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Hätte es nicht gedacht

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Cadda
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Cadda » 05.12.2018, 14:49

Missnoalk: Es passte einfach so schön zu Deiner Date-Geschichte neulich. Aber geschickt ignoriert und umgeleitet :lol: :lol:

Ernest: Lustig hier bei Dir im Thread. Wenn das bei Dir zu Hause auch so läuft, wird’s ja eine nette Rentner-WG :D

Ernest
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Ernest » 07.12.2018, 21:06

Hallo zusammen

Beim Stöbern im Forum stieß ich auf 2 Beiträgen bzw. Spiegel Artikel von Thalia1913: Alkoholismus im Alter.
Es betrifft meine (Vor-) Generation. Möchte aber bei meinen folgenden Gedanken ausschließlich Rentner und Rentnerinnen einbeziehen. Und ich möchte die finanziellen STAATLICHEN Gesundheitskosten ausblenden.

Zwei Seelen wohnen in meiner Brust:
Was ist schlimm, wenn Senioren alle Tage Alkohol trinken bzw. Alkoholiker sind? Sie trinken ihr Quantum und dösen in den Tag hinein oder hocken am Stammtisch/Kaffeekränzchen. Die Arbeitswelt ist für sie abgeschlossen, der Rubel rollt in Form von Rente/Ersparten und sie trinken sich selten ins "Komma". Lasst sie doch, wenn sie diese Lethargie oder eine Alkoholgesellschaft wünschen.

Anderseits ist es nicht die Aufgabe der Gesellschaft/Familie in irgendeiner Form diese Menschen aufzurütteln? Wie können sie erreicht und motiviert werden, sich wieder aktiv am Leben zu beteiligen?
Aber bekanntlich ist die Anstrengung der Gesellschaft (auch der Familie?) eher klein, wenn nicht die Steuergelder betroffen sind. Dies im Gegensatz zu den werktätigen Alkoholikern. Hier sind die Steuergelder in Form von z.B. Arbeitslosengelder tangiert oder die Wirtschaft bangt um das Bruttosozialprodukt...

Wird die wachsende Gruppe (gemäß Spiegel) von Altersalkoholiker wirklich zu einem Problem? Und wenn ja: nur finanziell? Oder muss das Problem im Zusammenhang mit der Vereinsamung gesehen werden?

Da hab ich wieder was zum nachdenken....

Wünsche allen ein angenehmes Wochenende.
Ernest

Feldmaus75
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Feldmaus75 » 07.12.2018, 21:38

... uff, starker Tobak... :shock:
Ist denn die Mehrheit dieser Menschen erst im Alter zum Alkoholiker geworden wegen Einsamkeit etc...? Oder handelt es sich um alt gewordene Alkoholiker...?

Carl Friedrich
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Carl Friedrich » 08.12.2018, 11:30

Feldmaus75 hat geschrieben:
07.12.2018, 21:38

Ist denn die Mehrheit dieser Menschen erst im Alter zum Alkoholiker geworden wegen Einsamkeit etc...? Oder handelt es sich um alt gewordene Alkoholiker...?
Hallo!

Ich habe ein paar ältere Herrschaften kennen gelernt. Sie Saat wurde schon früher gesät. Die Schlagzahl nahm mit der Verrentung zu und führte dann in die Abhängigkeit. Sie haben allesamt ehrlich eingeräumt, schon über viele Jahre zu viel getrunken zu haben, was sich mangels einer konkreten und wichtigen Aufgabe nach Verrentung verdichtete.

Diese Feststellung trifft aber sicherlich nicht auf jeden Rentner zu. Es können auch andere Faktoren in die Sucht geführt haben z.B. harte Schicksalsschläge, die man zunächst mit Alkohol vernebelte, bis dies zur Routine wurde.

Ich bin nicht der Ansicht, dass es den einzigen und exakt heraus kristallisierbaren Grund für die Sucht gibt. Monokausale Ursachen sind im Leben eher selten. Es treffen meistens mehrere Umstände zusammen, die in ihrer Addition und Wechselwirkung zu einem bestimmten Ergebnis geführt haben.

Gruß
Carl Friedrich

Hartmut
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Hartmut » 08.12.2018, 13:40

Hallo Feldmaus,

nun sehe ich es ähnlich wie Carl Friedrich. Alkoholiker werden ist ja ein schleichender und längerer Prozess.

Für mich gibt es keine Gründe die einen Menschen zum Alkoholiker werden lassen, es ist der Alkohol, der es macht. Nun mag es Gründe geben, die veranlassen den Alkohol dazu missbrauchen, jedoch wird ja keiner freiwillig Alkoholiker mit der Prämisse sich zu Tode zu saufen.

Gruß Hartmut

ideja
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von ideja » 08.12.2018, 14:03

jedoch wird ja keiner freiwillig Alkoholiker mit der Prämisse sich zu Tode zu saufen.
manche menschen werden genau deswegen zu alkoholiker, obwohl es der Mehrheit von ihnen nicht bewusst ist

Hartmut
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Hartmut » 08.12.2018, 14:33

Hallo ideja,

wie kommst du darauf? Wenn der Wunsch da ist sich zu Tode zu saufen hat das andere Gründe. Meinst du Suizid? Oder habe ich dich verkehrt verstanden? Wenn jedoch ein Alkoholiker sich zu Tode sauft ist das die Folge der Sucht. Der hat den Absprung nicht mehr geschafft.

Gruß Hartmut

Sunshine_33
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Re: Hätte es nicht gedacht

Beitrag von Sunshine_33 » 08.12.2018, 14:35

Ein interessantes Thema, womit ich mich auch in meiner ehemaligen realen Gruppe intensiv mit auseinander gesetzt habe, auch in der Form von vielen Gesprächen mit betroffenen Senioren.
Dadurch, das meine reale Gruppe etwas "überaltert" :wink: war, gab es somit auch viele Alkoholiker im fortgeschrittenen Alter.

Feldmaus fragte:
Ist denn die Mehrheit dieser Menschen erst im Alter zum Alkoholiker geworden wegen Einsamkeit etc...? Oder handelt es sich um alt gewordene Alkoholiker...?
Da gibt es keine allgemeingültige Antwort. Einige sind tatsächlich durch Einsamkeit (Tod des Partners beispielsweise oder auch andere Schicksalsschläge) über den Alkoholmissbrauch in die Sucht gerutscht.
Andere waren "alt gewordene Alkoholiker", die sich aber das oftmals erst sehr spät eingestanden haben.
Meist erst, als es deutliche körperliche Beschwerden gab, die auf den jahrzehntelangen Suff zurückzuführen waren.
Dabei handelte es sich aber kaum um Menschen, die ewig besoffen und dadurch komatös inner Ecke lagen, sondern um jahrzehntelang gut funktionierende Alkoholiker.
Da wurde oft gesellig getrunken (Kegelverein, Skatabend, Kaffeekränzchen, Schützenverein etc.), keine Feier war ohne Alk, das war undenkbar. Auch zuhause wurde oft täglich Wein zum Essen getrunken, nachmittags dann wieder irgendwas und abends Schlummertrünke etc.
Es war einfach "normal", jeden Tag Alkohol zu konsumieren, dadurch ist man doch kein Alkoholiker!
Die bittere Erkenntnis kam dann aber doch irgendwann, meist angestoßen von außen (Arzt, Partner, Kinder).

Ernest fragte
Was ist schlimm, wenn Senioren alle Tage Alkohol trinken bzw. Alkoholiker sind? Sie trinken ihr Quantum und dösen in den Tag hinein oder hocken am Stammtisch/Kaffeekränzchen. Die Arbeitswelt ist für sie abgeschlossen, der Rubel rollt in Form von Rente/Ersparten und sie trinken sich selten ins "Komma". Lasst sie doch, wenn sie diese Lethargie oder eine Alkoholgesellschaft wünschen.
Naja, was heißt "schlimm", sie tun ja nix verbotenes.
Bei den Menschen, die ich kenne und die im Seniorenalter doch noch aus der Sauferei ausstiegen, wurden in fast allen Fällen jäh aus der Lethargie gerissen, oft vom Arzt aus oder auch durch eine KH-Einlieferung, wo die Sucht nicht lange vorborgen blieb durch Entzugssymptome.
Oder auch von den eigenen Kindern, indem sie die Enkelkinder entzogen, weil es nun mal unzumutbar ist, der besoffenen Oma (oder Opa) die Enkelkinder anzuvertrauen.
Sowas tut dann schon richtig weh und ruft nicht bei jedem nur Empörung hervor, sondern der ein oder andere kommt da auch mal ins Nachdenken.
Und dann werden mitunter auch Entscheidungen getroffen und endlich eine SHG aufgesucht, um sich helfen zu lassen.
Das habe ich persönlich so miterlebt oder habe es mir von Betroffenen schildern lassen, die schon länger in der SHG waren.
Anderseits ist es nicht die Aufgabe der Gesellschaft/Familie in irgendeiner Form diese Menschen aufzurütteln? Wie können sie erreicht und motiviert werden, sich wieder aktiv am Leben zu beteiligen?
Die "Aufgabe"? Hm, weiß nicht.
Ich denke, bei Senioren kann die Familie am meissten aufrütteln. Evtl. auch der Arzt ihres Vertrauens.
Wer ist denn hier mit "die Gesellschaft" gemeint, die Gesellschaft sind wir ja alle.
Oft wird ja gern nach der Gesellschaft und ihren Aufgaben gekräht, wobei aber gern ausgeblendet wird, das man selbst auch "die Gesellschaft" ist. :wink:
Wieder aktiv am Leben teilnehmen?
Hmmm, das müßte man ja erstmal selbst wollen. Das ist aber nicht bei allen Senioren der Fall.
Manche haben ihr Leben lang hart gearbeitet und mögen einfach nicht mehr so aktiv am Leben teilnehmen.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen erschweren das oft noch zusätzlich.
Alles nicht so einfach... im Alter ist nicht mehr immer ein Weg, wo ein Wille ist. :(
Ich merke das auch selbst schon immer mehr mit meinen 57 Jahren.
Es gibt Tage, wo es mir gesundheitlich so schlecht geht, das ich mich nur noch zurückziehen möchte und meine Ruhe haben will.
Und ich bin noch nicht mal im Rentenalter. :?
Mein Verständnis für die älteren Herrschaften wird immer größer, je älter ich selbst werde.

Es gibt aber auch Senioren, die wirklich noch aktiv am Leben teilnehmen wollen, ist ja auch klar und auch davon kennt jeder bestimmt welche.
Man kann das also nicht pauschal beantworten, sondern das ist sehr individuell.

Ich würde mal eher sagen, das Ziel sollte bei Senioren vielleicht eher ein lebenswertes Leben sein, nicht unbedingt die Mega-Aktivität an allem.
Und ein Leben im Halbsuff ist in meinen Augen kein wirklich lebenswertes Leben, es ist eher ein Vegetieren, und da bei älteren Menschen noch extremer,
vielleicht sogar schon ein Warten auf den Tod, denn der Alk macht so vieles in einem kaputt und bei Senioren hatte er oft schon Jahrzehnte Zeit, sein zerstörerisches Werk zu vollbringen.


Hartmut schrieb:
Nun mag es Gründe geben, die veranlassen den Alkohol dazu missbrauchen, jedoch wird ja keiner freiwillig Alkoholiker mit der Prämisse sich zu Tode zu saufen.
Das sehe ich ebenso. Auch die älteren Herrschaften, die ich diesbezüglich kennengelernt habe, hatten nicht diesen Plan, sich totzusaufen.
Ich denke, sehr viele Menschen rutschen da einfach immer tiefer rein, ohne sich darüber überhaupt bewußt zu sein.
Und es gibt sicher auch nicht wenige, die sich ihr Leben lang nicht eingestehen, ein Alkoholproblem zu haben, obwohl es überdeutlich sichtbar ist.
Das ist eben so.

LG Sunshine

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