Ich verstehe es nicht

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Camilla123
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Ich verstehe es nicht

Beitrag von Camilla123 » 08.03.2018, 15:33

Hallo,

ich bin neu hier und kopiere mal meinen Vorstellungstext hier rein.

Mein Mann trinkt meiner Meinung nach zu viel Alkohol.
Ich habe ihm die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt, er muss sich Hilfe holen oder ich bin weg.

Er war dann bei seinem Hausarzt und hat eine Überweisung mitgebracht für eine Psychotheraphie.
"Anbindung erbeten bei chronischem Alkoholabusus im Rahmen eines Stresssyndroms" versehen mit dem Kürzel A für "Akut".

Jetzt behauptet mein Mann, da stände ja nichts von Alkoholsucht und dementsprechend wäre alles nicht so tragisch und der Arzt hätte eh keine Ahnung.

Was soll ich denn glauben bzw was heißt das alles?
Ich weiß, hier sind wahrscheinlich keine Ärzte aber ich weiß nicht mehr weiter...und ich habe Angst.

Ich werde mich trennen, wenn er sich keine Hilfe holt und in meine Heimatstatdt zurück ziehen.

Aber wie schlimm ist es? Wenn er sich keine Hilfe holt, kann er dann von alleine da raus kommen?

Vielleicht zur Info, er trinkt nicht täglich aber sehr oft und oft auch viel.
Er trinkt heimlich, ich habe im Keller leere Schnapsflaschen gefunden.
Er hat sich schonmal eingenässt im betrunkenen Kopf.
Wenn wir gemeinsam ein Glas Wein trinken, geht er zwischendurch in den Keller, wo er noch ein Bier stehen hat.
Wenn ich früher ins Bett gehe, fängt er auch an zu trinken und versteckt die Flasche währenddessen hinterm Sofa, falls ich doch mal zu ihm komme (ist mal so passiert).
Er beschimpft mich, gibt mir die Schuld und bezeichnet meine Gedanken als falsch.
An Weihanchten ist er nach 4 Gläsern Rotwein ins Auto gestiegen und gefahren.

Ich glaube, ich packe lieber meine Tasche, oder?

kaltblut
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Beitrag von kaltblut » 08.03.2018, 16:48

Hallo Camilla123,

willkommen hier im Forum, in den bunten Ratespielen, bei den zerreißenden Gedankenverdrehern und dem nicht verstehen können.

Sofern Dein Mann keine Krankenbescheinigung hat, ist er sogar noch gesund. Regelmäßig zu trinken ist ja nicht verboten. Auf dem Papier steht jedenfalls nichts. Du hast Angst, er nicht. Was willst Du denn? Er hat kein Problem, nur Du.

Wie schlimm es ist?

Die Frage ist nicht, was Dein Mann alles hat, wie das bezeichnet wird, welche Ursachen es hat, was daraus wird und was andere dazu meinen, sondern ob Du noch mit seinem Verhalten klar kommst, ob Du damit weiter so leben willst und kannst oder nicht.

Ich wünsche Dir einen guten Austausch, viele neue Gedanken, die richtigen Entscheidungen und einen guten Austausch.

LG Kaltblut

WildRover2017
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Beitrag von WildRover2017 » 08.03.2018, 21:49

Hallo Camilla,

es bedeutet:

"dauerhafter krankhafter Alkoholmissbrauch im Rahmen einer Gruppe von Krankheitszeichen, die auf große Belastungen schließen lassen".

Damit umgeht der Arzt elegant eine genaue Festlegung darauf, inwieweit da schon eine Abhängigkeit da ist. Ein Code in der Form "F10..." ist nicht auf der Überweisung?

Der Psychotherapeut versteht aber haargenau, was da angedeutet wird, da kannst Du sicher sein. Hoffentlich kriegst Du Deinen Mann dazu, dass er dort hingeht ...

Liebe Grüße

WildRover

Gotti
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Beitrag von Gotti » 09.03.2018, 09:29

Hallo Camilla, und ein herzliches Willkommen hier im Forum!

Was dein Mann tut, sollte dir vollkommen wurscht sein, so wie ihm wurscht ist, was du tust. Ob oder ob er sich keine Hilfe holt - das sollte dich nicht hindern, für DICH zu sorgen, dir HILFE zu holen, bzw. auszuziehen.
Deine Geschichte ähnelt hier so vielen - meiner natürlich auch, und ich kann dich nur bei deinem schon "Fast - Entschluss" die Tasche zu packen, unterstützen.
Leider habe ich das viel zu lange nicht geschafft, und in den "kranken" Jahren mein Leben und das meiner Kinder sehr belastet.
Allein der Abstand kann dir wieder helfen, "gesund" zu werden, denn leider machen uns unsere trinkenden Männer mit krank.
Ich wünsche dir einen reichen Austausch und einen schönen Tag!
Gotti.

WildRover2017
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Beitrag von WildRover2017 » 09.03.2018, 09:58

Und, P.S.: Ich denke, der Arzt will ihm mit der Formulierung außerdem auch noch eine psychologische Brücke bauen, die es ihm leichter machen soll, zum Psychologen zu gehen, in etwa:

"Sie trinken ja nicht, weil sie ein schlechter Mensch sind/schwach sind/keinen Anstand haben/was auch immer sie als beschämend empfinden, sondern weil sie so stark belastet sind. Sie kommen eben mit dem Stress nicht klar. Also schicke ich sie zum Psychologen, damit Sie Hilfe bekommen, diese Belastungen zu senken oder zumindest besser zu verarbeiten."

Ein bisschen von hinten durch die Brust ins Auge, damit die Schamschwelle gesenkt wird und er sich eben vielleicht leichter damit tut, sich in Behandlung zu begeben.

Camilla123
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Beitrag von Camilla123 » 09.03.2018, 10:05

Vielen Dank für die bsiherigen Antworten!

Ich verstehe, worauf ihr hinaus wollt und ich lese hier im Forum auch schon eine Weile mit. Es muss um mich und mein Leben gehen.

Nun ist es so, dass ich ein sehr selbstständiger Mensch bin, wir haben keine Kinder, ich bin finanziell gut aufgestellt und habe ein gutes soziales Umfeld un eine große Familie. Ich schnüffel ihm nicht hinteher, kontrolliere ihn nicht und richte mein Leben auch nicht nach ihm aus.
Ich würde mein Leben im Großen und Ganzen als gut bezeichnen.

Nun möchte ich aber eine solche Trennungsentscheidung nicht aufgrund von Vermutungen treffen.
Ich würde mir auch kein Bein amputieren lassen, weil ich vermute, dass es krank und nicht heilbar ist. Ich hoffe, ihr versteht was ich meine.

Ich weiß, Alkoholismus ist nicht heilbar aber man kann die Krankheit stoppen.
Aber kann er das in diesem Stadium noch alleine schaffen?
Ist es wirklich entscheidend dafür, sich Hilfe zu holen oder geht es einfach, das Problem zu erkennen und selbst daran zu arbeiten, indem man z.B. das Leben umstellt, den Stress minimiert etc.?

Ich habe gelesen, dass man nicht mehr alleine da rauskommt, wenn man erstmal die Kontrolle über den Konsum verloren hat. Hat er das denn schon mit den oben beschriebenen Sachen?

Bitte versteht mich nicht falsch, ich will nicht die ganze Zeit über ihn reden, ich will nur die momentane Situation verstehen, in der ich lebe.
Wenn er oder ich eine andere Krankheit hätte, würde ich ja auch alles darüber erfahren wollen.

LG

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 09.03.2018, 10:46

Hallo Camilla123
Aber kann er das in diesem Stadium noch alleine schaffen?
Wenn ja, was macht es mit dir? Wenn nein, was macht es mit dir?

Schaffen kann es jeder aber nicht jeder ist eben bereit dazu. Die Erkenntnis muss von ihm kommen auch wenn es Andere schon längst erkennen. Du hast alles getan was zu tun ist und nun liegt es in seiner Entscheidung darüber nachzudenkenden. Nun weiß auch jeder Alkoholiker das er einen ist und weiß auch genau über sein Trinkverhalten Bescheid.

Ich kann deine Ängste verstehen aber kann sie dir nicht nehmen. Jedoch kann es jeder schaffen. Nun ist es auch schwer etwas zu beurteilen wenn es aus der Sicht eines Anderen kommt. Ich hatte es mit Hilfe und Alleinig mit dem Forum geschafft, da meine eigene Versuche jahrelang kläglich gescheitert sind.
@WildRover2017
Der Psychotherapeut versteht aber haargenau, was da angedeutet wird, da kannst Du sicher sein. Hoffentlich kriegst Du Deinen Mann dazu, dass er dort hingeht ...
Aus welcher Erfahrung heraus argumentierst du so? Bist du auch Alkoholiker oder CO ? Oder denkst du es von dir heraus das es so funktioniert? Du kannst keinen Alkoholiker trocken legen. Auch kein Therapeut oder sonst Wer.

Gruß Hartmut

Aurora
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Beitrag von Aurora » 09.03.2018, 10:59

Liebe Camilla,

herzlich willkommen.

Es ist sehr schwierig, da eine Ferndiagnose zu stellen. Aber aus dem, was du schreibst, scheint er schon ziemlich gut dabei zu sein. Beim Abhängigsein. Denn wer einfach nur mal ein Glas Alkohol genießt der muss nicht in den Keller gehen und sich nebenbei abfüllen. Der muss nicht verstecken und beschönigen und Schuldzuweisungen machen. Der Alkohol wird da schon benutzt um einen bestimmten Zustand zu erreichen. Und das ist, ob er nun schon abhängig ist oder nicht, auf jeden Fall kein gesundes Verhalten.

Und was dabei eben ganz wichtig ist, wie geht es dir damit? Anscheinend ja nicht gut, denn sonst wärst du nicht hier und wärst nicht ängstlich und voller Zweifel und Fragen.

Es ist sehr schwer zu sagen, ob dein Mann alleine da noch raus kommt. Vielleicht hast du ja hier auch schon bei den Alkoholikern gelesen, da stehen sehr viele Erfahrungen. Ich kenne jetzt irgendwie keinen, der es ohne Hilfe geschafft hat, wobei die Hilfe immer ein wenig unterschiedlich ist, je nachdem, was der Mensch braucht.

Ich kann dich sehr gut verstehen, dass dir erst mal alles über ihn und sein Konsumverhalten durch den Kopf geht. Ging mir ja auch so. Ich war immer sehr unsicher, ob mein Exmann nun abhängig ist oder nicht. Ich wollte ihm da nichts "anhängen" und ihn unterstützen. Ich habe oft versucht mit ihm darüber zu reden. Das hat nicht viel gebracht für mich. Er zerstreute jedes Mal meine Bedenken, erklärte mich für verrückt und überkandidelt... für blöd und böse.

Du hast jetzt die einzige Möglichkeit, auf dich zu schauen. Was möchtest du? Du hast die Möglichkeit abzuwarten und mit ihm zu reden. Über deine Ängste und Sorgen. Da wirst du sehen, was passiert. Was er daraus auch macht. Du musst nicht sofort deine Koffer packen und gehen, es ist deine Entscheidung, du hast jederzeit die Möglichkeit das zu tun, wenn es dir zu viel ist. Du scheinst da in einer guten Position zu sein, hast dein eigenes Auskommen, dein gesundes Umfeld, all das. Das ist ein guter Ausgangspunkt.

Ich wünsche dir erst Mal ein schönes Wochenende
liebe Grüße
Aurora

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