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Ist eine Trennung unumgänglich ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Mira0512
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Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Mira0512 » 30.05.2018, 16:03

Erstmal hallo zusammen und hier meine Geschichte:Erst einmal ganz schlicht : hallo an alle.

Ich fange einfach mal an zu schreiben: ich bin 36 verheiratet und habe mit meinem Mann zusammen 3 Kinder . Der Alltag ist stressig, aber eigentlich sollte es und gut gehen: wir haben ein schönes Haus mit Garten, beide ein gutes geregeltes Einkommen und einen Hund. Nach außen hin das pure Familienglück. Aber der Schein trügt leider schon seid einiger Zeit.

Angefangen hat alles ca vor 2 Jahren. Aus dem ab und zu mal ein Bier trinken meines Mannes wurde ein tägliches trinken von 1-2 Bier und mich störte das sofort . Ich bin selber kein Unschuldsengel und hab sicher in meinem Leben schon oft mal einen über den Durst getrunken oder in Gesellschaft getrunken auch mal abends ein Glas Wein usw. aber das trinkverhalten meines Mannes bereitete mir schnell sorgen. Ich bin ein sehr impulsiver Mensch und ich befürchte vielleicht auch oft nicht feinfühlig genug und so hab ich ihn damals oft angeschnauzt: musst du schon wieder was trinken ? Geht es nicht mal ohne Bier ? Usw usw ... ich befürchte damit habe ich den bisher größten Fehler meines Lebens begangen, denn ich habe einen Teufelskreis ins laufen gebracht : mein Mann hat angefangen heimlich zu trinken : er trank vor meinen Augen alkoholfreies und heimlich in der Garage oder im Keller noch 1-2 helle dazu. Irgendwann wurde ich misstrauisch: begann zu kontrollieren, fand Indivizien, wurde belogen und ich entwickelte eine regelrechte Kontrollsucht. Ich überprüfte sogar sein Telefon immer wieder. Mein Vertrauen schwand und schwand. Irgendwann hätte ich die Schnauze gewissermaßen voll : er solle zu einer Beratungsstelle gehen sonst würde das mit uns nicht mehr weitergehen . Das machte er dann auch . Er ging zur Caritas Beratung und erzählte mir relativ wenig davon deswegen kann ich nicht viel darüber berichten: er meinte aber sein Problem wäre noch nicht dramatisch und er trank danach auch erstmal lange Zeit nichts mehr. Für mich war das Thema abgehackt und wir hatten den „Deal“ er darf nicht mehr heimlich trinken. Gerne vor mir, aber eben nicht mehr heimlich . So lief das einige Zeit „meiner Meinung nach „ auch gut. Dann um Weihnachten rum wirkte er immer wieder stark alkoholisiert. Als ich ihn ansprach beteuerte er immer wieder er habe nichts getrunken. Ich war hin und hergerissen: wir haben wirklich viel Stress und ich dachte: vielleicht ist er wirklich nur müde und kaputt . Aber er lallte und seine Augen waren glasig . Typische Anzeichen von Alkohol ? Ich begann wieder alles zu durchsuchen : ich fand .. nichts ... meine Zweifel wuchsen... klar haben wir auch Alkohol im Haus : ich trinke ab und zu mal ein Glas gin Tonic oder einen Vodka mir red Bull. Aber die Flaschen waren unverändert (dachte ich ) ich dachte an Diabetes .. Schlaganfall .... er weigerte sich zum Arzt zu gehen : da ist nichts ! Wir stritten , nein ich stritt: ich würde zur Furie : immer Irrer : ich fing an ihn zu beschimpfen wenn er sich betrunken aufführte, verlor jeden Respekt vor ihm .. ich wurde rasend vor Wut, dann weinte ich wieder und flehte ihn an mir zu sagen was los ist, ein paar mal bin ich so ausgerastet dass ich handgreiflich wurde und auf ihn losging. So ging das immer weiter. Er beschimpfte mich : ich sei paranoid und bilde mir das ja wohl ein. Ich zweifelte wieder an mir selbst... doch ich wurde immer öfter von Freunden und Verwandten auf seinen Zustand angesprochen: da zweifelte ich wieder an ihm . Da war doch noch eine Flasche Sekt ? Wo ist die plötzlich hin ? Wieso ist der gin leer. Mein Verdacht konkretisierte sich immer mehr : doch umso mehr ich ihn drängte mir die Wahrheit zu sagen, umso mehr machte er dicht. Dann reichte es mir : ich fotografierte alle Flaschen: am nächsten Tag die bittere Erkenntnis: 2 Sektflaschen weg, und im Vodka und im gin war plötzlich deutlich mehr Inhalt als zuvor. Ich konfrontierte ihn mit den Bildern . Wieder belog er mich. Diesmal offensichtlich und mir reichte es : ich hab ihn rausgeworfen. Vor 3 Tagen kam er wieder und erzählte mir alles ... er hat wohl ständig Vodka und gin nachgekauft und meine Flaschen aufgefüllt . Unter der Woche trank er wohl täglich 2-4 Bier abends aber am Wochenende fing er morgens schon an . Auch eben Schnaps : alles aus der Flasche. Ich stehe teils unter Schock, weil ich mit dem Ausmaß nicht gerechnet habe: ich habe ihn noch niemals im vollsuff erlebt: er hat geschwankt und gelallt , aber so richtig richtig betrunken war er eben nie . Andererseits bin ich erleichtert: endlich die Wahrheit. Ich bin im Moment von Schuldgefühlen zerfressen: ich glaube ich habe ihn irgndwie dahin getrieben. Ich war so oft unfair und gemein. Auch ich fühle mich im Alltag mit Arbeit und drei Kindern plus Haus oft überfordert: im Prinzip mache ich alles: Kinder und Hausputz und Garten: er geht morgens mit dem Hund . Aber er arbeitet wirklich sehr viel :
er geht um 7 aus dem Haus und kommt nicht vor 19:00 zurück : oft ist er viele Tage auf Geschäftsreisen. Danke euch fürs lesen und fürs zuhören. Ich musste das denke ich vor allem einmal nieder schreiben:

Der erste Schritt ist gemacht : er hat nächste Woche einen Termin bei einem Arzt und der wird dann wohl sagen wie es weitergeht und wie es überhaupt im Moment um seine Gesundheit steht (ich finde er ist im letzten Jahr um 10 Jahre gealtert) ich habe ihn hier wieder aufgenommen unter der Bedingung mich nicht mehr anzulügen und sich Hilfe zu suchen und diese auch anzunehmen. Ich schaffe persönlich auch Rückschläge in Punkto trinken, aber das lügen macht mich völlig kaputt.

Ich habe beschlossen selbst erstmal keinen Alkohol auf unbestimmte Zeit zu trinken und heute alles aus dem Haus geschafft. Außerdem möchte ich ihm mehr Freizeit schaffen. Wie kann ich sonst helfen und bitte haut gerne drauf was ich alles falsch mache. Ich werde ihn ab heute nicht mehr kontrollieren. Ich kann es sowieso nicht . Ich konzentriere mich mehr auf die Kinder und mein Leben . Soviel zu den guten Vorsätzen ....



Ist jeder Partner automatisch co ??? Ehrlich gesagt fühle ich mich nicht wirklich so. Meine Kinder und ich selbst stehen für mich tatsächlich an erster Stelle. Ich befürchte ich bin sowieso eher ein egoistischer Mensch und habe schon immer viel für mich gemacht und habe auch nicht nicht vor das aufzugeben. Ich räume auch nicht viele Chancen ein, was meinem Mann sicher bewusst ist und ich denke was leider auch der Grund für das heimliche trinken war.

Ich lese hier im Forum erst seit zwei Tagen und ich lese überall eine Trennung wäre quasi unumgänglich??? Gibt es dazu auch andere Geschichten?
Mein Mann hat übrigens jetzt seit 2 Tagen nicht getrunken / er will nüchtern sein bis zum arzttermin nächste Woche.

Aurora
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Aurora » 30.05.2018, 20:13

Liebe Mira,

auch hier noch einmal herzlich willkommen!

Es muss nicht immer Trennung sein! Ich kenne viele Paare, die zusammen geblieben sind. Aber da ist der Alkoholiker auch trocken geworden.

Ich kenne auch viele Paare, auch aus meinem engen Familienkreis, da hat keine Trennung statt gefunden aber der Alkoholiker ist nicht trocken geworden. Und das war die Hölle! Diese Menschen waren immer mein "Vorbild", wie ich nie enden wollte, sie waren mit der Anstoß, dass ich mich trennen konnte. Denn so wollte ich nicht enden.

Es ist also eine Frage, wie es weiter geht bei euch. Ob dein Mann bereit ist, sein Leben zu verändern und abstinent zu werden. Ob da noch Liebe und Vertrauen zwischen euch ist, all das. Und vor allem - nicht nur der Alkoholiker braucht einschneidende Lebensveränderungen für ein trockenes und zufriedenes Leben, auch der Partner, der Coabhängige, muss was tun.

Von daher ist das klasse, dass du hier bist, für dich.

Liebe Grüße
Aurora

Mira0512
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Mira0512 » 30.05.2018, 20:25

Hallo Aurora,
Danke dir nochmal für deine Antwort. Ich habe mich ehrlich gesagt mit dem Thema einfach viel zu wenig beschäftigt bis eben der große Knall hier kam.
Ich kann mich im Moment bis auf das kontrollieren nicht wirklich mit der co Abhängigkeit indentivizieren. Eventuell verdränge ich das aber auch. Ich habe bei uns eher das Gefühl, ich hätte mich einfach zu wenig um ihn gekümmert und immer nur um mich und die Kinder, das Haus und den Hund. Er blieb wirklich oft auf der Strecke: ich bin oft ausgegangen und habe einige Hobbies denen ich nachgehe. Ich hab ihn wirklich oft angemotzt und angepampt, wenn er mir mal wieder was nicht recht machen konnte. Deswegen hab ich gerade den Gedanken ich könnte der Auslöser des ganzen sein. Aber ich befürchte auch ich mache das ganze nicht lange mit: er hat seine Chance die er jetzt nutzen kann, aber ich liebe mein Leben und ich bin mir ehrlich gesagt zu schade dafür es wegzuwerfen! Das klingt jetzt hart. Ist es wohl auch . Ich liebe ihn ! Das steht ganz klar fest und deswegen bin ich auch gerne dafür bereit das mit ihm durchzustehen und ihm den Fehler mich angelogen haben zu verzeihen. ( ob ich ihm das nicht immer Vorhalte, kann ich aber noch nicht sagen) ich bin bereit mit ihm zusammen nichts mehr zu trinken. Bin bereit ihn zu Therapien zu begleiten und auch sonst zu unterstützen, aber wenn er dabei nicht mitspielt wird er schauen müssen wo er bleibt. Liebe hin oder her. Ich fühle mich selbst schuldig, weil ich sondiere Gedanken habe: aber ich will so auf keinen Fall auf Dauer leben.

Mira0512
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Mira0512 » 30.05.2018, 20:28

Im Moment trinkt er ja nichts: er ist ein wenig blass um die Nase, ich hab ja schon ein bisschen Panik ob so ein Entzug auf eigene Faust gut für ihn ist, aber ich hab ihm gesagt er darf hier nur noch nüchtern wohnen. Aber er meint er kann nicht ohne uns.

Morgenrot
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Morgenrot » 31.05.2018, 00:39

Hallo Mira,
ich hab ja schon ein bisschen Panik ob so ein Entzug auf eigene Faust gut für ihn ist,

Was ermacht ist ein kalter Entzug, und der kann lebensgefährlich werden.

Eines ist sicher, du bist nicht schuld an seiner Trinkerei. Es sollte in einer guten Partnerschaft durchaus drin sein, das jeder etwas für sich unternimmt.


lg Morgenrot

Aurora
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Aurora » 31.05.2018, 10:01

Liebe Mira,

du schreibst:
Ich habe bei uns eher das Gefühl, ich hätte mich einfach zu wenig um ihn gekümmert
.

Aber er ist doch erwachsen! Warum musst du dich dann um ihn kümmern? Er müsste ja in der Lage sein, das selbst zu tun und auch einzufordern, wenn ihm in der Partnerschaft was fehlt oder nicht gefällt. So wie Morgenrot das auch schreibt. Eine gute Partnerschaft macht so was alles mit!

Dass du ihn unterstützen möchtest ist gut und auch wichtig. Es ist nur wieder die Gefahr, dass du dich um ihn kümmerst und er machen lässt... es muss aus ihm selbst kommen! Es ist wichtig, ihm seine Eigenverantwortung zu lassen. Das ist auch für sein Selbstwertgefühl wichtig.

Es gibt keinen Grund, dass du dich für deine Gedanken schuldig fühlst... es geht ja um dein Leben.

Liebe Grüße
Aurora

Mira0512
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Mira0512 » 31.05.2018, 17:58

Weil man sich meiner Meinung nach in einer Ehe auch uneinander zu kümmern hat. Zumindest hätte es mir ja mal auffallen können das er Probleme hat. Das werde ich mir vor. Er ist seit 4 Tagen nüchtern. Können da jetzt noch schlimme Einzugserscheinungen kommen ?

Morgenrot
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Morgenrot » 31.05.2018, 23:21

hallo Mira,
Er ist seit 4 Tagen nüchtern. Können da jetzt noch schlimme Einzugserscheinungen kommen ?
das kann dir hier niemand beantworten, da wir alle keine Ärzte sind.
Meine Meinung, er sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen, was hindert ihn daran?
Er ist erwachsen und sollte für sich klar und deutlich sagen könnnen, wann er wo, welche Hilfe braucht.
Da muß kein Kümmerer 24 Std, rund um die Uhr zur Verfügung stehen.
Denk auch mal an dich, und pass auf dich auf.


lg Morgenrot

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