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Angst vor Rückfall

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Sandstrand2
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sandstrand2 » 07.12.2018, 15:19

Liebe Aurora, liebe Lütte,

vielen Dank für die Umärmelung und die Sonnenstrahlen, die ich gerade so gut brauchen kann. Ich habe jetzt doch tatsächlich 7 Stunden am Stück geweint... das war kein produktiver Arbeitstag... Krankschreibung, ja, also, ich habe mit meinem Chef gesprochen, der mich netterweise die nächsten Wochen 'in Ruhe lassen' kann, und meine Kolleginnen fragten, ob es wirklich so eine gute Idee sei, nach Hause zu gehen, wo ich alleine bin und vielleicht auch nur (alleine) weinen würde... womit sie ja auch nicht ganz unrecht haben... ich weiß es nicht, jetzt ist erst mal Wochenende und heute Abend kommt eine Freundin mit ihrer Tochter und wir bestellen Pizza... das mache ich doch richtig, oder? Mein Ex schrieb mir gerade noch, dass er mich nach wie vor liebe, ich die beste Partnerin und Mutter sei, was aber an der Villa mit der Neuen nichts ändert, ist das normal??? Ich habe ihm gesagt, dass ich keinen Kontakt mehr möchte und ihn gebeten, den Umgang mit den Kindern über eine befreundete Anwältin zu regeln...

Vielen lieben Dank!
Sandstrand

Sunny1976
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sunny1976 » 07.12.2018, 15:41

Liebe Sandstrand,
Du hast in meinem Fädchen geschrieben, das Dir die Antworten dort geholfen haben. Ich dachte, ich schreibe Dir hier auch mal was zu....
Er hatte noch im Sommerurlaub wieder einen Rückfall, bei dem er mich beinahe mit den zwei kleinen Kindern (3 und 6) in einem mir unbekannten Ort seines Heimatslandes hätte sitzen lassen, gewissermaßen auf der Straße und unter der Androhung, dass ein Unfall passiere, sollte den Kindern etwas zustoßen. Er hat sich dann in letzter Minute eines besseren "besonnen", und wir hatten einen fast schönen Urlaub...
Ein Außenstehender, der so etwas liest müsste jetzt wahrscheinlich zweimal hinsehen :!: Ein Mann, der seine Frau und seine zwei kleinen Kinder an einen unbekannten Ort einfach sitzen lässt und auch noch droht. Eine Frau, die schreibt, das er sich zum Glück in letzter Minute noch mal besonnen hat und es dann ein fast schöner Urlaub war :shock:
Liebe Sandstrand, ich kenne solche Situationen, bei mir waren zum Glück keine Kinder involviert, aber ich habe auch die schlimmsten Szenen im Urlaub oder sonst wo schon erlebt. Und statt meine Sachen zu packen und auf schnellstem Wege zu verschwinden und dem Mann ein für alle male die Grenze zu setzten und die Beziehung zu beenden, war ich einfach auch oft genug nur "dankbar" wenn ER sich wieder gefangen hat und wir doch noch eine schöne Zeit hatten :roll: Ich steckte damals aber auch ganz tief in der Co-Abhängigkeit drin. Statt zu merken, dass dieser Mann einfach überhaupt keinen Respekt mehr vor mir hatte, das er mich behandeln konnte wie er wollte, habe ich die Schuld immer bei mir gesucht.

Und ich war auch selbst Schuld, denn hätte ich mich mal etwas mehr wertgeschätzt, dann hätte ich auch niemals so mit mir umgehen lassen!
Danach, wieder zu Hause, schien erst alles normal, aber dann begann er, mein Mundwasser zu nehmen, weil ihm angeblich die Zahncreme, die ich gekauft hatte, nicht schmeckte. Das Mundwasser war unglaublich schnell leer, dann wollte er immer öfter abends ausgehen. Er lernte eine Milliardärin kennen, er behauptete, er solle für sie als Personal Trainer arbeiten (er war Profiboxer), dann wurde er ihr Bodyguard und sollte auf Reisen mit. Irgendwann nahm ich ihm das alles nicht mehr ab. Fakt ist, dass er sich jetzt von ihr in seinem Heimatland eine Villa mit Swimming pool kaufen lässt (wie im schlechten Film) und wieder trinkt.
Auch hier zeigt sich, das er überhaupt keinen Respekt vor Dir hat. Und auch nicht vor den Kindern! Jeder kann sich anderweitig verlieben, man kann sich trennen etc. Aber er hat nicht normal mit Dir gesprochen, sondern Dich belogen, bis Du es selbst herausgefunden hast.

Ich mit den Kindern alleine von heut auf morgen, mit Vollzeitjob ein echter täglicher Kampf ums Überleben, während er sich ein schönes Leben macht
Sandstrand, wenn ich Dir aus eigener Erfahrung schreiben darf: Du denkst, das er sich ein schönes Leben macht. Du bist verunsichert und verletzt. Was man auch absolut verstehen kann. Aber der Mann ist Alkoholiker und trinkt auch wieder. DAS IST KEIN SCHÖNES LEBEN! Egal wieviel Geld einem zu Verfügung steht, glücklich macht kein Geld sondern Vertrautheit, Respekt und Liebe. Ich glaube nicht, das die beiden DAS haben, oder? Aber DU hast genau das verdient, und mit ihm wirst Du dieses nicht haben. Ich glaube auch, das wenn einmal der Respekt weg ist, dieser nicht wieder aufgebaut werden kann.

Entschuldigt, ich weiß gar nicht recht, wie mir geschieht... es ist eine große Verwirrung in mir, die Verletzung, am Ende sogar betrogen worden zu sein, die Erleichterung, nicht mehr für ihn verantwortlich zu sein, die Angst, wie es mit den Kindern weitergeht...

Liebe Sandstrand, DU warst nie für ihn verantwortlich! Das ist nur er selbst. Ich habe auch lange das Gefühl gehabt, verantwortlich zu sein. Unsinn, wir wollen uns nur verantwortlich fühlen. Und ich schließe mich da ganz meinen Vorschreibern an, lass Dich am besten erstmal krank schreiben, sonst hältst Du nicht mehr lange durch! Ich hoffe sehr, das Du einmal für Dich Zeit findest zum durchschnaufen. Und auch zum trauern, denn das gehört auch dazu!

Alles Liebe
Sunny

Sunny1976
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sunny1976 » 07.12.2018, 15:46

Sandstrand2 hat geschrieben:
07.12.2018, 15:19
Mein Ex schrieb mir gerade noch, dass er mich nach wie vor liebe, ich die beste Partnerin und Mutter sei, was aber an der Villa mit der Neuen nichts ändert, ist das normal??? Ich habe ihm gesagt, dass ich keinen Kontakt mehr möchte und ihn gebeten, den Umgang mit den Kindern über eine befreundete Anwältin zu regeln...
...noch dazu kurz: Ob das normal ist - dazu schreibe ich nichts, das weißt Du wahrscheinlich eh selbst :lol: Lass Dich davon bitte bloß nicht verunsichern oder suche nach Erklärungen, aus Erfahrung bringt das nix!

Es ist super, was Du zu ihm gesagt hast! Auch was den Umgang mit den Kindern angeht. Je schneller das geregelt ist, desto schneller kannst Du Dich voll auf Dich und die Kinder konzentrieren!

Speranza
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Speranza » 07.12.2018, 16:01

Hallo sandstrand!
Mein Ex schrieb mir gerade noch, dass er mich nach wie vor liebe, ich die beste Partnerin und Mutter sei, was aber an der Villa mit der Neuen nichts ändert, ist das normal???
Neee normal ist das nicht mehr das ist einfach lächerlich. Mein Mann hat immer zu mir gesagt ich wäre die Liebe seines Lebens und eine tolle Frau. Ich hatte immer den Eindruck das sagte er immer dann wenn er Gegenwind von mir spürte und ich liess mich davon auch noch einlullen. :roll:

Ansonsten stehe ich voll und ganz hinter dem was Sunny schreibt sie bringt es sehr gut auf den Punkt!

LG Marie

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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von la vie » 08.12.2018, 05:29

Hallo, liebe Sandstrand,
dass du dir Ruhe gönnst ist sehr wichtig, um wieder Kraft zu sammeln und deine Gedanken zu sortieren. Der Abend mit deiner Freundin hat Dir bestimmt schon etwas dabei geholfen.

Hast du schon einmal an einen Ortswechsel gedacht, einen neuen Wohnsitz für dich und deine Kinder? Wo du wieder dein Leben mit deinen Kindern starten kannst, in Ruhe und ohne Angst? Ist es denkbar, dass er euren Aufenthaltsort dann nicht wüsste? Ich kann mich irren, aber ich habe ganz und gar kein gutes Gefühl dabei, wenn du die Kinder bei ihm lässt. Er hat euch im Ausland stehen gelassen. Gruselig. Habe ich es richtig verstanden, dass er mit ihnen auch ins Ausland fliegen möchte?

Deine Antwort an ihn war sehr beeindruckend. Du hast damit eine standfeste Grenze gesetzt, obwohl du grad so erschöpft bist. Dein Weinen war wohl sehr nötig und wichtig.

Es viel mir oft schwer, die Gedanken bei mir zu halten, so eine Art Tunnelblick. Aber als es mir mehr und mehr gelang, wurde es von Tag zu Tag leichter.
Vielleicht hilft es dir, jetzt so eine Art „Licht an“, nur auf deinen Weg mit deinen Kindern gerichtet. Rechts, links, hinten aus.
„Licht an“ auf deinem Weg mit deinen Kindern.

Das wünsche ich euch.
lG, la vie

Sandstrand2
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sandstrand2 » 10.12.2018, 09:56

Liebe Sunny, liebe Marie, liebe La Vie,

wie soll ich Euch danken für Eure lieben Antworten, sie sind mir ein großer Trost. Ja, Sunny, Du hast absolut Recht, null Respekt, und ein verantwortungsvoller Vater würde so etwas niemals tun... seine Familie einfach irgendwo im Ausland stehen lassen, soll die Frau mit den Kindern doch zusehen, wie sie nach Hause kommt. Schon verrückt. Gut, er hat es am Ende nicht getan, aber er wollte es tun. Ein nasser Alkoholiker ist einfach ein völlig anderer Mensch, völlig unberechenbar.
Belogen und betrogen, bis ich es ihm auf den Kopf zugesagt habe, ja, er sagte, er hätte sich geschämt und es sich nicht getraut, mir zu sagen, deshalb sei er gegangen.
Verantwortlich habe ich mich immer für ihn gefühlt, ich habe ja auch immer alles für ihn gemacht. Ich weiß nicht, ob dies nicht doch auch mit meiner Familiengeschichte zusammenhängt, ich komme die Tage in den geschlossenen Bereich, vielleicht schaffe ich es, da noch einmal alles aufzurollen. Und ich renne gerade auch schon wieder zur Psychotherapeutin...
Das mit dem Umgang hat sich vorerst erübrigt. Er hat sich doch noch einmal gemeldet und wir haben auch geredet, aber er kommt vorerst gar nicht in unsere Nähe, insofern kann er auch die Kinder nicht holen. Und ich würde mal sagen, für den Moment ist das auch gut so... zumindest für mich... für die Kinder, tja, ich weiß nicht, was besser ist...
Ortswechsel, ja, habe ich schon, aber so ganz einfach finde ich das nicht, wegen meiner Arbeit und des sozialen Umfelds der Kinder. Wenn er den Aufenthaltsort nicht wüsste... nein, das geht nicht, das wäre Kindesentzug. Abgesehen davon, dass ich das wohl doch nicht wollte, würde ich damit riskieren, das Sorgerecht zu verlieren... tja, so ist die Gesetzeslage in Deutschland, solange keine akute Gefahr für die Kinder nachgewiesen ist, und selbst dann bleibt das Recht des Vaters auf begleiteten Umgang.
Ich habe mich nicht krank gemeldet, noch nicht, aus verschiedenen Gründen, aber ich nehme mir Zeit für mich, die mir mein Chef freundlicherweise zugesteht. Mein Wochenende war schön, der Abend mit der Freundin tat gut. Am Samstag war ich mit einer anderen Freundin und den Kindern im Wald spazieren und den gestrigen Tage habe ich, da es geregnet hat, mit meinen Kindern lesend und vorm Fernseher auf der Couch verbracht. Heute Abend bin ich mit den Kindern zum Tee eingeladen...
Also, ich finde, es geht mir heute doch schon deutlich besser... :-)

Ich wünsche allen einen guten Start in die Woche und sende liebe und dankbare Grüße
Sandstrand

Sunny1976
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sunny1976 » 10.12.2018, 19:56

Liebe Sandstrand,
Sandstrand2 hat geschrieben:
10.12.2018, 09:56
Ein nasser Alkoholiker ist einfach ein völlig anderer Mensch, völlig unberechenbar.
Ach, ich glaube es gibt Menschen, die auch - wenn sie nicht trinken - so sind. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ob diese Wesenszüge schon vorher da waren oder vom Alkohol gekommen sind. Im Grunde denke ich aber, das ein Teil davon schon immer da war, der Alkohol diese einfach nur verstärkt. Alles auf den Alkohol schieben kann und möchte ich auch einfach nicht. So viel Macht kann er nun auch nicht haben :roll:

Sandstrand2 hat geschrieben:
10.12.2018, 09:56
Verantwortlich habe ich mich immer für ihn gefühlt, ich habe ja auch immer alles für ihn gemacht. Ich weiß nicht, ob dies nicht doch auch mit meiner Familiengeschichte zusammenhängt, ich komme die Tage in den geschlossenen Bereich, vielleicht schaffe ich es, da noch einmal alles aufzurollen. Und ich renne gerade auch schon wieder zur Psychotherapeutin...
Das mit der Therapeutin ist super! Mir hat dies sehr sehr geholfen. Zu ihr konnte ich schonungslos offen sein und sie hat mir vor Augen gehalten, wie verrückt ich war, das ich das alles immer mitgemacht habe und am ende mir immer die Schuld gegeben habe. Tja, mit der Familiengeschichte... bei mir kann ich Dir nur sagen, das ich in einer absolut gesunden Familie aufgewachsen bin. Alles heile Welt... und trotzdem bin ich so tief darein gerutscht. Ich hatte mir immer vorgenommen in der Therapie rauszufinden, warum gerade das bei mir so passiert ist. Heute ist es mir egal, warum! Jetzt ist es mir nur wichtig, nicht wieder in alte Muster zu verfallen, auf mich acht zu geben, das mir sowas nie wieder in meinem Leben passiert. Weiter an meinem Selbstwertgefühl zu arbeiten, mich wichtig zu nehmen.

Ich freue mich, das es Dir besser geht. Sich mit Freunden treffen hat mir sehr viel geholfen. Mach weiter so! Spann am besten sooft es geht Leute ein, die Dich auf andere Gedanken bringen. Und ansonsten schreibe hier :D

Alles Liebe
Sunny

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