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Stellenwert von Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
Karsten
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Stellenwert von Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Beitrag von Karsten » 13.07.2018, 11:29

Hallo,

die Woche ist schon wieder rum und nun ein neues Wochenthema.

Viele Betroffene suchen sich ja auch verschiedene Hilfen, wenn sie trocken werden möchten.
Nach dem Entzug gibt es ja die Möglichkeiten:

- Selbsthilfe
- Psychologen bzw. Therapeuten
- Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Die stationären Therapieangebote lasse ich mal bewusst außen vor, weil sie ja zeitlich begrenzt sind.

Welchen Stellenwert haben diese Hilfsangebote für euch?
Manchmal kommt es ja auch unterschiedlichen Empfehlungen / Ratschlägen / Erfahrungen , die sogar im direkten Widerspruch stehen können.

Gruß
Karsten

Karsten
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Re: Stellenwert von Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Beitrag von Karsten » 13.07.2018, 20:50

Hallo,

ich weiss nicht, ob die Frage verständlich war.
Mir geht es auch darum, dass sich ja die Veränderungen in der Suchtkrankenhilfe überall bemerkbar machen.

Dieses schwarz-weiss Denken, entweder Selbsthilfe oder Therapie, ist nicht mehr gegeben.

Auch die Ziele von Menschen mit Alkoholproblemen sind ja nicht mehr nur eine dauerhafte Abstinenz.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Stellenwert von Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Beitrag von Carl Friedrich » 13.07.2018, 21:14

Karsten hat geschrieben:
13.07.2018, 20:50

Auch die Ziele von Menschen mit Alkoholproblemen sind ja nicht mehr nur eine dauerhafte Abstinenz.
Hallo Karsten!

Ich gehe mal davon aus, Du meinst diesbezüglich nicht das sog. Kontrollierte Trinken.

Ansonsten habe ich das von dir geschilderte "entweder-oder" nicht kennengelernt.

Meine Therapeuten haben uns fortlaufend darin bestärkt und aufgefordert, schon gegen Ende der Therapie unmittelbar an einer SHG mitzumachen. Dieses Forum hier ist eine solche SHG, wenn auch digital, dafür 24/365.

Ich kann nur von mir sprechen, aber mir hat der Dreiklang aus a) ambuanter Therapie b) Fachliteratur und c) Forum/SHG gut getan und enorm geholfen. Alle drei griffen wie die Rädchen einer Maschine ineinander. Vor allem konnte ich erkennen, das die Meinung der Therapeuten auch mit den Ansichten hier im Wesentlichen übereinstimmten.

Daher spreche ich nicht von Stellenwert, sondern vom Nutzen der verschiedenen Angebote für mich, den Alkoholkranken.

Gruß
Carl Friedrich

Karsten
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Re: Stellenwert von Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Beitrag von Karsten » 13.07.2018, 21:27

Hallo Carl Friedrich,

wenn alle Hilfsangebote am gleichen Strag ziehen ist es sehr schön.

Nur ist das ja nicht immer so und auch hier konnte ich schon sinngemäß lesen: egal was ihr mir hier schreibt, meine Psychogin weiss es besser.

Das muss ja jeder für sich entscheiden.

Um die andere Frage zu beantworten.

Ja, ich meie dieses kontrollierte Trinken und auch diese Medikamente gegen Suchtdruck.

Das sind ja nicht unsere Ziele hier, aber überall liest man davon.
Sogar große Zeitungen beißen sich keinen ab, darüber in den größten Tönen zu schreiben.

Viele haben ja diese Ziele oder nutzen die Tabletten.

Sogar Einrichtungen, also Wohnheime gibt es schon für diese Zielgruppe, wo sie über den Tag verteilt, Alkohol bekommen.

Vielleicht auch von den Krankenkassen bezahlt, denn die Alkoholabhängigen werden selbst das Geld nicht haben.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Stellenwert von Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Beitrag von Carl Friedrich » 13.07.2018, 22:49

Hallo Karsten!

Vielleicht war ist ja die Suchtberatung in meiner Gegend konservativ aufgestellt:

Von 2 Dingen hielten die nichts:

1.) Kontrolliertes Trinken. Das funktioniert grundsätzlich nicht Alkoholikern, wobei es sicherlich hier und da mal Ausnahmen geben mag. Die Leute mit denen ich zu tun hatte, konnten und können das nicht, mich eingeschlossen. Das kann man jetzt gut oder schlecht finden, es ist einfach so. Es gibt Lebensmittelunverträglichkeiten und die Betreffenden kommen auch damit klar, indem sie bestimmte Stoffe meiden.

So ist es letztlich auch bei mir. Ich habe eine Alkoholunverträglichkeit, sie eingesehen und meinen Frieden damit gemacht.

2.) Pillen gegen Suchtdruck. Die waren für sie nur der allerletzte Schritt für ganz wenige Patienten und nur für einen ganz kurzen Zeitraum.

Strategien gegen den Suchtdruck kann man erlernen und muss sie letztlich ausprobieren, um sich aus dem Druck herausarbeiten. Man macht es sich zu leicht, bei jedem Verlangen nach einem Bier/Wein... sofort Pillen einzuwerfen. Die Pillen machen uns nicht trocken, dass müssen wir schon selbst leisten, auch wenn es ab und an weh tun mag. Es ist der Vorteil einer Gruppentherapie, dass es insoweit positive Beispiele von Mitteilnehmern gibt, die es auch ohne Chemie schaffen.

Genau deswegen rate ich stets auch zur Lektüre von Fachliteratur aus Patienten- und Therapeutensicht. Damit kann man vieles überprüfen.


Gruß
Carl Friedrich

NNGNeo
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Re: Stellenwert von Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Beitrag von NNGNeo » 13.07.2018, 23:41

hallo karsten

1.) jedes mal wenn ich etwas über kontrolliertes trinken lese, ich kann da nur noch mit dem kopf schütteln.
wenn ich doch über etwas die kontrolle verloren habe, in unserem fall der alkohol, wie soll ich denn bitte wieder die kontrolle über etwas bekommen was ein eindeutiges symptom einer unheilbaren krankheit ist?
wenn die kontrolle über den alkohol weg ist, dann ist sie unwiederbringlich weg, ganz einfach.
ich kenne keinen einzigen fall wo kontrolliertes trinken funktioniert hat, mich eingeschlossen. hab es doch selber jahrelang probiert, es hat ganze 0 mal funktioniert.
menschen die alkoholiker sind werden so nur noch tiefer in die sucht geführt, das hat mit hilfe überhaupt nichts zu tun.
und bei denen wo es funktioniert, da kann ich nicht dran glauben das diese menschen wirklich alkoholiker sind. die haben vielleicht alkoholmissbrauch betrieben, sind aber noch nicht abhängig.
und wenn ich nicht abhängig bin, brauche ich auch nichts zu kontrollieren.

2.) pillen gegen suchtdruck habe ich außer in meiner entgiftung nie genommen, und das sehe ich auch durchaus als vorteil an.
ich habe gelernt wie ich mit schwierigen situationen umgehen muss, wie carl friedrich es schon schrieb, irgendwelche pillen machen mich nicht trocken. es war zwar manchmal echt mühsam und schwierig für mich persönlich, aber ich bin meinen weg gegangen mit allen höhen und tiefen.
das sind erfahrungen die mir keine pille der welt geben kann. heute verspüre ich so gut wie nie suchtdruck, und das ohne irgendwelche pillen.
jetzt will ich aber diese pillen gegen suchtdruck auch nicht gleich verteufeln, ich könnte mir wirklich sehr gut vorstellen das sie für menschen mit schwerer abhängigkeit durchaus auch helfen können, gerade in der anfangszeit. aber ob das was auf dauer ist, ich denke darüber lässt sich streiten. ich persönlich denke das es auf kurz oder lang auch ohne pillen gegen suchtdruck funktionieren muss.
grüße
NNGNeo

Karsten
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Re: Stellenwert von Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Beitrag von Karsten » 19.07.2018, 13:51

Hallo,

ist schon erstaunlich, wie wenige hier eine Meinung zu haben, obwohl immer darüber geschrieben wird:

Meine Psychologin oder meine Therapeutin

Mario B.
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Re: Stellenwert von Selbsthilfe und Psychologen bzw. Therapeuten

Beitrag von Mario B. » 20.07.2018, 11:09

Hallo,

der Stellenwert des Hilfsangebotes meines Psychiaters ist sehr hoch. Er sieht und bewertet Dinge aus einem anderen Blickwinkel und hilft mir dadurch meinen Horizont zu erweitern, Ansichten zu überdenken oder neue Wege einzuschlagen.

Entscheiden tue ich am Ende aber selbst, und der Psychiater hilft mir dabei in dem er mich dabei begleitet.

Seine Funktion als Kummerkasten habe ich Anfangs übrigens extrem unterschätzt.

Gruss,

Mario B.

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