Angst vor der Sucht

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Catalea
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Angst vor der Sucht

Beitrag von Catalea » 26.07.2018, 17:26

Hallo ihr alle,

ich habe schon einen längeren Text im Vorstellungsbereich verfasst und habe diesen einfach mal hier reinkopiert, da er eigentlich alles aussagt was ich gerade fühle.

ich bin Jessica und 31 Jahre alt.
Wie ich genau anfangen soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Seitdem ich 20 Jahre jung bin hatte ich immer mal wieder Probleme mit dem Alkohol.
Ich war 7 lange Jahre alleine (ohne Partner und ohne Freunde) und hatte in dieser Zeit viele Abstürze.
Am Anfang fing es noch "normal" an und ich begann jeden Abend in Einsamkeit ein halbes Glas Wein zu trinken, doch mit der Zeit reichte mir das nicht mehr und aus einer halben Flasche wurde eine ganze Flasche und wenn ich dann keine 1 1/2 Flaschen am Abend hatte, war ich auch dann irgendwann unglücklich.

Auch drehte sich mein Alltag nur noch um das abendliche Besäufnis.
Manchmal trank ich aus Scham vor mir selbst und meinen Abstürzen auch schon früh am Morgen, besonders wenn ich mich am Abend vorher bei meinen Eltern oder Verwandten peinlich benommen hatte.

Alkohol hat mir einiges Unschönes gebracht, denn ich bekam vor einigen Jahren einmal eine Psychose nach dem Alkoholkonsum.
Auch hatte ich mir im Suff dann mal das ein oder andere Bein gebrochen.Kurz: Es war kein schönes Dasein.

Aber alles sollte sich doch ändern und als ich einige Monate nüchtern war, lernte ich meinen heutigen Ehemann kennen.
Er wusste von meinen Problemen und so hatte ich am Anfang unserer Beziehung auch noch ein paar Abstürze.

Letztendlich habe ich aber diesen Menschen den ich so sehr liebe und der mich trotz allem so sehr liebt meine Alkoholsucht nicht länger antun wollen.
Ich habe aufgehört zu trinken und das für fast 3 Jahre.

Doch vor 3 Monaten kam der erste Rückfall und ich bin totunglücklich damit.

Mein Mann und ich hatten einen starken Kinderwunsch und leider haben wir 2 Kinder verloren und es sieht bei mir sehr schlecht aus, was eigene Kinder angeht.
( ich würde eine OP benötigen vor der ich große Angst habe)

Nach den Fehlgeburten hatte ich kurz die Gedanken wieder etwas zu trinken, aber habe es nicht getan!

Erst als uns unser Vermieter uns anfing zu bestalken und dann nach meiner zweiten Fehlgeburt auch mitteilte das er das Haus verkauft und der neue Besitzer Eigenbedarf anmeldet würde, kam es zum ersten Rückfall mit 3 Flaschen Bier. :(

Das war vor ungefähr 3 Monaten und bis dahin habe ich ca. 6 Mal wieder zur Flasche gegriffen.
(Vor 2 Wochen das letzte Mal)

Inzwischen haben wir ein neues Zuhause gefunden und ich habe keinen Grund zu trinken (den gibt es nie), aber dennoch denke ich zB. heute nur an Alkohol.

Ich würde mir nur zu gerne ein paar Flaschen Bier holen oder so.
Mein Problem ist das mir die Sucht vorgaukelt ich könnte nur mit Alkohol glücklich sein.
Dieses Gefühl frei zu sein, Musik wirkt auf mich auf einmal ganz anders ect. Sorgen werden für Augenblicke so leicht.
Auch leide ich seit meiner Jugend unter starken Ängsten und habe das Gefühl sie mit Alkohol betäuben zu wollen.

Aber was tue ich mir und den Menschen die mich lieben denn bloß damit an?
zB. habe ich zu meinem Mann JA gesagt und ihm versprochen zu ihm zu halten.
Warum kann ich nicht einfach stark sein?
Ich bin heute kaum beim Edeka vom Weinregal weggekommen, aber zum Glück war der Engel auf meiner Schulter heute lauter.
Meine Oma war ihr ganzes Leben lang alkoholabhängig und starb dann mit 60 auch an Ihren gesundheitlichen Schäden. Warum ist mir das keine Lehre?

Ich hoffe ich bin hier richtig, denn ich weiß nicht wie ich in Zukunft nüchtern bleiben kann, obwohl ich es mir wünsche.
Die Sucht macht mir Angst, denn ich möchte die Kontrolle über mich zurück haben.

Ps. Heute ist es ganz besonders schlimm.. Mein Mann ist zur Arbeit und ich denke nur an Alkohol.
Wir haben nichts im Haus, aber immer wieder erwische ich mich bei dem Gedanken heute Abend nochmal einkaufen zu fahren.

Lg Jessica

Taxi
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Re: Angst vor der Sucht

Beitrag von Taxi » 26.07.2018, 23:49

Hallo Catalea,
ein kurzes Willkommen vor Tageswechsel.
Ich bin zwar neu im forum und melde mich zZt nur sporadisch, aber ich bin nicht neu im Thema.

Hoffentlich konntest du bis jetzt deinen Druck wieder abbauen, in dem du dich hier einliest.
Du hast vielleich jetzt schon eine Menge gelesen, was dich anspricht.
Was genau in deinem Hinterstübchen los ist, dass du wieder dichter an den Alkohol gerutscht bist, spielt nach meiner Meinung heute nicht so die Rolle.
Sondern dass du es hinbekommst, den Bogen wieder groß zu machen, dass dir nicht am Regal die Augen groß werden.

Hunger und Durst zu vermeiden (schon garnicht bei dieser Wetterlage), wirst du bestimmt schon kennen.
Erstmal Tag für Tag den Abstand wieder wachsen lassen, wie damals am Anfang.
Erfahrung hast du ja schon, also gehts damit jetzt weiter.
Gruß taxi

chriscross
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Re: Angst vor der Sucht

Beitrag von chriscross » 27.07.2018, 09:17

Hallo Jessica,

vielleicht solltest Du deine momentane Situation realistisch betrachten. Du hattest eine sehr lange abstinente Zeit, die Dir sicher sehr gut getan hat und auf die Du nach wie vor stolz sein kannst. Dein Bestreben sollte aber sein, diesen abstinenten Zustand wieder zu erreichen. Du hattest einen Rückfall und stehst dazu, das finde ich sehr gut und mutig!

Aber Du merkst ja, wie unglücklich Du mit Deinem momentanen Zustand bist..tu Dir selbst den Gefallen wieder von vorne anzufangen. Gestehe Dir ein dass Du gestolpert bist und das ist nur allzu menschlich...rappel Dich wieder auf und beginne Deine Abstinenz von vorne. Den Anfang hast Du mit deinem Post im Forum bereits gemacht, der Anfang wieder (wieder) etwas schwerer werden aber Du weist dass Du es auch dauerhaft schaffen kannst.

Es wird immer schlechte Ereignisse geben und auch schlechte Gefühle, nur sich selbst dabei zu vergiften kann keine Lösung sein. Auch eine Angststörung kann man erfolgreich therapeutisch behandeln lassen ohne Alkohol zu brauchen. Das Leben hat soviel mehr zu bieten ohne den Teufel Alkohol und ich denke im Innersten weist Du das auch. Alles Liebe und Gute, LG Christian

Catalea
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Re: Angst vor der Sucht

Beitrag von Catalea » 27.07.2018, 09:27

Hallo und vielen Dank für eure lieben Antworten.
Ich bin gestern zum Glück nicht mehr losgefahren und heute ist der Druck etwas weniger.
Ich habe gestern noch eine Selbsthilfegruppe in meiner Nähe gefunden und möchte diese gerne nächste Woche aufsuchen.
Hoffentlich finde ich auch den Mut es wirklich zu tun.

Mit der Angststörung muss ich mir wirklich therapeutisch
Hilfe suchen, da sonst immer der Wunsch in mir aufkommen wird die Angst für einen Moment mit Alkohol zu betäuben.

Danke für eure aufmunternden Worte!
Nur zu gerne will ich wieder ohne Alkohol leben, damit meine ich auch das er wieder aus meinen Gedanken verschwinden soll.
Nur so können wieder schöne Lebensabschnitte kommen, die ich mit Alkohol sicher nicht haben würde.

Zur Zeit hilft mir gerade einfach auch daran zu denken wie ich am nächsten Morgen nach dem Rausch aufwachen würde.
Dicker Kopf, diese unglaubliche Übelkeit.
Das Hirn noch vernebelt und was am Ende bleiben würde ist ein Gefühl der unendlichen Schuld und des Versagens.
Möchte ich das? Nein!

Ich freue mich jetzt hier mitlesen zu können und hoffe sehr darauf, dass ich es wieder schaffe.

LG Jessica

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Re: Angst vor der Sucht

Beitrag von chriscross » 27.07.2018, 11:28

Für die ersten Tage wird es Dir sicher helfen Dich abzulenken, raus an die Frische Luft zu gehen und viel viel Wasser zu trinken. Vielleicht auch ein Vitamin-B-Präparat für die Nerven. Und der unerschütterliche Glauben daran, dass Dir Dein Suchtgedächtnis zwar jetzt im Nacken sitzt und Dir die ersten Tage/Wochen keine große Ruhe lassen wird - aber dass es mit der Zeit immer leichter wird (mit einigen Schwankungen). Kannst Du Dir vorstellen, dass Dich Alkohol irgendwann soviel interessieren wird wie Erdbeermarlade oder Hundefutter? Genauso wird es werden wenn Du jetzt anfängst und dann dranbleibst. Am Meisten schätze ich meine innere Ruhe, die ich wieder erlangen konnte - die ist mir mittlerweile heilig :).

Vielleicht magst Du Dir den Tag etwas neu strukturieren, vielleicht mal wieder eine Tätigkeit suchen die Dir eigentlich Spaß macht und die Du lange nicht mehr gemacht hast. Die Leere füllen, die das Nicht-Trinken unweigerlich hinterlässt und Dir auch die Grundbausteine zu Herzen nehmen. Wie sieht Dein Umfeld aus, hast Du noch Alkohol in der Wohnung etc.? Das Gift muss aus deinem Umkreis verschwinden damit Dir der Anfang leichter fällt. LG

Catalea
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Re: Angst vor der Sucht

Beitrag von Catalea » 30.07.2018, 12:57

Hallo,
ich wollte nochmal kurz berichten das ich keinen Alkohol mehr angerührt habe und wir auch nichts mehr im Haus haben.

Die Gedanken an den Alkohol kommen natürlich hin und wieder in meinen Kopf.
AM Samstag war ich auf einer Familenfeier und dort wurde natürlich Alkohol getrunken.
Für einen kurzen Moment wollte ich mittrinken und habe mich sogar "bestraft" gefühlt.
Warum dürfen die anderen trinken und ich nicht?
Es ist doch ganz normal Alkohol zu trinken flüsterte der Teufel in mein Ohr.
Stattdessen habe ich eine große Portion Salat und Brot in mich hinein gestopft und der Druck war weg.
Am nächsten Morgen bin ich ohne Kopfschmerzen und ohne Übelkeit aufgewacht.
Ohne Schuldgefühle und peinlichen Erinnerungen.
Ich will unbedingt das es so bleibt!

LG

Karsten
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Re: Angst vor der Sucht

Beitrag von Karsten » 30.07.2018, 13:29

Hallo Catalea,

erhalte dir dein positives Gefühl.
Wissen denn deine Angehörigen, dass du keinen Alkohol mehr trinkst und warum?

Gruß
Karsten

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Re: Angst vor der Sucht

Beitrag von Catalea » 30.07.2018, 14:24

Hallo Karsten,

Dankeschön ich versuche es!

Meine Familie weiß wohl bescheid, bzw. sie haben auch viel von meinen Trinktagen mitbekommen und auch das dieses Ausmaß einfach nicht mehr normal war.

Ich würde aber sagen das diesen Thema bei uns totgeschwiegen wird.
Meine Familie ist einfach der Meinung man müsse sich zusammenreißen und keiner redet da gerne über seine Gefühle.

Bei mir ist es leider genau das Gegenteil und so habe ich es immer vermisst mit meiner Familie oder meinen Eltern besser reden zu können.

Aber letztendlich sind Menschen ja nun mal verschieden.

Mein Mann trinkt zum Glück ganz selten und zur Zeit verzichtet er ganz auf Alkohol/Bier, damit nichts im Haus ist.
Ehrlich gesagt sind mein Mann und unsere 2 Hunde zur Zeit das Einzige was mich vom Trinken abhält.
Eigentlich müsste ich es ja für mich selbst schaffen oder?
Aber alles was mich vom Trinken zur Zeit anbringt ist eben das verantwortungsgefühl gegenüber meinem Mann und den Hunden.
Alle sollen gut versorgt sein und natürlich keine "Schnapsdrossel" um sich herum ertragen müssen.

Liebe Grüße
Nadine

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