Palomars neues Leben.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
HerrPalomar
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Palomars neues Leben.

Beitrag von HerrPalomar » 10.07.2018, 09:23

Hallo an die Forengemeinde,

ich hatte mich ja vor genau einer Woche im Vorstellungsbereich eingefunden und mich und meinen Entschluss, mit dem Trinken aufzuhören, kurz vorgestellt.

Was ist seit dem passiert?

Nun, vielleicht das Wichtigste zuerst: Ich habe seitdem keinen Tropfen getrunken.
Am selben Tag noch war ich beim Arzt und habe mich über diverse Hilfseinrichtungen in meiner näheren Umgebung informiert.
Die körperliche Untersuchung ist verhältnismäßig "glimpflich" ausgefallen (keine irreversiblen Schädigungen der Leber z.B.), die Laborergebnisse sprechen aber eine klare Sprache.
Bei der Befundbesprechung gestern hat mir der Arzt erklärt, dass man an den Werten auf den ersten Blick erkennen kann, dass ich zu viel trinke (bzw. getrunken habe), und er meinte, er sei aufgrund des Befunds sogar in der Lage zu sagen, was im Detail (vor allem Bier in großen Mengen).
Eine leichte Fettleber ist wohl auch schon da, diese ist aber angeblich reversibel, wenn ich jetzt mein Leben ändere.

Punkt 2: Ich bin letzten Donnerstag (mit einigem Bammel) in eine Selbsthilfegruppe in meiner Nähe gegangen. Da weiß ich noch nicht, was ich davon halten soll. Jeder spricht halt nur für sich, Ratschläge gibt es keine. Ist vielleicht gar nicht so schlecht, es soll ja eine "Hilfe zur Selbsthilfe" sein. Ich gehe diese Woche aber sicher wieder hin, alleine, die Geschichten anderer zu hören hilft schon, bisschen mehr über sein Verhalten zu reflektieren (was ich ja früher so gut wie nie tat, sondern diesen Alkoholkonsum immer verharmlost habe).

Im Vorstellungsbeitrag schrieb ich ja, dass ich am nächsten Tag (das war der letzte Mittwoch) auf eine Party eingeladen war, und ich dort nicht hingehen würde.
Nun, ich war tatsächlich doch dort und habe es genossen, Apfelsaft und Eistee zu trinken - während meine ganzen Freunde ein Bier nach dem anderen und Kurze in sich reingeleert haben. Ich war um 22:30 nüchtern zuhause, bin am nächsten Tag frisch und ausgeruht, ohne Kater, ins Büro gefahren und konnte meinen Tag bestreiten.
Ein paar Freunde, die auch auf der Party waren (und auch tw. Arbeitskollegen sind), habe ich den ganzen Tag nicht im Büro gesehen. Ich habe dann erfahren, dass sie erst um 05:00 morgens heimgekommen sind.

Dieses Gefühl, nüchtern und ohne Kater in den Tag zu starten, ist einfach so schön. Ich möchte das jetzt immer so haben.

Ich hatte nach einer durchzechten Nacht früher immer so eine Art "Suffdepression" in Verbindung mit starken Panikattacken.
Mein Arzt meinte, dass Alkoholkonsum meine Panikattacken (an denen ich seit 15 Jahren leide) nur noch verstärken würde. Noch ein Grund mehr, nichts mehr zu trinken.

Im Suff sind mir früher immer die schlimmsten Sachen passiert: Gestürzt und/oder mir selbst Verletzungen zugezogen. Kompletter Kontrollverlust bis hin zu totalen Filmrissen. Mit Menschen gestritten und mich zerstritten. Dinge gesagt, die ich am nächsten Tag bereut habe, weil sie irgendetwas in Gang gesetzt haben, das ich so nie wollte. Das hat dann diese "Suffdepression" im verkaterten Zustand nur noch schlimmer gemacht.

Und jetzt: Nein, danke. Ich möchte das nicht mehr. Das Leben ist nüchtern viel schöner. So soll es weitergehen.
Danke fürs Lesen.

zerotonine
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Re: Palomars neues Leben.

Beitrag von zerotonine » 10.07.2018, 13:12

HerrPalomar hat geschrieben:
10.07.2018, 09:23
Im Vorstellungsbeitrag schrieb ich ja, dass ich am nächsten Tag (das war der letzte Mittwoch) auf eine Party eingeladen war, und ich dort nicht hingehen würde.
Nun, ich war tatsächlich doch dort und habe es genossen, Apfelsaft und Eistee zu trinken - während meine ganzen Freunde ein Bier nach dem anderen und Kurze in sich reingeleert haben. Ich war um 22:30 nüchtern zuhause, bin am nächsten Tag frisch und ausgeruht, ohne Kater, ins Büro gefahren und konnte meinen Tag bestreiten.
Moin!

Erstmal herzlichen Glückwunsch zur ersten Woche! Bist mir 2 Tage voraus :)

Auch, wenn ich hier ebenfalls neu bin habe ich grade meinen ersten Rückfall hinter mir und möchte dich auf die "Euphorie" hinweisen, die auch mich damals beim ersten Mal befallen hat und auch jetzt beim zweiten Mal etwas abgeschwächt wieder da ist. Es ist ziemlich einfach in der ersten Zeit, dennoch auf eine Party zu gehen und dann stolz geschwellter Brust nüchtern heim zu gehen. Das ist leider sehr gefährlich! Irgendwann, in den nächsten Wochen der fern-nahen Zukunft kommt dann nämlich vielleicht ein: "Ach naja, ich habs doch sonst immer wieder geschafft, heute ein halbes Glas Sekt zum Anstoßen, XY hat doch nen runden Geburtstag...". Du musst dir extrem sicher sein, dass du auf einer Feier nichts trinkst. Grade am Anfang werde ich es jetzt wieder so machen, alle Veranstaltungen mit Alkohol zu meiden. Kann ich dir nur nahe legen.

Ich frage mich z.B., warum hier bei mir immer noch Weingläser in einem Schrank rumstehen und dort Staub fangen. Was will ich mit denen? Was wollte ich mit denen eigentlich vorher, denn ich war nie ein Weintrinker und habe mir im Leben vielleicht 10 Flaschen zum persönlichen Gebrauch gekauft, wobei die meisten dann für Kochen draufgingen. Gut, ich hatte die Gläser geschenkt bekommen. Die kommen gleich in einen Karton in den Keller und dann werden sie verschenkt. Wenn sie keiner haben will, dann halt ab inne Tonne. Ein alkoholumfreies Umfeld hat nicht nur was mit "keinen Alk dahaben" zu tun :wink:

LG,
zero

Frontifex
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Re: Palomars neues Leben.

Beitrag von Frontifex » 10.07.2018, 13:31

Irgendwann, in den nächsten Wochen der fern-nahen Zukunft kommt dann nämlich vielleicht ein: "Ach naja, ich habs doch sonst immer wieder geschafft, heute ein halbes Glas Sekt zum Anstoßen, XY hat doch nen runden Geburtstag...".
Das stimmt, das sind Gedankengänge die man dabei auf keinen Fall haben sollte. Sollte sich so etwas einstellen hat man schon einen halben Rückfall gebaut, dann sollte man sich verabschieden und gehen. Bei mir stellt sich so etwas ein wenn ich keinen Suchtdruck verspüre, dann stelle ich mir die Frage ob ich jemals abhängig war oder mir das nur eingeredet habe aber nur weil ich die meiste Zeit mit Alkohol und Drogen in meiner Umgebung klar komme heißt das nicht dass ich den Konsum selbiger überstehen kann, das würde mich direkt wieder ins alte leben zurückwerfen.

Und "mal geht ja ich mach es ja nicht jeden Tag" ist ein Stolperclean das definitiv zu einem vollständigen Rückfall führen wird.

zerotonine
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Re: Palomars neues Leben.

Beitrag von zerotonine » 10.07.2018, 13:45

Hallo Frontifex,

ich glaube, ein Schritt in Richtung meines Rückfalls war zu denken, dass ich "das Ganze" ja hinter mir habe. Ich war ja in Therapie! Jetzt gibt es einen neuen Abschnitt, in dem Alkohol kein Problem mehr ist. Und dann geschah irgendwann genau das, was du beschrieben hast: "nur weil ich die meiste Zeit mit Alkohol und Drogen in meiner Umgebung klar komme heißt das nicht dass ich den Konsum selbiger überstehen kann". Das hatte ich nicht mehr Ernst genommen. Es kamen bei mir noch andere Sachen hinzu, aber das hier ist der Thread vom Herrn Palomar, den ich nicht entführen möchte :)

Sunshine_33
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Re: Palomars neues Leben.

Beitrag von Sunshine_33 » 10.07.2018, 14:08

Im Vorstellungsbeitrag schrieb ich ja, dass ich am nächsten Tag (das war der letzte Mittwoch) auf eine Party eingeladen war, und ich dort nicht hingehen würde.
Nun, ich war tatsächlich doch dort und habe es genossen, Apfelsaft und Eistee zu trinken - während meine ganzen Freunde ein Bier nach dem anderen und Kurze in sich reingeleert haben. Ich war um 22:30 nüchtern zuhause, bin am nächsten Tag frisch und ausgeruht, ohne Kater, ins Büro gefahren und konnte meinen Tag bestreiten.
Extrem gefährliches, fahrlässiges und in meinen Augen auch geradezu dummes Verhalten, was schnell in den Rückfall führt.
Aber mir solls ja egal sein, ich bin trocken.
Ich lese hier auch in letzter Zeit vermehrt, das man meint, dem Alk entgegen gehen zu müssen.
Warum ist mir rätselhaft. Hauptsache, überall dabei sein, nicht wahr?

LG Sunshine

HerrPalomar
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Re: Palomars neues Leben.

Beitrag von HerrPalomar » 10.07.2018, 14:23

Sunshine_33 hat geschrieben:
10.07.2018, 14:08
Im Vorstellungsbeitrag schrieb ich ja, dass ich am nächsten Tag (das war der letzte Mittwoch) auf eine Party eingeladen war, und ich dort nicht hingehen würde.
Nun, ich war tatsächlich doch dort und habe es genossen, Apfelsaft und Eistee zu trinken - während meine ganzen Freunde ein Bier nach dem anderen und Kurze in sich reingeleert haben. Ich war um 22:30 nüchtern zuhause, bin am nächsten Tag frisch und ausgeruht, ohne Kater, ins Büro gefahren und konnte meinen Tag bestreiten.
Extrem gefährliches, fahrlässiges und in meinen Augen auch geradezu dummes Verhalten, was schnell in den Rückfall führt.
Aber mir solls ja egal sein, ich bin trocken.
Ich lese hier auch in letzter Zeit vermehrt, das man meint, dem Alk entgegen gehen zu müssen.
Warum ist mir rätselhaft. Hauptsache, überall dabei sein, nicht wahr?

LG Sunshine
Nein, nicht überall dabei sein. Im Gegenteil. Ich konnte da nicht aus, da es eine Abschiedsfeier einer sehr guten Freundin war, und ich seit einigen Wochen auch mit der Planung beschäftigt war.

Ich gebe dir schon recht, dass das nicht optimal war, das wird auch so nicht mehr vorkommen.
Ich will dem Alkohol nicht entgegen gehen. Andererseits: Nicht mit Alkohol konfrontiert zu werden, ist so gut wie unmöglich, außer man lebt auf einer einsamen Insel. Egal wo man vorbeigeht, überall wird Alkohol getrunken - in Cafés, Imbissbuden, Restaurants, ja sogar auf Parkbänken oder an irgendwelchen Ecken stehen Leute mit Bierdosen. Die Regale in den Supermärkten. Wo ist der Unterschied? Da kann ich auch rückfällig werden.
Wenn es nach dem ginge, dürfte ich gar nicht mehr außer Haus gehen, sondern müsste den ganzen Tag im Bett liegen bleiben. Das geht auch nicht.
Und habe ich auf der Party getrunken? Nein. Ich habe auch kein einziges Mal Lust dazu verspürt. Ich bin der Meinung, dass ich darauf eigentlich stolz sein kann...

Klar ist mir aber natürlich schon, dass ich jetzt mal länger nicht mehr zu solchen Gelegenheiten außer Haus gehe. Dem Alkohol im Alltag ständig auszuweichen, das wird auf Dauer aber einfach nicht funktionieren.
Ich habe vor einigen Jahren auch zu rauchen aufgehört - da war das ähnlich. Natürlich vermeidet man am Anfang die Situationen, in denen man wieder leicht zu einer Zigarette greifen könnte. Aber irgendwann sollte man lernen, damit umzugehen, wenn andere um einen herum rauchen. Ich denke, dass es mit dem Alkohol ähnlich sein wird. Aber vielleicht täusche ich mich da auch.

zerotonine
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Re: Palomars neues Leben.

Beitrag von zerotonine » 10.07.2018, 14:51

HerrPalomar hat geschrieben:
10.07.2018, 14:23
Ich will dem Alkohol nicht entgegen gehen. Andererseits: Nicht mit Alkohol konfrontiert zu werden, ist so gut wie unmöglich, außer man lebt auf einer einsamen Insel. Egal wo man vorbeigeht, überall wird Alkohol getrunken - in Cafés, Imbissbuden, Restaurants, ja sogar auf Parkbänken oder an irgendwelchen Ecken stehen Leute mit Bierdosen. Die Regale in den Supermärkten. Wo ist der Unterschied? Da kann ich auch rückfällig werden.
Der Unterschied liegt im vertrautem Umfeld. Manche meiden sogar den Supermarkt, in dem sie immer den Alk gekauft haben. Die Typen in der Innenstadt mit Bierdosen können dir egal sein, es sei denn, sie sind ein vertrautes Umfeld für dich.

Ich werde auf mich achten, diese vertrauten Umfelder zu meiden. Es gab/gibt bei mir ein sehr vertrautes Umfeld im soziokulturellem Bereich, was ich leider nicht mehr besuchen werde, obwohl ich dort gerne mitgearbeitet habe. Aber ich habe in einem Laden mit Bühne und Theke nichts zu suchen, obwohl ich viele gute Leute dort kenne und tolle Veranstaltungen mitgestaltet habe.

HerrPalomar
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Re: Palomars neues Leben.

Beitrag von HerrPalomar » 10.07.2018, 15:41

zerotonine hat geschrieben:
10.07.2018, 14:51
Der Unterschied liegt im vertrautem Umfeld. Manche meiden sogar den Supermarkt, in dem sie immer den Alk gekauft haben. Die Typen in der Innenstadt mit Bierdosen können dir egal sein, es sei denn, sie sind ein vertrautes Umfeld für dich.

Ich werde auf mich achten, diese vertrauten Umfelder zu meiden. Es gab/gibt bei mir ein sehr vertrautes Umfeld im soziokulturellem Bereich, was ich leider nicht mehr besuchen werde, obwohl ich dort gerne mitgearbeitet habe. Aber ich habe in einem Laden mit Bühne und Theke nichts zu suchen, obwohl ich viele gute Leute dort kenne und tolle Veranstaltungen mitgestaltet habe.
Ja, das ist mir definitiv klar. Danke euch allen nochmal für diese Verdeutlichung und Nachschärfung.
Wenn jemand nach der Arbeit zu mir sagt: "Na, gehen wir auf EIN Feierabendbierchen?", werde ich natürlich auch dankend ablehnen.
Stammpub ist auch Verbotszone. Heute wird da schon wieder Fußball geglotzt und währenddessen ununterbrochen Bier getrunken. Da habe ich nichts verloren. Ich schaue mir das höchstens zuhause bei einem Glas Wasser und ein paar Nüsschen an...

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