Und täglich grüßt das Murmeltier

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Milla86
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Und täglich grüßt das Murmeltier

Beitrag von Milla86 » 04.11.2017, 22:36

Bis heute war ich lange Zeit stille Mitleserin. Habe mich lange Zeit nicht getraut endlich selber zu schreiben.
Jetzt bin ich in einer Lage in der es einfach keine Hoffnung mehr gibt. Ich bin seit Jahren Co-Abhängig, habe es viele Jahre nicht gewusst!
Ich wusste, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, was das allerdings sein sollte davon hatte ich keine Ahnung! Nach jahrelanger Co-Abhängigkeit bin ich sehr depressiv geworden.
Ich versuche mich gerade aus diesem Loch zu kämpfen. Versuche nachsichtiger mit mir umzugehen und mir einzureden, dass ich nicht Schuld bin. Schuld daran, dass er trinkt. Denn das höre ich seit langer Zeit!
Ich habe jahrelang gehofft, dass mein Bitten und Betteln endlich mit dem Teinken aufzuhören fruchten. Als dies nicht der Fall war bin ich wütend geworden. Diese Wut habe weiterhin in mir. Es ist Wut und Hass.
Wie kann er mir das antun? Ich habe nie etwas böses getan! Um diese Frage hat sich alles gedreht.
Mittlerweile weiß ich, dass er einfach nicht aufhören will und vor allem nicht kann.
Es gibt keinen Tag der vergeht, an dem er nicht trinkt. Man merkt es ihm allerdings nicht an. Er führt sein Leben ganz normal. Er kümmert sich liebevoll um unsere Tochter. Ist ein toller Vater!
Ich könnte ein schönes Leben haben, wenn ich doch einfach endlich still wäre und akzeptieren würde, dass ihm das Feierabendbier bzw. Biere einfach schmeckt.
Ich für mich habe beschlossen, dass ich meine Tochter so nicht großziehen möchte. Sie bekommt schon jetzt viel Streit mit. Ich möchte ihr ein Leben bieten mit einer stabilen Mutter, die nicht ständig an sich selber zweifelt.
An der Umsetzung hapert es.... ich versuche seit 1 Jahr auszusteigen und schaffe es nicht. Zumal ich auch noch finanziell abhängig bin.
Nach außen hin führen wir ein tolles Leben. Können uns viel leisten etc.
Soll ich das alles aufgeben?!
Das sind Fragen die 24h am Tag in meinem Kopf herumspuken.
So jetzt ist der Text ziemlich lang geworden!
Ich freue mich auf Austausch und vor allem Verständnis 😊
Die Milla

Tuschii
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Beitrag von Tuschii » 05.11.2017, 16:26

Hallo und herzlich Willkommen Milla,
ich bin auch recht neu hier und in einer ähnlichen Situation wie Du.
Du hast Dich entschieden, dass Du Dein Leben so nicht führen, dass Du Deiner Tochter ein stabiles, glückliches Umfeld bieten möchtest. Das ist toll, und meiner Meinung nach schon ein großer Schritt.
Wie Du hänge ich auch gerade zwischen dieser Erkenntnis und der Umsetzung der daraus folgenden Konsequenz. Dieses definitve Beenden der Beziehung mit allen Konsequenzen ist für mich sehr sehr schwer.
Aber ich halte mir immer wieder vor Augen, dass ich das schlimmste Stück Weg genau mit dieser Erkenntnis überwunden habe. Und mit jedem kleinen Schritt nach vorne wird es ein wenig besser. Langsam vielleicht, aber stetig.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf Deinem Weg!

LG
Tuschii

Aurora
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Beitrag von Aurora » 05.11.2017, 17:12

Hallo Milla,

herzlich willkommen! Toll, dass du nicht mehr nur liest sondern dich auch selbst beteiligst. Auch das ist ein wichtiger Schritt, selbst wenn du es nicht so empfindest.

Für mich liest sich dein Beitrag so, als ob dein Mann Spiegeltrinker wäre. Er hat also immer einen gewissen Pegel intus, ist quasi nie nüchtern. Aber auch nie so betrunken, dass er besinnungslos wäre. So wie mein Exmann das war (und ist).

Aber auch Spiegeltrinker brauchen im Laufe der Zeit immer mehr. Ich kenne das zum Beispiel aus meinem entfernten Verwandtschaftskreis.

Du hast also den Entschluss gefasst, dass du was ändern möchtest. Nur wie... Und da ist die finanzielle Seite auch noch...

So war das auch bei mir sehr lange. Vor allem die finanzielle Sicherheit war mir wichtig. Ich habe selbst "nur" Teilzeit gearbeitet, davor lange Jahre nicht bzw. ich war Hausfrau und Mutter. Das ist ja nicht nichts, es wird nur nicht bezahlt :evil: . Ich war also schon auch abhängig, was das Geld anbelangt.

Und das war ein prima Druckmittel. Für meinen Exmann, er hat mich das schon spüren lassen...

Ich habe mich dann bei einem Anwalt erkundigt, was mir so zusteht und so. Allerdings waren meine Kinder da schon erwachsen, die haben also nicht "gezählt". Ich habe trotzdem auch Sicherheit für mich durch dieses Beratungsgespräch bekommen, denn es war schon mal gut, überhaupt in dieser Richtung mal aktiv zu werden. Schlussendlich hatte ich viel weniger Geld, dafür aber war mein Leben um Längen besser als vorher.

Ich hatte mich in den letzten Ehejahren nämlich oft so gefühlt, als wäre ich käuflich, ich habe mich auf eine gewisse Art von ihm bezahlen lassen. Immer wenn es besonders schlimm gewesen war oder so habe ich mir "was geleistet". Das war, als mir das so wirklich klar wurde, kein gutes Gefühl :( .

Ich wünsche dir noch einen schönen Rest-Sonntag
Aurora

Milla86
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Beitrag von Milla86 » 05.11.2017, 17:20

Vielen Dank für deine Worte @tuschii!
Du triffst es genau auf den Punkt! Man sieht auf einmal alles glasklar, jedoch diesen letzten endgültigen Schritt zu tun. Das ist die größte Herausforderung!
Man hat das Gefühl sein ganzes Leben aufzugeben und danach irgendwie nichts mehr zu sein....

Ich hab das Gefühl ich bin seit einem Jahr erstarrt. Ich kann mich einfach nicht bewegen. Wie in einem Gefängnis.
Ich habe Angst, dass dieses Gefühl trotz Trennung bleibt. Dass man es bereut nicht doch beim Partner geblieben zu sein.

Das Problem ist, dass mir niemand diese Frage beantworten kann.

Eine Entscheidung muss ich treffen, weil es so einfach nicht weitergehen kann...

Milla86
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Beitrag von Milla86 » 05.11.2017, 17:31

Hallo Aurora!


Ja er fängt am frühen Abend an zu trinken bis er dann schläft. Anmerken tut man es ihm nicht unbedingt. Es gibt gute und schlechte Tage. An den schlechten können es dann schonmal ein paar Bier und eine Flasche Wein werden. Er ist sehr ruhig, sucht keinen Streit und schläft dann irgendwann ein. Was mich wütend macht sind die ständigen Lügereien etc. Ich habe überhaupt kein Vertrauen mehr und kann ihn nicht mehr wertschätzen. In keinster Weise.

Sunny1976
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Beitrag von Sunny1976 » 05.11.2017, 20:27

Hallo Milla,

das was du schreibst, kenne ich auch sehr gut, mein xy ist auch ein Spiegeltrinker. Auch ihm hat man nie was angemerkt, er ist nie aggressiv oder handgreiflich geworden. Das macht es manchmal noch schwieriger... diese Sätze, das ich daran Schuld bin, das er trinkt habe ich auch so oft gehört. Er wäre ja ein ganz gutmütiger Mensch und ich zerstöre einfach alles, weil ich nicht einfach mal ruhig sein kann und immer nur rummeckere.

Auch die Wut und der Hass kamen irgendwann, damit kann man erst recht nicht mehr lieb und ruhig sein... das geht auch gar nicht, denn du wünscht dir doch ein Leben, das er dir so nicht mehr bieten kann.

Es ist sehr schwierig, den letzten Schritt zu gehen, die ganzen Träume aufzugeben, die finanzielle Sicherheit... aber, glaube mir, es wird immer schlimmer werden. Auch wenn mal wieder gute Zeiten kommen, wo er mal weniger trinken wird, so wird sich das Blatt auch wieder wenden 😔

Diese Erstarrung kenne ich zu gut, man ist wie gelähmt. Und diese Zweifel...

Ich selbst stehe auch noch ganz am Anfang, getrennt habe ich mich zwar schon vor einem Jahr, aber das loslassen klappt noch nicht.

Denke an deine Tochter, die nicht lernen soll, das Lügen und Alkohol zum Leben gehören!

Liebe Grüsse
Sunny

Gotti
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Beitrag von Gotti » 06.11.2017, 09:29

Hallo Milla!
Deine Geschichte lese ich gerade nach vielen Jahren "Forumsabstinenz", und bin sofort in meiner drin! Nur mit dem Unterschied, dass ich viel viel länger brauchte, um zu dieser Erkenntnis zu kommen. Da bin ich leider kein gutes Vorbild, aber jetzt kann ich nur schreiben, dass es wirklich, wirklich nur sehr gut war, mich von meinem Mann zu trennen!!!!!
Mich plagten dieselben Gefühle, Ängste, Probleme wie dich. Ich dachte auch immer, dass ich alleine nicht existieren könnte - nicht lebenswert existieren könnte, usw. usw. Aber ich musste wohl - wie alle Süchtigen ( meine Co - Abhängigkeit war eine schlimme Sucht ) erst auf den tiefen Boden herunterkommen, bis ich erkennen konnte, dass ich JETZT ENDLICH einen Schlussstrich ziehen musste.
Nachdem ich meiner HÄn eine Stunde lang oder länger meinen Kummer vorgeheult hatte, war es ein schneller Schritt zur psychischen Reha, die mir mit den besten Therapeuten zum "Endspurt" verhalf. Nach fünf Wochen fuhr ich heim, und sagte meinem Mann, dass ich mich trennen werde.
Es dauerte dann noch einige lange Monate, bis ich endlich ausziehen konnte, aber jetzt, nach fast einem Jahr, bin ich schon auch ein bisschen stolz, dass ich es durchgehalten habe.
Dieses Gefühl wünsche ich dir!!!! Denn du bist es DIR wert, dass du ein schönes Leben führen kannst!!!! Ohne die ständigen Sorgen, "Was erwartet mich zuhause?", "Was will er denn jetzt von mir?", "Bin ich wirklich so blöd, wie er mich hinstellt?" "WAS TUE ICH MEINEN KINDERN AN??????"
Vorbei ist es noch nicht, aber es fühlt sich auf jeden Fall viel, viel besser an, als die ganzen Jahre zuvor!!!
:!:
Alles Gute für Dich!!!
Gotti.

tom38
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Beitrag von tom38 » 06.11.2017, 10:17

Hallo Milla,

zuerst einmal finde ich es echt gut das Du Dich hier angemeldet hast. Ich habe auch einige Zeit gebraucht um mich hier anzumelden, aber es ist ein sinnvoller Schritt.
Als ich Deine Geschichte gelesen habe, habe ich mir bei dem Satz: Diese Wut und dieser Hass, gedacht: Das kenne ich, das war bei mir auch so.
Diese Wut und dieser Hass wenn man merkt man redet gegen eine Mauer. Will er (bei mir sie) das nicht verstehen!!! Sie bzw. er tut mir damit unendlich weh und macht mich damit auch krank. Wie oft redet man mit dem anderen über das Thema und dann fallen so Sätze wie: Ich weiss ich muss was ändern, Ich fange jetzt an blabla....und was passiert?? NICHTS!!!! Und das ist genau der Punkt wo irgendwann die Geduld schwindet. Dann kommt der Punkt wo man sagt: Es reicht ich will das nicht mehr, er ändert eh nichts.
Nur bist Du in Deiner Existenzzange (ich nenne das mal so), aber hier gibt es Lösungen lass Dich da bitte beraten. Es hat keinen Sinn mehr, zu der Erkenntnis bin ich nachher auch gekommen. Und ich bin mir ziemlich Sicher Du auch.
Bei meiner Erfahrung habe ich live erlebt wie in Kind darunter leidet wenn der Partner betrunken ist. Die Schulleistungen lassen nach und die Seele des Kindes wird beschädigt. Sowas trägt ein Kind sein Lebenlang mit, willst Du das Deinem Kind antun??? Ich denke nicht..
Denke immer daran, der Wichtigste Mensch im Leben bist Du!!!! bzw. bei Dir Dein Kind und das muss Du schützen mit allen Konsequenzen. Wenn der andere nicht will oder kann hast Du keine andere Wahl als zu gehen!! Irgendwann wirst Du merken, es war und ist die Richtige Entscheidung. Damals hat mir mein Hausarzt damals ganz klar gesagt, wenn sie so weiter machen gehen sie mit zu Grunde....
Und glaub mir, wir beide Wissen das unser Leben bzw. das Leben Deines Kindes zum wegwerfen zu Schade sind!! Also Kopf hoch, das schaffst Du schon.
Gruß
Tom38

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