Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Cadda
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Cadda » 09.08.2018, 13:25

Und wenn Du nicht alkoholkrank bist... was hat Dich dazu gebracht, Dich in diesem Forum anzumelden?

Wenn Du kein Alkoholiker bist... warum dann also die Gedanken zum Thema Alkohol??

Hull
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Hull » 09.08.2018, 16:29

Wenn Du kein Alkoholiker bist.... weshalb ist es Dir dann so wichtig, nichts mehr zu trinken? Ein Glas ab und zu kann dann (wenn Du nicht alkoholkrank bist) ja nicht so schlimm sein???
Ich bestreite nicht, alkoholkrank zu sein, da ich - sobald ich den ersten Schluck Alkohol getrunken hatte (mit zeitlichen Abständen, meist zu Wochenenden, dies über ca. 20 Jahre) - keine Kontrolle mehr besaß, oder insofern nur noch die eine Kontrolle besaß, dass es mit dem ersten Schluck auch bis zum letzten fortgeführt werden musste, egal was passiert.

In den letzten Jahren gab es für mich in einigen Bereichen große Entwicklungen; die Interessen änderten sich und in der Summe aller Ereignisse war der Alkohol nur noch lästig, hinderlich, zerstörend, nicht mehr euphorisierend (Justiz, Gesundheit, soziale Zerwürfnisse usw.) und damit überfällig aus dem Leben geschmissen zu werden. Die Besäufnisse wurden im letzten Jahr auch deutlich weniger, der Abstinenzgedanke begann also schon unterbewusst umgesetzt zu werden, wobei ich im ersten halben Jahr der dann folgenden vollständigen Abstinenz eine Hintertür offen ließ (ich las diese Formulierung bereits in einem anderen Thema); dies kam mir dann allerdings derart schwächlich vor, dass die Verachtung für Rückfälle usw. den vermeintlich schönen Stunden haushoch überlegen war und ich ganz einfach festlegte, nie wieder zu trinken, und auch hier gilt nun: egal was passiert.

Ich habe in einem anderen Thema auf Sportlerfamilien, Rechtsanwaltsfamilien o.ä. Bezug genommen, so ist dies auch bei mir tief verankert; es gibt kein Scheitern und selbst wenn es ein Scheitern geben sollte - was es nicht gibt - wurde mit diesem schonungslosen Einsatz so viel erreicht, dass das dann letztlich doch den Sieg darstellt.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, ich bestreite nicht, alkoholkrank zu sein, aber ich glaube nicht, dass es das ist, was meine Persönlichkeit richtig trifft und ich bin mir sicher, dass diese vermeintliche Erkenntnis nichts an meinem Denken verändert. Mir war im Jugendalter bewusst, dass mein Alkoholkonsum abnormal war und dies - wie jeder Missbrauch - bei entsprechend sich erhöhender Dosis und einer ausreichenden Zeitachse im Niedergang enden wird. Dass dies aber wie eine bahnbrechende Erkenntnis immer wieder bei jeder Gelegenheit als "Alkoholismus" oder "Krankheit" zu benennen ist, halte ich für banal und nutzlos.

Ich sehe fernerhin keinen Sinn darin, mich einer scheinbar übergeordneten und geheimnisvollen Macht auszusetzen, die mich eines Tages gegen meinen Willen wieder trinken lassen soll. Ich habe alles selbst in der Hand, Krankheit hin oder her.

Grüße

Cadda
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Cadda » 09.08.2018, 19:28

Meine Frage ging auch eigentlich an den Beitrag über mir, von „Poster“.

Du hast das nicht bestritten, das hab ich schon verstanden. Klar. Denn man kann selbstverständlich auch alkoholkrank sein, auch wenn man „nur“ am Wochenende trinkt. Ich habe viele Jahre auch „nur“ an den Wochenenden getrunken. Alkoholikerin war ich da trotzdem schon. Irgendwann blieb es nicht mehr beim Wochenede. Wenn die Einsicht zur Krankheit bei Dir erst einige Jahre später gekommen wäre, könnte ich mir vorstellen, dass es Dir auch so ergangen wäre. Aber das spielt ja zum Glück keine Rolle mehr, da Du aufgehört hast.

Wie gesagt... meine Fragen bezogen sich auf den Beitrag von Poster und ich bin gespannt auf die Antworten meiner Fragen.

Poster
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Poster » 09.08.2018, 21:14

Hallo Cadda

Ich habe als ich den Alkoholkonsum eingestellt habe schon realisiert, dass ich nicht mehr

selbstbestimmt war. Wesentlich war aber die Erkenntnis, dass der Alkohol meinen Körper nach und

nach zerstört. Ich habe mir den Alkohol zum Feind erklärt, ihm den Kampf angesagt und den Kampf gewonnen.

Im Forum wird gepredigt vor dem Alkohol zu kapitulieren, anders könne man nicht trocken bleiben. Das sehe ich

komplett anders. Wenn ich kapituliere ist der Gegner ( Alkohol) der Sieger. Der Sieger bestimmt aber immer über den

Besiegten. Ich habe den Kampf gewonnen, also bestimme ich. Dadurch führe ich ein selbstbestimmtes Leben.

In meinem Thread „Poster ohne Alk „ kannst Du nachlesen warum ich hier in den Anfangsjahren aktiv.

Nochmal Alkohol trinken ?

Schließe ich zu 100 % aus, weil Alkohol für mich wie Gift ist und mich sofort umbringt. Ich trinke ja auch kein

Arsen, E 605 oder ähnliches.

Für mich hält sich einer die Hintertür offen, wenn er einen Rückfall für möglich hält.

In den Anfangsjahren meiner Trockenheit war der Gedanke bzw. das Nachdenken über den Alkohol schon

sehr präsent. (täglich)

Die vergangenen Jahre ist meine Nüchternheit oder Alkohol eine Nebensache. Es gibt viele Dinge die größere

Priorität haben. Auch ein Grund weil ich sehr selten im Forum poste. Ich bin aber nach wie vor hier auch im

geschützten Bereich und schaue ab und zu mal rein.

Lg

der Poster

Karsten
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Karsten » 09.08.2018, 21:41

Hallo Poster,

schön, mal wieder von dir zu lesen.

Predigen tun wir ja nicht :)

Ich weiß aber was du meinst.

Es sind halt die Erfahrungen, die wir gemacht haben.
Ich habe auch nicht vor dem Alkohol kapituliert, sondern vor der Tatsache, dass ich mit Alkohol nicht umgehen kann.

Kapitulation ist in meinen Augen auch ein falsches Wort, denn ich habe nie einen Krieg mit dem Alkohol geführt.

So mit kann auch keiner verlieren oder gewinnen.

Schade, dass du selten hier schreibst, denn es wäre für andere Leser und Mitglieder vielleicht auch interessant, wie denkst.

Gruß
Karsten

NNGNeo
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von NNGNeo » 09.08.2018, 21:47

hallo poster

ich sehe es ähnlich wie karsten, ich habe nicht gegen den alkohol gekämpft, ich habe ihn nur gesoffen. ich habe nur eingesehen das ich darüber keinerlei kontrolle mehr habe, falls ich sie überhaupt jemals hatte.
alkohol ist für mich heute nur noch ein stoff der in irgendeinem gefäß drin ist. und solange ich ihn nicht mehr trinke kann er mir nichts mehr anhaben.
grüße
NNGNeo

Carl Friedrich
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Carl Friedrich » 09.08.2018, 22:21

Poster hat geschrieben:
09.08.2018, 21:14


Im Forum wird gepredigt vor dem Alkohol zu kapitulieren, anders könne man nicht trocken bleiben. Das sehe ich

komplett anders. Wenn ich kapituliere ist der Gegner ( Alkohol) der Sieger. Der Sieger bestimmt aber immer über den

Besiegten. Ich habe den Kampf gewonnen, also bestimme ich. Dadurch führe ich ein selbstbestimmtes Leben.
Hallo!

Anfangs tat ich mich auch mit dem Begriff der Kapitulation vor dem Alkohol schwer, insbesondere wenn man ihn militärisch sieht, denn dann bedeutet er, sich dem Alkohol zu unterwerfen.

Viele verwenden den Begriff jedoch anders und zwar in dem Sinne, dass der Alkoholiker dem Alkohol nicht gewachsen ist, wenn er sich auf ihn einlässt.

Ich halte mir den Alkohol auf Distanz, da ich im Falle des Konsums schwächer bin als er.

Laut Duden versteht man unter Kapitulation auch das Aufgeben. In diesem Sinne haben wir Abstinenzler auch aufgegeben, nämlich den Alk zu konsumieren.

Gruß
Carl Friedrich

Hull
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Re: Was bringt es, Alkoholiker zu sein?

Beitrag von Hull » 10.08.2018, 00:59

Vielleicht sollte dann aber ganz einfach das Zitieren von amtlichen Definitionen für bestimmte Begriffe zugelassen werden.

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