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Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Hull
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Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Hull » 12.07.2018, 12:48

Hallo,

im Prinzip habe ich die Thematik "Alkohol" für mich abgeschlossen und bin mir sicher, nie wieder in meinem Leben Alkohol zu trinken. Dass diese Aussage erst mit dem Tod bewiesen sein kann, ist mir klar; ich beabsichtige, unabhängig davon, auch nicht, eine Diskussion über Rückfälle oder "nasses Denken" zu führen. Dies muss jeder für sich selbst beantworten.

Die Diskussion soll sich mit der Definition "Alkoholiker" beschäftigen. Nun wird hier immer wieder betont, dass es wichtig sei, sich selbst als Alkoholiker betrachten zu können - kurz: Schluss mit Selbstbetrug. Hierbei stimme ich zu. Nun mag es viele Menschen geben, die sich ihr ganzes Leben selbst belügen; für diese Menschen wäre es schwierig, sich selbst als Dieb, Lügner und schließlich auch als Alkoholiker zu betrachten. Dies scheint in meiner Abstraktion aber nichts spezifisches für den Alkohol zu sein, sondern schlicht eine Charaktereigenschaft, die diese Menschen anfällig für Alkoholmissbrauch, Drogenmissbrauch und viele andere Tätigkeiten macht, die Geist und Gesundheit langfristig schädigen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Minderheit, der es für das Selbstwertgefühl vollkommen egal ist, ob sie Alkoholiker, Dieb, Betrüger, Lügner, Mörder usw. sind. Dazu zähle ich mich. Wenn ich zurückdenke, war mir schon in den Jugendjahren klar, dass mein Alkoholkonsum nur der eines Alkoholikers sein konnte und ich folglich Alkoholiker bin. Diese "Erkenntnis" änderte nichts. Die Frage ist also, was es bringen soll, sich selbst als Alkoholiker zu bezeichnen, wenn vorsätzlich gehandelt wird?

Grüße

zerotonine
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von zerotonine » 13.07.2018, 00:22

Handelt es sich in beiden Fällen nicht nur um zwei unterschiedliche Formen des Ignorierens? Mich selber als Alkoholiker zu bezeichnen bedeutet für mich, diese Tatsache zu akzeptieren und daraus ergibt sich, dass ich auf mich aufpassen werde. Hoffentlich besser als in der jüngsten Vergangenheit... :oops:

Dante
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Dante » 13.07.2018, 00:29

Die Assoziationskette finde ich interessant: Alkoholiker, Dieb, Betrüger, Lügner, Mörder

NNGNeo
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von NNGNeo » 13.07.2018, 01:06

hallo hull

was es mir bringt mich als alkoholiker zu bezeichnen?
nun es hat mich zumindest bist heute trocken gehalten, wie ich mich bezeichne ist mir aber letztendlich egal, von mir aus kann ich mich auch als hans wurst bezeichnen, hauptsache ich vergesse nicht wer ich bin und wo ich herkam und nie wieder hinkommen will.
grüße
NNGNeo

Hull
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Hull » 13.07.2018, 02:11

Dante hat geschrieben:
13.07.2018, 00:29
Die Assoziationskette finde ich interessant: Alkoholiker, Dieb, Betrüger, Lügner, Mörder
Es ist eine zufällige Auswahl ohne Hintergrund.

Thalia1913
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Thalia1913 » 13.07.2018, 10:03

Hallo Hull,

Deine Frage lautet zwar, „Was bringt es, Alkoholiker zu sein“, aber ich beantworte jetzt einfach mal die Frage, „Was bringt es, zu wissen und zu akzeptieren, Alkoholiker zu sein.“

Für mich bedeutet das Handlungsfreiheit, Entscheidungsfreiheit. Ich kann auf Basis dieser Erkenntnis entscheiden, ob ich trinken oder nicht trinken will. Solange ich nicht akzeptiere, alkoholkrank zu sein, so lange akzeptiere ich nicht, dass ich nicht kontrolliert trinken kann, und so lange kann ich keine bewusste, informierte Entscheidung treffen, mich aus der aktiven Abhängigkeit zu befreien.

So wie ich dich verstehe, ist es für dich von Anfang an klar gewesen, dass du Alkoholiker bist. Gut für dich, denn auf Basis dieser Erkenntnis hast du dich jetzt doch auch entschieden, nie mehr Alkohol zu trinken. Dass du - auf Basis dieser Erkenntnis - in früheren Jahren eine andere Entscheidung getroffen hast, ändert doch nichts an der Tatsache, dass dieses Erkenntnis dir überhaupt die Freiheit gibt, eine Entscheidung zu treffen.

Gruß,
Thalia

Waschbaer
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Waschbaer » 13.07.2018, 13:16

Hallo Thalia,

danke für diesen hilfreichen Text.

LG Nobby :wink:

Hull
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Hull » 14.07.2018, 15:43

Thalia1913 hat geschrieben:
13.07.2018, 10:03
Hallo Hull,

Deine Frage lautet zwar, „Was bringt es, Alkoholiker zu sein“, aber ich beantworte jetzt einfach mal die Frage, „Was bringt es, zu wissen und zu akzeptieren, Alkoholiker zu sein.“

Für mich bedeutet das Handlungsfreiheit, Entscheidungsfreiheit. Ich kann auf Basis dieser Erkenntnis entscheiden, ob ich trinken oder nicht trinken will. Solange ich nicht akzeptiere, alkoholkrank zu sein, so lange akzeptiere ich nicht, dass ich nicht kontrolliert trinken kann, und so lange kann ich keine bewusste, informierte Entscheidung treffen, mich aus der aktiven Abhängigkeit zu befreien.

So wie ich dich verstehe, ist es für dich von Anfang an klar gewesen, dass du Alkoholiker bist. Gut für dich, denn auf Basis dieser Erkenntnis hast du dich jetzt doch auch entschieden, nie mehr Alkohol zu trinken. Dass du - auf Basis dieser Erkenntnis - in früheren Jahren eine andere Entscheidung getroffen hast, ändert doch nichts an der Tatsache, dass dieses Erkenntnis dir überhaupt die Freiheit gibt, eine Entscheidung zu treffen.

Gruß,
Thalia
Hallo Thalia,

das impliziert, dass Alkoholismus mit negativen Werten verbunden ist, was es - wie beschrieben - in meiner Abstraktion aber nicht ist und auch nicht sein kann. Alkoholismus ist in meinem Modell nur die Folge aus bestimmten Charaktereigenschaften und der Umwelt - dass die Medizin dies als "Krankheit" behandelt, ist eine andere Definitionssache. Wie für einen Lügner, Betrüger oder einen Mörder bestimmte Beweggründe für sein Handeln ausschlaggebend sind, sind es diese für den Alkoholiker; folglich stelle ich mir die Frage, weshalb diese "Einsicht" nun irgendetwas beeinflussen soll, wenn sie a) stets vorhanden war und b) keinen Wert hatte und hat.

Ich verstehe, dass es schwer zu diskutieren ist, aber aus einem anderen Grund müsste ich auch nicht auf andere Meinungen hoffen.

Grüße

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