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Fragen an einen Alkoholiker

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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sue05
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von sue05 » 07.12.2018, 15:00

Hallo Moony,

ich verstehe die Frage nicht ganz? Laut dem, was Du schreibst, will Dein Freund offenbar doch gar nicht (dauerhaft!) aufhören zu trinken, oder verstehe ich das falsch? Also ich beziehe mich jetzt auf:

"...laß mich doch einfach trinken, ich geh doch dann ein paar Tage später sowieso entgiften" oder
"...ich denk mir immer, es muss doch möglich sein, dass ich mal 1 Jahr trocken bleib damit ich meinen Führerschein wieder bekomme"

Wo siehst Du da denn Bereitschaft für dauerhafte, ernstgemeinte Abstinenz?
Du schreibst, Du willst Dich aus der Beziehung lösen. Wo liegt das Problem? Also wieso trennst Du Dich dann nicht?
Irgendwie versteh ich Dich nicht - oder steh ich auf dem Schlauch??

lg Sue

Speranza
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Speranza » 07.12.2018, 15:04

Hallo Moony!

Ich bin Angehörige hatte aber beruflich viel mit Alkoholkranken zu tun.
Mein Freund hat in unregelmäßigen Abständen Trinkphasen; ca. 2 Flaschen harter Alkohol wie Schnaps und Wodka pro Tag, Promille Level im Schnitt 4,0 pro Tag. Das ca. 1-2 Wochen, dann ab in die Entgiftung, einige Wochen trocken, dann wieder das Ganze von Vorne.
Ich würde sagen dein Freund spielt mit seinem Leben und mit seiner Gesundheit. In meinen Augen ist er Hardcore-Alkoholiker und ein Drehtürpatient und meilenweit davon entfernt aufhören zu wollen. Die hohe Promillezahl zeigt an dass er schon sehr abhägig ist sonst würde er solche Mengen Alkohol aufeinmal gar nicht vertragen.

Du selbst meinst du bist Co-abhängig. Ich denke mal es stört und ärgert dich und macht dich traurig dass er soviel trinkt. DU musst FÜR DICH in Bewegung kommen denn seine Trinkerei ist seine Sache. Egal wie du dich verhalten würdest er würde weiterhin trinken weil er sich ja gar nicht um seine Trockenheit bemüht, dass er zum Entgiften geht zählt nicht wenn er danach nicht weiter an sich arbeitet.

Kümmere dich um dein Leben und nimm es in die Hand :!: . Jeder ist für sich verantwortlich, er ist ein erwachsener Mensch und es ist seine Sache wie er mit sich und seiner Erkrankung umgeht. Ich denke mir mal dass ihm auch schon die Ärzte bei der Entgiftung Klartext geredet haben.

LG Marie

Moony007
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Moony007 » 07.12.2018, 17:27

Danke euch!

Sandstrand, ich habe deinen Beitrag heute Vormittag gelesen und konnte so gut nachfühlen wie weh das teils getan haben muss. Auch die Anschuldigungen, dass er vermeintlich mit der neuen Bekanntschaft so gut läuft, dass kein Wunsch nach ALC da ist usw...Meiner Meinung nach aber einfach nur daher gesagt und auch nur, um irgendwem anders die Schuld zu geben.
Und auch der Beitrag zeigt, dass selbst nach so langer Zeit ohne Alkohol alles wieder einbricht wenn man einfach nur aufhört zu trinken ohne dass man wirklich sagt: Ich WILL gar nicht mehr trinken. Zumindest glaube ich, ist das so.

Sue: er meint generell, auch damals hätte ich ihn während der Saufphase trinken lassen sollen anstatt immer zu meckern und falls jemals ein Rückfall nochmals kommen sollte, soll ich nicht versuchen ihn zu bekehren sondern in dem Moment trinken lassen. Aber seiner Meinung nach passiert das nie mehr. Aber deiner Reaktion bzw. Frage entnehme ich eigentlich schon direkt eine Antwort, nämlich, dass wenn jemand so etwas überhaupt sagt, gar keine Bereitschaft da ist zu trinken. Und das eben seine Aussagen so widersprüchlich sind, dass er im Kopf noch längst nich trocken ist.
Zum einen schaffe ich es nicht mich zu trennen weil ich einfach Angst habe was er tut / wie er reagiert /ob er mich angreift, stalked etc., zum anderen geht er momentan endlich wieder arbeiten und ich will ihn nicht in die nächste Krise stürzen. Ich weis auch nicht, vllt bin ich doch noch nicht so weit wie ich dachte?! Habe das Gefühl ich stehe am Abgrund der Klippe aber meine Füße sind kurz vor dem Ende festgeklebt und ich kann nicht abspringen

Speranza:da hast du absolut Recht, die Mengen sind gigantisch und auch die Anzahl seiner Entgiftungen und Krankenhausaufenthalte sprechen für sich. Er hat mittlerweile 3 LZT hinter sich, ohne Erfolg. Die Ärzte haben ihm auch nahe gelegt sich ernsthaft damit auseinander zu setzen, aber er nimmt das nicht ernst weil die seiner Meinung nach eh keine Ahnung haben und gar nicht wissen und verstehen wies ihm geht...
Ja, etwas für mich zu tun fällt mir in der Tat schwer. Nicht, weil ich mich um ihn kümmere oder keine Lust habe sondern einfach weil er es nicht duldet und aggressiv wird.

Aber eure Reaktionen bestätigen nochmals meine Vermutung, dass er aktuell noch nicht an dem Punkt angekommen ist aufzuhören.

Ich wollte ihm die faire Chance geben ihm zu glauben dass er es ernst meint und ihm das nicht einfach absprechen. Dennoch hatte / habe ich große Zweifel gehabt nachdem was er sagt und tut und dem wollte ich dadurch nochmals auf den Grund gehen.

Danke euch :)

LG Moony

Hartmut
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Hartmut » 08.12.2018, 02:28

Hallo Moony,

Ferndiagnose kann da leider nicht gestellt werden. Der Einzige, der es weiß, ist der Alkoholiker selbst.
Solange ein Alkoholiker sein Saufen immer wieder rechtfertigt und auch noch jemanden hat, dem er die Schuld dafür geben kann, erübrigt sich die Frage ob er aufhören will (kann oder muss)
Ähnlich wie beim CO, solange ein CO sich Gedanken macht wie er einem Alkoholiker zum Aufhören bringen kann und glaubt durch Verständnis oder aktiver Hilfsbereitschaft ihn auf den Weg zu bringen zerstört sich selbst. Das wird eine „Never Ending Story "
Jedenfalls sind das meine Erfahrungen.

Gruß Hartmut

Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 08.12.2018, 11:38

Moony007 hat geschrieben:
07.12.2018, 17:27

Aber eure Reaktionen bestätigen nochmals meine Vermutung, dass er aktuell noch nicht an dem Punkt angekommen ist aufzuhören.
Hallo!

Ob er diesen Punkt jemals erreichen wird, steht in den Sternen. In Deutschland hat jeder das Recht, sich einfach tot zu saufen. Sie schaffen den Ausstieg nicht. Klingt hart, ist aber Realität.

Gruß
Carl Friedrich

ideja
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von ideja » 10.12.2018, 01:00

eine Frage an Carl Friedrich
in wie weit hat das Alkohol Verzicht deine Partnerschaft beeinflusst? wie könnte dir deine Frau "helfen"?
ich kann mich irgendwie nicht entspannen, obwohl ich weiß dass es nichts mit mir zu tun haben sollte

Hope24
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Hope24 » 12.12.2018, 20:09

Hallo ideja,

Ich habe zwar nicht die Mengen wie oben geschrieben getrunken aber doch täglich. 3 Bier, am Wochenende auch mal 4 oder 5. Mein Mann konnte mir nicht helfen, er hat mich öfters gefragt, ob ich nicht denke, ob ich zu viel trinke aber das war es auch schon. Egal was er gesagt hätte, hätte mich ja doch nicht berührt. Da wir allerdings seit Jahren nicht gemeinsam ins Bett gehen, da er schon gegen 9 schlafen geht weil er sehr früh raus muss, hat der alk auch sonst unsere Ehe nicht wirklich beeinflusst. Ich hab meine drei Bier getrunken wenn er ins Bett ist und gut war...

Zurück zum Thema, helfen hätte er mir nicht können. Letztendlich musste ich es selbst und für mich begreifen.

Liebe Grüße Hope

Hope24
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Hope24 » 12.12.2018, 20:13

Ach ganz vergessen. Auch jetzt kann er mir nicht wirklich helfen. Aber es tut gut jmd zum reden zu haben der einfach nur da ist und mir zuhört wenn der Suchtdruck kommt. Aber im Kopf muss ich ihn dennoch alleine überstehen.

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