Fragen an einen Co

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Hartmut
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Fragen an einen Co

Beitrag von Hartmut » 10.02.2018, 14:28

Hallo zusammen,

Fragen an den Alkoholiker hat viel dazu beigetragen die Handlungsweisen zumindest ansatzweisen zu verstehen.

Nun denke ich das es auch Fragen an den CO gibt . Dazu lade ich alle Alkoholiker dazu ein sich hier dran zu beteiligen .

Gruß Hartmut

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 10.02.2018, 14:45

Hallo

da fange ich doch gleich mal damit an.

mich würde interessieren.

Mein Saufen war so offensichtlich das es jedem aufgefallen ist.

Welche Gedanken gehen da dem CO durch den Kopf , seinem Partner trotz der Offensichtlichkeit, seinen Alkoholismus gegenüber anderen zu verteidigen ?

Gruß Hartmut

Ziele
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Beitrag von Ziele » 10.02.2018, 20:47

Hallo Hartmut,

ich denke es ist aus Schamgefühl den anderen gegenüber. Oft neigt man dazu anderen die Dinge zu beschönigen, damit es nicht peinlich ist. Man will nach außen den Schein bewahren, egal ob offensichtlich oder nicht. Ich denke das ist ne automatische Schutzreaktion. In dem Moment denkt man nicht daran dass es jeder sieht, man will nur nicht als „anders“ abgestempelt werden.

Lg
Ziele

Cadda
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Beitrag von Cadda » 10.02.2018, 21:07

Weil man seinen Partner liebt und es einem leid tut, wenn andere Leute schlecht über ihn denken oder sprechen. Man möchte ihn vor Vorwürfen beschützen und vor dem schlechten Gefühl, was er hätte, wenn er mit dem Thema konfrontiert werden würde. Weil man möchte, dass es ihm gut geht.

Das war mein Denken meinem Partner gegenüber. Was falsch ist. Weil man durch den Schutz die Sucht verlängert. Die Chance, ein Schlüsselerlebnis zu haben oder tief genug zu sinken, wird geringer, wenn man seinen Partner schützt. Das sage ich als Co.

Als Alkoholikerin sage ich das Gleiche. Mein damaliger Partner hat mich ebenfalls geschützt. In den Momenten war ich ihm dankbar. Als ich noch gesoffen habe.

Heute, wo ich nicht mehr trinke, bin ich dem Vater meiner Kinder dankbar, denn der hat mich nicht geschützt. Er hat mir die Wahrheit regelrecht um die Ohren geknallt. In den Momenten war ich traurig, verletzt und habe mich unendlich geschämt, dass mir der Spiegel vorgehalten wird.

Aber im Nachhinein bin ich dankbar, denn es hat mich schneller an meinen Tiefpunkt gebracht und beim letzten Suff (Schlüsselerlebnis) war er ebenfalls derjenige, der mich nicht geschützt und geschont hat. Mir ging es so dreckig, dass er mich da hat auflaufen lassen und mir harte Worte an den Kopf geknallt hat. Sonst wär ich im Suff auf dem „ach übertreibe doch nicht - Trip“. An dem Tag hat er es sogar geschafft, mich mit den Worten im Vollsuff zum Weinen zu bringen. Es war das letzte Mal, dass ich getrunken hatte....

Fazit: Jeder Co. sollte sich zu Herzen nehmen, dass der Schutz des Partners diesem nicht hilft. Er lässt ihn nur noch weiter in die falsche Richtung gehen....

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 11.02.2018, 01:12

hallo Hartmut,
Welche Gedanken gehen da dem CO durch den Kopf , seinem Partner trotz der Offensichtlichkeit, seinen Alkoholismus gegenüber anderen zu verteidigen ?
Das war eine schlimme Zeit für mich.
Auf der einen Seite hatte ich immer Hoffnung, das er etwas kapiert, auf der anderen Seite war die Scham nicht gut genug zu sein, dass er aufhören kann.
Mir wurde ja suggeriert, ich müsse nur dieses und jenes tun, dann.....
Dieses hab ich sehr lange geglaubt, und ich war eben immer empfänglich für Schuldgefühle.
Ich habe gelitten und immer gehofft, dass es jemand merkt und mich mal anspricht.
Hat natürlich kein Mensch gemacht. Erst als ich nicht mehr geschwiegen, und vertuscht habe und die Dinge beim Namen genannt habe, hat sich etwas verändert.
Plötzlich wußte es jeder, man wollte mich aber nicht kränken und mich darauf ansprechen.
Die Offenheit hat mir bis heute nicht geschadet, ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich dann manchmal auch andere "trauen" und von ihren Erfahrungen erzählen können.
Wichtig ist es zu spüren, das ich nicht alleine bin, das es Menschen gibt, die mich verstehen, die wissen von was ich rede.

lg Morgenrot

Penta
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Beitrag von Penta » 11.02.2018, 05:22

Hallo Hartmut,

ich hab schon sehr lange eine Frage.

Woran erkennt ihr, ob ein Co-Abhängiger seine Co-Abhängigkeit nicht mehr auslebt?

Viele Grüße,
Penta

viola
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Beitrag von viola » 11.02.2018, 09:03

Hallo,

meine Frage ist, kann meine eine Co-Krankheit stoppen? Oder woher weiß der Co dann, dass er geheilt ist? Wie erkennt er es selber? Gibt es dafür harte Kriterien, also welche, die überprüfbar und nachmessbar sind?
Oder ist Co-sein auch so eine quasi undefinierbare, unheilbar, chronische Erkrankung, bei der man "nur" die Symptome lindern kann?

LG viola

Gotti
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Beitrag von Gotti » 11.02.2018, 09:58

Soooo viele Fragen!!! :lol:
Viola:
Ich denke schon, dass es für mich eine unheilbare Krankheit geworden ist, nachdem ich sie so lange ausgehalten habe. Aber ich habe gelernt, die Symptome zu erkennen und dagegen zu wirken. Traurige Infos über meinen Mann höre ich und "lege sie ab". Sie sind nicht mehr meine Aufgabe, und belasten mein Leben nicht mehr, welches so viele schöne, neue Dinge aufzeigt, die mir vorher gar nicht sichtbar waren.
Das kann für Andere total anders aussehen. Wir Menschen ticken eben auch verschieden, aber leider sind eben auch "trockene" normale Partner bestimmend, überstülpend, dominant in allen Dingen, so dass der Co sofort wieder "erkranken" kann, wenn er sich darauf einlässt.
Ich kenne viele "kranke" Partnerschaften in dieser Richtung, wo kein Alkohol mitspielt. Das schockt mich auch wieder!

Hartmut:
Mir stand mein Leben lang mein mangelndes Selbstbewusstsein im Weg. Damals hätte ich keiner Diskussion standhalten können. Habe mich dafür natürlich auch wieder geschämt. Wäre zu durchgreifenden Entscheidungen nicht fähig gewesen.
Verteidigt habe ich ihn - wenn ich so nachdenke - nie! Nur versucht zu verheimlichen, vertuschen. Dafür eben wieder geschämt....
Ich dachte nur immer, dass die "anderen" über mich lachen, weil ich so eine dumme Gans bin.
Ich war schon sehr krank.
Mein Mann hat nie zu seiner Krankheit Stellung genommen. Nie versucht, zu erklären, sich auseinanderzusetzen und richtige Hilfe anzunehmen. Er schweigt auch heute noch. Sein Pech.
Ich bin raus!

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