10 Jahre Freiheit

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum
berta
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10 Jahre Freiheit

Beitrag von berta » 04.03.2018, 06:17

Wie die Überschrift es schon aussagt, lebe ich 10 Jahre ohne Alkohol. Ich würde mich nie sagen trauen - ich habe es geschafft. Leider habe ich genug Rückfälle- auch nach Jahren-gesehen.
Die Arbeit - nämlich mit mir - geht weiter. Arbeit ist damit nicht negativ besetzt.
Gott sei Dank habe ich nie den Wunsch, wieder einmal benebelt zu sein.Ganz im Gegenteil! Ich erwähne es deshalb, weil eine Bekannte einmal diesen Wunsch äußerte. Inzwischen ist sie nach 9 Jahren Abstinenz wieder "voll drin".
Ich habe die Abstinenz zum großen Teil dem Forum zu verdanken. Besonders am Anfang sind die Verhaltensregeln bzw. Tipps aus dem Forum unerlässlich.Warum sollte ich das Rad neu erfinden?
Ich bin normal kein schwarz-weiß Denker - bei der Abstinenz ist es aber unabdingbar.
Am Beginn der Abstinenz kann man es sich nicht vorstellen, nie wieder Alkohol zu trinken - heute kann ich mir nicht vorstellen, wieder Alkohol zu trinken.

Aurora
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Beitrag von Aurora » 04.03.2018, 13:57

Hallo berta,

willkommen zurück! Ich kann mich noch gut an dich erinnern.

10 Jahre trocken, das ist schon eine tolle Zeit. Glückwunsch!

Liebe Grüße
Aurora

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 04.03.2018, 17:54

Hallo Berta!

Glückwunsch. Eine großartige Leistung.

Gruß
Carl Friedrich

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 04.03.2018, 22:37

hallo Bertha,

willkommen zurück, schön dass du wieder da bist.
herzlichen Glückwunsch zu 10 Jahren Trockenheit.


lg Morgenrot

berta
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Beitrag von berta » 05.03.2018, 05:33

Ich bin froh, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, mich betäuben zu müssen, owohl nicht alles gut ist.
Mit meiner Trockenheit hat sich nichts geändert - ich habe mich verändert!
Meine Tochter hat mich vor 14 Jahren verlassen - jetzt ist sie 30 - nach wie vor lehnt sie jeglichen Kontakt zu mir ab. Dieser Schmerz ist manchmal kaum auszuhalten. Ich habe einen Weg gefunden, damit zu leben. Das Wichtigste ist mir, nicht in Verbitterung zu verfallen. Der Gedanke an meine Tochter ist natürlich so gut wie ständig da.
Ich stehe sehr früh auf und nehme mir Zeit für meine Gedanken, die ich - bildlich gesprochen- dann in eine Schublade für den Tag gebe - bis zum nächsten Tag. Manchmal schreibe ich auch einen Brief an sie, erzähle ihr von mir. Ob ich die Briefe ihr jemals zukommen lasse, weiß ich noch nicht.
Sport ist eine weitere psychische Stütze für mich. Mehr oder minder intensiver Sport, damit ich mich spüren kann.
Ich bin auch weiterhin in psychiatrischer Behandlung, da ich ohne Medikamente die Depressionen nicht in den Griff bekomme. Inzwischen brauche ich nur noch 1 Medikament- und das niedrig dosiert.
Gruß Berta

Hans im Glück
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Beitrag von Hans im Glück » 05.03.2018, 14:43

Hallo Berta,

deine Zeilen von 4:33 sind sehr bewegend und lassen spüren, dass du -trotz aller Schwierigkeiten- einen guten Weg für dich gefunden hast.
Ein schönes Beispiel für viele Hilfesuchenden hier, wie auch für mich :wink:

Liebe Grüße
Hans

Elly
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Beitrag von Elly » 05.03.2018, 16:26

Hallo Berta,

auch von mir ein herzliches Willkommen...

10 Jahre hast Du geschafft und Du bringst es auf den Punkt:

Es ist nicht immer einfach, aber es ist einfach besser ohne Alkohol!

Man muss versuchen aus allem das Beste zu machen, denn wenn man will, findet man immer
ein Haar in der Suppe.

Und die Abstinenz lässt uns auf alle Fälle die Höhen und Tiefen des Lebens besser meistern!

Und Du kannst wirklich stolz auf Deine Stärke sein!

LG Elly

berta
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Beitrag von berta » 06.03.2018, 04:55

Guten Morgen!
Danke an alle, die ein Feedback geben!
Wenn ich durch meine Geschichte jemandem Mut, Hoffnung oder einfach einen Anstoß geben kann, werde ich es gerne tun.
Bevor ich mit meinen Erlebnissen fortfahre, möchte ich mehr zu meiner Person sagen.
Auch wenn ich schon ewig mit Depressionen zu kämpfen habe - ich bin ein durchaus positiver Mensch. Damit meine ich - ich jammere so gut wie nie! Ich habe durchaus Humor, mit dem ich andere zum Lachen bringe.
Meine Frisörin z. B. freut sich, wenn ich komme und ich ihr wieder "Geschichten aus dem Leben" erzähle.
Ich habe kein Problem einen ganzen Gesellschaftstisch zu unterhalten :oops:
Ein Freund meines Mannes, der praktischer Arzt ist, meinte einmal zu mir, er verstehe nicht, weshalb ich Antidepressiva nehme. Er habe mich noch nie depressiv gesehen :roll:
Hat mich schockiert, wieviel Unwissen über eine so häufige Krankheit selbst bei einem Mediziner herrscht.
Ich bin der festen Überzeugung, dass man sich nur selbst helfen kann.
Man kann Krücken zu Hilfe nehmen- mehr nicht.
Sich mit sich beschäftigen - nicht durch Aktivitäten ablenken lassen!
Schmerzhaft - aber effektiv und zeitintensiv! Dieses Forum heißt ja auch Selbsthilfeforum und so ist es zu für mich zu verstehen.
Ich gehe mit meiner Alkoholkrankheit offen um und habe kein Problem, wenn mich jemand hier erkennen würde.
Ich stehe zu mir!
Sind wir doch ehrlich - so gut wie niemand in unserer Gesellschaft sieht die Alkoholkrankheit als Krankheit an. Es heißt nur - der oder die säuft(mit abfälligem Unterton).

Ich habe seit 15 Jahren ein Katze, an der ich seeehr hänge. Ursprünglich hatte ich 3. -2 davon musste ich schon erlösen lassen. Diese tollen Geschöpfe haben mir Kraft gegeben - sie waren die Einzigen, die ich noch hatte. (Ist ihnen ja nichts anderes übriggeblieben :D )
Gestern fiel meine alte Katze einfach um und schrie fürchterlich. Die längste Zeit kam sie nicht mehr auf die Beine und ich war hilflos. Ich rief den Tierarzt an und auch meinen Mann, dass er bitte gleich nach Hause kommt. Inzwischen geht es meiner Katze wieder gut - muss aber zugeben, dass mich das emotional sehr mitgenommen hat. Natürlich beschäftige ich mich schon länger damit, dass meine Mieze altersbedingt , mich in absehbarer Zeit verlassen wird - doch ein bisschen Zeit möchte ich schon noch mit ihr haben! :oops:

Gruß Berta

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