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Brauchen Angehörige auch einen persönlichen Tiefpunkt?

Jede Woche mindestens ein neues Thema zu Themen der Co-Abhängigkeit, für Angehörige und Kindern von alkoholkranken Eltern
Emma2010
neuer Teilnehmer
Beiträge: 232
Registriert: 06.10.2010, 08:40

Re: Brauchen Angehörige auch einen persönlichen Tiefpunkt?

Beitrag von Emma2010 » 23.10.2018, 09:00

Ich glaube nicht, dass es immer den Tiefpunkt braucht, um aus einen Beziehungskarussell auszubrechen. Denke mal, es hat auch viel
mit dem eigenen Ego zu tun. Solange die Vorteile/das Positive überwiegt, also ein Vater für die Kinder, finanzielle Sicherheit, Zuwendung,
ein Dach über dem Kopf, da gibt man nicht so gerne auf.

Ich hatte in meiner Partnerschaft, wahrscheinlich einige Tiefpunkte, dennoch war das Gefühl des Gebraucht-werdens noch stärker.
Nach jeden Tiefpunkt, wo ich mir gedacht habe, so das wars jetzt, konnte ich nach einiger Auszeit zum Energie tanken, gleichzeitig auch wieder
viel Schwung mitnehmen, für den nächsten Anlauf. In so`ner Beziehungskonstellation geht halt die Arbeit auch nie aus. Die Langweile vom
Single-Leben, lässt sich bestens kompensieren. Mein Mann hat es zudem gut verstanden, meine Qualitäten nicht desto trotz wertzuschätzen.

Um es auf einen Nenner zu bringen: Schlimmer geht immer, solange bis man körperlich nicht mehr kann.
Rückblickend gesehen, verbleibt a` bisserl ein schaler Nachgeschmack, insofern eine Art Bedauern über die "verschwendete Lebenszeit".

Aber immerhin, was ich aus meiner Geschichte mitnehmen konnte, sind die Erfahrungen, auch die Kunst Grenzen zu setzen, auch dass Liebe
ein beliebiges Gefühl ist, das mit den Herausforderungen wächst oder eben nicht. Die einzige wahre, bedingungslose Liebe gibt es glaube
eh nicht, mit Ausnahme von den Eltern, sofern die vorhanden war.

Vielleicht bin ich aber auch nur ein besonderes Exemplar, dass mit jeder Beziehung annimmt, jetzt bin ich mal angekommen. Das ist gegenwärtig
auch so, um mit etwas Achtsamkeit festzustellen, dass es gar nicht so den Partner als Baumeister für`s Selbstbild braucht, sondern den Mut, den Glauben und eine gute Portion Selbstwertgefühl, um das Eigene/die Dinge/Angelegenheiten an zu gehen, zu ändern, was man verändern kann.

Und was mir noch spät aber doch klar worden ist: Das man alleine gar nix ist. Dann dreht sich alles denken ja nur noch um mich?
Das ICH erkennt sein ICH im DU. Daher finde ich auch das Forum als einen wertvollen Fundus zum Nachdenken und es ausprobieren.
Für mich sind die sozialen Kontakte zu Freunden, Nachbarn, in der Arbeit,... sprich Beziehungen, ein essentielles A und O an Lebensqualität.

Ich fühl` mich halt nicht einsam, wenn es mal in der Partnerschaft unrund läuft. Damit kann ich leben, daher geht`s mir gut!

Tochter_2
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Geschlecht: Weiblich

Re: Brauchen Angehörige auch einen persönlichen Tiefpunkt?

Beitrag von Tochter_2 » 07.11.2018, 12:16

Hallo,

ich persönlich habe meinen Tiefpunkt vor etwas über einem Jahr erreicht. Nachdem mein Vater seit 15 Jahren schwerer Alkoholiker ist und ich (28 Jahre alt) schon etliche wirklich wirklich schreckliche Dinge mit ihm durchlebt habe, bin ich letztes Jahr zusammengebrochen. In den Wochen zuvor merkte ich schon, dass ich Herzrasen bekam, wenn ich einen Anruf von zu Hause bekam. Ich hatte große Angst, dass jemandem etwas zustoßen würde. Ich erlitt in meinem Zusammenbruch sodann zahlreiche Panikattacken, die in einer schlaflosen Woche und einem Klinikaufenthalt von 3 Wochen endete. Meine Eltern und mein Bruder haben es leider auch nicht geschafft, mich in der Klinik zu besuchen. Nur durch großes Bitten erreichte ich, dass sie mich ab und zu anriefen.

Ich persönlich habe mich glaube ich in diesem Tiefpunkt von meiner Familie abgelöst, deswegen habe ich es auch dringend gebraucht.

Grüße
Tochter_2

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