Auch wir Alkoholiker stecken meist viele Jahre in unserer Sucht fest.

Selbst wenn beide, getrennt oder zusammen, da herauskommen sind sie selten wieder die "Alten".

Das macht ein erneutes Zusammenleben so schwierig.

LG Martin

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