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Angst vor Rückfall

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
CoA12307
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von CoA12307 » 18.07.2018, 13:52

Hallo Sandstrand,
Fulltime Arbeiten und dann für die Vierköpfige Familie zu Sorgen und dann noch aggressiv beleidigt zu werden ist einfach too much für eine Person. Ich empfehle professionelle Hilfe um aus der Situation herauszukommen, bevor das Burn out eintritt. Vielleicht eine soziale anlauf stelle: Caritas oder das Frauenhaus oder pro familia. Sobald du nicht mehr richtig isst und Nachts nicht mehr schlafen kannst ist das zum Beispiel ein Alarmzeichen. Es gibt einige Möglichkeiten für finanzielle und persönliche Unterstützung. Du kannst finanzielle Hilfe bantragen oder Menschen die sich um die Kinder kümmern ohne dass du sie bezahlen musst, wenn dein Mann alkoholkrank ist und du selbst nicht mehr kannst. Hast du denn über eine Trennung nachgedacht?

Sandstrand2
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sandstrand2 » 05.12.2018, 15:53

Hallo Ihr Lieben,

entschuldigt, ich habe mich nicht mehr gemeldet, ich... ich konnte die guten Ratschläge der Trennung damals nicht mehr ertragen und bereute schnell, wieder ins Forum gekommen zu sein. Ich hätte auf Euch hören sollen, heute sitze ich vor einem Scherbenhaufen. Er hatte noch im Sommerurlaub wieder einen Rückfall, bei dem er mich beinahe mit den zwei kleinen Kindern (3 und 6) in einem mir unbekannten Ort seines Heimatslandes hätte sitzen lassen, gewissermaßen auf der Straße und unter der Androhung, dass ein Unfall passiere, sollte den Kindern etwas zustoßen. Er hat sich dann in letzter Minute eines besseren "besonnen", und wir hatten einen fast schönen Urlaub... Danach, wieder zu Hause, schien erst alles normal, aber dann begann er, mein Mundwasser zu nehmen, weil ihm angeblich die Zahncreme, die ich gekauft hatte, nicht schmeckte. Das Mundwasser war unglaublich schnell leer, dann wollte er immer öfter abends ausgehen. Er lernte eine Milliardärin kennen, er behauptete, er solle für sie als Personal Trainer arbeiten (er war Profiboxer), dann wurde er ihr Bodyguard und sollte auf Reisen mit. Irgendwann nahm ich ihm das alles nicht mehr ab. Fakt ist, dass er sich jetzt von ihr in seinem Heimatland eine Villa mit Swimming pool kaufen lässt (wie im schlechten Film) und wieder trinkt. Ich mit den Kindern alleine von heut auf morgen, mit Vollzeitjob ein echter täglicher Kampf ums Überleben, während er sich ein schönes Leben macht... soweit so gut... nun möchte er die Kinder zu Weihnachten... und er hat ja auch ein Umgangsrecht (wegen des Kindeswohls)... trotzdem bin ich sprach- und ratlos, da ich nicht weiß, wie weit sein Rückfall schon vorangeschritten ist. Er schreibt mir mal intime (trotz seiner neuen Freundin) mal aggressive, beleidigende Nachrichten, und ich frage mich, in was für einem Geisteszustand er sich überhaupt befindet. Er war immer ein liebevoller Vater (wenn auch oft aufbrausend), aber eben in trockenem Zustand... ich bin immer bei ihm geblieben, weil ich wollte, dass die Kinder ihren Vater nicht verlieren, und nun habe ich nur noch Angst...

Entschuldigt, ich weiß gar nicht recht, wie mir geschieht... es ist eine große Verwirrung in mir, die Verletzung, am Ende sogar betrogen worden zu sein, die Erleichterung, nicht mehr für ihn verantwortlich zu sein, die Angst, wie es mit den Kindern weitergeht...

Euch danke ich einfach dafür, dass ich mal wieder etwas niederschreiben durfte
Sandstrand

Speranza
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Speranza » 06.12.2018, 10:06

Hallo Sandstrand!

Auch wenn es sich hart anhört, sei froh ihn los zu sein. Auch wenn er im nüchteren Zustand ein wunderbarer Mann und Vater war verblasst das dagegen wie er sich verhält wenn er rückfällig wird. Der andere Mensch ist ja als Ganzes zu sehen leider muss man ja auch mit den schlechten Seiten leben und die waren wirklich gravierend.

Was mir an deiner Stelle Bauchschmerzen machen würde wäre dass er die Kinder Weihnachten haben möchte. Die Frage ist ja wieweit er in Anwesenheit der Kinder den Alkohol weglässt und vernünftig für sie sorgt. Ich finde das eine sehr schwierige Entscheidung.

Wenn er dir immer solche Nachrichten schickt wäre dann eine Kontaktsperre nicht die bessere Lösung?

LG Marie

Sandstrand2
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sandstrand2 » 06.12.2018, 11:19

Liebe Marie,

tausend Dank Dir für Deine liebe Antwort, die gar nicht "hart" ist, sondern gut tut, ja, es ist so... Du hast vollkommen Recht. ich habe ihn ja nie rausgeworfen, weil ich nicht dafür verantwortlich sein wollte, dass die Kinder ohne ihren Vater aufwachsen. Ich dachte immer (oder hatte Angst davor), dass die Kinder mir einmal die Schuld dafür geben würden... warum hast Du ihn damals rausgeworfen, wir hatten ihn doch so lieb und er war ein guter Vater für uns... und das war er ja auch, die Kinder waren glücklich (zumindest glaube ich das), für mich war es die Hölle... und jetzt ist er selbst gegangen, dafür kann ich ja fast dankbar sein. Auch wenn durch den Betrug natürlich eine offene Wunde da ist, die sehr schmerzt und ich nicht weiß, wie es weiter geht, während er im Luxus taumelt. Kontaktsperre, ja, mir würde das sicher gut tun, aber das deutsche Gesetz sieht das ja anders, da geht es um das Recht des Vaters auf Umgang mit den Kindern, der nur bei akuter Gefahr für die Kinder ausgesetzt werden darf... tja, und das wie nachweisen? Jugendamt, Alkoholtest etc...? Gewalttätig war er 'nur' verbal... (das allerdings bisweilen auch im trockenen Zustand), mit einem 'Ausrutscher' im Suff, der aber wirklich Jahre her ist. Im trockenen Zustand waren die Kinder bei ihm immer gut aufgehoben, zumindest glaube ich das... Im Moment befindet er sich ja im Ausland, das nicht dem gewöhnlichen Aufenthaltsort der Kinder entspricht... da der Kleine auch noch zu klein zum begleiteten Fliegen ist, müsste er sich also schon zu uns bemühen... sich also selbstständig einen Flug und ein Hotel buchen... und ich könnte mir fast vorstellen, dass er dazu gar nicht in der Lage ist... das habe ich ja immer alles für ihn gemacht... und ob die Neue Lust hat, im einen Flug zu mir zu buchen... ? Ich wünsche mir jetzt mal zu Weihnachten, dass ich das einfach alles aussitzen kann... natürlich wäre es für die Kinder wunderbar, an Weihnachten ihren Vater zu sehen, und darum soll es ja immer zu erst gehen... aber wenn ich kaputt gehe, ist da niemand mehr... auch keine Großeltern, nichts, bin auch eine EKA, so ist das Leben... aber meine Eltern sind eben trotz aller Schicksalsschläge immer zusammengeblieben, vermutlich war das das Modell der heilen Familie, das mir vorschwebte... und von dem ich mich jetzt verabschieden muss...

Liebe Grüße und danke nochmals!
Sandstand

lütte69
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von lütte69 » 07.12.2018, 09:14

Liebe Sandstrand,

Deine Kinder und Du - ihr seid Priorität Nr. 1. Auch Du bist wichtig. Nur Du kannst dafür sorgen, dass es Dir gut geht und du die Kraft für dich und deine Kinder findest. Die Kinder können noch nicht allein ins Ausland und fertig. So langsam könnte ja auch feststehen ob er her kommt oder nicht. Kannst Du da ein Ultimatum setzen, denn Du willst ja auch planen und nicht ständig in der Schwebe hängen. Versuch mehr an Dich zu denken und weniger an ihn (ich weiß wie schwer das ist). Dieses ständige Kreisen um ihn raubt dir die Kraft. Mach Dir bewusst was du wie willst und versuche ihm das ganz deutlich zu vermitteln. Ein gemütliches Weihnachten ohne Papa ist meiner Meinung nach besser als ein angespanntes Weihnachten mit Papa oder?

Wünsche Dir viel Kraft und Geduld.
sonnige Grüße
Lütte

Sandstrand2
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sandstrand2 » 07.12.2018, 09:36

Liebe Lütte,
danke Dir sehr, ja, er will jetzt an unseren Wohnort kommen, und vermutlich wohnt er dann bei ihr und sie beschenkt die Kinder, als echte Milliardärin kann sie tolle Geschenke kaufen, im Übrigen war sie schon mal drei Tage bei mir zu Hause als ich noch nicht wusste, dass da eine Affäre läuft und das Kinderzimmer ist voller Spielsachen von ihr... es ist eine lange Geschichte... es geht mir gerade so schlecht, ich bin seit 6 Wochen alleine mit den Kindern und Vollzeitjob, Babysitterin kann gerade nur 3 Stunden die Woche... keine Eltern und auch sonst niemand, der mir helfen kann... ich weine ständig, auch tagsüber im Büro, schlafe schlecht und meine Tochter sagte gestern mir auch noch, dass ich so viel schimpfe, seit wir alleine sind. Ich fürchte, dass ich jetzt kurz vor dem Zusammenbruch stehe, aber wo Hilfe holen? Sollte ich mich krankschreiben lassen, vielleicht? Und mal ausschlafen, wenn die Kinder in der Schule sind, damit ich nicht mehr so erschöpft bin? Ich habe sie heute weinend zu Schule gebracht (wir haben alle geweint, ich vor allem), und ein anderer Vater fragte mich, ob alles ok sei... nichts ist ok... ich kann nicht mehr, er wird mir mit ihrem Geld jetzt auch noch die Liebe meiner Kinder wegnehmen, während ich zusammenbreche... Entschuldigt, ich bin so verzweifelt gerade...
Sorry
Sandstrand

Aurora
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Aurora » 07.12.2018, 09:58

Liebe Sandstrand,

oh weh, so viel Schmerz und Angst. Und so viel Erschöpfung.
Deine Verzweiflung ist mehr als verständlich.

Eine Krankschreibung ist eine wirklich gute Idee! Du bist in einem körperlichen und seelischen Ausnahmezustand.
Du hast alles Recht der Welt, dich aus dem Arbeitsleben heraus nehmen zu lassen und dich erst mal wieder zu sammeln und zu erholen. Wenn du endgültig zusammen klappst dann ist das viel schlimmer als alles andere. Auch für die Kinder!

Ich weiß nicht, ob Kinder sich kaufen lassen. Ich kann aber deine Ängste sehr gut nachvollziehen, ich bin auch in solchen Situationen (gewesen, da ging und geht es aber nicht um materielle Dinge aber es fühlt sich schlimm an für mich). Da ist diese Angst oft irrational aber so mächtig, dass es einem schier die Luft nimmt. Kinder haben auch andere Werte, mit denen sie ihre Menschen sehen und du bist ihre Mutter. Natürlich ist es erst mal klasse, wenn sie materielle Dinge bekommen, das ist schon toll. Aber es ersetzt nicht deine Liebe zu ihnen, die Zeit, die du ihnen schenkst und deine Wärme und Nähe. Glaub mir das. Ich habe diese Erfahrungen gemacht und mache sie noch. Mit meiner Enkelin. Ich hatte und habe auch diese irrationalen Verlustängste. Immer mal wieder. Lass dich davon bitte nicht fertig machen, denn dann siehst du das Wirkliche vielleicht nicht mehr. Das, was du deinen Kindern bedeutest...

Ich schicke dir eine liebe Umärmelung und hoffe, dass du zum Arzt gehst und dich aus dem Verkehr ziehen lässt. Sei es dir und deinen Kindern wert.

Liebe Grüße
Aurora

lütte69
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von lütte69 » 07.12.2018, 11:06

Liebe Sandstrand,

das hört sich alles nicht gut an. Ich bin da Auroras Meinung, dass eine Pause eine wirklich gute Idee ist, damit Du zu Kräften kommen kannst. So wie Du schreibst, hab ich das Gefühl, dass Du das nicht mehr lange durchhalten kannst. Schraub einen Gang zurück, guck einfach, was mal liegen bleiben kann - Du musst nicht perfekt sein. So eine Auszeit kann dir vielleicht auch Deine Ruhe im Umgang mit deinen Kindern wieder geben. Deine Angst kann ich verstehen, aber ich glaube nicht, dass sich Kinder permanent kaufen lassen. Sicher ist das Materielle eine aufregende Sache, aber ich denke, dass die Kinder eher die Mama vermissen als das neueste Spielzeug.

Ich drück Dich mal und schicke Dir ein paar Sonnenstrahlen
Lütte

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