Guten Tag

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Deliciae
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Guten Tag

Beitrag von Deliciae » 11.11.2017, 16:25

Hallo zusammen.

Ich bin hier bei euch gelandet, weil ich Tipps suche für den Umgang mit meinem Freund, der ganz klar ein Alkoholproblem hat. Wir sind seit gut einem Jahr zusammen, reden offen miteinander und er hat auch die Einsicht, dass er seinen Umgang mit sich selbst ändern muss, da er merkt, wie negativ sich sein unkontrolliertes Trinken auf seine Ausbildung und auf unsere Beziehung auswirkt. Wir wohnen getrennt, und momentan bin ich darüber sehr froh, denn ich komme mit seinen Abstürzen und den morgens ach so festen Plänen, die abends schon wieder hinfällig sind, nicht mehr zurecht.

Unser letztes Gespräch war gestern morgen, als ich ihm klarmachte, dass ich ihn verlassen werde, wenn er nicht aufhört zu trinken. Es handelt sich nicht um eine leere Drohung, allerdings habe ich noch kein Ultimatum gestellt. Er reagierte einsichtig, doch habe ich kein Vertrauen darauf, dass er es wirklich umsetzen wird. Deshalb suche ich hier nach einem Forum, wo Menschen mit konkreten eigenen Erfahrungen mir konkrete Hinweise geben können, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Akuten Schreibbedarf habe ich gerade nicht, eher Lesebedarf... Mal gucken, was die nächsten Tage so bringen.

In diesem Sinne "hallo" - wenn ihr mehr über mich erfahren möchtet, fragt mich gern.

Deliciae

Martin

Beitrag von Martin » 11.11.2017, 21:06

Hallo Deliciae,
und er hat auch die Einsicht, dass er seinen Umgang mit sich selbst ändern muss, da er merkt, wie negativ sich sein unkontrolliertes Trinken auf seine Ausbildung und auf unsere Beziehung auswirkt.
es ist ja toll wenn er die Einsicht hat etwas ändern zu müssen, das reicht aber nicht.

Er muss diese Einsicht auch umsetzen :!:

LG Martin

Dante
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Beitrag von Dante » 12.11.2017, 20:15

Hallo Deliciae & Willkommen im Forum! :D

Ich schreib's mal ganz plump: Hat die Einsicht deines Freundes irgendwelche konkreten Pläne zur Folge?

Deliciae
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Beitrag von Deliciae » 15.11.2017, 23:48

Ja. Heute war sein 6. Tag ohne Alkohol.

Ich hätte es nicht gedacht, aber ich wage mich zu freuen. Ob er selbst die Tage zählt, weiß ich nicht. Ich tu's für mich :)

Gotti
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Beitrag von Gotti » 16.11.2017, 06:40

Hallo Deliciae!
Ich habe mich einmal (es waren sehr viele Hoffnungstage, - wochen,...)ein halbes Jahr Hoffnungen gemacht. Mich, unsere Familie, Feiern.. total alkoholfrei gemacht, weil ich dachte, er hält es diesmal durch. Er besuchte damals auch eine SHG und ein paar Sitzungen bei einer Therapeutin. Es sah echt nach "Heilung" aus.
Leider war aber dann auch wieder nach und nach der Alltag eingekehrt. Für ihn.
Bei mir dauerte es noch. Ich hielt alles ringsum alkoholfrei weiter.
Ich habe mich verbogen. Und konnte IHN doch nicht damit ändern!
Leider musste ich erst richtig "krank" werden, um das richtig einzusehen.
LG Gotti.

Deliciae
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Beitrag von Deliciae » 16.11.2017, 08:24

Hallo Gotti.

Klar kann es gut sein, dass er irgendwann scheitert. Aber da es sich um meine erste ganz klare Ansage handelte, lasse ich mich einfach mal drauf ein, dass "scheitern kann" nicht gleichbedeutend ist mit "scheitern muss".

Ich selbst habe keine von den gängigen Süchten geprägte Vorgeschichte, selbst Rauchen konnte ich ein Leben lang tun oder lassen. Aber meine eigenen Disziplinprobleme, die mir - ganz ohne Sucht - immer schon meinen Alltag erschweren, lassen mich die Aufgabe meines Freundes (abstinent zu sein) als das betrachten, was sie ist: eine tägliche, konsequente Entscheidung für diesen Weg. Für mich ist Selbstdisziplin etwas, das mir sehr schwer fällt, und deshalb habe ich Respekt für jeden Tag, an dem er konsequent bleibt.

Ob er "vom Wagen fällt" oder nicht, wird die Zukunft zeigen. Wenn er rückfällig wird, bin ich weg. Aber jetzt, genau jetzt hat er seine eine Chance und genau jetzt nutzt er sie.

Ich verbiege mich nicht. Ich biete ihm keinen Alkohol an und trinke auch keinen, wenn wir zu zweit sind. Doch auf der nächsten Party in ein paar Wochen werden meine Freunde feiern wie sonst auch - viele ohne oder mit wenig Alkohol, denn keiner von uns trinkt übers Limit. Es wird sich zeigen, ob mein Freund damit umgehen kann.

Da wir erst seit Juli letzten Jahres zusammen sind, bin ich nicht willens, für diese Beziehung mein komplettes Leben an Stellen zu ändern, an denen es immer in Ordnung war. Aber ich gehe nun auch meine eigenen Baustellen an - siehe oben, Selbstdisziplin...

LG Deliciae

Martin

Beitrag von Martin » 16.11.2017, 16:44

Hallo Deliciae,
Doch auf der nächsten Party in ein paar Wochen werden meine Freunde feiern wie sonst auch - viele ohne oder mit wenig Alkohol, denn keiner von uns trinkt übers Limit. Es wird sich zeigen, ob mein Freund damit umgehen kann.
verstehe ich das richtig dass dein Freund mit auf die Party geht :?:

LG Martin

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 16.11.2017, 20:04

Hallo Deliciae,
Willkommen im Forum.

Du schreibst:
Ja. Heute war sein 6. Tag ohne Alkohol.
Aha. Macht er eine professionelle Entgiftung mit ärztlicher Unterstützung?
Alles andere nennt man einen "kalten Entzug" und der kann TÖDLICH ausgehen.
Niemand muss sich so einer Gefahr aussetzen, wir haben ein sehr gutes Gesundheitssystem und ein Recht auf Hilfe bei unserer Erkrankung.
Außerdem ist es wichtig, das Problem offen anzusprechen, am besten beim Arztbesuch, wo dann weitere Schritte eingeleitet werden können.
Heimlich trocken werden funzt einfach nich... ich kenne zumindest keinen, der damit Erfolg hatte.
Für mich ist Selbstdisziplin etwas, das mir sehr schwer fällt, und deshalb habe ich Respekt für jeden Tag, an dem er konsequent bleibt.
Damits mal klar ist:
Alkoholiker sind nicht zwangsweise willenlose Menschen ohne Selbstdisziplin!
Ich habe beispielsweise einen sehr starken Willen, auch schon immer gehabt.
Aber gegen meine Alkoholsucht war ich machtlos, da half mir mein Wille kein Stück mehr.
Alkoholismus ist ein anerkannte KRANKHEIT und nix anderes !
Und sie hat wenig mit Logik und Verstand zu tun.
Sucht hat ihre ganz eigenen Regeln, denen sie unerbittlich folgt, wenn man sie nicht stoppen kann.
Doch auf der nächsten Party in ein paar Wochen werden meine Freunde feiern wie sonst auch - viele ohne oder mit wenig Alkohol, denn keiner von uns trinkt übers Limit. Es wird sich zeigen, ob mein Freund damit umgehen kann.
Auf so einer Party hat Dein Partner sowas von ÜBERHAUPT NIX zu suchen!
Falls Du Dich für unsere Krankheit hier interessierst und Du Deinen Parter wirklich unterstützen willst,
solltest Du mal in unsere "Grundbausteine" reinlesen.
Wir Langzeittrockene raten davon ab, sich einem saufenden Umfeld auszusetzen.
Das erhöht die Rückfallgefahr nämlich enorm.
(Und die Rückfallquote liegt eh schon derart hoch, das man das echt sein lassen sollte)
Das gilt insbesondere für das erste abstinente Jahr.
Danach hat man meist eh andere Interessen entwickelt bzw. wieder entdeckt, als sich anzuschauen, wie sich andere Menschen die Lampen ausgießen.
Da wir erst seit Juli letzten Jahres zusammen sind, bin ich nicht willens, für diese Beziehung mein komplettes Leben an Stellen zu ändern,
an denen es immer in Ordnung war.
Was meinst Du damit denn speziell, was möchtest Du nicht ändern?

Das Leben eines trocken werdenden Menschen verändert sich üblicherweise gravierend.
Ohne diese Veränderung sehe ich auch keine Möglichkeit für eine stabile Trockenheit.
Wenn da der Partner nicht auch mitzieht, seinen Teil beiträgt, dann wird die Beziehung kaum halten.
Auch wenn Dir das nicht gefällt, so siehts mal aus.

Und noch was... was meine ganz persönliche Meinung ist:
Wir trockenen Alkoholiker müssen uns nicht einem saufenden Umfeld anpassen, nur um als gesellschaftskonform zu gelten.
Warum sollten wir ?
Wir dürfen unser Leben so leben, wie WIR das gern möchten und nicht, wie es eine Gesellschaft gern hätte,
in der Drogenkonsum (wozu auch eindeutig Alkohol gehört) als "normal" gilt.

Ich wünsche jedem trocken werdenden Alkoholiker, das er sein Leben so gestaltet, wie er es möchte und wie die Krankheit es verlangt.
Denn die werden wir nun lebenlang haben, es gibt keine Heilung der Alkoholkrankheit, wir können sie nur stoppen.
Aber das reicht auch für ein zufriedenes und glückliches Leben aus.
Wir müssen nicht so sein, wie andere das gern hätten.
Nur so, wie WIR das gern hätten und aus die Maus.

Wenn Du magst, richte doch bitte folgendes Deinem Partner aus (wenn er es wirklich ernst meint):
Er soll sich so schnell wie möglich in ärztliche Behandlung begeben.
Morgen ist Freitag und meissten Arztpraxen werden offen haben.
Man muss sich nicht für unsere Krankheit schämen, nur wenn man nix dagegen tut vielleicht.
Dann wäre eine SHG sehr wichtig für ihn.
Und evtl. wäre auch eine anschließende Therapie an die professionelle Entgiftung sinnvoll.
Das sind so die Sachen, die man mit seinem Arzt/Therapeuten besprechen muss.
Einfach mal so aufhören zu saufen... das klappt nicht.
Jedenfalls nicht, wenn jemand bereits abhängig trank/trinkt.

LG Sunshine

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