Eine trockene aber nicht vertrocknete Blumenampel....

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Antworten
Blumenampel
neuer Teilnehmer
Beiträge: 4
Registriert: 23.03.2018, 16:06

Eine trockene aber nicht vertrocknete Blumenampel....

Beitrag von Blumenampel » 25.03.2018, 11:24

Ich komme gerade aus dem Vorstellungsbereich und möchte nun hier nochmals kurz meinen Werdegang beschreiben...

Ich bin 53 Jahre alt, geschieden und Vater einer 16 jährigen Tochter die ich im wöchentlichen Wechsel bei mir habe. Von Beruf (den ich auch noch ausübe ) bin ich Controller in einem mittelständischen Unternehmen.

Ende November letzten Jahres lag meine Tagesdosis an Alkohol ungefähr bei einer Flasche Weinbrand täglich ungefäht seit 1,5 Jahren. Ich konnte mich trotz dieser Menge noch klar und deutlich artikulieren und man merkte mir diese Menge Alkohol nicht unbedingt an. Dachte ich zumindest....

Meine Tochter kam dann eines Tages auf mich zu und sagte mir, das sie nicht mehr bei mir sein und wohnen möchte, da ich ja jeden Abend betrunken bin. ( Ups... hat wohl doch jemand gemerkt...)

Das war mein Tiefpunkt....

Am nächsten Tag bin ich zitternden Schrittes zu meinem Hausarzt gegangen und habe einfach gesagt, dass ich nicht mehr kann. Das der Alkohol gewonnen hat und ich mich ergeben werde....

Sofort bekam ich die Einweisung ins hiesige Krankenhaus zur stationären Entgiftung. Es war allerdings keine fachlich in diese Richtung geschulte Einrichtung und so wurde ich der " Inneren" zugewiesen. Ich bekam einige Medikamente um die Entzugserscheinungen zu mildern und nach 8 Tagen dort mit dem Hinweis ich möge mich bei einem therapeutischen Hilfeverein melden wieder entlassen.

Noch am gleichen Tag ging ich zu solch einem Verein und zusammen mit dem Therapeuten erarbeiteten wir einen Plan wie es denn nun mit mir weitergehen solle...

Carl Friedrich
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1199
Registriert: 06.07.2015, 22:47

Beitrag von Carl Friedrich » 25.03.2018, 13:22

Hallo!

Glückwunsch zu den richtigen ersten Schritten.

Das Vertrauen der Familie zurückzugewinnen nimmt viel Zeit in Anspruch. Also setz die Erwartungshaltung von vornherein lieber nicht zu hoch an. Das dauert ebenso wie der Prozess der Trocknung des Geistes.

Was schwebt deinem Therapeuten denn vor? Eine Therapie?

Gruß
Carl Friedrich

Blumenampel
neuer Teilnehmer
Beiträge: 4
Registriert: 23.03.2018, 16:06

Beitrag von Blumenampel » 25.03.2018, 16:16

... nach einigen Gesprächen wollte ich schlussendlich eine stationäre Langzeittherapie in Angriff nehmen und noch vor Weihnachten 2017 war der Antrag incl Sozialplan beim Rentenversicherungsträger eingereicht.

Die Feiertage kamen, das Jahr 2018 begann und der Bescheid ließ auf sich warten. Endlich, so Mitte Januar kam die Bewilligung, das ich ab dem 07.02.18 eine stationäre Therapie beginnen könne.
Mittlerweile hatte ich ja ca 1,5 Monate keinen Alkohol mehr getrunken und war der Überzeugung ich könnte mal wieder einen Flachmann mit Weinbrand probieren. Ich hatte ja "Kontrolle " über mich und mein Trinkverhalten.

Nur einen zum Entspannen und Wohlfühlen....

Ich habe dann das ganze Wochenende durchgesoffen, bin betrunken zum Supermarkt Auto gefahren um Nachschub zu holen, gekotzt, auf dem Fußboden geschlafen und nichts mehr auf die Reihe gekriegt.

Nur einen zum Entspannen und Wohlfühlen...

Elly
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1021
Registriert: 25.01.2007, 17:23

Beitrag von Elly » 25.03.2018, 18:18

Hallo Blumenampel,

da hast Du ja gleich einen richtigen Rückfall durchgemacht... Mal im Ernst, was wurde Dir dort, nach dem ersten Entzug erzählt, bzw. beigebracht?

Hast Du Dich nun richtig informiert, dass es nicht möglich ist für einen Alkoholkranken, nur mal "etwas" zu trinken?

Unsere Krankheit lässt sich nur dadurch stoppen, in dem man gar nichts mehr trinkt. Darüber sollte man sich klar werden, weil die Spirale
immer wieder steil nach unten geht.

Ich wünsche Dir, dass Du eine trockene Zufriedenheit und Deinen Weg in ein nüchternes Leben findest!

Wie lange machst Du noch die stationäre Therapie?

Elly

Blumenampel
neuer Teilnehmer
Beiträge: 4
Registriert: 23.03.2018, 16:06

Beitrag von Blumenampel » 25.03.2018, 19:16

... da kann man mal sehen wie wenig ich noch vor ein paar Wochen über die Tücken der Sucht wusste.

Ja, ich habe diesen Rückfall gebaut und ihn still und heimlich hingenommen. Danach habe ich den 07. Februar, den Beginn meiner Therapie förmlich herbeigesehnt....

Mittlerweile bin ich seit 7 Wochen in eben dieser Langzeittherapie und erfahre jeden Tag neues und interessantes über das Thema Sucht. Wie sie funktioniert, was sie mit mir macht, warum sie das mit mir macht und wie ich ihr zukünftig begegnen werde.

Denn eins ist klar : Ich bleibe den Rest meines Lebens alkoholkrank und kann nicht mal ansatzweise "kontrolliert" Alkohol konsumieren, es würde im absoluten Chaos enden.
Die Sucht wird immer an meiner Seite bleiben, ich entscheide und ich bin verantwortlich dafür wie ich damit umgehe...

Blumenampel
neuer Teilnehmer
Beiträge: 4
Registriert: 23.03.2018, 16:06

Beitrag von Blumenampel » 27.03.2018, 15:41

Ich stehe ja noch ganz am Anfang meines neuen Lebens und kann auch nur für mich sprechen, aber für mich war es genau die richtige Entscheidung diese Langzeittherapie zu machen.

Hier bekomme ich Schritt für Schritt und Tag für Tag das Rüstzeug an die Hand gegeben um der Sucht entgegenzutreten.
Erst hier ist mir überhaupt der Sinn von z. B. Selbsthilfegruppen klar geworden.
Schon vor der Therapie war ich an zwei Abenden bei einer hiesigen SH Gruppe, aber so richtig verstanden, was die da einmal die Woche abends so machen und worin der Zweck besteht habe ich nicht wirklich.

Erst hier habe ich gelernt, wie wichtig es ist sich regelmäßig auszutauschen, Kontakte zu haben , über Probleme des Alltags zu reden, Hilfe anzunehmen und zu geben, in einer Gemeinschaft von gleichen zu sein und, und, und...

Linde66
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 18572
Registriert: 08.10.2008, 23:13

Beitrag von Linde66 » 27.03.2018, 21:12

Hallo Blumenampel,

manchmal kommen User an den Punkt, wo sie überlegen, was soll ich denn noch hier bzw. in einer realen Gruppe. Und haben keinen Bock, ihr Alltagskleinkrams aufzuschreiben.

Aber, da kommt ein ganz wichtiger Punkt ins Spiel: wenn man seinen Alltag aufschreibt, dann wird das hier ja mitgelesen. Und man bekommt relativ schnell Rückmeldungen, wenn es nach Schräglage aussieht. Das ist ein Riesenvorteil, denn man selber ist ja mittendrin und rafft manchmal viel zu spät, was andere von außen beim Draufgucken schon andeutungsweise sehen...

Regelmäßiger Austausch gerade über Alltagsdinge ist also eine große Chance, weil man frühzeitig Rückmeldungen bekommt, wenn sich das Verhalten zu verändern beginnt. Sowas wie ein Rauchmelder, wenn man selber noch nix merkt, der Rauchmelder merkt es schon.

Grüße, Linde

Antworten