MarinaLuz - Tag 1 im neuen Leben

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
MarinaLuz
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MarinaLuz - Tag 1 im neuen Leben

Beitrag von MarinaLuz » 14.12.2017, 13:44

BeitragVerfasst am: 13.12.2017, 13:06 Titel: Es muss ein Ende haben Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden
Liebes Forum,

Niemals hätte ich gedacht, dass ich hier einmal lande. Ich heiße Marina, bin 40 und Alkoholikerin. Das allein wohl zu schreiben, tut mir in der Seele weh.

Ich habe 37 Jahre ohne geringste Lust auch nur ein Glas zu trinken verbracht und auch heute trinke ich weder Bier, Wein oder sonstiges "Gesellschaftstaugliches". Es schmeckt mir nicht. Ich konsumiere Hochprozentiges in großer Menge, und das vier bis fünf Mal die Woche. Ich konsumiere nur alleine zuhause, wohne alleine, und nie in Gesellschaft. Niemand weiß im privaten Umfeld davon, niemand würde es merken, da ich wenn ich trinke sofort mein Handy abdrehe, damit ich keine Sachen anstelle. Körperlich bin ich wohl noch nicht abhängig, habe an den "freien" Tagen keine Entzugserscheinungen.

Wann sind diese freien Tage? Wenn ich abends aus bin um mich mit Freunden zu treffen. Dann kann ich nachhause gehen und gut isses.

WARUM bin ich da hineingerutscht? Das weiiß ich genau. Vor drei Jahren sind innerhalb von zwei Monaten zwei ganz nahe Menschen von mir gegangen. Einer durch unvermittelte Trennung für eine andere Frau mit Kind, der zweite durch eine Gehirnblutung.

Ich bin dann umgezogen und lebte erstmals in meinem Leben allein. Ich kam damit nicht zurecht, bekam mittelschwere Depression und Panikattacken. Dann begann mein Weg nach unten. Da ich wochenlang nicht schlafen konnte habe ich mit Selbstmedikation in Form des russischen Nationalgetränks. Und siehe da, ich konnte schlafen und fühlte mich befreit. So fing das an und ich wollte das immer öfter haben.

Als die Attacken stärker wurden ging ich ins Krankenhaus, wo man mir eine Traumatisierung attestierte und so begann ich mit einer ambulanten Traumatherapie, die gut anschlug. Ich konnte wieder arbeiten und war tagsüber auch relativ stabil. Aber abends gings immer wieder los, um genau die Uhrzeit als die Gehirnblutung stattfand. Ich konnte den Zusammenhang erkennnen.

Der Therapeutin hab ich dann irgendwann mal gebeichtet. Sie hat jahrelang in einer Suchthilfeeinrichtung bzw. einer Klinik gearbeitet. Sie konnte mir viel erklären, brachte Anregungen, SHG, ich war ein Jahr dort und dennoch habe ich weitergemacht. Ihr sagte ich, dass es gut ginge. Aber ich war nicht ehrlich. Ich wollte meine Entspannung nicht verlieren. Sehenden Auges und in vollem Bewusstsein mich selbst vernichten.

Ich weiß wirklich alles, kann mir meine Dynamiken erklären, kenne meine Muster. Habe einschlägige Literatur gelesen, konnte letztes Monat auch eine Woche, führe einen rein persönlichen Videoblog, kann alle Vorteile und Verbesserungen des Lebens ohne Trinken nennen. Weiß, wie ich Stress abbauen kann, was mir gut tut und was nicht.

Und trotzdem, ich wollte es nicht ändern. Jetzt aber ist sie da, die RIESEN Angst, körperlich draufzukommen. Noch ist es nicht so weit.

Darum möchte ich hier einen Schritt setzen. Für mich. Einen Ort, an den ich mich jeden Tag halten kann, wenn es 17.30 wird. Soziale Kontrolle.

Gestern war ich bei der Ärztin und habe mich geoutet.

Ich hoffe, es war nun nicht zu verwirrend. Danke
LG, Marina

MarinaLuz
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Beitrag von MarinaLuz » 14.12.2017, 13:48

P.S.: Zitat aus dem Vorstellungsbereich.

Heute fühle ich mich sehr komisch. Habe keine Entzugssymptome, aber dass ich mich gestern"geoutet", hier und bei meiner Ärztin,habe, macht mir sehr zu schaffen. Demütigend ist wohl der richtige Begriff . Traurig((.
Ich habe Angst und fühle mich wie ne Versagerin.

LG, Marina

MarinaLuz
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Beitrag von MarinaLuz » 14.12.2017, 13:53

Ach Ja,
Marina ist nicht mein tatsächlicher Vorname. Ich hoffe das macht nichts?!

Martin

Beitrag von Martin » 14.12.2017, 14:58

Hallo Marina,

weshalb fühlst du dich als Versagerin ?

Du hast einen sehr wichtigen Schritt gemacht um ein neues Leben zu beginnen.

Sei stolz auf dich dass du so ehrlich zu dir und deiner Ärztin warst.

LG Martin

MarinaLuz
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Beitrag von MarinaLuz » 14.12.2017, 15:49

Hallo Martin,

Ich denke, weil es jetzt offiziell ist und ich mir eingestanden habe, dass es tatsächlich so ist. Vorhang ist gefallen.
Heute geht es mir deswegen wirklich schlecht.

Danke
LG, Marina

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 14.12.2017, 18:06

Hallo!

Das Outing beim Doc und bei der Suchtberatung fielen auch mir schwer und hinterließen ein mulmiges Gefühl, aber nicht für lange. Anschließend überkam mich eine immense Erleichterung. Vielleicht stellt sie sich auch bei Dir ein. Warte noch mal ab. Du hast es genau richtig gemacht. Glückwunsch.

Gruß Carl Friedrich

Linde66
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Beitrag von Linde66 » 14.12.2017, 19:13

Hallo Marina und herzlich Willkommen hier im Forum.

Es ist völlig in Ordnung unter Pseudonym zu schreiben!

Lieber Gruß, Linde

MarinaLuz
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Beitrag von MarinaLuz » 14.12.2017, 19:14

Lieber Carl Friedrich,

Danke. ich gehe heute deswegen wie auf Wolken und nicht im positiven Sinn. Aber der erste Tag mit der kritischen Uhrzeit ist geschafft.

Morgen darf ich um eure Daumen bitten. Da steht ein Besuch mit meiner Mutter an. Nach diesen Besuchen, aufgrund des komplizierten Verhältnisses mit ihr (sie kritisierte zeitlebens alles und "meint es ja nur gut") führte der Weg nachhause immer über den Kiosk in meiner Strasse. Ich werde den Kiosk künftig meiden. Sehr oft habe ich mir dort den Stoff geholt, der nächste Supermarkt ist weit weg.

Ich hoffe, dass sich meine Nerven morgen beruhigt haben und ich den Besuch gut hinter mich bringe.

Hoffe auch, bald schlafen zu gehen, sodass mein Geist mit diesem großen schwersten Schritt des Outings umgehen kann

Danke,
LG,
Marina

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