Ich suche Hilfe für mich, brauche ich Hilfe?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Waldhaus
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Ich suche Hilfe für mich, brauche ich Hilfe?

Beitrag von Waldhaus » 19.12.2017, 03:31

Hallo, nun noch einmal an der richtigen Stelle:

"Hallo, weil ich ratlos bin, habe ich mich hier angemeldet.

Ich bin verwitwet. Mein Mann war trockener Alkoholiker.
Ich lebe in einer neuen Partnerschaft und werde den Verdacht nicht los, dass ich die Verhaltensweisen einer Co-abhängigen Partnerin weiterhin habe.

Mein neuer Partner trinkt keinen Alkohol. Er zeigt aber Verhaltensweisen, die ich versuche zu ignorieren, es könnte ja sein, nur ich sehe sie als auffällig an.

Mir fällt es schwer zu beschreiben, was mich kränkt.
Ich schlafe sehr wenig, wenn ich gekränkt wurde. Ich esse über meinen Hunger.
Ich wehre mich selten und wenn, dann bin ich schuld, es ist ja nicht so schlimm.

Ich habe Angst, vor Entscheidungen, wenn ich wieder zu stark zurechtgewiesen wurde.
Er ist ja nicht immer schlecht drauf und dann ein guter Partner.
Ich glaube er ist depressiv.

Ich brauche jemanden, der meine Wahrnehmungen bestätigt, der meine Gefühle in diesen Situationen ernst nimmt.

Ich bin im Moment müde, weil ich die halbe Nacht wach war und kann jetzt nicht mehr weiterschreiben.

Sicher habe ich jetzt kein vollständiges Bild von meiner Situation geschildert.

Es ist ein Anfang, um Klarheit für mich zu bekommen."


Ich war 35 Jahre verheiratet. Die letzten 10 Jahre hat mein Mann mit Hilfe von Therapie und Selbsthilfegruppen ein zufriedenes abstinentes Leben geführt.
Durch ihn habe ich viel über das Leben mit Alkohol gelernt.

Auch ich habe Selbsthilfegruppen besucht und gedacht, ich habe etwas über Co-Abhängigkeit verstanden. Hat sicher auch gestimmt, im Zusammenleben mit meinem Mann.

Nach seinem plötzlichen Tod war für mich alles anders. Ich habe mehrere Kuren im Laufe der Zeit bekommen, weil mein Leben nicht mehr in seiner bekannten Form funktionierte.

... und ich habe gemerkt, es war alles anders, als ich es verstanden hatte....


Nun habe ich einen Partner, der nicht trinkt und auch nie getrunken hat.

Mein Helfersyndrom besteht immer noch.
Das Motto des kleinen Prinzen ist super geeignet für Co-Abhängige.

"Du bist für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast."

"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ ... Verantwortung bedeutet immer das Beste für die zu wollen, die man sich vertraut gemacht hat, egal ob es Familie oder Freunde oder Tiere sind. ... ,

....das war und ist mein Lebensmotto geblieben.


Ist es wirklich das Beste für mich?

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 19.12.2017, 10:44

hallo Waldhaus,

herzlich Willkommen bei uns im Forum.
Ich brauche jemanden, der meine Wahrnehmungen bestätigt, der meine Gefühle in diesen Situationen ernst nimmt.
Nimmst du denn deine Gefühle ernst?
Das war und ist auch bei mir immer noch Thema. Ich glaube, das hängt auch oft von meiner Tagesform ab, ob ich meinen Gefühlen traue oder nicht.
Bei mir hat es Situationen gegeben in denen ich ein bestimmtes Gefühl hatte, welches ich aber gleich wieder verworfen habe, weil ich dachte, das kann nicht sein.
Vielfach wurde ich später bestätigt.
Dieses Mißtrauen gegenüber den eigenen Gefühlen reicht glaube ich, lange zurück.
Ich hatte zum Bsp. immer das Gefühl nicht gut genug zu sein, schon seit Kindertagen.
Das hat sich tief festgesetzt, später dann in der Ehe mit einem nassen Alkoholiker empfand ich mich zeitweise wie auf einer Gefühlsachterbahn.
Ich wußte eigentlich selten, was richtig und falsch war, waren es meine Wahrnehmungen oder die meines xy.
Für mich war es sehr wichtig, erst einmal zu lernen meinen Gefühlen zu vertrauen, oder anfangen es zu lernen, bin ja noch dabei.
Dazu gehört es auch, das ich mir meine Gefühle nicht mehr "ausreden" lasse, sie quasi als meine verteidige.
Denn es sind meine Gefühle, und die sind für mich erst einmal richtig und wichtig.
Das sehe ich heute auch als eine Verantwortung, die ich mir gegenüber habe.
Das mit dem vermehrten Essen kenne ich sehr gut, aber das macht mich immer nur noch trauriger. Es ist ein altbekanntes Muster, jetzt ist Zeit zum umdenken Schritt für Schritt, nic ht alles auf einmal ändern wollen.

lg Morgenrot

Waldhaus
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Ich suche Hilfe für mich, brauche ich Hilfe?

Beitrag von Waldhaus » 19.12.2017, 16:59

Danke liebe Morgenrot für die schnelle und nette Antwort.

Deine Frage, ob ich meine Gefühle ernst nehme, ist berechtigt.
Das wird in der nächsten Zeit meine selbst gestellte Aufgabe sein. Na gut; meine Gefühle ernst nehmen; bestimmt mache ich das.

...

Wichtiger wird es sein, mich auch zu äußern. Niemand kann erraten, wie es mir geht.

Hier beim Schreiben wird mir bewusst, dass ich mich fürchte, etwas über mich zu äußern. Am Besten bin ich bisher durchs Leben gekommen, wenn ich Niemandem von meinem Innersten erzählt habe.

Der Einzige, bei dem ich Urvertrauen hatte und aufbauen konnte, war mein Mann, bevor er exzessiv getrunken hat und nachdem er trocken war. Das ist jetzt 14 Jahre her, seit er mich verlassen musste.

Mein neuer Partner hat selbst kein Urvertrauen und wurde oft enttäuscht.
Im Alter haben wir alle Schrammen und Narben. :?

Ich habe Furcht vor Kritik, mit der ich schon als Kind unwahrscheinlich verletzt wurde.

Es wurde nie ernst genommen und ich war immer in Verteidigungshaltung.
"Was Du da wieder siehst und hörst, es war doch gar nicht so gemeint"

Wer mich ernst nimmt, hört mir auch zu und fragt auch mal nach, wie ich es meine. Das werde ich jetzt bei meinem neuen Partner üben müssen.
Leider hat er depressive Phasen, die er aber leugnet. Vor sich selbst und vor anderen.
Dabei hat er vor Jahren sogar eine Therapie gemacht. Das ist für Ihn aber kein Thema mehr. :roll:
Gar nicht so leicht. Leichte Ansätze habe ich schon gemacht.

Wegrennen ist zu spät. :roll:
Das hört sich alles so abgeklärt an, wenn aber eine Situation da ist, dann könnte für mich eine Welt zusammenbrechen. :-(

Ich glaube, ich habe den richtigen Ort gefunden, wo ich mich so äußern kann.

Ich dachte, das wird mir nie wieder passieren, und nun holt mich die Vergangenheit wieder ein.

Also, noch einmal danke für die nette Aufnahme in diesem Forum.

Charlotte

Waldhaus
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Ich suche Hilfe für mich, brauche ich Hilfe?

Beitrag von Waldhaus » 20.12.2017, 23:28

Seit gestern liege ich im Bett mit Gliederschmerzen, Husten und Fieber.

Ich habe mal ein wenig in diesem Forum rum gestöbert.

Werde ich es wirklich schaffen die Verantwortung für andere los zu lassen, mich nicht immer für alles verantwortlich zu fühlen?

Es sind mehrere Probleme die ich bewältigen muss.

Waldhaus
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Beitrag von Waldhaus » 20.12.2017, 23:36

[quote="Morgenrot"]hallo Waldhaus,

herzlich Willkommen bei uns im Forum.

[/quote]
Für mich war es sehr wichtig, erst einmal zu lernen meinen Gefühlen zu vertrauen, oder anfangen es zu lernen, bin ja noch dabei.
Dazu gehört es auch, das ich mir meine Gefühle nicht mehr "ausreden" lasse, sie quasi als meine verteidige.
Denn es sind meine Gefühle, und die sind für mich erst einmal richtig und wichtig. [/quote]


Liebe Morgenrot, das werde ich lernen müssen.

Meine Zweifel sind manchmal groß :(

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 21.12.2017, 00:43

liebe Waldhaus,

ich kann dich in deinen Zweifeln sehr gut verstehen, denn ich habe sie selbst durchlebt und tue es teilweise heute noch.
Du kannst nicht alles auf einmal neu "lernen", es braucht Zeit.
Meine Selbszweifel wurden früh gesät, und haben feste Wurzeln. Diese Wurzeln haben ja auch ihre Funktion gehabt, deshalb auf keinen Fall alle herausreißen.
Jetzt kurier dich erst einmal aus, dafür wünsche ich dir gute Besserung, das ist schon die erste Verantwortung, die du für dich übernehmen kannst.
Gib dir Zeit zum genesen.

lg Morgenrot

Aurora
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Beitrag von Aurora » 21.12.2017, 09:11

Liebe Charlotte,

willkommen hier :D !

Ich finde mich in vielem was du schreibst wieder.

Viele unserer heutigen Dinge haben ihre Wurzeln in unserer Kindheit, in bestimmten Prägungen. Und da ist es sehr, sehr schwer, neue Wege daraus zu machen.

Aber es ist auch nicht aussichtslos, dass da was geändert werden kann und das macht Mut.

Wie Morgenrot das schon schrieb fängt die Selbstverantwortung bei dir an und du machst es gut, wenn du auf deinen Körper hörst und dich nun auskurierst.

Das ist nämlich auch nicht selbstverständlich. Ich kann da von mir reden, ich bin fast immer über meine körperlichen Grenzen gegangen. Krank sein - darf nicht sein. Das konnte ich mir gar nicht erlauben.

Ich wünsche dir nun gute Besserung!

Liebe Grüße
Aurora

Waldhaus
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Beitrag von Waldhaus » 23.12.2017, 08:33

Guten Morgen liebe MitstreiterInnen.
Danke für die lieben aufmunternden Antworten.

Erst einmal werde ich noch das Bett hüten, auch wenn morgen Weihnachten ist, die Wohnung nicht glänzt (ein wenig unangenehm ist es mir doch) und auch mein Partner das Bett hüten muss. Ich habe ihn angesteckt.

Ich wünsche allen schöne, friedliche und gesunde Feiertage.

LG Charlotte

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