Hallo

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
ratlos123
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Hallo

Beitrag von ratlos123 » 31.01.2018, 20:25

Hallo!

Ich bin verheiratet und habe eine Tochter im Kindergartenalter. Mein Mann hat schon immer getrunken. Als ich ihn kennenlernte habe ich auch oft und zu viel getrunken. Einmal hat mir das sogar einen Nacht im Krankenhaus beschert. Das ist aber inzwischen fast 20 Jahre her. Inzwischen habe ich ein "normales Trinkverhalten". Wenn ich ausgehe werden es mal 1 oder 2 kleine Biere.

Mein Mann trinkt zu Hause jeden Abend. Meist so 4 Flaschen Bier, oft auch mehr. Und irgendwann werden seine Worte aggressiv und böse gegen mich. Ich mache irgendwas falsch und er ist enttäuscht. Ganz schlimm ist es, wenn ich alleine ausgehe und eine Freundin treffe oder sowas mache. Ich habe inzwischen Angst und vermeide es, auszugehen. Wenn er ausgeht, versuche ich im Bett zu sein, bevor er heimkommt.

Ich mag so nicht mehr leben, obwohl ich ihn immer noch liebe. Wenn ich dann sehe, wie sehr ihn meine Tochter liebt, tut es mir furchtbar leid, dass ich darüber nachdenke ihr den Vater zu nehmen. Wenn er dann wieder in der Nacht laut wird, mit Türen schlägt und es in mein Herz sticht, was passiert, wenn sie jetzt aufwacht. Welche Angst bekommt sie dann.

Nach dem letzten Exzess, hat er versprochen, er wird nichts mehr zu Hause trinken. Das hat leider nur 2 Wochen gehalten. Nach dem ersten Bier zu Hause habe ich ihm Vorhaltungen gemacht, deshalb trinkt er wieder täglich, weil er sich nicht vorschreiben lässt, was er zu tun hat.

Ich weiß nicht mehr weiter, mag den Geruch nach Alkohol im Schlafzimmer nicht mehr. Ich will aber auch nicht unsere Familie zerstören.

Linde66
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Beitrag von Linde66 » 31.01.2018, 21:17

Hallo ratlos123,

Herzlich Willkommen bei uns in der SHG!

Wie kommst du darauf, daß DU die Familie zerstörst? oder daß DU der Kleinen den Vater wegnimmst?

ER ballert sich doch weg.

Es geht nicht um Schuldzuweisungen. Eher darum, daß du deinen Gefühlen trauen lernst und alles tust, damit es dir langfristig besser geht.

Lieber Gruß, Linde

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Beitrag von ratlos123 » 31.01.2018, 21:44

Ich weiß nicht, was richtig oder falsch ist. Ich bin oft unsicher, ob ich was falsches gemacht habe, und damit sein Verhalten provoziert habe. Soviele Menschen trinken regelmäßig ihr Feierabendbier. Vielleicht bin ich die Spassbremse, die ein Problem sieht, wo gar keines ist. Wieviel muss man trinken, dass man sagen kann, jemand ballert sich weg.

Vielleicht ist es meine Überempfindlichkeit, die meiner Tochter den Papa nimmt.

Linde66
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Beitrag von Linde66 » 31.01.2018, 21:52

Ich finde das gut, das du das alles hier aufschreibst. Du bekommst viele Rückmeldungen, wie es bei den anderen ist. Das hilft beim Sortieren der Gefühle und Gedanken.

Liebe Grüße, Linde

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 01.02.2018, 00:29

Hallo ratlos,

herzlich Willkommen bei uns im Forum.
Vielleicht bin ich die Spassbremse, die ein Problem sieht, wo gar keines ist.
das denke ich nicht. Erfahrungsgemäß ist es überwiegend so, das die Sorgen der Angehörigen berechtigt sind.
Viele von uns, und ich nehme mich da nicht aus, sind/waren so sehr verunsichert, weil ihnen immer wieder ihre Wahrnehmungen zerredet wurden.
Es ist ein Lernprozess, seinen Wahrnehmungen vertrauen zu lernen.
Es ist gut, dass du hier bist.


lg Morgenrot

Helli 48
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Beitrag von Helli 48 » 01.02.2018, 08:10

Hallo ratlos,
Ich kenne das Gefühl der Unsicherheit auch sehr gut. Und heute, längere Zeit nach der Trennung, überkommt es mich noch manchmal das ich denke: vielleicht hat er doch gar nicht soviel getrunken! Und dann muß ich mir die Situationen vergegenwärtigen.
Ich glaube es ist ist hilfreich sich nicht zu viel zu fragen ob er ein Alkoholproblem hat, sondern vor allem daran zu denken das Dich sein Verhalten verletzt. Das es Dir Angst macht und Du Dein eigenes Verhalten danach ausrichtest das die Situation daheim nicht eskaliert. Am Ende ist es auch nicht gut für Euer Kind in dieser Atmosphäre aufzuwachsen.
Es ist gut das Du Dich hier austauscht. Ich persönlich konnte das Gefühl schuld am Scheitern der Beziehung zu sein sehr gut aufarbeiten, als ich gelesen habe das nahezu allen Angehörigen hier das Gleiche widerfahren ist. Anscheinend reagieren Partner die darauf hingewiesen werden das sie zuviel trinken und den Konsum nicht einschränken wollen/können mit Abwehr, Kritik und Aggression gegenüber uns als Partnerin. Durch das Verdrehen der Tatsachen glaubst Du Deiner Wahrnehmung selber nicht mehr und glaube mir, es wird immer schlimmer!
Viel Kraft für Dich!
Helli

Gotti
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Beitrag von Gotti » 01.02.2018, 08:13

Hallo und Willkommen liebe Ratlose!
Deine Gedanken habe ich auch sehr lange gewälzt. Mir überlegt, wer hier denn die Wahrheit spricht, oder ob ICH vielleicht shizophren bin, und mir alles einbilde - aber es halt nichts. Erst mein Auszug brachte mir Ruhe und Entspannung und wieder Freude im Leben.
Ich wollte auch meinen Kindern den Vater nicht wegnehmen, aber was habe ich ihnen geboten?
So wie du deine Situation schilderst, ist es schon wirklich schlimm für dich und deine Tochter, überhaupt einen guten Tag/ Nacht zu haben. Er wird nichts daran ändern, denn er sieht keine Schuld und ihm geht es so gut.
Nur du kannst für deine Tochter und dich etwas ändern.
Schau ringsum, wer dir helfen kann, wer dich unterstützt - wenn auch nur mit Gesprächen usw. Selbsthilfegruppe, Arzt, Freundinnen... - und dann
ja dann mach dich auf den WEG.
Dazu möchte ich dir ganz viel Mut machen, und euch beiden Frauen alles Gute wünschen! Gotti.

Hans im Glück
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Re: Hallo

Beitrag von Hans im Glück » 01.02.2018, 11:37

ratlos123 hat geschrieben:deshalb trinkt er wieder täglich, weil er sich nicht vorschreiben lässt, was er zu tun hat.
Hallo Ratlos,

willkommen hier im Forum.

Ich erkenne mich in dem og. Satz sehr gut wieder.
Ich bin jetzt trockener Alkoholiker und hatte in meinen nassen Tagen auch ganz dringend das Bedürfnis, unabhängig zu sein.
Was heißen sollte: ich darf soviel trinken, wie ich will.
Auch ich wurde ungehalten und aggressiv, wenn meine Frau mir diesbezüglich Vorhaltungen machte.

Natürlich ist diese sog. 'Unabhängigkeit' Schwachsinn.

Als nasser Alki bin ich ganz und gar nicht unabhängig, der Suchtdruck ist enorm und ich brauche jede Ausrede, um immer mehr und mehr in mich reinzuschütten.
Denn es bleibt ja nur bei den Versprechungen, weniger zu trinken.
In Wahrheit wird es ja immer mehr.
Leider kannst du dich noch nicht mal darauf verlassen, den traurigen Status quo, den du und deine Tochter momentan erleiden, halten kannst.
Wie Helli schreibt: es wird schlimmer. Das ist garantiert.

Die wirklich einzige Chance besteht darin, dass dein Mann, zunächst zu einer Einsicht kommt und dann handelt: sich einer Behandlung unterzieht.
Das ist aber sein Ding!

Meiner Meinung nach ist die einzige Hilfe, die du dabei leisten kannst, ihm eindeutig klar zu machen, dass du sein selbst- und fremdzerstörerisches Handeln nicht weiter tolerierst.

Jeder hat das Recht sich zu Tode zu saufen, dazu braucht man aber zusätzlich keine Familie zu zerstören.
Wie Linde schreibt: Nicht du zerstörst die Familie, sondern er.

Ich bin heute noch traurig, was ich meiner Frau zugemutet habe. Wir sind glücklicherweise noch zusammen, weil es mir irgendwann möglich wurde aus dem Sucht Karussell auszusteigen.



Liebe Grüße
Hans

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