Opfer oder Täter?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
kossi
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Opfer oder Täter?

Beitrag von kossi » 03.12.2017, 16:18

Hallo, in der Gruppe haben wir am Donnerstag diskutiert, waren wir Opfer oder Täter in unserer nassen Zeit.
Wir besprechen zur Zeit Abschiedsbriefe, alle auch ich sehen uns als Opfer, der Alkohol ein schlechter Freund. In einer Fortbildung, haben wir einen Brief zu lesen bekommen, in der der Schreiber sich zum Täter gemacht hat, indem er den Alkohol ausgenützt und immer mehr von ihm verlangte. Ein kleiner Auszug aus den Brief.

Ich hätte mir denken können, dass dies nicht gut gehen konnte. Irgendwie und irgendwann spürte ich das auch. Aber ich wollte nicht verzichten.

Heute freue ich mich darüber dass ich sie freigab. Denn letztlich profitiere ich davon wahrscheinlich sogar mehr als sie selbst, was irgendwie unglaublich ist.

Es wäre schön wenn wir darüber diskutieren könnten, für mich ist das sehr wichtig.

kossi

Hull
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Re: Opfer oder Täter?

Beitrag von Hull » 04.12.2017, 10:48

Guten Morgen,

ich war immer der Täter.

Den Alkohol missbrauchte ich, um bei gesellschaftlichen Anlässen und Kontakten am Wochenende zur "Höchstform" aufzulaufen. Diese Höchstform war zu Beginn harmlos, unterhaltsam und kontrollierbar; zum Schluss waren es strafbare Handlungen, die mittelfristig mein oder das Leben anderer ruiniert hätte.

Dass es sich um Alkoholmissbrauch handelt, war mir von Anfang an bewusst. Alles geschah vorsätzlich und ohne Verantwortung.

Wenn ich heute auf einer Veranstaltung bin und besoffene Menschen sehe, die sich nicht über ihren Alkoholmissbrauch bewusst sind, spüre ich nur noch Verachtung.

Grüße

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 04.12.2017, 11:00

Hallo Hull,

wenn du von Verachtung sprichst, dann verneinst du also für dich, dass es sich bei Alkoholismus um eine Krankheit handelt?

Thalia

Hull
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Beitrag von Hull » 04.12.2017, 13:10

Thalia1913 hat geschrieben:Hallo Hull,

wenn du von Verachtung sprichst, dann verneinst du also für dich, dass es sich bei Alkoholismus um eine Krankheit handelt?

Thalia
Hallo Thalia,

interessanter Gedankengang. :wink:

In meiner Welt ist Alkoholismus keine eigenständige Krankheit, sondern die fehlgeleitete Entwicklung aus einer Ausgangsbasis (biochemische Prozesse im Organismus), die uns erbbedingt mitgegeben und in der Kindheit stark geprägt wurde.

Die Verachtung bezieht sich dabei auf die Selbsttäuschung, bzw. den Fatalismus, den die meisten Menschen zur Rechtfertigung ihrer Niederlagen heranziehen. Wenn ein Mensch anfällig für den Alkohol ist, dann ist dies natürlich eine schlechte Ausgangsbasis, aber in keinem Falle eine Legitimation zur Resignation.

Grüße

Martin

Beitrag von Martin » 04.12.2017, 15:20

Hallo kossi,

als 1. möchte ich dich bitten in Zukunft nichts mehr aus anderen Gruppen hier zu zitieren, schreibe es mit eigenen Worten :!:

Sinn der Gruppen ist es doch dass das Gesprochene/Geschriebene nicht nach außen getragen wird.

Ich sah/sehe mich weder als Täter noch als Opfer, ich war und bin Alkoholiker.

LG Martin

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 04.12.2017, 15:57

als 1. möchte ich dich bitten in Zukunft nichts mehr aus anderen Gruppen hier zu zitieren, schreibe es mit eigenen Worten
Ich möchte mich dem anschließen.
Ich kenne es auch so aus meiner ehemaligen realen Gruppe,
das man sich mit dem Beitritt gleichzeitig verpflichtete, dort besprochenes nicht nach außen zu tragen.
Es ist also nicht okay, im www darüber zu schreiben.
Was in der Gruppe besprochen oder diskutiert wird, hat auch dort zu bleiben.
Es wäre schön wenn wir darüber diskutieren könnten, für mich ist das sehr wichtig.
Ich denke, ihr habt es bereits in der Gruppe diskutiert? :wink:

Hull schrieb:
In meiner Welt ist Alkoholismus keine eigenständige Krankheit, sondern die fehlgeleitete Entwicklung aus einer Ausgangsbasis (biochemische Prozesse im Organismus),
die uns erbbedingt mitgegeben und in der Kindheit stark geprägt wurde.
Aha.
Mir zeigen Deine Ausführungen, das Du Deine Krankheit noch nicht als solche anerkennen kannst.
Das wäre ein Punkt für Deine Trockenheitsarbeit, an der Du meiner Meinung nach arbeiten könntest, wäre nämlich wichtig.

Ansonsten noch zur Info: Alkoholismus ist seit den 50 Jahre eine anerkannte Krankheit. Und das hat auch seine Gründe.
Wenn ich heute auf einer Veranstaltung bin und besoffene Menschen sehe, die sich nicht über ihren Alkoholmissbrauch bewusst sind, spüre ich nur noch Verachtung.
Zu solchen Aussagen fällt mir nur noch genau 1 Satz ein:
"Hochmut kommt vor dem Fall."

LG Sunshine

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 04.12.2017, 16:04

Hallo Kossi,

vielleicht kannst du deine Frage nochmal ein bisschen genauer stellen bzw. ergänzend dazu erklären, was du darunter verstehst, wenn du sagst, du siehst dich als Opfer.

Und was ist wichtig für dich an dieser Unterscheidung?


Danke dir und Gruß

Thalia

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 04.12.2017, 16:26

Hallo nochmal Kossi,

anschließend zu meinen Fragen an dich hier mal meine Gedanken zu dem Thema:

Opfer zu sein hat für mich gerne mal was mit „keine Verantwortung übernehmen“ zu tun.

Klar, ich empfinde mich auch mitunter als Opfer, aber mir ist auch bewusst, dass mich das nicht weiterbringt. Es hilft mir nichts, mich als Opfer einer Krankheit zu fühlen. Als Opfer mache ich mich abhängig (wieder!) von Dingen, die außerhalb meiner Verantwortung, auch außerhalb meiner Einflussnahme liegen.

Wenn ich einmal alkoholkrank bin, kann ich das nicht mehr ändern, nicht mehr rückgängig machen. Aber ich kann die Verantwortung jetzt übernehmen, wie ich heute mit meiner Erkrankung umgehe. Das ermöglicht mir Handlungsspielraum. Das gibt mir Freiheit, auch innerhalb der Abhängigkeitserkrankung. Ich möchte Täter sein in Bezug auf mein eigenes Leben, und nicht Opfer.

Grüße
Thalia

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