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Fragen an einen Alkoholiker

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Danja
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Beitrag von Danja » 19.02.2018, 18:11

Aurora hat geschrieben: Ich fühlte mich dann hintergangen, verar.scht. Als blöd hingestellt. Das Verstecken habe ich also auf mich bezogen, dass er mich absichtlich täuschen wollte. So nach dem Motto: die Blöde soll mal denken, ich sag der eh nicht, was Sache ist.

Aurora
Das habe ich genau so empfunden und das hat das Fass bei mir zum Überlaufen gebracht. Ich kann für zwei arbeiten, ich hatte gelernt ohne Zuneigung zu leben glaub bloss nicht, dass ich mich weiter für dumm verkaufen lasse! Ich habe das als persönliche Beleidigung empfunden. Was er dabei gedacht und empfunden hat? Keine Ahnung. Ich habe genau das gefragt. Was er sich denkt, wenn er sich in einer Rumpelkammer Alk rein schüttet und dann die Flasche versteckt. Die Antwort wurde ausdrücklich verweigert das war in der Zeit der Trennung auf Zeit und hat mich ein ganzes Stück näher zur endgültigen Trennung gebracht.

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 19.02.2018, 19:03

Hallo,
ich möchte an dieser Stelle nochmal drauf hinweisen, das das typische Verhalten von nassen Alkoholikern wenig bis gar nix mit dem Partner zu tun hat.
Auch an anderen Stellen hier im Forum kann man das immer wieder nachlesen.
Das der Partner das aber anders empfinden kann, ist mir auch verständlich.
Besonders ein CO bezieht ja immer alles auf sich, wie ich hier auch immer wieder nachlesen kann.
Daran sieht man auch, das das CO-Verhalten nicht unbedingt mit dem Säufer zu tun hat, sondern mit dem eigenen geringen Selbstwertgefühl.
Der Alkie ist daran also nicht grundsätzlich "schuld". Denn das Verhalten ist ja im CO schon so drin.
Und wird halt durch den nassen Alkoholiker aktiviert.

Warum versteckt man die Pullen?
Weil es einem peinlich ist, saufen zu müssen und weil man das "Rumgelaber" des Partners möglichst vermeiden will.
Denn als solches empfinden wir das als nasse Alkoholiker.
Das bedeutet aber nicht, das man den Partner für dumm hält. Insgeheim weiß man sogar oft, das er recht hat.
Aber die Sucht lässt nicht zu, die Hosen runter zu lassen. Denn dem "müsste" ja dann auch mal ne Handlung folgen.
Das aber wollen wir doch vermeiden... bloß nicht handeln !
Sondern wir wollen weiter saufen ! So einfach ist das. Und ebenso zerstörerisch.
Für uns selbst und natürlich ebenso für die Beziehung.

LG Sunshine

Danja
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Beitrag von Danja » 19.02.2018, 19:17

Hallo Sunshine,

Vielen Dank für Deine Antwort und generell Deine Beiträge! Sie haben mir über Monate seht geholfen, 'nasses Denken' besser zu verstehen.

Ein wenig will ich Dir aber auch widersprechen... Man muss kein Co sein um wütend zu werden wenn man belogen wird. Nimmt das irgendjemand nicht persönlich? Als ich dann mit meiner 'policy of truth' gebrochen und meinerseits Dinge verschwiegen und mit mir allein ausgemacht habe war die Empörung jedenfalls groß...

LG

Danja

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 19.02.2018, 23:10

Vielen Dank für Deine Antwort und generell Deine Beiträge! Sie haben mir über Monate seht geholfen, 'nasses Denken' besser zu verstehen.
Gerne :)
(Auch wenn es um ein eher trauriges Thema geht)
Freue mich, wenn ich weiterhelfen kann. Und es ist immer wieder überraschend, von wem man so gelesen wird.
Wußte ich ja gar nicht.
Man muss kein Co sein um wütend zu werden wenn man belogen wird. Nimmt das irgendjemand nicht persönlich?
Ja stimmt schon, es ist wohl keiner besonders scharf drauf, von seinem Partner (oder überhaupt) belogen zu werden.
Das macht einen schon erstmal sauer, und das ist bei mir sicher auch so.
Aber ich würde das nicht so sehr auf mich persönlich beziehen, oder mich deshalb irgendwie minderwertig fühlen.
Ich würde schon nachfragen, warum ich belogen wurde, aber nicht gleich "Schuld" bei mir suchen.

Mein Mann hat übrigens meine Sauferei und die damit verbundenen Lügen auch nicht auf sich persönlich bezogen, soweit ich das weiß.
Er hat sich gegen meine Sauferei fast immer abgegrenzt, innerlich wie auch räumlich.
Hat aber auch nix geholfen, das ich mit dem Saufen aufhöre.
Ich war damals noch nicht so weit, wollte den ernst der Lage auch noch nicht sehen.
Er hätte also tun können, was er will, es hätte mich nicht wirklich interessiert.
Es ist ergo für einen nassen Alkie eigentlich egal, wie sich ein CO verhält und es ist auch egal, wie sich ein Un-CO verhält.

Nur leider tut sich ein CO selbst keinen Gefallen, wenn er das Saufverhalten (und auch die Lügen) auf sich persönlich bezieht.
So entsteht ja oft noch mehr Schaden am eigenen Selbstwertgefühl, denn das ist ja oft recht angeschlagen oder hat sich aufgrund der eigenen Geschichte
gar nicht richtig entwickeln können.

LG Sunshine

Aurora
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Beitrag von Aurora » 20.02.2018, 13:47

Liebe Sunshine,

als ich mit meinem nassen Ex in dieser Suchtspirale drin hing wusste ich leider von all dem nichts. :( . Also vom nassen Verhalten ebenso wenig wie von meinem Co-Verhalten.

Und da mir halt immer wieder vorgehalten wurde dass ich Schuld hätte an seinem Saufen habe ich das auf mich bezogen und geglaubt und mich total minderwertig und unwert gefühlt. Wir passten eben mit unseren Verhaltensweisen zusammen wie zwei Puzzleteilchen, ich mit meinen Persönlichkeitsmerkmalen und er mit seinen.

Es war daher für mich eine Offenbarung, als ich hier im Forum ankam und las, dass es nicht an mir liegt und niemals lag sondern an der Sucht, wie er sich verhalten hatte. Das war, als hätte man mir eine Tonnenlast von den Schultern genommen!

Deine Geschichte war übrigens die erste Alkoholiker-Geschichte, die ich damals hier gelesen habe... und sie hat mich sehr beeindruckt. Es ist daher sehr wichtig, sich auch mit der "Gegenseite" zu beschäftigen. Das meiste über Alkoholismus habe ich durch euch trockene Alkoholiker erfahren und gelernt!

Ich finde es deshalb auch toll, das hier in unserer Gruppe alles gemischt ist. So schmoren nicht die Alkis in ihrer Brühe und die Cos ebenfalls nicht in ihrer eigenen. Es trägt sehr zum Verstehen bei.

Aurora

Danja
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Beitrag von Danja » 21.02.2018, 18:15

Hallo Sunshine,

da haben wir beide uns wohl falsch verstanden bzw habe ich zuerst Aurora falsch verstanden. Ich habe mich nie ob des Saufens oder der Lügen minderwertig oder schuldig gefühlt und sie in diesem Sinne persönlich genommen. Ich bin darüber in Co-Verhaltensweisen gerutscht, dass ich diese lange überhaupt nicht persönlich genommen habe.

Mein Ex wurde als Kind schwer misshandelt und war sowohl depressiv wie auch traumatisiert. Das hat er auch nicht nur erzählt, alle meine Berührungspunkte mit seiner Familie bestätigten das. Daher habe ich viel zu lange alles hingenommen und ihm alles abgenommen weil man einem misshandelten Kind eben hilft.

An den Punkt zu kommen zu sagen 'die nächste Pulle Wein ist ihm mehr wert als ich es je sein werde' und 'meint er eigentlich, dass ich so dumm bin und ihm das glaube/noch mal glaube' war für mich die notwendige Voraussetzung für die innerliche Trennung. Beides einmal auszusprechen war schwierig aber eine Erlösung. Nichts zerstört dumme Tagträume wie schön denn alles sein könnte so schnell und endgültig, wie laut auszusprechen: Ich bin für ihn weniger wichtig als seine nächste Pulle Alk. Ich konnte das nicht sagen und fühlen und wie gehabt weitermachen.

LG!

Danja

Moony007
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Moony007 » 07.12.2018, 13:40

Hallo liebe Alkoholiker und Co's,

ich selbst bin Co. und auch wenn ich weis, dass es eigentlich müßig ist, würde ich so gerne viel mehr nachvollziehen und verstehen können. Ich lebe in einer mehr als unglücklichen Beziehung aus der ich mich lösen möchte und hoffe, dass es mir hilft wenn ich das ein oder andere geordnet bekomme.

Konkret zu meiner Frage:

Mein Freund hat in unregelmäßigen Abständen Trinkphasen; ca. 2 Flaschen harter Alkohol wie Schnaps und Wodka pro Tag, Promille Level im Schnitt 4,0 pro Tag. Das ca. 1-2 Wochen, dann ab in die Entgiftung, einige Wochen trocken, dann wieder das Ganze von Vorne. Längste trockene Phase 3,5 Monate. Da meinte er dann auch; siehst du, ich kann es doch lassen mit dem Trinken :?

In der Entigftung und kurz danach Reue, absoluter Wille aufzuhören der dann aber mit jedem Tag nachlässt. Unregelmäßiger Besuch bei SHGs.
Kürzlich der Spruch: Moony, du verhältst dich aber auch jedes Mal falsch und setzt mich unter Druck, lass mich doch einfach trinken ich geh doch dann ein paar Tage später sowieso entgiften. Und falls, also ich bin mir eigentlich sicher, dass es nicht passiert, aber falls dochd dann mach XYZ...Und dann folgen Ratschläge wie ich mich besser in der Situation verhalten soll. Oder eine Aussage war: ich denk mir immer, es muss doch möglich sein, dass ich mal 1 Jahr trocken bleib damit ich meinen Führerschein bekomme.

Ich bekomme bei solchen Aussagen regelmäßig die Krise und sage ihm, dass das nicht nur für den FS sein sollte usw... dann wird er unwirsch und meint: ich will jetzt nicht drüber reden, lass mich in Ruhe.

Aus eurer Erfahrung raus: Ist hier wirklich schon die Bereitschaft gegeben, aufhören zu wollen? Diese Aussagen & Verhaltensmuster finde ich sehr nass, trotz Beteuerung, dass er "eigentlich" nicht mehr trinken will.

Ich weis, man kann dies nie pauschalisieren, aber würd mich trotzdem über eure Erfahrungen freuen.

LG Moony

Sandstrand2
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Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Sandstrand2 » 07.12.2018, 14:50

Liebe Moony,
meiner Einschätzung nach würde ich die Frage verneinen, die Bereitschaft Deines Partners reicht nicht aus. Ich bin gerade aus einer Co-Beziehung raus, wie Du bei mir nachlesen kannst, unfreiwillig, die Trennung kam von ihm. Mein Ex war fast 7 Jahre trocken und ich dachte so ernsthaft, dass er es geschafft hätte, dass ich zwei Kinder mit ihm bekommen habe. Seit er wieder trinkt, hat er sich von mir abgewendet... auch wenn ich gerade eben noch einmal eine Liebeserklärung bekommen habe, ändert das nichts an der Tatsache, dass er bei der Neuen bleibt und trinken kann... 2 Flaschen Schnaps oder Wodka sind schon extrem viel, bei meinem waren es täglich (ohne Pausen, Spiegeltrinker) mindestens drei Flaschen Wein... er hat seinen absoluten Tiefpunkt gebraucht und ein alternatives Suchtmittel, um 'trocken' zu werden... und wie Du siehst, es hat auf Dauer trotzdem nicht gereicht...
Traurige Grüße
Sandstrand

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