Wieder fast 1 Jahr trocken

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Thomas 2017
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Wieder fast 1 Jahr trocken

Beitrag von Thomas 2017 » 06.03.2018, 00:08

Ich habe meinen ersten Entzug ab Oktober 2011 in der UPK Basel gemacht. Dazu war ich ca. 6 Monate in der Klinik. Danach war ich fast 4 Jahre trocken. 2014 bin ich nach Zypern ausgewandert, da ich im Juni 2011 meinen Job verloren habe und mit damals 55 keine Chance mehr hatte etwas neues zu finden. Nach 2 Rückfällen und 2 kürzeren Aufenthalten in der gleichen Klinik bin ich jetzt wieder fast 1 Jahr trocken. Ich bin sehr froh, dieses Forum gefunden zu haben, weil mir der Erfahrungsaustausch mit anderen Alkoholikern sehr viel bringt. Man braucht sich nicht jedes mal zu erklären, da hier (im Gegensatz zu aussenstehenden) jeder weiss von was man spricht. Wir sprechen die gleiche Sprache (und ich meine jetzt nicht Deutsch...)
Ich möchte noch kurz sagen, was ich (neben vielen anderen Sachen) gelernt habe: Man darf sich wegen der Krankheit nie schämen und niemals glauben, dass man der Einzige ist der diese Krankheit hat. Ich habe mich geoutet und habe viele erstaunlich positive Feedbacks erhalten. Wenn jemand nicht mehr weiter weiss, holt euch Hilfe. Jedes Gespräch mit einem Menschen der mit der Krankheit vertraut ist, bringt unendlich viel mehr, als sich zu Hintersinnen und zu verkriechen. Ich wünsche allen viel Geduld und Kraft.

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 09.03.2018, 06:53

Hallo Thomas2017
Danach war ich fast 4 Jahre trocken. 2014 bin ich nach Zypern ausgewandert, da ich im Juni 2011 meinen Job verloren habe und mit damals 55 keine Chance mehr hatte etwas neues zu finden. Nach 2 Rückfällen und 2 kürzeren Aufenthalten in der gleichen Klinik bin ich jetzt wieder fast 1 Jahr trocken.
Wie kam es denn zu dem Rückfall?

Gruß Hartmut

Thomas 2017
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Beitrag von Thomas 2017 » 12.03.2018, 08:22

Das ist eine gute Frage. Nach meinem ersten Entzug 2011/12 besuchte ich regelmässig 1x pro Woche eine Therapiegruppe in der Klinik. Das hat mir sehr viel geholfen und Alkohol war eigentlich kein Thema mehr für mich. Dann bin ich 2014 nach Zypern ausgewandert und hatte plötzlich keine Gespräche mehr zum Thema und mir brachten diese Gespräche eben sehr viel. Am Anfang ging ich zu den AA (mehr gibt es hier nicht), aber das war nicht das, was ich suchte. Und obwohl ich in der Klinik sehr viel gelernt habe, kamen halt schleichend wieder die Gedanken an Alkohol, so wie "ein Bier kann ja nach so langer Zeit nicht schaden". Wenn du am Meer sitzt und deinen Gedanken nachhängst, denkst du "jetzt wär doch ein Bier so schön". Und so kam es, dass ich mir ein Bier kaufte. Natürlich blieb es nicht bei dem einen und innert kurzer Zeit war ich wieder voll drin. Zum Glück habe ich nach ca. 3 Monaten die Notbremse gezogen und bin wieder nach Basel in die Klinik. Das war 2015. Den zweiten Entzug habe ich irgendwie aber nicht richtig ernst genommen und als ich wieder in Zypern war ging es auf die gleiche Weise schon bald wieder los. Also, ein neuer Anlauf in der Klinik. Jetzt bin ich seit Mitte April 2017 wieder Trocken und beschäftige mich häufig mit dem Thema. Ich habe z.B. das Buch von Prof. Lindenmeier "Lieber schlau als blau" gelesen und dachte wirklich, ich schaue in einen Spiegel. Es war ein tolles Erlebnis. Heute geht es mir wieder gut und ich geniesse bewusst das Leben ohne Alkohol. Es ist soooo viel besser. Zur Absicherung nehme ich noch regelmässig ein Medikament, das sich mit Alkohol nicht verträgt und dadurch ist Alk eh kein Thema, auch wenn mal wieder ein craving kommt. Davor habe ich zu viel Respekt.
So, das war eine "kurze" Zusammenfassung meiner Rückfälle.

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 12.03.2018, 10:36

Hallo Thomas,
und Willkommen im Forum !
Schön, das Du hergefunden hast.

Die Rückfälle zeigten Dir ja deutlich auf, wie unsere Krankheit funktioniert.
Auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, man scheint sehr schnell wieder im alten Saufmuster zu hängen.
Ich habe es auch von anderen Rückfälligen aus meiner damaligen realen Gruppe so zu hören bekommen.
Zum Glück habe ich es nie selbst ausprobieren wollen, ob es auch bei mir so wäre.
Aber ich gehe davon aus.

Das Buch "Lieber schlau als blau" muss ich mir nu auch mal bestellen :D
Es wird hier ja immer wieder erwähnt. Werde es auch lesen, wenn es so gut ist wie hier immer beschrieben.

Wie ist das mit diesem Medikament?
Wirst Du das nun immer nehmen müssen/wollen? Für Dein restliches Leben?
Oder setzt man es irgendwann ab?
Ich für meinen Teil könnte es mir gar nicht vorstellen, so ein Medikament einzunehmen.
Denn ich gehe davon aus, das jedes Medikament auch Nebenwirkungen hat.
Aber wenn es nicht anders geht...
Siehst Du denn Entwicklungschancen bei Dir, irgendwann ohne dieses Medikament Deine Krankheit weiterhin stoppen zu können?
Wie ist da der Plan?
Heute geht es mir wieder gut und ich geniesse bewusst das Leben ohne Alkohol. Es ist soooo viel besser.
Ich geneiße es auch immer noch, trocken leben zu können, obwohl ich nun schon viele Jahre trocken bin.
Da ist eine tiefe Dankbarkeit in mir, die wohl auch nie wieder weg geht.
Ich habe viele Jahre an den Alk vergeudet, den Rest möchte ich lieber bewußt und ohne chemische Drogen verbringen :)

LG und einen guten Austausch wünsche ich Dir hier !
Sunshine

Thomas 2017
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Beitrag von Thomas 2017 » 12.03.2018, 16:56

Hallo Sunshine
Danke für Dein welcome.
Ja, das mit den Rückfällen ist teuflisch. Es reicht ein mal und der Alkohol frisst sich in dein Hirn. (Suchtgedächtnis!!!). Ich bin in die Falle getappt, obwohl ich in der Therapie so viel gelernt habe. Aber ich habe einen neuen Anlauf genommen.
Bei mir war es so, dass ich 1x pro Woche in eine Gruppe gegangen bin. Das hat mir sehr viel gebracht. Als ich Ausgewandert bin hat mit das total gefehlt. Hier gibt es leider nichts vergleichbares und schon gar nicht in Deutsch. Aber dieses Forum ist wirklich auch sehr gut.

Das Buch "Lieber schlau als blau" richtet sich eher an Anfänger, enthält aber auch sehr gute medizinische Erklärungen für Rückfälle, craving etc. und zwar in einer gut verständlichen Sprache. Es hat aber auch viel Schmunzelmomente. Zu dem tut es gut auch wieder mal über die Zeit im Entzug und in der Entwöhnung nachzudenken :(

Das Medikament kann auf die Leber schlagen, deshalb überprüfe ich regelmässig meine Leberwerte. Es ist halt eine Krücke, aber das Ziel ist schon, es wieder abzusetzen. Den Zeitraum lasse ich für mich aber noch offen. So lange ich das nehme bin ich halt auf der sicheren Seite. Denn weisst Du, so schön es hier auf Zypern auch ist, desto mehr Fallen hat es auch. Ich habe z.B. absolut keine Probleme in Restaurants zu gehen wo getrunken wird, aber bei mir kommt es eher wenn ich alleine am leeren Strand sitze, aufs Meer rausschaue und meinen Gedanken nachhänge.

Ich wünsche Dir eine Gute Zeit und hoffentlich bis bald wieder
Liebe Grüsse
Thomas

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 28.03.2018, 22:29

Hallo Thomas,

ich las gerade, dass du den Austausch in deiner Selbsthilfegruppe vermisst dort, wo du jetzt bist.

Ich kann das einerseits gut nachvollziehen, da auch ich den Austausch im Rahmen der Selbsthilfe sehr wichtig und hilfreich finde.

Gleichzeitig habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass mir auch der Austausch mit Nicht-Alkoholikern sehr gut tun kann, wenn es denn (auch) Menschen sind, die „auf dem Weg“ sind, die über sich und andere nachdenken und sich und andere verstehen wollen. Vielleicht, wenn du dich traust, dich auch anderen in deinem persönlichen Umfeld mehr zu öffnen, wirst du dir auch ohne „offizielle“ RL-SHG ein tragbares Netzwerk schaffen können, in dem du dich aufgehoben fühlst. So erlebe ich es.

Viele Grüße
Thalia

Thomas 2017
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Beitrag von Thomas 2017 » 29.03.2018, 16:22

Hallo Thalia

Ja das stimmt, diese Erfahrung habe ich auch gemacht.
Allerdings sind es doch nicht die gleichen Gespräche wie z.B. in dem Film der über den Link gezeigt wurde.
Obwohl ich mich oute und offen über meine Krankheit spreche (was zu ganz überraschenden Gesprächen führen kann :) ) ist es halt doch nicht das selbe wie Gespräche mit trockenen Alkoholikern. Deshalb schätze ich eben auch dieses Forum.

LG
Thomas

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