Wie werde ich die Wut los.

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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la vie
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Wie werde ich die Wut los.

Beitrag von la vie » 03.03.2018, 15:24

Einen schönen Tag an alle. Ich bin erleichtert, hier zu schreiben. Ich liebe das Leben auf dieser Welt.
Mein Partner ist trockener Alkoholiker, bis er mir gestern gestand, dass er wieder Wein trinkt. Ich liebe ihn. Ich habe ihn vor 14 Jahren kennengelernt und mir nie etwas dabei gedacht, dass er keinen Alkohol trinkt, da auch ich eher keinen vertrage. Als ich zu ihm zog, war es neu für mich, dass in seinem Umfeld stets Sekt oder Bier getrunken wurde. Ich war sehr froh, dass er es nicht tat. Bei Familientreffen gab es schon zum Brunch Sekt. Ich vertrage es nicht und fühle mich nach einem Glas schon betrunken, der Tag oder Abend ist angeschlagen und das fühlte sich nicht gut an.
Die ersten 2 Jahre pendelten wir, um uns zu sehen. Ich zog zu ihm, da er auf Grund seiner Selbständigkeit nicht umziehen konnte.
Mit der Zeit trank er Weinschorle. Davor erfuhr ich, dass er Alkoholiker ist von seiner Tochter (ihre Mutter wollte, dass ich es weiß). Ich erzählte es ihm und er sagte es sei lange her. Ich wusste nicht viel darüber und er sagte mir, er könnte es steuern, dass es nicht mehr wird. Konnte er nicht. Sein Wesen war mit der Zeit unberechenbar. Aus heiterem Himmel benahm er sich wie ein bockiges Kind, das keine Beachtung bekommt. So kannte ich ihn nicht. Wenn meine erwachsenen Kinder uns besuchten und es nicht nach seinen Wünschen ging war er beleidigend. Auch das war neu und kam immer öfter vor. Mit der Zeit war er nur noch mit sich und seiner Firma beschäftigt. Alles mögliche lies ich mir einfallen, um schöne gemeinsame Erlebnisse zu haben. Er hatte aber immer öfter keine Lust. Ich tat es allein. Nach meinem Dienst half ich in der Firma mit, wenn es nötig war. Er ging von sich aus vor ca. 3 Jahren in eine Klinik, ich war sehr, sehr glücklich darüber. Besuchte ihn täglich nach der Arbeit. Zuhause war ich der glücklichste Mensch mit ihm Hand in Hand zur Therapie zu gehen. Ich spüre dieses wundervolle Gefühl noch immer. Werde sehr traurig, wenn ich daran denke, dass es umsonst war. Leider ging er nicht lang zu den Sitzungen nach dem Klinikaufenthalt. Gern wäre ich weiter mitgegangen.
Mit die Schließung seiner Firma, für die ich mit „bürge“, begann die Angst in mir und mit der Angst die Wut. Ich wünschte ich könnte es besser verbergen, es gelingt mir nicht sehr gut ihm gegenüber. Das macht ihn wohl mit recht sehr traurig. Ich bin sehr oft allein, habe mir Hilfe bei einer Psychologin geholt, damit ich ruhiger Rede. Sie hat Teste mit mir gemacht, bei denen ich wohl angemessen reagiere. Ich habe ihm erklärt, dass die Situation der Firma und deren Folgen mich sehr beschäftigen, da sie auch meine bisherige finanzielle Selbständigkeit über Jahre betreffen. Wir streiten uns und dann gibt es trotz Stress wieder sehr schöne Zeiten und auch gemeinsame Rituale, die uns beiden gut tun. Er ist erschöpft und gereizt und ich auch. Er ist fast nur noch einen Tag in der Woche (Sonntag ) zuhause. An dem kann er sich ausruhen. Aber auch da kommt es zum Streit den wir es nicht wollen. Mein Partner wirft mir vor, er hält meine Aggression ihm gegenüber nicht aus und hat sich Wein gekauft. Ich habe ihn durch Zufall mit einer Tüte Wein zuhause angetroffen, er wusste nicht, dass ich schon komme. Er möchte, dass wir kein Paar mehr sind, sondern nur zusammen wohnen. Das war für mich ein Schlag ins Herz der mich traurig und wütend macht. Ich will diese Wutt in mir ihm gegenüber nicht, weil ich weiß das er diese Krankheit hat und es nicht steuern kann. Ich glaube, dass er schon länger Wein trinkt, das hörte ich am Klang seiner Stimme am Telefon (wir tel täglich, in meiner Mittagspause und nach der Arbeit) irgendwie fühlt man das. Darauf angesprochen verneinte er es immer und schrie mich am Telefon an. Die Themen Alkohol und Firma enden im Streit.
Ich wünschte, das wir es schaffen, vielleicht hat hier jemand Ähnliches erlebt. Vielleicht kann mir jemand schreiben, warum dieses „bockige „ Benehmen Auftritt. Wie kann ich damit umgehen. Ich breche Telefonate ab, sage es kurz, dass ich so nicht mit uns weiterreden kann, oder ich gehe aus dem Raum. Er machte sie auch so, nur meldet er sich manchmal tagelang nicht. Das ist dann ganz besonders schwer auszuhalten, ich fühle mich dann mit allem im Stich gelassen. Er geht aber bestimmt nur aauf den „Berg“, um sich zu sortieren. Aber auch ich bin unbeherrscht und schreie in wirklich unangemessen an, ich beruhige mich, wenn er mich festhalten würde, das fällt ihm schwer. Es tut mir danach so unendlich leid. Ich will diese Wut nicht in mir haben.

Martin

Beitrag von Martin » 03.03.2018, 20:53

Hallo la vie,

herzlich Willkommen in unserem Forum.
Vielleicht kann mir jemand schreiben, warum dieses „bockige „ Benehmen Auftritt.
Wenn dein Partner Alkohol trinken möchte/muss, dann stört alles was ihn daran hindert.

Mir ging das selbst auch so als ich noch soff, wehe mich störte jemand :evil:

Ich war ja auch nicht "bockig", ich brauchte den Sprit weil es mir ohne schlecht ging.

LG Martin

la vie
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Beitrag von la vie » 03.03.2018, 21:42

Hallo Martin, danke für deine Antwort. Sie tut gut, weil du genau weißt, wovon du schreibst.
Leider kann ich nicht einfach weg (Job etc). Ich denke das wäre wirklich die Lösung. Ich weiß noch vom ersten Mal, dass ich mir die Schuld gab. Ich und der Job haben wohl zu viel Druck ausgeübt. Wie kann ich mit ihm umgehen, dass er mich nicht als Feind sieht. Ich bin zu wütend und habe eine große Angst, es ist schwer dann gelassen zu reden. Ich will ihn nicht bevormunden, das macht es nur noch schlimmer.
Ich freue mich auf eine hilfreiche Antwort. Er ist nach einem Streit einfach für Tage weg, so auch zur Zeit. Das hat er damals auch schon gemacht. Das ist so hart. Wie kann ich mit ihm umgehen? Schön wäre wenn er zu einer Selbsthilfegruppe gehen würde, wo er reden kann. Ich kann ihm das nicht bieten, ich würde wieder bevormundend wirken, weil ich es bin. Ich glaube Außenstehende mir viel Selbsterfahrung wären hilfreich. Er hat niemanden mit dem er reden kann, das weiß ich. Das hat er mir oft gesagt.

Martin

Beitrag von Martin » 03.03.2018, 22:40

Hallo la vie,
Er ist nach einem Streit einfach für Tage weg, so auch zur Zeit. Das hat er damals auch schon gemacht.
du kannst machen was du willst, es ist immer falsch :!:

Selbst wenn ich keinen Grund hatte zu trinken, ich suchte dann einen.

Er/sie versteht mich nicht, das Wetter ist wieder so schlecht, im TV läuft nur Mist.......

Du kannst nichts für ihn tun wenn er keine Hilfe will, seh zu dass es dir gut geht :!:

LG Martin

la vie
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Beitrag von la vie » 03.03.2018, 23:12

Vielen Dank Martin für diese sehr ernüchternde, endlos traurige Einsicht in diese Krankheit. Es haut mich einfach um, ich war sehr naiv. Deine Worte treffen wohl genau das worüber ich mir nicht bewusst war. Ich danke dir sehr. Es wird wohl nie aufhören. Wenn es nicht zu indiskret ist, möchte ich dich fragen, wie ihr es als Paar geschafft habt. Wie bist du zur Therapie gekommen? Wie hast du es geschafft? Ich hoffe ich bin hier nicht zu direkt. Ich kann nicht aufhören traurig und erschöpft darüber zu sein, ich hatte so viel Schönes für uns mit ihm erträumt, wenn der Stress vorbei ist. Er sprach, dass auch er es sich so vorstellt. Ein normales Leben. Zeit für Kino, soziale Projekte, Sport, Ausflüge, Futsch. Misst. Ich bin so wütend traurig. Er wird nie zur Therapie oder Selbsthilfe gehen.

la vie
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Beitrag von la vie » 03.03.2018, 23:33

Vielen Dank Martin für diese sehr ernüchternde, endlos traurige Einsicht in diese Krankheit. Es haut mich einfach um, ich war sehr naiv. Deine Worte treffen wohl genau das worüber ich mir nicht bewusst war. Ich danke dir sehr. Es wird wohl nie aufhören. Wenn es nicht zu indiskret ist, möchte ich dich fragen, wie ihr es als Paar geschafft habt. Wie bist du zur Therapie gekommen? Wie hast du es geschafft? Ich hoffe ich bin hier nicht zu direkt. Ich kann nicht aufhören traurig und erschöpft darüber zu sein, ich hatte so viel Schönes für uns mit ihm erträumt, wenn der Stress vorbei ist. Er sprach, dass auch er es sich so vorstellt. Ein normales Leben. Zeit für Kino, soziale Projekte, Sport, Ausflüge, Futsch. Misst. Ich bin so wütend traurig. Er wird nie zur Therapie oder Selbsthilfe gehen.

Correns
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Beitrag von Correns » 04.03.2018, 10:13

Guten Morgen la vie,

die Situation, in der Du Dich befindest, ist sehr schwierig.
Als ich noch getrunken habe, fand ich fürs Trinken immer Gründe.
Martin hat dies ganz gut beschrieben.

Hätte mich damals jemand unter Druck gesetzt,
damit ich mit dem Trinken aufhöre,
hätte ich vermutlich zum Trotz weitergemacht.

Der Impuls aufzuhören kam von mir selbst.
Und dies ist tragischerweise auch der Schlüssel.
Ein Alkoholiker muss SELBST aufhören wollen.

Sehr gerne würde ich Dir einen besseren Rat geben.
Aber ich denke, Du bist nicht am Steuerrad.
Du bist eine Mitreisende und damit wohl co-abhängig.

Etwas Hoffnung zum Schluss:
Hier gibt es einige Leute,
die sich sehr gut mit Co-Abhängigkeit auskennen.
Schreib einfach munter weiter.
Schritt für Schritt werden die Leute bei Dir vorbeischauen.
Ich drücke Dir die Daumen, dass Hilfe kommt.

Viele Grüße
Correns

la vie
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Beitrag von la vie » 04.03.2018, 10:35

Schönen Morgen Correns,
Ich danke dir sehr für deine Antwort. Ich lese seit gestern und bin wirklich sehr aufgewühlt, wie naiv ich war. Diese Krankheit ist zu schlimm, mein optimistisches Wesen entschwindet mir grad mit aller Wucht. Darf ich dich fragen, ob du vor deiner neuen Lebenszeit mit deiner Familie über dein Trinkverhalten gezankt hast, haben sie dich darauf angesprochen? Wenn er nachhause kommen sollte weiß ich jetzt nicht einmal, wie ich mich verhalten soll.
Viele Grüße zurück und einen schönen Sonntag.

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