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Brauchen Angehörige auch einen persönlichen Tiefpunkt?

Jede Woche mindestens ein neues Thema zu Themen der Co-Abhängigkeit, für Angehörige und Kindern von alkoholkranken Eltern
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Karsten
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Brauchen Angehörige auch einen persönlichen Tiefpunkt?

Beitrag von Karsten » 22.07.2018, 13:42

Hallo,

auch wenn der Schwerz und die Hoffnungslosigkeit oft sehr groß ist, sind viele Angehörige nicht bereit, ihr Leben zu ändern.

Dabei geht es nicht darum, sich immer gleich vom trinkenden Partner oder Familienangehörigen zu trennen, sondern das eigene Leben in die Hand zu nehmen.

Brauchen Angehörige auch einen persönlichen Tiefpunkt?

Gruß
Karsten

Tini
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Re: Brauchen Angehörige auch einen persönlichen Tiefpunkt?

Beitrag von Tini » 19.10.2018, 13:52

Hallo Karsten.
Ja ich glaube ich habe meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht. Nachdem mein Mann am Dienstag nach einem halben Tag aus der Entgiftung abgehauen ist Leben wir zusammen wie eine WG. Er will nicht ausziehen aus unserem schönen Reihenhaus.....ich aber auch nicht! So wohnt er jetzt unten und unsere Tochter und ich oben. Es fühlt sich irgendwie irgendwie besser aber auch trotzdem Sch.....an!
Er hält das ganze noch manchmal für einen Spass glaube ich.....aber mir ist es ernst!
Lg von Tini

Yvonne78
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Re: Brauchen Angehörige auch einen persönlichen Tiefpunkt?

Beitrag von Yvonne78 » 19.10.2018, 18:33

Ich glaube zwar, daß ich einen Teil meines Lebens noch im Griff hatte und viele Dinge getan habe, die jede normale Ehefrau auch tut...aber im Großen und Ganzen war die Stimmung immer von der meines Mannes abhängig. Völlig gedankenlos habe ich seine Alkohlfehler ausgebügelt, ihn entschuldigt...Ausreden erfunden, während er wie ein Baby seinen Rausch ausgeschlafen hat. Persönliche Tiefpunkte gab es sehr viele, aber Alkoholiker sind auch sehr manipulativ. Im Nachhinein könnte ich einige Momente nennen, in denen ich mich hätte viel früher trennen sollen...aber es gab ja immer noch diesen einen Mann, den ich mal geliebt habe...der seine Familie beschützt hat und mir ein guter Ehemann und Freund war.
Ich bin fest davon überzeugt, daß ein Aussenstehender das nicht nachvollziehen kann...ebenso wenig wie ich einen Alkoholiker verstehe. Ich als ehemaliger Co kann es auch nicht unbedingt so erklären, daß es andere verstehen. Ausserdem ist das Ganze meist ein schleichender Prozess und der beste Zeit für den Absprung wird einfach verpasst...vielleicht ist es die Hoffnung...vielleicht die Angst vor irgendwas.....

Speranza
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Re: Brauchen Angehörige auch einen persönlichen Tiefpunkt?

Beitrag von Speranza » 19.10.2018, 19:13

Hallo Karsten!

Ja ich brauchte einen persönlichen Tiefpunkt es war dass ich meinen Mann bewusstlos aufgefunden habe und er mit Alkoholvergiftung auf die Intensivstation eingeliefert werden musste. Da habe ich ihm die Pistole auf die Brust gesetzt weil ich es nicht mehr ertragen konnte.

Vorher hatte ich viele Jahre mit allen Mitteln versucht ihn vom Trinken abzuhalten und mich selbst und meine Bedürfnisse kaum noch wahrgenommen. Dass meine Liebe zu ihm schon länger erloschen war nahm ich auch lange nicht wahr so tief war ich in meinem Helfersyndrom drin.

Im Nachhinein verstehe ich mich selber nicht mehr warum ich das so viele Jahre mitgemacht habe ich weiss nur eins ich habe viel daraus gelernt.

LG Speranza

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