auf neuen Wegen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Aliengirl
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auf neuen Wegen

Beitrag von Aliengirl » 28.01.2018, 00:24

Ich bin eine alleinerziehende Mutter von einem dreijährigen Sohn und übe mich in Abstinenz seit dem 24.12.2017.
Schon mit 13 Jahren hatte ich den ersten Kontakt zu Alkohol und habe seit dem auch regelmäßig getrunken. In meiner Schwangerschaft habe ich nicht getrunken, kein einzigen Schluck, ist ja klar....
Hat sich danach aber wieder eingeschlichen, dass ich mehrmals in der Woche, also so jeden zweiten Tag zwei bis drei Flaschen Wein pro abend getrunken habe. Also wenn ich das so vergleiche, schon echt viel.
Ich habe mich immer unwohler gefühlt, gerade weil ich für meinen Kleinen die einzige Person bin und ich für ihn richtig Mama sein will und nicht genervt, und nach den Trinkabenden am nächsten Tag abgekämpft den Tag starten will.
Ich bin berufstätig und gehe zu 60 % in Teilzeit arbeiten, habe einen Hochschulabschluss, bin promoviert.
Er sind viele Dinge, die mich an der regelmäßigen Trinkerei gestört haben, mir ist allerdings erst im letzten halben Jahr klar geworden, dass ich jetzt einen Strich ziehen muss und will. Mir ist es im letzten Jahr zweimal passiert, dass ich morgens nicht zur Arbeit gehen konnte, weil ich abends und Nachts zu viel getrunken habe. Das hat mir die Augen geöffnet, das da irgendwas total schief läuft.
Ich habe dann am 24.12. spontan entschieden, dass ich nichts mehr trinke. Kaum Entzugserscheinungen, etwas Zittern, Schlaflosigkeit, starkes Schwitzen....habe allerdings in den ersten 2 Nächen eine edit - bitte keine Medikamente nennen - edit geschluckt um Schlaf zu finden.
Leider habe ich mich erst später in die Thematik eingelesen und erschüttert festgestellt, welchen Risiko ich mich damit ausgesetzt hatte.
Ich habe gleichzeitig auch mit dem Rauchen aufgehört. Ich habe auch immernur abends geraucht, wenn ich getrunken habe, aber dann schon mal 1-2 Packerl und das wie gesagt jeden 2ten abend.
Zigaretten vermisse ich überhaupt nicht, an den Alkohol denke ich schon. Ich versuche mich zu belesen und für mich einen praktikablen Weg in meinem ausgefüllten Alltag zu finden, mich mit meiner Sucht auseinander zusetzen.
Die erste Woche war taff, hatte ständig trinkende Gäste, an den Feiertag und an Silvester, die mir alle Alkohol mitbrachten und hier auch mit meiner Familie getrunken haben. Habe aber eisern stand gehalten, mir allerdings gedacht, dass ich mir da einen äußerst ungünstigen Zeitpunkt zum Beginn meiner Abstinenz gewählt habe und auch weil so spontan, niemand wusste, dass ich nicht mehr trinke. War aber umso schauriger, dass alle Geschenke zu Weihnachten von meinen Verwandten an mich mit Alkohol zu tun hatten ( Sekt, Wein, Champagner, Pralinen mit Alkohol...)Mittlerweile habe ich meine Wohnung komplett alkoholbefreit.
Ich gehe jetzt regelmäßig in eine Fitnessstudio, unternehme viel mit meinem Kleinen und unserer Hundedame. Ich geniesse das Nüchernsein in der Tat. Das gesunde Leben macht mir sehr viel Spass, ich lerne ein neues Körpergefühl ...trotzdem will ich wachsam sein und mich mit der Gefahr eines Rückfalls im Moment täglich konfrontieren.
Ich bin sehr froh ein Forum zum Austausch bei Euch gefunden zu haben.

Aliengirl

Elly
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Beitrag von Elly » 28.01.2018, 01:52

Hallo Aliengirl!

Herzlich willkommen bei uns im Forum! Schön, dass Du den Weg hier her, und den Ausstieg
aus der Trinkerspirale, gefunden hast!

Auch meine Sorge galt damals meinen Kindern... Und Du als Alleinerziehende hast es da noch ein
ganzes Stück schwerer. Umso besser, dass Du den Absprung geschafft hast!

Nun hast Du schon über 1 Monat geschafft, das ist eine tolle Leistung. Bleib dran und sei nicht ganz
so hart zu Dir. Wenn Dir z.B. mal nicht nach Sport ist, oder aber nach einer Zigarette... dann
gönne Dir das. Alles ist besser, als wieder zur Flasche zu greifen!

Ich freue mich schon auf weitere Berichte von Dir!

LG Elly

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 28.01.2018, 10:08

Hallo Aliengirl,

willkommen hier im Forum,
War aber umso schauriger, dass alle Geschenke zu Weihnachten von meinen Verwandten an mich mit Alkohol zu tun hatten
Als ich noch gesoffen hatte war das immer ein tolles Geschenk für mich. Mittlerweile wissen es ja die Freunde damit ich es nicht mehr brauche. Hatte jedoch auch mal jemand dabei der sich angepisst fühlte, weil ich sagte, das ist nett aber ich trinke ja nichts mehr. "ich könnte es ja weiter verschenken" So ist das das wenn jemand etwas schenkt, der nichts von der Abstinenz weiß.

Weiß dein Umfeld das du nichts mehr Trinken kannst ?

Gruß Hartmut

Aliengirl
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Beitrag von Aliengirl » 28.01.2018, 15:20

Liebe Elly, lieber Hartmut,

Vielen Dank für die nette Begrüßung hier. Ich habe es in der Tat recht kurzfristig entschieden am 24.12. aufzuhören und somit nicht genügend Vorlaufzeit allen vor der Weihnachtsfeier von meinem Plan zu erzählen. Um ehrlich zu sein, habe ich auch erst in den ersten nüchternen Wochen auch für mich entschieden tatsächlich nicht mehrtrinken zu wollen, zu Beginn war es eigentlich als Trinkfreie Zeit angedacht. Ich fühle mich aber mit jedem Tag besser und beschäftige mich auch sehr intensiv mit meinem Alkoholismus, so dass ich definitiv umgedacht habe. Vielleicht brauchte ich auch die Nüchternheit gerade für diese Entscheidung. Vielleicht wäre auch die Angst vor dem „nie wieder Trinken“ ein Hinderniss gewesen überhaupt zu beginnen? Habe an den Feiertagen allen eingeladenen Gästen gesagt, dass ich gerade keinen Alkohol trinke. Niemand hat gefragt warum. Wenn jemand gefragt hätte, hätte ich es zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich auf eine Diät geschoben. Ich muss sagen, dass die gesamte Familie vergleichsweise viel trinkt, die saßen dann eben am Tisch beim Wein, ich habe mich sinnvoll mit meinem Kleinen beschäftigt und habe deshalb auch keinen grossen gesellschaftlichen Verlust gespürt.... und konnte so die ersten Tage, abgesehen von den leichten Entzugserscheinungen , gut aushalten....obwohl der Alkohol damals noch überall im Haus present war.

Habt ihr schon mal gehört, dass aus einer geplanten Alkoholpause sich dann doch eine Abstinenz im Sinne einer Trockenheit entwickelt hat?

Vollwaise

Beitrag von Vollwaise » 28.01.2018, 20:43

Hallo Aliengirl,

also die ganze harte Schiene, sprich Qualmen und Alk gleichzeitig aufgeben... habe ich mir nicht zugetraut. Du hattest ja auch eine Verknüpfung zwischen Trinken und Rauchen, insofern macht das wiederum Sinn und rauchen ohne zu trinken hätte Dich evtl. zurück an die Pulle gebracht.

Hier kann ja nur jeder von seinen eigenen Erfahrungen berichten und seine Einschätzungen geben. Ich jedenfalls sehe einen elementaren Unterschied zwischen Trinkpause und dauerhafter Trockenheit und würde es für Zufall halten, wenn das so funktioniert...

Florian73
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Beitrag von Florian73 » 28.01.2018, 20:57

Salü Aliengirl

Also ich machte früher immer Trinkpausen. Mündete stets darin, dass ich mir irgendwann wieder ein "Gläs'chen" gönnte, und dass der Konsum langsam anstieg bis zum (erneuten) crash. Suchtgedächtnis sei dank. Jetzt, dieses Mal, habe ich zum ersten Mal die Worte "Alkoholkrank" und "Nie wieder Alkohol" kommuniziert. Es fühlt sich völlig anders an, dieses Mal. Diese Endgültigkeit schafft zwar etwas Angst, jedoch auch Klarheit. Das Ziel ist klar, der Weg muss noch gegangen werden. Bis an das Ende meiner Tage. Das ist wirklich was völlig anderes, da bin ich mit Vollwaise einig. Wenn Du jedoch Dein Ziel umformuliert hast auf "trocken bis ans Lebensende" dann kann das unter Umständen ja funktionieren. Musst bloss alle "Hintertüren" zuhauen, und auch sonst noch ein paar wichtige Regeln befolgen.

Ja, und ich für meinen Teil hole hier oft Rat. Vermeintlich gute Ideen werden hier beleuchtet, und gerade gestern hat man mich vor drohendem Schaden bewahrt.

Wenn man mal eine gewisse Schwelle erreicht hat, ist "Trinkpause" zwar möglich, aber das danach gewünschte "kontrollierte Trinken" eben nicht. Das geht voll in den A****. Mit den üblichen Konsequenzen. So meine Erfahrung.

Darum bleibt für mich nur etwas übrig: Lass es ganz sein.

Gleichzeitig das Rauchen aufzugeben würde ich NIE schaffen. Wäre dann wohl next step. Aber damit lasse ich mir wirklich Zeit. Möchte mich nicht überfordern. Ich wünsch Dir dass Du das durchziehst.

Also: Viel Kraft und gute Momente!

Lieber Gruss

Flo

Vollwaise

Beitrag von Vollwaise » 28.01.2018, 21:34

Es gibt keine Trinkpausen, basta. Wenn ich eine Pause mache UNTERBRECHE ich was auch immer, um irgendwann danach wieder anzufangen.

Wie hast Du Dich denn positioniert, Aliengirl? Befindest Du Dich in einer Trinkpause, bist Du abstinent oder auf dem Weg zur Trockenheit?

Genau das ist entscheidend dafür, wie es denn weitergeht. Trinkpause ist Selbstbetrug, Abstinenz bedeutet unterschwellige Entbehrung und Leiden. Abstinere bedeutet eben auch "verzichten" und verzichten ist negativ besetzt. Wir müssen im Moment alle auf Sonne verzichten, wer will, kann diesen Monat auf sein Gehalt verzichten etc...

Trockenheit bedeutet, dass man mit dem Thema durch ist und alles dafür tun sollte, dass es auch so bleibt.

Cadda
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Beitrag von Cadda » 28.01.2018, 22:13

Hallo Aliengirl, herzlich Willkommen.

Also, es ist doch bereits alles gesagt durch Dich. Du sagtest, dass Du zwar zunächst eine Trinkpause angestrebt hast, aber zwischenzeitlich den Entschluss gefasst hast, abstinent leben zu wollen....

Ich finde es gut, dass Du diese Entscheidung getroffen hast. Das ist der einzig richtige Weg.

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