ein erster Schritt

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
selena
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ein erster Schritt

Beitrag von selena » 04.01.2018, 21:17

Hallo,

danke für die Freischaltung.

Ich übernehme jetzt erstmal meinen Text aus dem Vorstellungsbereich.

Ich habe es endlich gemacht, den ersten Schritt in die richtige Richtung und auch, wenn sich alles noch sehr seltsam anfühlt und mich auch viele Dinge verunsichern, so fühlt es sich doch gut an, den Schritt gegangen zu sein.

Zu mir: Ich trinke schon lange, seit etwa 10 Jahren viel zu viel und seit etwa 5 Jahren weiß ich, dass ich ein ernsthaftes Problem habe. Bisher habe ich es immer alleine versucht mit dem Trinken aufzuhören und habe auch Nichttrinkerphasen gehabt, bin dann aber immer wieder angefangen.

Im Sommer habe ich mal wieder aufgehört zu trinken und habe auch 4 glückliche (?) Monate ohne Alkohol verbracht. Gerade im Nachinein fand ich diese Zeit super, weil ich endlich das tun und lassen konnte, was ich wirklich wollte.
Und dann bin ich wieder angefangen und landetet ganz schnell bei dem üblichen Konsum. Unter der Woche jeden Abend einen Liter Wein, am Freitagabend auch , dann am Samstag gleich Mittags anfangen bis zum Abend 2 Liter. Sonntags gemäßigt, damit ich am Montag wieder arbeiten konnte.

Und dann kam das Wochenende vor Weihnachten, an dem ich am Sonntag nicht aufgehört habe, sondern stumpf den Pegel gehalten habe, bis ich am Mittwoch absolut nicht mehr konnte und mir endlich Hilfe gesucht habe. Ich war zuerst im Krankenhaus, durfte aber dann wieder nach Hause und bin am Freitag für 8 Tage in eine Entzugsklinik gegangen.

Das war für mich ein absolut schwerer Schritt, aber ich wollte endlich mal an meine Familie, vor allem an die Kinder, denken, denn so war ich an Weihnachten zwar nicht zu Hause, aber ich glaube, dass das viel besser war, als eine betrunkene Mutter an Weihnachten zu haben. Und ich hoffe, dass wir so im nächsten Jahr ein viel schöneres Weihnachten haben werden, als dieses geworden wäre, wenn ich nicht gegangen wäre.

Seit knapp einer Woche bin ich wieder zu Hause bzw. war mit meiner Familie über Silvester in den Bergen. Irgendwie rast und schleicht die Zeit gleichzeitig vor sich hin ...

Das war es fürs erste. Ich freue mich darauf, darüber sprechen zu können und mich auszutauschen.

Selena

Martin

Beitrag von Martin » 04.01.2018, 22:00

Hallo Selena,

gut dass du die Einsicht hattest in einer Klinik zu entgiften.

Alles andere ist nur halbherzig und viel zu gefährlich, du willst ja dass es dir besser geht.

Wenn du Fragen hast dann stell sie einfach, es gibt keine dumen Fragen, nur dumme Antworten :lol:

Und wenn die Frage schon 100x gestellt wurde, wir beantworten sie auch zum 101. mal.

LG Martin

Dante
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Beitrag von Dante » 04.01.2018, 23:18

Hallo selena & Willkommen im Forum! :D

Um die Zeit zu bändigen würde ich einfach jeden Tag hier etwas schreiben, selbst wenn es belanglos erscheint oder ist.
Es hilft, den Kopf zu sortieren.

selena
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Beitrag von selena » 05.01.2018, 08:49

Guten Morgen,

danke für das Willkommen und das 101ste Antwortangebot. Es ist irgendwie schwierig hier zu schreiben, weil man dann aufhören muss sich und andere zu belügen. Gute Freunde und meine kleine Schwester wissen ja schon länger "Bescheid" , mit denen zu sprechen ist aber irgendwie einfacher gewesen, weil man sich selbst und denen dann Sachen schön reden kann - versteht ihr, was ich meine?

Ich will mich selber und andere gar nicht mehr belügen, dafür ist es jetzt auch zu spät, denn meine Eltern haben mich in die Klinik gefahren und dann beim weihnachtlichen Familientreffen (Eltern, Geschwister und meine Nichten und Neffen) war ich dann ja auch nicht da und habe meine Geschwister vorher informiert und sie gebeten mit ihren Kindern zu sprechen, damit meine Beiden keinen seltsamen Fragen ausgesetzt sind - die Situation war eh schon seltsam genug für sie.

Mein Mann war einfach nur froh, dass endlich etwas passiert. Und räumt seitdem immer die Spülmaschine ein und aus ':D' - hätte ich das vorher gewusst.


An Silvester ist mir aufgefallen, dass dies mein 3. Silvester hintereinander ohne Alkohol war. Irgendwie hat mich das frustriert, also nicht weil es ohne Alkohol war - im Gegenteil, total voll durch die Gegend zu laufen macht einfach keinen Spaß und den Zustand angeheitert sein kenne ich eigentlich gar nicht (mehr), ich kenne nur nüchtern oder voll und nüchtern ist mir 1000 Mal lieber - sondern weil ich spätestens 2 Monate danach wieder angefangen habe zu trinken.

Und ich habe eigentlich keine Ahnung, wie ich dafür sorgen kann, dass ich nicht wieder anfange zu trinken. Also ich habe viel darüber gelesen und weiß theoretisch Bescheid, aber irgendwann setzte das aus und ich habe mir eine Flasche Wein gekauft. Und eigentlich weiß ich nicht wirklich warum. Also ich kann mir im Nachinein Gründe konstruieren, aber irgendwie fühlen die sich auch konstruiert an.

Ja, ich wünsche mir einen Schalter, den ich umlegen kann und dann muss ich nie wieder Alkohol trinken. Tja und den gibt es leider nicht.

LG
Selena

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 05.01.2018, 13:40

Hallo Selena,
Wie schön, das Du hergefunden hast :D
Willkommen im Forum.

Ich erkenne mich im Verlauf Deiner Geschichte in einigen Punkten ziemlich gut wieder.

Und ich picke mir hier mal ein paar Punkte kurz raus, weil ich gerade etwas in Zeitnot bin.
Es ist irgendwie schwierig hier zu schreiben, weil man dann aufhören muss sich und andere zu belügen.
Das mag am Anfang schwierig erscheinen, ist es aber nicht wirklich, denke ich. :wink:
Schau, wir Alkoholiker sind hier doch alle gleich betroffen, habe das Gleiche oder sehr ähnliches in der nassen Zeit erlebt.
Es gibt keine Veranlassung, sich zu schämen, wir kennen das doch alles selbst.
Du musst Dich auch vor anderen nicht zu schämen, jeder kann suchtkrank werden.
Alkoholkrank oder anderweitig Suchterkrankt.
Was meinst, Du, wie viele Menschen von Süchten betroffen sind?
Das ist nichts, wofür man sich schämen muss, es kann eben passieren und uns hier ist es passiert.

Für mich war es wohl die größte Erleichterung meines Lebens, nicht mehr lügen zu müssen.
Denn das war für mich die größte Belastung, die der Suff mit sich brachte.
Ich hasse Lügen, und ich habe für den Alk oft gelogen und mich am Ende natürlich auch dafür selbst gehasst, weil ich es tat.

Das mit der Entgiftung hast Du gut gemacht. Es war das richtige.
Du hast endlich Hilfe angenommen. Weil Du da allein nicht mehr raus kamst.
Und so ist das auch mit Suchterkrankungen, da kommst Du allein nicht mehr raus.
Ich habe es selbst so oft versucht und bin immer wieder kläglich gescheitert.

Bei mir war übrigens auch die ganze Familie froh, das ich meine Krankheit stoppen konnte.
Aber erstmal mußten sie begreifen, das ich wirklich suchterkrankt bin.
Und nicht ein paar mal zu viel getrunken habe... denn so war es ja auch nicht.
Mein Mann war auch sehr erleichtert.
Und ich kann im Grunde auch sagen, das wir danach nochmal zusammen ein neues Leben angefangen haben.
Und zwar ein verdammt schönes Leben !
Es gab und gibt natürlich auch weiterhin mal diese und jene Probleme, aber alles ist ohne Alk besser zu lösen.
Und ich habe eigentlich keine Ahnung, wie ich dafür sorgen kann, dass ich nicht wieder anfange zu trinken. Also ich habe viel darüber gelesen und weiß theoretisch Bescheid, aber irgendwann setzte das aus und ich habe mir eine Flasche Wein gekauft. Und eigentlich weiß ich nicht wirklich warum. Also ich kann mir im Nachinein Gründe konstruieren, aber irgendwie fühlen die sich auch konstruiert an.
Ich denke, eine gute Maßnahme wäre, hier zu bleiben und tüchtig zu schreiben.
Und sich evtl. zusätzlich noch eine reale SHG zu suchen bei Bedarf.
Am Ball bleiben ist so sehr wichtig, denke ich.
Nicht nur am Anfang, sondern für immer.
Nicht jeder braucht dazu lebenslang eine SHG, das sieht man dann mit der Zeit.
Aber am Anfang ist sie unheimlich wichtig, so würde ich zumindest sagen.
Und man sollte NIE beginnen, die Krankheit zu verharmlosen.

selena, ein kleiner Tipp von mir, wenn Du ein paar Euros entbehren kannst (versoffen haben wir ja auch Unmengen)...
Überlege Dir, ob Du in den Geschlossenen Bereich kommen möchtest, denn dort ist der Austausch sehr viel intensiver als im offenen Bereich.
Und ich denke, das Du intensive Begleitung brauchst.
Es kostet ein bisschen was, ist aber sicher ne gute Sache, ganz besonders für nen Frischling wie Dich.
Und wenns nicht gefällt... dann ist das eben so.
Aber n Versuch ist es ganz sicher wert.

Es gibt dort auch nicht nur intensiveren Austausch, sondern auch Freitzeitbereiche und andere Angebote, beispielsweise auch einen Notfall-Chat.
Und es ist dort vor allem sehr viel persönlicher, weil nicht das ganze www mitlesen kann sondern nur die Forenmitglieder aus dem Erweiterten Bereich.
So kann man sich sehr viel besser öffnen und über alles schreiben, was einen so umtreibt.

LG Sunshine

selena
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Beitrag von selena » 06.01.2018, 10:33

Danke Sunshine, ich werde es mir überlegen mit dem geschlossenen Bereich, weil ich auch wirklich Unterstützung brauche. Ich weiß, dass ich alkoholabhängig bin, aber mir fehlt selber die Einsicht, dass das auch bei mir eine Krankheit ist und dass mir Hilfe und Unterstützung zusteht, weil ich krank bin.

Mir fehlt momentan die komplette Euphorie der anderen Nichttrinkerphasen (da die Hoiffnung ja zuletzt stirbt, hoffe ich, dass das ein Zeichen ist, dass ich diesmal wirklich etwas ändere, aber eigentlich wäre ich lieber euphorisch :( ) und ich bin nicht depressiv oder so, aber es zieht sich alles wie Kaugummi und ich vermisse den Elan, den ich sonst habe. Ja natürlich hatte ich auch keinen Elan, wenn ich betrunken auf dem Sofa lag oder einen bösen Kater hatte, aber sonst war ich nüchtern immer voll aktiv und jetzt sitze ich da so rum und komme nicht aus dem Quark. Das nervt mich.

Die Vorstellung nie wieder Alkohol trinken zu müssen, finde ich immer noch fantastisch toll. Ich finde auch die Vorstellung beim Essen "ein gutes Glas Wein" zu trinken ganz absurd, weil ich schon ewig nicht mehr ein Glas Wein getrunken habe, sondern immer die Flasche und dann hat man von dem ganzen schönen Essen nichts. Und ich war auch immer der Alleinetrinker und weiß wie gut Partys sein können, wenn man da keinen Alkohol trinkt. Schlecht werden die Partys ohne Alkohol nur dann, wenn man sich danach zu Hause volllaufen lässt, weil man ja dann eigentlich nur nach Hause und trinken möchte. Ich bin schon die letzten 2 Jahre zu keinen Partys mehr gegangen, bei denen Trinken im Vordergrund steht und ich werde jetzt auch zu keinen mehr hingehen, bei denen zwar das Trinken im Hintergrund steht, aber ja trotzdem getrunken wird und zwar mit einer völligen Selbstverständlichkeit. Ich glaube das macht mir innerlich viel mehr zu schaffen, als vollständig Betrunkene.

LG

Selena

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 06.01.2018, 11:14

Hallo Selena,

bist du in deiner Entzugsklinik nicht vielleicht über die Möglichkeiten einer Entwöhnungstherapie informiert worden? Das geht stationär oder ambulant und könnte dir eine gute Hilfe sein.

Alles Gute,
Thalia

selena
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Beitrag von selena » 06.01.2018, 13:26

Hallo Thalia,

doch in der Klinik hat man viel mit mir über mögliche Therapien und wie es weiter geht, weil das ja nur der Anfang gewesen sein kann, gesprochen. Es war auch eine Psychologin von einer ambulanten Suchtstation da, bei der ich einen Termin habe, der leider erst im Februar ist, aber ich habe jetzt gar keine Sorge, dass ich bis Februar wieder anfangen könnte zu Trinken, zumal mir die Klinik auch angeboten hat, dass ich jeder Zeit "einfach so" vorbei kommen könnte, um an Gruppensitzungen teilzunehmen und man mit mir einen konkreten Plan bei möglichen Rückfällen bis dahin erarbeitet hat.

Ich glaube, dass Problem bin ich einfach selber - tja das ist man ja meistens.

Das absolute Tief von gestern und heute morgen ist aber überwunden, weil ich mich endlich selber in den Hintern getreten habe und endlich die Küche geputzt habe und je sauberer sie wurde, desto besser meine Laune!

LG
Selena

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