Mir ist ein Licht aufgegangen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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MieLa
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Mir ist ein Licht aufgegangen

Beitrag von MieLa » 26.01.2018, 17:46

Hallo allerseits,

ich bin neu und möchte mich zunächst bei allen bedanken, die hier im offenen Bereich schreiben. Ich habe in den letzten Tagen bei dem Lesen der einzelnen Beiträge - egal ob von den LZT oder denjenigen, die wie ich erst seit kurzer Zeit nüchtern sind, sehr viel gelernt und häufig gedacht: Ja, genauso geht/ging es mir auch :idea:

Ich bin seit knapp 4 Wochen nüchtern und in der anfänglich angestrebten Trinkpause ist die Erkenntnis gekommen, dass ich Alkoholikerin bin.

Mir ist ein Licht aufgegangen = MieLa

Ich habe 27 Jahren regelmäßig Alkohol getrunken, eigentlich täglich und über viele Jahre jeden Abend eine 3/4 - 1 Flasche Rotwein. Ich habe nur abends getrunken und die Menge hing davon ab, wieviel Zeit vom ersten Schluck bis zum Schlafen verging. Es konnte also durchaus auch mal mehr sein.

Ich war eine gut funktionierende Trinkerin. Ich habe nie die Kontrolle verloren, mich nie daneben benommen, bin nicht getorkelt oder geschwankt, habe mich nie alkoholbedingt übergeben und habe selten einen "richtigen" Kater gehabt. Nebenbei habe ich beruflich viel Erfolg gehabt.

(Und während ich dieses schreibe, wird mir klar, dass ich gar nicht recht weiß, in welcher Zeitform ich dies schreiben soll: Vergangenheit? Gegenwart? Hm ...?) Da ich mich ganz am Anfang befinde, bin ich vermutlich eine gut funktionierende Trinkerin.

Auch wenn mir schon vor 20 Jahren irgendwie schwante, dass ich nicht ganz einfach nicht trinken kann, habe ich mir immer eingeredet, dass ich nicht abhängig bin. Eher eine gut trainierte Trinkerin als eine Alkoholikerin. Denn die Alkoholiker, das sind ja die, die die Kontrolle verlieren, die stationär entziehen oder auf der Intensivstation landen. Wie leicht fiel es mir, mir das Interview mit Jenny Elvers nach ihrem Therapieaufenthalt anzusehen und zu denken: Ach guck mal, da sind aber deutliche Unterschiede. So bist du ja gar nicht :oops:

Wie schreibt Daniel Schreiber in seinem Buch? "Akoholismus ist eine Krankheit, die dir einredet, dass du sie nicht hast" Wie wahr!

Auf der ganz sicheren Seite wähnte ich mich, als mir ohne Mühen eine Trinkpause von 4 Monaten gelang. Kein Trinkdruck, es ging mir bestens. Also hatte ich ja alles unter Kontrolle! Seither fielen mir derartige Pausen aber immer schwerer, die Trinkmenge erhöhte sich, der Schlaf war konstant schlecht. Ich fühlte mich nicht mehr richtig leistungsfähig und als dann von meiner Rentenversicherung die Nachfrage kam, ob der Beitrag erhöht werden soll, dachte ich: Na, wenn ich so trinke, habe ich nicht viel von der Rente.

Trotzdem nur der Gedanke: Mal wieder eine Pause machen und dann wieder das "gepflegte" Glas Rotwein (bzw. die Flasche) am Abend.

Als das in Aussicht genommene Datum nahte (01.01.), wurde mir schon unwohl. Und dann erlebte ich, dass ich nicht mehr einfach ohne Symptome nicht trinken kann. Das erste Mal habe ich körperlich die Nichtzufuhr von Alkohol gemerkt. Schlimme Konzentrationsschwierigkeiten und Erschöpfung (heute weiß ich, dass es schlimmer hätte kommen können).

Seither setze ich mich täglich damit auseinander und bin froh, diese SHG gefunden zu haben!

In anderen Threads ist öfter die Rede von "Euphorie" gewesen. Das Gefühl kenne ich auch. Allerdings aus früheren Trinkpausen, als ich dem Irrtum aufsaß, es unter Kontrolle zu haben.

Jetzt ist mein vorherrschendes Gefühl eher vorsichtige Zuversicht. Ich habe jetzt realisiert, dass ich krank bin und dass das Trockenwerden und -bleiben Arbeit ist. Einfach nicht trinken, ist nicht genug.

Wenn ich kein Verlangen nach Alk habe, bin ich zuversichtlicher als in den Momenten des Sehnens.

... wird fortgesetzt ...

Viele Grüße,
MieLa

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 26.01.2018, 17:51

Hallo MieLa,

willkommen hier im Forum,
Ich bin seit knapp 4 Wochen nüchtern und in der anfänglich angestrebten Trinkpause ist die Erkenntnis gekommen, dass ich Alkoholikerin bin
Ohne diese Erkenntnis hat es noch keiner geschafft .Gratulation zu deinen ersten 4 Wochen . Das ist schon was.

Gruß Hartmut

Ernest
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Beitrag von Ernest » 26.01.2018, 20:43

Guten Abend MieLa

Auch von meiner Seite: Herzlich willkommen.
In anderen Threads ist öfter die Rede von "Euphorie" gewesen. Das Gefühl kenne ich auch. Allerdings aus früheren Trinkpausen, als ich dem Irrtum aufsaß, es unter Kontrolle zu haben.
So ging/geht es mir auch. Nicht mal nach 2 Monaten Trockenheit. Aber der vorsichtige Optimismus nimmt immer mehr überhand und somit die Hoffnung, dass ich mit dieser Krankheit trocken leben kann.

Ich wünsche Dir viel Durchhaltewille und gute Gedanken.

Ernest

MieLa
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Beitrag von MieLa » 27.01.2018, 12:03

Lieber Hartmut,

vielen Dank für die Willkomensgrüße und die Gratulation zu den ersten 4 Wochen. Ja, volle 26 Tage Nüchternheit. Darüber freue ich mich.

Viele Grüße,
MieLa

MieLa
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Beitrag von MieLa » 27.01.2018, 12:09

Lieber Ernest,

vielen Dank für deine guten Wünsche! Dein Thread war übrigens einer der ersten, die ich hier gelesen habe. Der Thread-Name "Ich hätte es nicht gedacht" hat mich magisch angezogen. Deine Geschichte und deine Erfahrungen mit den ersten Tagen und Wochen des Nüchternseins waren sehr hilfreich für mich.

Ich wünsche dir auch viel Erfolg beim Trockenbleiben.

Viele Grüße,
MieLa

MieLa
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Beitrag von MieLa » 27.01.2018, 12:21

Zum Thema Gedanken: Heute war ich einkaufen und da ich mich auf nichts konzentrieren musste, ließ ich meine Gedanken schweifen. Ihr kennt das bestimmt, dass die Gedanken dann wie ein Affe mal hierhin und mal dahin hüpfen und ein Gedanke den nächsten jagt.

Plötzlich war ich bei folgender Situation: Irgendwann in der Zukunft, wenn ich stabil nüchtern geblieben bin, drückt mir jemand im beruflichen Kontext ein Glas Sekt in die Hand. Wie reagieren, wenn ich nicht auffallen und Nachfragen vermeiden will? Also könnte ich ja nur nippen und mich am Glas festhalten. Das wird schon nichts auslösen, immerhin bin ich ja schon lange stabil. Das werde ich unter Kontrolle haben und selbst wenn dies Suchtdruck auslöst: sooo schlimm waren die ersten Tage des Entzuges ja nicht - das kann ich wiederholen...

Heftig, oder? Diese Gedankenfolge ist so schnell durch meinen Geist gerast, das hat bestimmt keine zwei Sekunden gedauert!

Ich bin froh, dass sofort alle Alarmglocken bei mir angegangen sind. Ich habe diese Gedankensequenz nicht losgelassen, bis ich sie mir argumentativ und auf der Gefühlsebene widerlegt hatte. Ich habe jetzt das Bild vor Augen, dass dieser Gedanke k.o. auf dem Boden liegt. Gut so!

Aber bei der gestrigen Vorstellung habe ich noch geschrieben, dass die Sucht mir vorgespiegelt hat, dass ich sie nicht habe. Und heute versucht sie es gleich wieder ...

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 27.01.2018, 12:43

MieLa hat geschrieben: Plötzlich war ich bei folgender Situation: Irgendwann in der Zukunft, wenn ich stabil nüchtern geblieben bin, drückt mir jemand im beruflichen Kontext ein Glas Sekt in die Hand. Wie reagieren, wenn ich nicht auffallen und Nachfragen vermeiden will? Also könnte ich ja nur nippen und mich am Glas festhalten. Das wird schon nichts auslösen, immerhin bin ich ja schon lange stabil. Das werde ich unter Kontrolle haben und selbst wenn dies Suchtdruck auslöst: sooo schlimm waren die ersten Tage des Entzuges ja nicht - das kann ich wiederholen...
Hallo!

Dein Suchtgedächtnis piesackt dich. Das geht fast allen Neuanfängern in den ersten Monate so. Später werden die Abstände deutlich größer. Da musst Du notgedrungen durch.

Lenk dich mit Dingen ab, die dir Freude machen z.B. Hobbies, raus in die Natur ...

Zur Sektglasnummer: Auf die habe ich mich auch vorbereitet und umgesetzt. Mir drückt keiner ein Sektglas in die Hand. Ich lehne dankend ab. Falls ich wider Erwarten das Glas dennoch in die Hand nähme, wird es sogleich irgendwo abgestellt.

Ich kann nur davor warnen, an dem Zeug zu nippen. Da ist die Gefahr zu groß, das Du dir den ganzen Becher rein kippst und dann gleich noch mal Nachschub orderst, weil Du meinst, ein, zwei Gläschen sind doch nur ein Tropfen auf den hohlen Stein.

In der Anfangszeit habe ich keine Sektempfänge besucht und ich rate von so was in den ersten Monaten auch ab. Die Veranstaltung selbst kann enorm triggern. Selbst wenn man auf der Veranstaltung brav trocken geblieben ist, kann einen das animierte Suchtgedächtnis auf dem Heimweg in einen Laden/Tanke führen, um das aktivierte Bedürfnis zu befriedigen.


Falls Du dennoch nicht um ein solches Ereignis herumkommst, nimm sofort in eine Hand ein Wasser-/Saftglas und in der anderen befindet sich dein Handy, dann hättest Du zumindest keine Hand mehr für ein Sekt-/Weinglas frei. Wohlgemerkt: Ich würde in dem frühen Stadium auf alhohollastigen Feiern/Veranstaltungen nicht antreten. Meine persönliche Sicherheit geht mir da vor.

Genau so wenig renne ich demnächst an Karneval zu irgendwelchen Feiern. Warum? ich genieße meine Nüchternheit/Abstinenz. Mir gehen alkoholisierte Menschen inzwischen auf die Nerven. Das tue ich mir nicht an.


Gruß
Carl Friedrich

MieLa
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Beitrag von MieLa » 27.01.2018, 13:46

Hallo Carl Friedrich,

danke für die klare Ansage. Die Idee, sich aktiv ein Wasserglas oder ähnliches zu schnappen, finde ich gut. Wenn ich passiv abwarte, setze ich mich der Gefahr aus, dass andere zu wissen meinen, was gerade gut für mich ist.

Auf derartige Veranstaltungen habe ich im Moment auch keine Lust. Vor 10 Tagen war im Büro am Vormittage eine Veranstaltung, an deren Anschluss Sekt ausgeschenkt wurde. Der Jahreswechsel war ja noch nicht lange her.

Ich habe mich mit Hinweis auf einen dringenden Termin verabschiedet und bin zügig an den bereits eingeschenkten Gläsern vorbeimarschiert. Obwohl es schon nach Sekt roch, hat es mich nicht getriggert - auch nicht später. Vielleicht, weil ich Sekt im Büro schon immer abgelehnt habe. Außerdem habe ich ja viel lieber abends getrunken.

Viele Grüße,
MieLa

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