wertschätzende Kommunikation

Jede Woche mindestens ein neues Thema zu Themen der Co-Abhängigkeit, für Angehörige und Kindern von alkoholkranken Eltern
sue05
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von sue05 » 10.08.2018, 19:00

Hallo Aurora,

genau das, was Du geschrieben hast, war bei mir vor einigen Wochen in einem Kommunikations-Seminar Thema. Total interessant! Diese ICH-Botschaften können echt viel bewirken. Mir ist bei diesem Seminar aufgefallen, dass ich fast ausschließlich in DU-Botschaften spreche.. Da übe ich mich seither auch darin, das zu ändern - ist gar nicht so einfach, weil das so tief in mir drin steckt bzw. ich das auch im Umfeld als typisch erkenne mit diesen DU-Botschaften.
Und auch diese Lösungsvorschläge statt "musst/sollst" - da nimmt das Gespräch eine ganz andere Richtung!

Wirklich sehr interessantes Thema und etwas, wo ich noch viel lernen kann ;-)

lg Sue

Penta
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Penta » 11.08.2018, 06:16

Hallo Karsten,

für mich besteht die wertschätzende Kommunikation aus zwei wichtigen Bestandteilen.
Der erste ist das Zuhören.
Dazu gehört, nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Dazu gehört auch nochmal nachzufragen, wenn ich etwas immer noch nicht verstehe oder meine Frage anders zu formulieren.

Der zweite Teil beinhaltet das, was hier teilweise schon steht.
Ich-Botschaften sind wichtig. Keine Frage.
Allerdings kommt es auch dabei für mich darauf an, auf Interpretationen oder gar Diagnosen zu verzichten.

Am liebsten unterhalte ich mich in meiner Freizeit mit Menschen, die von sich erzählen.

Grüße, Penta

Thalia1913
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Thalia1913 » 11.08.2018, 12:44

Hallo,

mich zu erinnern, dass Zuhören (und Verstehen wollen) zur guten Kommunikation dazugehört, finde ich für mich immer wieder wichtig, danke, Penta, dafür!

Aurora, das mit den Ich-Botschaften ist so eine Sache, finde ich.
"Du bist doch völlig neben der Spur" hört sich anders an wie
"ich finde, du bist gerade nicht wirklich gut drauf
Ja, klar, es hört sich anders an. Weil es weniger direkt ist. Aber das zweite ist für mich trotzdem noch keine wirkliche Ich-Botschaft, so wie ich sie verstehe. Bloß, weil ich „Ich finde“ vor eine Aussage über mein Gegenüber setze, bleibt sie doch eine Aussage über mein Gegenüber, oder nicht?

Eine Ich-Botschaft wäre hier so etwas wie „Ich fühle mich verärgert/angegriffen/verletzt/verwundert“. Oder wie siehst du das?

Wenn ich aber über mein Gegenüber eine Aussage treffen WILL (zum Beispiel, dass er/sie nach meiner Wahrnehmung neben der Spur zu sein scheint), dann finde ich (!) es im Sinne klarer Kommunikation besser, das auch einfach so direkt zu sagen, statt es mit einer „Schein-Ich-Aussage“ zu verbrämen.

Dir einen herzlichen Wochenend-Gruß!

Thalia

Correns
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Correns » 11.08.2018, 13:01

Hallo Thalia,

es ist in der Tat sehr einfach, alles formal richtig in Ich-Botschaften zu pressen.
Das ist dann tatsächlich nur eine "Schein-Ich-Aussage" (danke für diesen Begriff).
Wenn ich manipulieren möchte (ja das tue ich manchmal), benutze ich auch solche Tricks.
Gut fühle ich mich dabei zwar nicht. Aber manchmal meine ich, dass der Zweck die Mittel heiligt.
Mir persönlich ist es wichtig, immer wieder auf eine ehrliche Basis zurückzukommen.
Das gelingt mir oft ganz prima. Aber eben nicht immer.

Viele Grüße
Correns

Aurora
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Aurora » 11.08.2018, 13:12

Hallo,

liebe Thalia, ja, du hast Recht... das war kein tolles Beispiel von mir. Ich meinte damit auch eher dabei eben mein eigenes Gefühl. "Ich empfinde" oder so. Hm, es ist echt nicht leicht! Grundsätzlich sind "Ich-Botschaften" sicher nicht schlecht aber eben auch kein Allheilmittel...

Das, was du, Penta, schreibst, finde ich auch sehr wichtig! Zuhören!

Ich bin ja in einer Ausbildung zu einem Ehrenamt, wo das alles sehr wichtige Bestandteile sind. Einmal das Annehmen des Menschen, so, wie er gerade ist. Das Ernstnehmen, das Akzeptieren, das Zuhören. Das Fragen. Der Verzicht auf Wörter wie: du sollst, du musst.

Es ist echt schwierig, dass immer so zu machen, kommt auch auf die persönliche Tagesform an. Aber ich bin zum Beispiel grundsätzlich erst mal eher wertschätzend, abwartend und offen anderen Menschen gegenüber. Trotzdem ist das echt eine Herausforderung.
Mir persönlich ist es wichtig, immer wieder auf eine ehrliche Basis zurückzukommen.
Ja, Correns, das finde ich auch.

LG
Aurora

viola
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von viola » 11.08.2018, 13:40

Hallo,

wertschätzende Kommunikation erlebe ich äußerst selten.
Wenn ich sie erlebe, dann fühle ich mich gesehen. Weil vielleicht jemand fragt, weil vielleicht jemand etwas wissen will, auf jeden Fall, weil jemand nicht von sich selber ausgeht.
Diese Art der Kommunikation bedeutet für mich, dass man sich mehr für den anderen interessiert als für sich selber. Dass man offen ist und nicht im Kopf schon Antworten formuliert oder parat hat. Dass man sich öffnet für andere Gedanken. Dass man auch Gedanken, die man selber nicht teilt, sich anhört und nicht sofort wertet.
Na gut, werZen tut man wahrscheinlich permanent und ständig sowieso. Aber ich meine damit, dass man sich seine eigenen Schubladen wenigstens bewusst ist und nicht sofort jemanden in eine Ecke packt, bevor man nicht sich zu Ende angehört hat, worum es eigentlich geht und was der andere auf dem Herzen hat.
Ich-Botschaften spielen für mich nur eine untergeordnete Rolle. Das war ja mal vor Jahren so ein rhetorischer Knef, genau wie das mit dem aktiven zuhören. Kann man machen, wichtiger finde ich aber die Haltung. Eine Haltung, die den anderen in den Mittelpunkt rückt und von sich selber absieht.

LG viola

Correns
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Correns » 11.08.2018, 17:05

viola hat geschrieben:
11.08.2018, 13:40
...Dass man auch Gedanken, die man selber nicht teilt, sich anhört und nicht sofort wertet...
Hallo Viola,

da habe ich noch ein ziemlich großes Lernfeld.
Ich habe bemerkt, dass mir das Zuhören manchmal ganz gut gelingt.
Aber in stressigen Situationen wird es deutlich schwieriger.
Im Forum ist dies einfacher für mich.
Hier kann ich mir meine Antworten in Ruhe überlegen.

Ich beobachte relativ häufig, dass manche Antworten im Forum so schnell kommen,
dass es ziemlich ersichtlich ist, dass der Antwortschreiber den Beitrag,
auf den er gerade reagiert, unmöglich durchdrungen haben kann.
Dadurch werden wertvolle Beiträge nicht gerade wertgeschätzt.

Dies passiert mir beim Schreiben fast nicht mehr.
Lieber lasse ich das Gelesene etwas sacken.
Eine Antwort kann ich auch später noch formulieren.
Und außerdem ... ich muss ja nicht auf alles antworten.

Viele Grüße
Correns

Karsten
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Re: wertschätzende Kommunikation

Beitrag von Karsten » 11.08.2018, 17:13

Hallo,

ich bin da auch nicht ganf fehlerfrei, da ich sehr schnell und emotional reagiere, wenn mich was positiv wie negativ ansprcht.
Ist aber in der realen Welt ja auch nicht anders.
Klar kann man da auch überlegen, was man antwortet, aber ein Gespräch im realen Leben ist ja eher flüssiger, als hier im Forum.

Ich ärgere mich auch immer, wenn ich solche Talk-Shows sehe und jeder plappert durcheinander, weil er gar nicht hören will, was jemand sagt, sondern nur seine eigene Sichtweise bekannt geben will.

Im Grunde sollte man die Gedanken des Gesprächspartners in seinen Antworten mit einfließe lassen.

Gruß
Karsten

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