Trennung ist der letzte Ausweg

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Sandra P
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Trennung ist der letzte Ausweg

Beitrag von Sandra P » 10.04.2018, 10:20

Hallo zusammen,
so langsam bin ich am Ende meiner Kräfte und ich sehe, wenn ich es realistisch anschaue, keinen anderen Weg mehr als die Trennung, da ich sonst daran kaputt gehe. Nachdem mein Mann 18 Jahre trocken war kam in 2015 der Rückfall bis er im September 2016 zur Entgiftung ging. Danach hat er noch eine ambulante Therapie gemacht, die meiner Meinung nach überhaupt nichts gebracht hat, aber er war bis Januar 2018 wieder trocken. Ende Januar kam es wieder zum Rückfall. Es hat sich alles wieder schnell gesteigert und es ist wieder mal unerträglich. Sobald das Thema Alkohol angesprochen wird, wird er aggressiv. Beschimpfungen und Vorwürfe, dass ich Ihn mit meiner Art zum Alkohol treibe, nur weil ich sofort merke wenn er was getrunken hat. Ich habe den Eindruck, dass er immer noch nicht kapiert hat, dass er Suchtkrank ist. Er ist der Meinung er trinkt um von den Problemen abzuschalten. Seine Probleme hat er aber nur durch den Alkohol, aber das sieht er nicht. Er lebt in seiner Alkohol-Phantasiewelt und man kommt mit Worten überhaupt nicht an ihn ran. Für mich ist das unerträglich und ich habe auf nicht mehr Lust, weder Sport noch Kochen und würde mich am liebsten zu Hause verkriechen und einschließen, dass mich bloß niemand darauf anspricht. Das Schamgefühl ist ganz schlimm, denn wir leben in einem kleinen Ort wo uns jeder kennt. Man hat ständig das Gefühl, die Leute wissen Bescheid und gucken mich komisch an, aber direkt ansprechen tut es natürlich keiner. Das Problem ist nur, dass mein Mann selbstständig ist und er mit seinem Verhalten alles zerstört und ich nicht gegensteuern kann.
Ich muss mich mit dem Gedanken tragen, dass ich die Trennung in die Wege leite, bevor ich mich zerstöre. Aber das ist leider sehr schwer, denn wir sind 39 Jahre verheiratet und wenn er nichts getrunken hat ist er der beste Mensch. Es hängt auch sehr viel finanzielles dran, denn in den vielen Jahren hat man auch viel gemeinsames aufgebaut.

Ich würde mich über Rückmeldungen freuen, vielleicht ist ja jemand in der gleichen Situation und kann mich ein wenig bestärken.

Sandra P

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 10.04.2018, 10:34

Hallo Sandra,

wie du es beschreibst ist dein Mann tief in der Sucht und verteidigt mit allen Mittel sein Trinkverhalten zu rechtfertigen. Er hat es sicherlich auch kapiert das er krank ist aber die nassen Gedanken lassen es (im Moment) noch nicht zu.
Man hat ständig das Gefühl, die Leute wissen Bescheid
Natürlich wissen die Bescheid. Sind ja nicht blöd. Wie sie das jedoch einordnen darüber kann man nur spekulieren und ist auch nebensächlich. Es handelt sich eben um eine Krankheit.
obald das Thema Alkohol angesprochen wird, wird er aggressiv. Beschimpfungen und Vorwürfe, dass ich Ihn mit meiner Art zum Alkohol treibe,
Dann würde es ihm ja besser gehen wenn du dich trennst. Dann müsste er ja nicht mehr Saufen. Oder?

Aber es geht ja erstmal um dich, da seine Krankheit dich mit krank macht. Da sollst du schon für dich sorgen.
Es hängt auch sehr viel finanzielles dran, denn in den vielen Jahren hat man auch viel gemeinsames aufgebaut.
Wäre es nicht so, würdest du dich trennen? Ich weiß aus den ganzen CO Berichten hier das es mit ein Hauptgrund ist den Weg nicht zu gehen.

Gruß Hartmut

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 11.04.2018, 09:39

Hallo Sandra,
Das Schamgefühl ist ganz schlimm, denn wir leben in einem kleinen Ort wo uns jeder kennt. Man hat ständig das Gefühl, die Leute wissen Bescheid und gucken mich komisch an, aber direkt ansprechen tut es natürlich keiner.
Das kenne ich selbst sehr gut, und ich bin mir sicher, das es di anderen natürlich wissen.
Ich habe auch sehr lange darauf gehofft, das mich mal jemand anspricht, es jemand wahrnimmt, wie schlecht es mir geht.
Darauf habe ich natürlich vergeblich gehofft, denn es will dir ja keiner weh tun und dich nicht verletzen.
Weißt du, ab wann es anders wurde?
Ab dem Tag, wo ich nicht mehr vertuscht und schöngerest habe. Plötzlich kamen bestätigungen von allen Seiten, viele hatten ihn schon vormittags mit "Fahne" erlebt, usw. usw.
Alle wußten es, und ich habe aus Scham geschwiegen, aber du hast keinen Grund dich zu schämen.
Dein Mann trinkt, das ist eine Krankheit, aber für sein Verhalten ist nur er verantwortlich.
Dieses Fremdschämen hat mich sehr lange davon abgehalten etwas für mich zu tun. Es ist auch nicht einfach, das Schweigen zu brechen, aber es war für mich der richtige Schritt, und als ich dann hier im Forum erfuhr, das ich auch keine Schuld trage am Trinken meines Mannes, hat sich das angefühlt wie ein Freispruch.
Fang an etwas für dich zu tun, dein Mann war 18 Jahre trocken, der müßte wissen, wie es läuft.
Entgiftung und dann Selbsthilfegruppen, oder auch vielleicht eine Therapie, aber da bekommt er überall Hife, die startet schon in der Engiftung.
Jetzt bist du an der Reihe, such du dir Hilfe, und tu etwas für dich, denn deinem Mann kannst du nicht helfen.

lg Morgenrot
Jetz

Sandra P
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Beitrag von Sandra P » 11.04.2018, 10:49

Liebe Morgenrot,
vielen Dank für die aufmunternden Worte.
Das Problem ist, dass meine Gedanken ständig um ihn kreisen, was wird er machen, in welchem Zustand befindet er sich. Ich habe am Freitag klar ausgesprochen, dass es für mich kein gemeinsames Leben mit Alkohol gibt, dann muss er ausziehen. Seit dem ist er nicht mehr nach Hause gekommen und übernachtet in seiner Firma, da hat er einen Raum in dem eine alte Couch steht und dort wird er liegen. Er ist auch nicht der Typ der in der Kneipe trinkt, sondern immer alleine. Ich kann dann auch nicht mehr schlafen, werde ständig wach und habe ständig ein komisches Magengefühl weil ich mir Gedanken mache was aus der Firma wird, was schlimmstenfalls auf mich zukommt. Er nimmt das ja alles gar nicht realistisch wahr und lebt in seiner besoffenen Welt. Er merkt gar nicht, dass die Firma den Bach runter geht. Es kann sich nur noch um mehrere Wochen handeln, bis er finanziell nicht mehr zahlungsfähig ist.

Ich vermeide schon in den nahegelegen Supermarkt zu gehen, weil ich weiß, dass er dort seinen Vorrat einkauft und mir ist es peinlich, da mich die Leute kennen.
Ich kann nur hoffen, dass es einen Auslöser gibt, der ihn zum umdenken führt, denn ich weiß ja aus Erfahrung, dass meine Kritik zu nichts geführt hat und ich gegen Windmühlen laufe. Aus anderen Beiträgen habe ich ja herausgelesen, dass dies bei Alkoholikern so ist, dass die Ehefrau meistens schuld ist, dass er trinkt und ihn nur beim trinken stört.
Ich kann nur abwarten wie es weiter geht und muss versuchen meine Gedanken an ihn nicht mehr zuzulassen, denn so kann es nicht weitergehen.
LG Sandra

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 11.04.2018, 11:13

Hallo Sandra,
Kannst Du irgenwas für Dich tun? Um dieses stetige Gedankenkreisen zu unterbechen?
Kannst Du Dich heute noch mit einer Freundin treffen und gemeinsam was unternehmen? Oder mit anderen guten Bekannten?
Das hilft oft, um etwas Abstand zu gewinnen und wenigstens für ein paar Stunden auf andere Gedanken zu kommen.
Was sind Deine eigenen Interessen, hast Du ein Hobby?
Was macht Dir persönlich Spaß?

Du darfst im übrigen auch selbst ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen !
Es gibt auch unterstützende Medikamente, die Dir durch eine schwere Zeit hindurch helfen können.
Auch auf homöopatischer oder pflanzlicher Ebene, das müssen nicht gleich Hammer-Medis sein.
Magst Du mal bei Deinem Arzt oder Deiner Ärztin vorbei schauen, Deine Lage schildern und um Hilfe bitten?
Die steht Dir nämlich auch zu !

Sandra, nasse Alkoholiker versaufen tatsächlich oftmals Haus und Hof, den Spruch gibt es ja nicht von Ungefähr....
Oder saufen sich zumindest in Schulden.
Und Du kannst das nicht stoppen !
Ne Weile lang kannst Du den Abstieg als Partner vielleicht noch zeitverzögern, aber Du kannst nicht alles auffangen.
Hier hilft echt nur noch, die Reißleine zu ziehen und sich selbst damit in Sicherheit zu bringen.
Wenn die Firma den Bach runter geht, dann ist das eben so.
Das Leben wird trotzdem weiter gehen, und die Erde sich auch weiter drehen.
Ganz einfach, weil es IMMER weiter geht.

Bitte sieh zu, das Dein Leben auch wieder schön werden kann.
Dazu wirst Du aber loslassen müssen. Deinen saufenden XY ebenso wie Dein bisheriges Leben.
Das kann natürlich auch Angst machen, alles wird sich auch erstmal "falsch" anfühlen, einfach weil es ungewohnt sein wird.
Aber ich sehe keine andere Möglichkeit, Du vielleicht?
Dein Titel heißt ja "Trennung ist der letzte Ausweg".
Ja, so ist es, denn alles andere hast Du ja schon versucht, nicht wahr?

LG Sunshine (trockene Alkoholikerin)

Sandra P
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Beitrag von Sandra P » 11.04.2018, 18:28

Danke für die lieben Worte, ich werde versuchen mich abzulenken um wenigstens für ein paar Stunden abzuschalten. Ich muss mir jetzt erst mal wieder Freizeitgestaltungen für mich alleine suchen.
Liebe Grüße
Sandra

lütte69
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Beitrag von lütte69 » 12.04.2018, 09:17

Hallo Sandra,

das ist ja echt eine bescheuerte Situation. Mir hat zur spontanen Ablenkung von den wirren Gedankenkreisen Folgendes geholfen: Lieblingsmusik an, ganz laut aufdrehen und mitsingen. Wenn wir singen, können wir nicht denken :shock: . Bei mir hat's gut geholfen. Ich hab viel gelesen und wirklich ein altes Hobby wieder ausgegraben.

Für mich war auch wichtig wirklich zu begreifen und zu fühlen, dass er für sich verantwortlich ist. Er ist erwachsen und darf sein Leben leben wie er es möchte, auch wenn es nicht der Vorstellung von meinem Leben entspricht. Als ich das fühlen konnte, konnte ich ihn loslassen. Denn da wusste ich auch, dass ich für mein Leben verantwortlich bin und dafür dass es mir gut geht, dass ich meinen Weg für ein zufriedenes Leben finden und gehen muss. Leider sind dabei manchmal schmerzhafte Entscheidungen zu treffen.

Was das Dorf denkt, kann Dir Banane sein. Die stecken nicht in Deinen Schuhen.

Wünsche Dir viel Kraft und Geduld.
sonnige Grüße
Lütte

Sandra P
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Beitrag von Sandra P » 12.04.2018, 14:39

Hallo Lütte,

da hast du Recht, aber man will es immer allen Recht machen und dass die Leute nichts zu reden haben. Das muss ich mir erst mal richtig bewusst machen, dass ich es weder verhindern kann wenn er trinkt und dass er alt genug ist und die Verantwortung selbst tragen muss, wenn er sich durch seinen Suff blamiert. Ich versuche mein Selbstwertgefühle erst mal von ganz tief unten herauszukramen und Abstand zu gewinnen. Oft genug habe ich nur gedroht und gesagt, dass ich nicht mehr mit ihm zusammenleben will, wenn er trinkt, aber das hat er ja nicht ernst genommen. Wenn ihm der Alkohol wichtiger ist wie die Familie dann muss ich das akzeptieren und nicht noch mein Leid hinausziehen. Dabei frage ich mich selbst manchmal, wie ich das zulassen kann, dass er mir die Schuld gibt und ich mich so erniedrigen lasse wenn er im Suff mir alles mögliche an den Kopf wirft.
Da er ja jetzt 4 Tage nicht nach Hause kam und in seiner Firma übernachtet hat, habe ich ihm einen Brief geschrieben, Einschreiben mit Rückschein und ihm mitgeteilt dass ich mich offiziell von ihm trenne und ihm einen Termin gesetzt bis 30.06.2018, dass er ausziehen soll. Jetzt muss ich mal abwarten wie er darauf reagiert. Um mich selbst zu bestärken frage ich mich selbst, möchtest du mit anschauen wie er sich tot säuft, oder lieber alleine und in Ruhe leben. Die Vorstellung hilft mir dann ein bisschen. Das sagt mir alles der Verstand, an der Umsetzung muss ich jetzt noch sehr arbeiten und darf mich nicht einwickeln lassen.

Liebe Grüße
Sandra

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