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Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Hope_sun
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Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Hope_sun » 22.07.2018, 02:45

Hallo zusammen,
ich versuche hier schon seit längerer Zeit auszuholen, weil ich weiß das es mir gut tun wird mich auszutauschen aber leider jagte ein Vorfall den nächsten und oft war ich einfach nur zu müde zum schreiben. Vielleicht könnt ihr mich etwas motivieren oder mir den einen oder anderen Tipp geben um Dinge besser zu verstehen. Ich bin mit meinem Latein gerade am Ende :cry:

Zu meiner Geschichte. Nachdem meine 13 jährige Partnerschaft vor ca 4,5 Jahren endete habe ich einen sehr charmanten Mann kennengelernt. Ihm ging es ähnlich, er hatte gerade eine gescheiterte Ehe hinter sich und wir waren beide die Verlassenen. Wir verliebten uns und aus heutiger Sicht ging alles viel zu schnell, zusammen ziehen, ein gemeinsames Kind. Schon am Anfang wo wir noch nicht richtig zusammen wohnten gab es schon viele seltsame oder befremdliche Situationen die ich so nicht kannte. Zum Beispiel kam es oft vor das wir verabredet waren und er auf einmal nach Feierabend einfach nicht erreichbar war oder er tauchte bei mir auf und zettelte aus Nichts einen Streit an um dann wieder abhauen zu können oder wenn wir abends telefonierten klang er oft betrunken. Wenn ich ihn drauf ansprach dann bestätigte er mir das auch. Ich hatte mir da nichts bei gedacht, sondern dachte das er durch seine Scheidung eine schwere Zeit durchmacht und das es nur eine Phase ist. Wie naiv ich war aber zu dem Zeitpunkt sagte mir Alkoholismus oder Abhängigkeit gar nichts. In der Zeit wo wir dann bereits zusammen wohnten tauchte er immer öfter betrunken auf. Und mir wurde klar das er mehr als ein Problem hat. Irgendwann in einem schwachen Moment (er ist sonst ein sehr stolzer und verschlossener Typ) erzählte er mir das sein Vater Alkoholiker war und an Leberzirrose verstorben ist als mein Freund 4 Jahre alt war. Und irgendwann nach viel drängen meinerseits sagte mein Freund dann zu mir das er weiß, das er auch ein Alkoholproblem hat. Dann kam unsere Tochter auf die Welt. Schon in der Schwangerschaft habe ich ihm die Pistole auf die Brust gesetzt das er was ändern muss und das ich das mit Kind nicht weiter mitmachen werde. Einige Zeit konnte er sich in der Schwangerschaft zusammen reißen. Dann gerade kurz nach der Geburt war es wieder ganz schlimm. Nach Feierabend war er telefonisch nicht erreichbar und hat mich hier mit dem Kind hängen lassen. Irgendwann mitten in der Nacht tauchte er dann betrunken auf. Wenn ich Glück hatte war er gut drauf oder oft war er noch in Streit und Provozierlaune und pöbbelte mich aufs Übelste an. Wenn er mal einen Tag nicht betrunken nach Hause kam dann war er gereizt und oft wurde dann Streit angezettelt damit er einen Grund hatte wieder abzuhauen. Da er noch Eigentum hat in der Stadt wo er herkommt, ist er dann einfach dorthin abgehauen um dort in Ruhe weitertrinken zu können.

Inzwischen ist noch mehr passiert. Nie hätte ich mir ausmalen können, was so eine Alkoholkrankheit aus einem Menschen machen kann. Ich habe immer seine lustige und charmante Art geliebt aber inzwischen hat er mich sooft ohne Grund verletzt, beleidigt, im Stich gelassen und das Schlimmste ist sein Aufbrausendes und Jähzorniges Verhalten. Er ist ein sehr impulsiver Typ und oft sehr gereizt. Er kann selber sehr gut austeilen aber umgekehrt ist er extrem schnell gekränkt und nachtragend. Vermutlich werdet ihr Euch fragen warum ich dann immer noch bei ihm geblieben bin. Die Antwort habt ihr hier vermutlich schon oft gehört, weil ich auch die liebe Seite von ihm kenne und weil ich immer die Hoffnung nicht aufgeben wollte. Ausserdem hat mich die Zeit tatsächlich hart gemacht. Ich bin ein sehr sensibler Typ und habe viele Tränen vergossen. Letztes Jahr gab es für mich ein Schlüsselerlebnis und ich hatte ich nun extrem die Pistole auf die Brust gesetzt und mit dem Ende der Beziehung gedroht wenn er sich keine Professionelle Hilfe sucht. Daraufhin kam endlich mal Bewegung rein. Er hatte sich hier im Stadtteil eine Selbsthilfegruppe gesucht wo er wöchentlich hin ging und ich weiß, das er sich auch im Internet in einem Selbsthilfe Forum austauschte. Er war richtig motiviert und kaufte sich sogar ein Buch über Alkoholabhängkeit. Aber irgendwann ging es wieder weiter wie vorher. Ich habe das Gefühl er schafft es max. 3 Monate nicht zu trinken. In dieser Zeit ist es aber sehr schlimm mit ihm. Er ist total aggressiv und ungerecht und ein tickendes Pulverfass gewesen.

Was ganz schlimm ist, er versucht von seiner Abhängigkeit abzulenken indem er der Meinung ist das wir Beziehungsprobleme hätten an denen ich Schuld sei. Er hat sich da total auf mich eingschossen und wirft mir dann ständig Punkte vor wo ich Schuld sei. Aber oft sind es Punkte die durch sein Alkoholkonsum entstanden sind z.B. unsere Tochter hat mit uns gemeinsam im Schlafzimmer geschlafen. Als er aber immer nachts betrunken nachhause kam mit einer mega Fahne dann habe ich ihn ausquartiert ins Gästezimmer zumal er mich oft im Schlafzimmer noch anpöbbelte und ihm egal war das das Kind hätte wachwerden können. Dann fing er allen an zu erzählen, da er das arme Opfer sei der mit Rückenproblemen auf der billigen Gästematraze schlafen müsste. Oder letztes Jahr hatte unsere Tochter ihre Taufe und es war viel zu organisieren. Da er ja oft erst nachts betrunken nach Hause kam, habe ich größtenteils alles alleine organisiert. Im Nachhinein hat er mir die Hölle heiß gemacht, das ich alles an mich gerissen hätte und er nichts mit entscheiden durfte. Aber auch hier will er nicht verstehen, das seine Sucht unser Leben belastet und ich mir helfen musste indem ich vieles alleine organisieren musste sonst hätten wir Termine nicht halten können.

Die letzten Monate gab es noch mal eine Steigerung. Dadurch das ich taff geworden bin und ihn immer wieder konfrontiere eine Alkoholtherapie zu beginnen bin ich für ihn ein rotes Tuch geworden habe ich das Gefühl. Er ist so respektlos vor mir aber er ist überhaupt nicht einsichtig, er nennt mit mit schlimmsten Schimpfwörtern und rechtfertigt dann noch sein Verhalten. Sowas habe ich in meinem ganzen Leben vorher noch nicht erlebt. Oft husche ich in meinen eigenen vier Wänden um die Ecke und wünschte mich in Luft auflösen zu können, wenn ich wieder merke das er gereizt ist wegen nichts und wieder nichts. Zum Glück hat unsere Tochter meistens geschlafen wenn er betrunken kam und hat größtenteils nichts mitbekommen. Mir ist es wichtig sie zu schützen und das sie in einem ruhigen Klima aufwächst, das ist ja auch meine Verantwortung.

Seit längerer Zeit geht er kaum mehr zu dem Treffen der Selbsthilfegruppe. Alle paar Wochen wird ein Streit angezetttelt und er haut ab über nacht und betrinkt sich. Die Wochenenden sind immer besonders schlimm. Ich kann wöchentlich die Uhr danach stellen, das er entweder Samstag oder Sonntag einen Streit anzettelt und gereizt ist und dann trinken geht oder einfach so sich beleidigt zurück zieht. Er macht was er will. Und das obwohl er eine Tochter hat. Er haut ab wann er will, kommt wieder wann er will und und und. Es kam bereits öfter vor, das er sich so in Rage redet das er mich dann anspuckt. Oh Gott während ich das hier zum ersten Mal schreibe schäme ich mich so, das ich sowas mit mir machen lasse. Nie hätte ich es für möglich gehalten. Ich hasse es was er aus mir gemacht hat bzw. was ich selber aus mir habe machen lassen. Ich weiß leider nicht weiter. Mein Kopf sagt, das ich gehen muss. Denn ich muß meine Tochter schützen und mich auch. Denn ich habe mich seitdem ich mit ihm zusammen bin sehr verändert. Habe mich von meinem grossen Freundeskreis sehr distanziert damit ich dort nicht auffalle. Meiner besten Freundin hatte ich natürlich alles anvertraut aber auch da habe ich mich zurück gezogen, weil ich merkte das es ihr zuviel worde und sie darunter litt was ich mit mir machen lasse.

Vor paar Wochen habe ich mal wieder Druck gemacht bei meinem Freund, was denn der aktuelle Stand wäre zum Thema Alkoholtherapie. Dann kam die Krönung. Er liess sich jedes Wort aus der Nase ziehen und vertröstete mich das er nun zwei mal bei einer Suchtberatungsstelle gewesen wäre aber das man angeblich gesagt hätte, das er nicht so ein schwerer Fall wäre für eine Alkoholtherapie. Dann habe ich um mehr Infos was er weiter vor hat, wie es weitergeht ihn gefragt. Daraufhin hat er ganz zickig zu mir gesagt, das er mir das nicht erzählen muss aber er würde angeblich weiter zu dieser Beratungsstelle gehen. Als ich dann die letzten Wochen festgestellt habe das er nirgends hingeht bzw. ich mich nun frage, ob er überhaupt jemals dorthin gegangen ist (ich glaube ihm langsam nichts mehr) da habe ich ihn noch mal konfrontiert und gesagt, das ich erwarte das er eine Therapie beginnt und das ich sonst weg bin. Das war vor Kurzem und es artete in totalem Streit aus, wo er ausflippt, jähzornig, aufbrausend. Ich zog es durch und beendete die Beziehung und war echt taff wie ich fand. Leider kam er einige Tage später zucker süß an und ich habe ihn wieder eine Chance gegeben.

Letzte Woche war er wieder am Wochenende so gereizt, das er mich grundlos aufs Übelste beleidigte daraufhin habe ich ihn kontra gegeben und ihm gesagt das er aus meinem Leben ein für alle Mal verschwinden soll. Früher hätte ich nie so geredet aber er schafft es einen bis aufs Blut zu reizen und fertig zu machen. Ich habe ihn tausendmal gebeten mich in Ruhe zu lassen aber das macht er nie. Er rennt dann von Raum zu Raum hinter mir her und lässt einfach nicht gut sein. Nun ist er wieder mal so gekränkt, weil er zwar austeilen konnte (er fing ja wieder an mich grundlos zu beleidigen) aber nicht einstecken kann. Er hatte ja die Selbsthilfegruppe besucht und ein Buch zu dem Thema gelesen. Ich habe ihm sooft gesagt, das unsere angeblichen Beziehungsprobleme durch den Alkohol ausgelöst werden und das ich als Partnerin keine Chance habe so lange er nicht trocken ist und das er dadurch auch anders reagiert und gereizt ist. Er tut dann immer ganz arrogant als wenn er alles zur Alkoholkrankheit wissen würde aber was ich ihm da vorwerde würde nicht ihn betreffen. Oder dann kommen sprüche, er wäre das Opfer und ich würde alles auf den Alkohol beziehen und er hätte jetzt doch schon 2 Monate lang nichts getrunken. Er spielt alles runter. Ich weiß nicht mehr wie ich ihn erreiche. Der heutige Stand ist, das er wie gesagt die ganze Woche geschmollt hat und mich weiter mit Vorwürfen attackierte und nun sagt, das ER die Trennung will und er teilt in einer Tour aus und will mich nur verletzen. Ich bin zur Zeit finanziell abhängig da ich ja in Elternzeit bin und er schüchtert mich ein, das ich bald in einer kleinen Wohnung hocken werde und ich habe das Gefühl das er mich fertig machen will. Heute war ich mit unserer Tochter auf einem Geburtstag, sie war traurig weil der Papa nicht mit wollte weil er am schmollen war. Ich habe ihr gesagt, das er ja wieder da ist wenn wir nachhause kommen. Während ich auf dem Geburtstag bin erreichte mich eine Nachricht von ihm das er abgehauen ist. Meine Tochter war so traurig weil er nicht da war als wir zurück kamen. Nun hat er mich gerade wie schon öfter die halbe nacht lang mit bösen Nachrichten bombadiert und ich habe sofort festgestellt das er getrunken hat. Ab Montag hat er drei Wochen Urlaub. Eigentlich wollten wir wegfahren, nun erzählt er mir das er die Zeit für den Auszug nutzen will. Da unsere Tochter in zwei Wochen in die Krippe kommt habe ich ihn gebeten Rücksicht zu nehmen, weil es ein grosser Schritt für sie wird die Eingewöhnungszeit und wenn er jetzt noch meint hier das Haus ausräumen zu wollen. Aber man kann mit ihm nicht reden. Nur Beleidigungen, Austeilen oder er beschimpft mit als dumm. Ich habe Angst vor der Zukunft. Das Alkoholthema spart er aus stattdessen sucht er ständig Streit und ist regelrecht auf Krawall aus. Ein ruhiges Leben hatte ich bisher nicht mit ihm. Das hatte ich vorher in meiner 13 jährigen Partnerschaft.

Ich habe das Gefühl ihn nicht zu erreichen. Heißt das das er weitertrinken will? War er schon auf einem guten Weg? Wie kann ich nur erreichen, das er merkt das er Ungerecht ist oder wie soll ich mit ihm umgehen. Seine Art macht mir Angst vor allem weil wir leider gemeinsames Sorgerecht haben aber wie soll man vernünftig absprachen mit jemand treffen dem man nicht vertrauen kann, der lügt, der manchmal seinen job verschläft weil er nachts zulange gesoffen hat. Könnt ihr mir weiterhelfen? Danke. Sorry das es soviel geworden ist.

Morgenrot
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Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Morgenrot » 22.07.2018, 10:35

Hallo hope,

herzlich willkommen bei uns im Forum. Du hast einen schönen Nick, und ich würde dir wünschen das du beides für dich wieder wahrnehmen könntest, die Hoffnung und die Sonne.

In einer Ehe oder Partnerschaft mit einem nassen Alkoholiker gibt es wenig bis gar nichts davon.
Es ist so typisch was du beschreibst, immer wieder die Versuche einen nassen Alkoholiker zum umdenken und zur Abstinenz zu motivieren.
Das schafft niemand von uns, das muß vom Alkoholiker selbst kommen.
Wir, die Angehörigen gehen daran kaputt und werden selbst krank.

Einem nassen Alkoholiker ist nichts wichtiger als der Alkohol, weder Ehefrau noch Tochter zählen da. Ich wurde benutzt, als die Schuldige, und versuchte immer weiter mich zu verbiegen, und was tat er, er trank in Ruhe weiter.
Wichtig ist für dich, das du erst einmal nur das ankündigst, was du auch wirklich durchziehen kannst, also konsquentes Handeln, denn ansonsten nimmt er dich nicht ernst.
Du kannst ihm nicht helfen, aber tue etwas für dich. Lass du dich beraten, wie es im Falle einer Trennung aussehen würde, du wirst nicht mittellos dastehen.
Dazu brauchst du aber Sicherheit, die dir dann auch wieder den Rücken stärken kann, dich in eine andere Position ihm gegenüber bringt.

Dein Kind, so klein es auch sein mag, spürt genau, das etwas nicht stimmt. Als mir meine Kinder später erzählten, wann sie es zum ersten Mal gespürt haben, war ich entsetzt, weil ich auch immer der Meinung war, ich hätte von ihnen alles fernhalten können.

Für mich konnte sich erst etwas ändern, als ich etwas geändert habe, ich habe nicht mehr geschwiegen. Ich habe die Dinge beim Namen genannt, und habe nicht mehr still vor mich hin gelitten und alles vertuscht.

Gut, das du dir mal vieles von der Seele geschrieben hast. Ich kann jedes Wort nachvollziehen und wünsche dir hier einen guten Austausch, und das du möglichst bald etwas für dich tun kannst.
Denn du bist der Mensch dem du helfen kannst.

lg Morgenrot

Hope_sun
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Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Hope_sun » 23.07.2018, 01:12

Hallo Morgenrot,

vielen Dank für deine lieben Zeilen. Das tut wenn jemand nach empfinden kann was man gerade erlebt. Das tut mir leid, das Du auch schon so viel erleben musstest. Bist Du denn inzwischen getrennt? Darf ich fragen wie alt deine Kinder sind? Das ich konsequent sein muss hatte man mir bei einer Beratungsstelle auch schon mal gesagt und die Erfahrung zeigt mir nun ja leider auch, das ich zu oft inkonsequent war und er keinen Respekt vor mir hat und mir auf der Nase herum tanzt. Die Tatsache das ich eine kleine Tochter habe macht es mir sehr schwer, oft denke ich das ich sonst konsequenter wäre. Ich bin selber Scheidungskind und gehörte zu den Scheidungskinder wo es nicht so optimal gelaufen ist und ich immer eine intakte Familie vermisst habe.

Es ist so schwer irgendwie weiß man was gut für einen ist und was man eigentlich tun sollte aber die Umsetzung ist so schwer. Aber wie schon geschrieben merke ich auch das ich immer taffer werde aber das liegt traurigerweise auch daran das immer mehr vorgefallen ist. Ich gehöre leider zu den Menschen die "lange aushalten".

Heute nacht und heute morgen war noch mal ganz schlimm. Ich hatte ja schon geschrieben, das es immer schlimmer mit ihm wird. Immer wenn ich eigentlich dachte das es keine Steigerung mehr geben kann dann passierte es doch.

Heute nacht hat er mich noch sehr lange mit bösen Nachrichten bombadiert, mir zum hundersten Mal Sachen vorgeworfen, das ich unsere Beziehung kaputt machen würde und immer wieder böse Nachrichten und Beleidigungen. Irgendwann habe ich nicht mehr geantwortet. Ich dachte dann ist erst mal Ruhe. Aber nein, heute morgen nach dem er seinen Rausch ausgeschlafen hatte ging es weiter.

Nachdem ich ihn ja wie gesagt die letzte Zeit immer wieder Druck gemacht habe das es nur weitergeht wenn er eine Therapie macht, hat er heute morgen immer wieder darauf gepocht das er sich trennt und das er mit so einem Menschen wie mir nicht mehr zusammen sein möchte.

Er hat mich wieder total einschüchtern und fertig machen wollen, hat mir geschrieben das ich mir schon mal überlegen soll wie ich jeden Euro zwei Mal umdrehen muss. Er weiß, das ich hier an dem Haus hänge und dann schrieb er mir das ich mich schon mal auf eine kleine Wohnung freuen soll und und und. Die ganze Zeit ging es wieder nur darum was ich angeblich falsch mache.

Ich war so doof und habe dann doch irgendwann kurz geantwortet, das er doch endlich bitte eine Therapie machen soll. Das es so doch nicht weitergehen kann. Und das er mir und unserer Tochter endlich mal Ruhe gönnen soll und das er sich nicht einfallen lassen soll heute hier noch aufzutauchen (denn meist läuft es ähnlich ab, er haut abends einfach ab in sein Haus, betrinkt sich und kommt den nächsten Tag wieder). Daraufhin ist er noch mal ausgerastet. Er drohte mir und fing an, das er die Polizei heute einschaltet um seine Sachen abholen zu kommen. Er steigerte sich mal wieder total rein. Dann fing er an mir zu drohen einen Anwalt einzuschalten. Was er seit einiger Zeit macht, er will mir einreden das ich psychische Probleme habe. Meine Mutter ist krank und ich betreue sie schon lange. Ich merke richtig wie er das machen will um von sich abzulenken. Und heute fing er wie gesagt mit lauter Gemeinheiten an und wollte mich verletzen nachdem ich ihn mit der Alkoholtherapie konfrontierte und dann schrieb er das er von mir ein psychologisches Gutachen erstellen lassen will. Ich habe echt gedacht ich bin im falschen Film.

Ich habe langsam richtig Angst vor ihm und wozu er noch fähig ist. Manchmal habe ich echt das Gefühl, das mit ihm irgendwas nicht stimmt. Er haut so komische Sachen aus voller Überzeugung raus.

Nun ist er heute abend hier doch einfach aufgetaucht mit dem Vorwand Sachen abholen zu wollen. Das Ende vom Lied war, das er mich immer zwischendurch wieder angeschnauzt hat und mir erzählt hat das er die nächsten drei Wochen angeblich ausziehen will und nun ist er einfach wieder hier geblieben.

Ich möche so gerne was ändern aber das er immer wieder auftaucht und mich nicht in Ruhe lässt macht es mir so schwer. Ich habe schon wieder Angst vor dem morgigen Tag. Ich will einfach nur Ruhe und nicht diese aggressive Art die er von sich gibt.

Ich werde mir diese Woche versuchen einen Plan zu recht zu legen wie ich weitermachen kann. Beratung zur finanziellen Situation habe ich mir bereits geholt aber einige Infos benötige ich noch. Ja, das ist natürlich was mir Angst macht. Wie soll ich das alles alleine stämmen. Damit hat er mich zur Zeit (leider) in der Hand. Aber Dein Tipp Morgenrot sich Informationen zu beschaffen ist sehr gut, denn je mehr ich weiß umso weniger Angst muß ich vor der Zukunft haben. Ich will wirklich was ändern.

Morgenrot
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Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Morgenrot » 23.07.2018, 11:15

hallo Hope,

Es ist wirklich wichtig, dass du dich nicht einschüchtern lässt.
Alkohol ist ein Nervengift, und die Wahrnehmung nasser Alkoholiker ist mehr als verzerrt. Da sind alle anderen schuld, und sie trinken ja angeblich gar nicht.
Such du dir alle Hilfe, die du bekommen kannst, auch du kannst polizeiliche Hilfe anfordern, auch die Polizei hat Beratungsbeamte mit denen kannst du sicher Kontakt aufnehmen.

Mein xy und ich leben unter einem Dach, quasi wie eine WG.
Ich habe mir mein eigenes Leben aufgebaut, und mein Ding gemacht. Ich habe nichts mehr für ihn getan.
Dann ist Ende letzten Jahres so einiges passiert, Arbeitsplatzverlust und ein schwerer Sturz im betrunkenen Zustand.
Dies alles scheint etwas "verrückt" zu haben, jedenfalls hat er noch im Krankenhaus um Hilfe gebeten.
Hat dann entgiftet und ist im Februar zur Langzeit.
Damit ist es jetzt zuhause wesentlich entspannter, aber noch lange nicht gut. Vielleicht nähern wir uns an, aber momentan ist es eher ein vorsichtiges "abtasten".
Meine Kinder sind erwachsen, Tochter über 30 und Sohn gerade 30 geworden, sie leben beide nicht in meiner Nähe, so das ich auch meine Enkelkinder viel zu selten sehe.
Auch da ist etwas von Annäherung zu spüren, aber ich denke wir haben alle noch Bedenken, nach Jahrzehnten der Trinkerei, ob denn wirklich eine dauerhafte Trockenheit daraus entsteht. Wir wissen aber alle drei, das Alkoholismus eine Rückfallerkrankung ist, das Rückfälle passieren können, für die wir aber nicht verantwortlich sind.

Ich kann dir nur empfehlen, dir Menschen mit ins Boot zu holen, die für dich da sind.
Als ich das erste Mal darüber gesprochen habe, wie meine "heile Welt " aussieht, da wußten es alle. Jeder wußte, das er tagsüber schon nach Alkohol roch usw. Es wollte mich niemand verletzen.
Als ich hier ins Forum kam, sollte dies der letzte Versuch sein, ihn vom trinken abzuhalten.
Für mich ging es damals um Leben und Tod, ich wollte so einfach nicht weitermachen. Dann habe ich hier gelesen und gespürt, das ich verstanden wurde. Das hat mir wieder Mut gemacht und langsam kam auch meine Lebensfreude wieder zurück.
Die möchte ich behalten, für mich.


lg Morgenrot

Sunshine_33
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Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Sunshine_33 » 23.07.2018, 13:24

Hallo Hope und Willkommen im Forum.

Glaubst Du, das eine Abstinenz eine gravierende Verhaltsveränderung bei Deinem XY bewirken würde?
Du schiebst ja sein krankhaftes Verhalten zum größten Teil auf die Trinkerei.
Ich hingegen denke, das Alkohol das Wesen zwar verändert, aber nicht um 180° einen Menschen verdrehen kann.
Sprich, auch wenn er trocken leben würde, heißt das noch lange nicht, das er sich dann liebevoll, partnerschaftlich
und verantwortungsbewußt verhalten wird.
Du klammerst Dich hier also wahrscheinlich an einen Strohhalm, der nicht mal einer ist.
Ich persönlich denke, das da noch viel mehr im Argen ist außer dem Alk bei Deinem XY.
Und das eine Abstinenz nicht seine (und auch Deine) Probleme löst.
Heute nacht und heute morgen war noch mal ganz schlimm. Ich hatte ja schon geschrieben, das es immer schlimmer mit ihm wird. Immer wenn ich eigentlich dachte das es keine Steigerung mehr geben kann dann passierte es doch.

Heute nacht hat er mich noch sehr lange mit bösen Nachrichten bombadiert, mir zum hundersten Mal Sachen vorgeworfen, das ich unsere Beziehung kaputt machen würde und immer wieder böse Nachrichten und Beleidigungen. Irgendwann habe ich nicht mehr geantwortet. Ich dachte dann ist erst mal Ruhe. Aber nein, heute morgen nach dem er seinen Rausch ausgeschlafen hatte ging es weiter.

Nachdem ich ihn ja wie gesagt die letzte Zeit immer wieder Druck gemacht habe das es nur weitergeht wenn er eine Therapie macht, hat er heute morgen immer wieder darauf gepocht das er sich trennt und das er mit so einem Menschen wie mir nicht mehr zusammen sein möchte.
Möchtest Du, das es so weiter geht in Deinem Leben, bis Du ein psychisches Wrack bist ?
Und so auch Dein Kind immer weiter mitleiden muss?
Denn das tut es !

Und glaubst Du wirklich, das sich dieses krasse Verhalten dadurch ändert, wenn er ne Langzeittherapie macht?
Sorry, aber ich glaube da nicht dran.
Bei mir hat der Alk auch mein Wesen verändert, das streite ich nicht ab.
Aber nicht derart, wie Du es hier beschreibst.
Und auch durch die Trockenheit habe ich mich nicht komplett (zum "Guten") verändert.
Ich bin nicht eine komplett neue Sunshine geworden, nöööö... in mir ist auch immer noch ein großer Teil der alten
Sunshine, so wie ich immer war.
Ich habe immer noch Schwächen, mache Fehler, verhalte mich nicht immer gerecht, wenn ich unter großen Stress gerate etc.pp.
Aber ich trinke nicht mehr und kann mit meinen Schwächen besser umgehen, glaube ich zumindest :wink:
Kurzum, ich glaube nicht an die große Veränderung vom Saulus zum Paulus, nur weil jemand nicht mehr säuft.
Und ich kenne einige trockene Alkoholiker, die sich fast noch genau so "unmöglich" aufführen wie zu Saufzeiten.
Man kann also auch trocken beziehungsunfähig und zerstörend wirken und vieles mehr...
Ich habe langsam richtig Angst vor ihm und wozu er noch fähig ist.
Manchmal habe ich echt das Gefühl, das mit ihm irgendwas nicht stimmt. Er haut so komische Sachen aus voller Überzeugung raus.
Tja, das denke ich auch, nach Deinen Erzählungen hier.
Das da eben im Oberstübchen noch viel mehr komplett daneben läuft, und das hat nicht nur mit der Sauferei zu tun.
Er hat mich wieder total einschüchtern und fertig machen wollen, hat mir geschrieben das ich mir schon mal überlegen soll wie ich jeden Euro zwei Mal umdrehen muss.
Er weiß, das ich hier an dem Haus hänge und dann schrieb er mir das ich mich schon mal auf eine kleine Wohnung freuen soll und und und.
Die ganze Zeit ging es wieder nur darum was ich angeblich falsch mache.
Ja und, dann drehst Du eben jeden Euro 2x um und hast ne kleine Wohnung !
Was meinst Du denn, was wichtiger ist im Leben? Deine psychische Gesundheit oder Geld und n schickes Haus??
Häng Dich doch bitte nicht an finanzielles und materielles, das ist die eigene Gesundheit NIEMALS wert !
Denn Gesundheit kannst Du Dir nicht erkaufen !
Und dauerhaftes Verharren in so schlimmen CO-Abhängigkeitsbeziehungen wird Dich über kurz oder lang krank manchen.
Psychosomatische Erkrankungen sind beispielsweise typisch für CO-Abhängige Menschen.
Und dann ist da auch das Kind, was ebenso leiden muss wie Du unter dem alkoholkranken Vater.
Überlege mal bitte, was Du da Deinem Kind antust ! Denn es kann sich noch nicht allein schützen und gehen, es muss
ausharren und ist komplett von Dir und Deinen Entscheidungen abhängig.
Du trägst hier die Verantwortung !! Denn der Vater ist offensichtlich viel zu krank, um das überhaupt auch nur ansatzweise zu können.

Hope, vieles von dem, was ich hier lese, ist typisch für alkoholkranke Menschen, beispielsweise, anderen für alles die Schuld zuzuschieben.
Und auch, das er Dich in der CO-Rolle halten will, ist typisch.
Vieles ist aber auch nicht typisch für alkoholkranke Menschen... das ist zumindest meine Meinung, auch aufgrund eigener Erfahrungen.
Ich denke, es ist ein bisschen zu einfach und auch zu naiv gedacht, das alles "gut" würde, wenn er nur nicht mehr saufen würde.

Und schau, er will doch gar nicht aufhören. Also wird sich gar nichts ändern, nicht mal ein bisschen.
Wenn jemand wirklich aufhören wollte, wird er das tun und dafür dann auch alles dafür nötige tun.
Derjenige gehört dann in eine professionelle Entgiftung, benötigt ärtzliche Hilfe und danach auch weitere Hilfe in Form
einer Langzeittherapie oder einigen reicht auch eine SHG.
Allein kommt man aus der Sache fast nie wieder raus, lasse Dir das gesagt sein.

Das alles müßte er dann auch ohne Dich angehen, aber ich denke nicht, das er überhaupt mit dem Saufen aufhören will.
Macht auf mich jedenfalls nicth den Eindruck. Da wird eher noch Jahre bis Jahrzehntelang weiter gesoffen.
Und warum auch nicht? Scheint doch noch alles einigermaßen zu laufen und Du funzt als CO auch einwandfrei.
Du hast bisher nur Drohungen ausgesprochen, aber keine Konsequenzen gezogen.
Was meinst Du wohl, wie ernst Dich Dein XY noch nimmt?
(Falls Du nicht allein drauf kommst: der nimmt Dich kein Stück mehr ernst und denkt höchstens, ach lass die Alte ma labern...)
Und ein guter Fussabtreter bist Du ebenfalls für ihn.
Und natürlich auch an allem schuld, denn so ist es für ihn doch am einfachsten.
Denn so muss er keinerlei Verantwortung für sein Tun übernehmen.
Ich werde mir diese Woche versuchen einen Plan zu recht zu legen wie ich weitermachen kann. Beratung zur finanziellen Situation habe ich mir bereits geholt aber einige Infos benötige ich noch. Ja, das ist natürlich was mir Angst macht. Wie soll ich das alles alleine stämmen. Damit hat er mich zur Zeit (leider) in der Hand. Aber Dein Tipp Morgenrot sich Informationen zu beschaffen ist sehr gut, denn je mehr ich weiß umso weniger Angst muß ich vor der Zukunft haben. Ich will wirklich was ändern.
Sich von Fachleuten beraten zu lassen ist der wichtigste Tipp überhaupt in so einer Situation, denke ich.
Beispielsweise zum zu Anwalt gehen, die Gesamtlage schildern und Möglichkeiten des weiteren Vorgehens zu beratschlagen kann und wird
sehr hilfreich sein auf dem weiteren Weg.
Allein schon das Gefühl, dem allen keinesfalls hilflos ausgeliefert zu sein, kann unheimlich helfen und stärken.
Und Du hast dann auch jemand an Deiner Seite, stehst nicht so allein da und auch das wird weiter helfen.
Ich kann Dir nur dringend raten, aus dieser Beziehung so schnell wie möglich auszusteigen, ehe es noch schlimmer wird.
Denn schlimmer geht immer, glaubs mir !
Bringe Dich und Dein Kind bitte JETZT in Sicherheit... warte bitte nicht mehr länger...und lass Dir jetzt auch selbst helfen.
Hier wirst Du auch Beistand finden, ganz besonders bei Menschen, die ähnliches erlebt haben.

LG Sunshine
(Alkoholikerin, trocken)

Yvonne78

Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Yvonne78 » 15.08.2018, 07:13

Hallo Hope,

deine Geschichte hat mich zutiefst erschüttert, obwohl sie genau das Gleiche erzählt wie viele andere auch.
Ich weiß, daß es nichts ändert, wenn man dir rät, deinen Freund zu verlassen. Es ist genauso wenig wirksam, als einem Alkoholiker zu raten, das saufen zu lassen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß man alles erträgt bis zu diesem einen Punkt. Das kann ein Schlag sein...das aufdecken einer massiven Lüge...Betrug...egal was es ist, deinen Punkt hat er offensichtlich noch nicht erreicht.
Deine Hoffnung auf die Langzeit kann ich verstehen. Mein Mann hat sie auch gemacht und ich muss ehrlich sagen...was da wieder kam war wie ein trockener Kuchen ohne Sahnehäubchen. Das wahre Wesen kommt zum Vorschein und selbst angenehme Eigenschaften aus Suffzeiten sind dann verschwunden. Klar ist es für seine Gesundheit besser, trocken zu sein...unsere Ehe aber war damit am Ende. Ich muss dazu sagen, daß er danach nur noch zur Selbsthilfegruppe ging, sich aber weigerte, etwas gegen seine offensichtliche Depression zu tun.
Und selbst wenn dein Freund die Terapie macht...all die Demütigungen und Verletzungen sitzen bei dir tief und werden dich nicht mehr loslassen...und er wird sich nie ehrlich dafür entschuldigen...können...die meisten Alki´s haben kein Schuldbewusstsein.
Wir haben übrigens auch ein Kind ( 4 ) und wenn mein Mann besoffen nach Hause kam, war ihm sogar mal danach, mit ihm zu spielen ( was er so selten bis nie machte ). Unser Sohn war dann stets freudig erregt und fing an, den Papa zu vergöttern....das war gruselig . Ein Grund mehr, die Kinder von solchen Menschen wie meinem Mann und deinem Freund fern zu halten :-(

Ich wünsche dir die Kraft, das Richtige zu tun....Yvonne

Sunshine_33
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3868
Registriert: 25.07.2013, 11:35

Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Sunshine_33 » 15.08.2018, 08:15

Liebe Yvonne,
hierzu möchte ich mal was anmerken:
Deine Hoffnung auf die Langzeit kann ich verstehen. Mein Mann hat sie auch gemacht und ich muss ehrlich sagen...was da wieder kam war wie ein trockener Kuchen ohne Sahnehäubchen.
Das wahre Wesen kommt zum Vorschein und selbst angenehme Eigenschaften aus Suffzeiten sind dann verschwunden.
Klar ist es für seine Gesundheit besser, trocken zu sein...unsere Ehe aber war damit am Ende.
Ich muss dazu sagen, daß er danach nur noch zur Selbsthilfegruppe ging, sich aber weigerte, etwas gegen seine offensichtliche Depression zu tun.
Und genau das ist eine der Gefahren, wenn ein trockener Alkoholiker mit seinem aktiven CO zusammen bleibt.
Das kann für ihn nämlich brandgefährlich werden, wenn der CO feststellt, das der trocken werdende Alkoholiker nüchtern dann doch
nicht mehr so gut gefällt.
Denn nass sind Alkoholiker für einen CO irgendwie doch besser händelbar und auch auf eine Art berechenbarer.
Vielleicht erscheint der trockene Alkoholiker nun auch langweiliger, weil er nicht mehr für die nötige Aufregung sorgt, die mancher CO ja auch so gern hat. :wink:
Ein CO kann mit dieser Erkenntnis, das der Alkie nass doch angenehmer (und vielleicht auch aufregender) war, einen Rückfall begünstigen.
Es kommt auch oft noch hinzu, das der aktive CO sich nun nutzlos fühlt, weil der trocken werdende Alkoholiker sein Leben normalerweise wieder
selbst in die Hanz zu nehmen versucht.
Auch das macht nix Gutes.
Wird also nur der Alkoholiker trocken, und der CO bleibt weiterhin aktiv und ändert nicht auch sein Verhalten, steht so eine Beziehung unter keinem guten Stern.
all die Demütigungen und Verletzungen sitzen bei dir tief und werden dich nicht mehr loslassen...und er wird sich nie ehrlich dafür entschuldigen...können...die meisten Alki´s haben kein Schuldbewusstsein.
So eine Pauschalisierung der Alkoholkrankheit halte ich für nicht okay.
Ich habe auch im Suff niemanden vorsätzlich gedemütigt, weil mir das nicht liegt. Aber ich war aggressiver mit Worten, das mag wohl sein.
Und ich habe sehr wohl ein Schuldbewußtsein gehabt, auch während der Saufzeit!
Als ich trocken wurde, habe ich mich bei den Menschen entschuldigt, die ich durch Unzuverlässigkeit, verbale Aggressionen und anderes unangenehmes Verhalten verletzt habe.
Und habe das auch ganz EHRLICH gemeint, ansonsten hätte ich es erst gar nicht getan.
Und mein Mann konnte mir sehr wohl mein Fehlverhalten während meiner Saufzeit verzeihen.
Ich habe ihn damals nämlich gefragt, ob er mir denn überhaupt noch verzeihen könne?
Er hat daraufhin nur gesagt, "das habe ich schon an dem Tag getan, als Du in die Entgiftung gegangen bist"
Er hat nämlich ab diesem Zeitpunkt wirklich verstanden, das ich eine KRANKHEIT habe, und nicht willensschwach oder ein boshafter Mensch bin.
Ich bin bis heute trocken geblieben und wir sind immer noch zusammen.
Manchmal gibt es auch ein Happy End.
Ich muss dazu sagen, das mein Mann nicht mein CO war, er hart sich dazu nie machen lassen.
Wenn ich aggressiv wurde mit Worten, ist er gegangen, oder hat sich im Schlafzimmer eingeschlossen, er hat sich dem also gar nicht erst ausgesetzt.
Und auch sonst hat er mein Verhalten nie gedeckt, ich mußte die Konsequenzen meines Tun immer selbst tragen.

Es wird hier oft CO`s geraten, sich ebenso zu verhalten, um sich den Agressionen eines nassen Alkies gar nicht erst auszusetzen.
Das halte ich auch für richtig. Aus Selbstschutzgründen.
Besser wäre noch, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, sondern zu gehen, ehe man psychischen Schaden nimmt oder gar Kinder sowas auch noch miterleben müssen.

Ich halte es allerdings für eine Illusion, wenn man denkt, so etwas beim abhängigen Trinker erreichen zu können.
Sucht ist stärker als alles andere. Das funzt nur in den seltensten Fällen und darauf würde ich persönlich nicht bauen wollen.
Der Selbstschutz dienst also eher wirklich nur dem Selbstschutz, und das wars. Ist aber auch wichtig !!

Ich konnte erst aufhören mit dem Suff, als ich körperlich am Ende war und Hilfe von außen bekam.
Sprich, ich kam in eine professionelle Entgiftung, mir halfen die Ärzte und das Personal im KH und später hatte ich meine Hausärztin an meiner Seite.
Zudem gab es eine Suchtberatungsstelle bei meinem Arbeitgeber, wo ich auch Unterstützung bekam.
Und irgendwann fand ich auch hier her, und in einer Realen SHG war ich auch mal.
Mir war klar, das ich selbst für mich und meine Krankheit verantwortlich bin und so holte ich mir entsprechende Hilfe und Unterstützung.
Aber auch meine Familie unterstützte mich ganz stark, das war auch sehr schön und auch wichtig für mich.

LG Sunshine

Morgenrot
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Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Morgenrot » 15.08.2018, 12:11

hallo Hope,

liebe Yvonne, ich will auch noch mal auf deine Worte eingehen.
all die Demütigungen und Verletzungen sitzen bei dir tief und werden dich nicht mehr loslassen...und er wird sich nie ehrlich dafür entschuldigen...können...die meisten Alki´s haben kein Schuldbewusstsein.
das kann ich bestätigen und das wird auch nicht unter den Teppich gekehrt. Kam schon beim Angehörigenseminar auf den Tisch.
Mir hat neulich ein trockener Alkoholiker, das ich dem trocken werdenden Menschen Zeit lassen muß. Gerade im ersten Jahr ist er voll und ganz mit sich beschäftigt.
Die Auseinandersetzung mit dem Verhalten anderen gegenüber in Sauftagen, das kommt erst später.
Ich rede nicht gerne von Schuld, aber ich bin davon überzeugt, das die meisten wissen, das sie in der nassen Phase teilwise Riesenmist gebaut haben.


lg Morgenrot

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