Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Endlich wieder frei sein

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Mirella
neuer Teilnehmer
Beiträge: 12
Registriert: 16.07.2018, 11:05
Geschlecht: Weiblich

Endlich wieder frei sein

Beitrag von Mirella » 30.07.2018, 09:12

Hallo!
Ich bin neu hier. Ich bin 42 Jahre alt, Mama von 2 Kindern (2 & 6) und ich trinke. Das heißt jetzt bin ich das erste mal seit 2 Wochen trocken, nach einem Kaltentzug. Ich erhoffe mir hier Austausch, vielleicht sogar mit anderen Müttern. Ich habe mein Leben perfekt im Griff, haha. Bin Akademikerin, arbeite 20-25h die Woche, bin sportlich, habe eine tolle Wohnung, tollen Mann, der leider zu häufig unterwegs ist. Alles perfekt. Es scheint zumindest nach außen hin. Ich bin die, die immer alles locker und leicht wuppt. Alle Arzttermine für die Kinder, backen kochen, waschen, auf die Figur achten. Ich hatte Wochen da habe eine Flasche Wodka am Tag geschafft. Seit dem ich 13 bin habe ich außerdem Bulimie... Seit Januar habe ich eine Therapeutin. In eine AA kann ich nicht gehen. Wann soll ich das denn auch noch zeitlich unterbringen? Mein Ziel ist es hier her zu kommen, wenn der Druck wieder zu groß wird. Vielleicht sogar jm. kennen zulernen mit dem mal eine Not sms schreiben kann. Mein Mann weiß mittlerweile von dem Problem. Aber außer zu sagen: hör damit auf ist er keine Hilfe. Er ist überfordert. Ja, witzig, ich vielleicht nicht. Dafür habe ich eine ganz tolle Therapeutin gefunden ,zu der ich großes Vertrauen habe...
Ich verstehe auch gar nicht wie ich da rein rutschen konnte. Ich den Schwangerschaften habe ich nie getrunken und das geschafft. Mein Vater war Alkoholiker und ich habe nichts daraus gelernt. Ich muss das schaffen! Für meine Kinder, für mich, meine Familie!
Was tut ihr um euch abzuhalten? Wenn der Druck so groß wird? Danke!
Lieben GRuß
Mirella

Thalia1913
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3639
Registriert: 27.06.2014, 10:50

Re: Endlich wieder frei sein

Beitrag von Thalia1913 » 30.07.2018, 09:39

Hallo Mirella,
herzlich willkommen!
Ich find mich wieder in einigem, was du schreibst. Gerade habe ich nicht viel Zeit, aber ich schreib dir in den nächsten Tagen bestimmt länger. Bleib dran. Mir hilft bei dieser inneren Unruhe auch heute noch: innehalten, großes Glas Wasser trinken!

Gruß und einen guten Austausch hier!
Thalia
Mutter und trockene Alkoholikerin

Thalia1913
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3639
Registriert: 27.06.2014, 10:50

Re: Endlich wieder frei sein

Beitrag von Thalia1913 » 01.08.2018, 10:17

Hallo nochmal Mirella,

wie gehts dir?

Für mich war vor einigen Jahren, als ich aufhören wollte zu trinken, die einzige Möglichkeit, alles in meinem Leben auf den Prüfstand zu stellen, nichts von vornherein auszuschließen.

Warst du schon bei einer Suchtberatung?

Kennt sich deine Therapeutin auch mit Alkoholsucht aus?

Meine Erfahrung ist, dass sich viel ändert, wenn der süchtig Trinkende (Ich oder du) aufhört. Das „System“ (in der Familie zum Beispiel) wird sich ändern, denn das bisherige System basierte ja auf der Alkoholsucht.

Du bist diejenige, die diese Veränderung in Gange setzt. Das ist schwierig. Gut, dass du dir hier (und vielleicht auch noch anderswo) Unterstützung holst!

Alles Gute!
Gruß, Thalia

Mirella
neuer Teilnehmer
Beiträge: 12
Registriert: 16.07.2018, 11:05
Geschlecht: Weiblich

Re: Endlich wieder frei sein

Beitrag von Mirella » 03.08.2018, 09:16

Hallo Thalia,

vielen Dank für Deine nette Nachricht! Was hat sich denn bei dir im "System" durchs Aufhören geändert? Hast Du noch mehr Tipps? Du schreibst, innehalten und ein Glas Wasser trinken... Diese innere Unruhe macht mir derzeit am meisten zu schaffen. Und klar, mit zwei kleinen Kindern zu Hause ist halt auch immer viel los. Mein Mann ist entweder geschäftlich unterwegs oder er ist einfach nur da und glänzt durch Anwesenheit, eine Hilfe ist er leider selten. Eher Kategorie drittes Kind.
Wie lange bist Du schon trocken?
LG Mirella

Cadda
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 686
Registriert: 04.09.2017, 20:53

Re: Endlich wieder frei sein

Beitrag von Cadda » 03.08.2018, 13:58

Liebe Mirella,
ich schreibe Dir nochmal ausführlich, aber schon einmal vorweg: Ich habe immer den Gedanken zu Ende gedacht. Wenn ich jetzt etwas trinke, wie geht es dann weiter. Ich glaube, ich habe es ausführlich auch hier in meinem Tagebuch im offenen Bereich geschrieben. Ich kenne es auch, mit Kindern im Haus, wir beide sind ungefähr ein Alter :-) Vielleicht liest Du mal rein, wenn Du es schaffst. Kann ja sein, dass Du Dich in manchen Sachen wieder findest.
Ich wollte Dir einmal einen lieben Gruß da lassen! Das Wort FREI begleitet mich jeden Tag, seit dem ich nichts mehr trinke! Darüber bin ich gestolpert :-)

Dante
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3243
Registriert: 05.08.2006, 19:56

Re: Endlich wieder frei sein

Beitrag von Dante » 04.08.2018, 16:21

Hallo Mirella & Willkommen im Forum! :D

Tja, wie konntest du da rein rutschen? "Mit 13 Bulimie" ist ja schon ein Hinweis.
Aber was sagt denn deine Therapeutin?

Mirella
neuer Teilnehmer
Beiträge: 12
Registriert: 16.07.2018, 11:05
Geschlecht: Weiblich

Re: Endlich wieder frei sein

Beitrag von Mirella » 06.08.2018, 10:52

Hallo!
Wie konnte ich da rein rutschen? Tja, das versuche ich wohl gerade mit meiner Therapeutin herauszufinden. Ist eine 13jährige dafür verantwortlich? Warum flüchtet man sich in Bulimie? Irgendwie ist scheinbar alles was ich anfange immer exzessiv. Das mit der Bulimie ist sicherlich unschön, aber erst der Alkohol hat mich dann wirklich kaputt gemacht und verändert.
Vom Kopf her ist das doch alles so klar, was ich damt kaputt mache, trotzdem fällt es mir so schwer zu wieder stehen. Warum nur, verdammt? Ich habe hier einiges gelesen, auch von Cadda...Und alle haben so recht, wie schön es eigentlich ist ohne Alkohol und trotzdem muss ich ständig dran denken.
Alkohol zerstört mich ,meine Familie, Freundschaften, Vertrauensverhältnisse, es kostet Unmengen Geld, ich schäme mich, ich muss es verstecken/ umfüllen, ich gehe in unterschiedliche Supermärkte damit mich die eine nette Kassiererin nicht schräg anschaut. Und trotzdem fällt es so schwer!
@ Cadda: Ich komme in den Bereich von Tagebuch gar nicht rein, oder? Schickst Du mal bitte den Link? Wie lange bist Du trocken? Und deine Kinder, wie alt sind sie? Haben Außenstehende dein Problem gemerkt oder kam der Wunsch Aufzuhören nur von Dir?
Ständig wird überall getrunken die ganzen Sommerfeste auf denen ich bin, Alkohol ist überall verfügbar. Es ist so fremd im Supermarkt einen Bogen drum herum zu machen. Ich fühle mich so allein, ich meine jetzt nicht im Form, sondern in der realen Welt. Ich hätte gerne eine Freundin/ Bekannte die ich einfach anrufen könnte, wenn es mir nicht gut geht. Aber ich glaube es ist ziemlich einsam um mich geworden. Ach Mist, das alles. Ich schreibe jetzt mal nicht weiter, bin so mies drauf. Vielleicht hilft da mal ein Blick in den Himmel/ Sonnenschein.
Ich wünsche Euch einen schönen Tag!

Cadda
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 686
Registriert: 04.09.2017, 20:53

Re: Endlich wieder frei sein

Beitrag von Cadda » 06.08.2018, 15:33

Hallo Mirella,
mein Thema hier im offenen Bereich heißt "Hintertürchen geschlossen. Auf geht's nach vorne,...". Ich habe da Einiges geschrieben. Dann habe ich noch ein Tagebuch im geschlossenen Bereich, das kannst Du nur sehen, wenn Du Mitglied bist. Dort habe ich etwas offener geschrieben, über mich selbst, weil dort halt nicht jeder mitlesen kann, so wie hier. Man zahlt hierfür einen Beitrag (ich sehe es so, dass es ein minimaler Teil des Geldes ist, das ich jetzt spare, indem ich keinen Alkohol mehr trinke :-) ) und ist dort nur unter Betroffenen, die das ebenfalls tun. Hierfür muss man sich an Karsten wenden, mit dem dann alles weitere zu klären wäre, wenn dieses gewünscht ist. Wie gesagt habe ich aber auch hier im offenen Bereich ein Tagebuch. Wollte es nur mal berichten, wie das läuft, weil Du mich um den link gebeten hattest.

Meine Kinder sind 11 und fast 10. Ja, sie haben es definitiv mitbekommen und sehr darunter gelitten. Nach außen hin war noch so einigermaßen alles ok. Ich bin zumindest arbeiten gegangen, habe meinen Haushalt super in Schuss und habe mich - zumindest grundsätzlich - um alles gekümmert. Wenn ich getrunken habe, dann allerdings bis zum Kontrollverlust und ich habe auch oftmals morgens direkt weiter gemacht, weil es mir unglaublich peinlich war, vor anderen und vor mir selbst. Meine engsten Leute haben mich angesprochen, sie haben sich Sorgen gemacht. Die Leute um mich herum haben das schon mitbekommen, ja. Aber alle, die mir jetzt nicht so wahnsinnig nahe standen, haben das eher so ausgelegt, als ob ich halt einfach beim Party machen über die Stränge schlage. Das am Ende aber auch so oft und ausgiebig. Arbeitgeber hat aber beispielsweise nichts mitbekommen. Wenn ich nicht arbeiten konnte, hatte ich eine Ausrede. Vor mir selbst habe ich das alles lange Zeit schön geredet. Irgendwann nicht mehr. Ich wusste schon seit Jahren, dass ich Alkoholikerin bin und irgendwann aufhören werde, zu trinken. Ich wusste nur noch nicht, wann.
Nun ist es fast ein Jahr her, als ich meinen Entschluss gefasst habe und es kommt mir viel kürzer vor.

Glaub mir, Mirella. Ich hab es auch so oft vermisst, trinken zu können. Dieses Gefühl beim ersten Glas. Ich hab gedacht, das hört nicht auf. Tut es auch nicht, aber die Situationen werden viel, viel, viel weniger und seltener. Du schaffst das und es wird von Zeit zu Zeit besser werden. Bleib am Ball! Es lohnt sich so sehr und ich möchte um nichts in der Welt mehr tauschen mit jemanden, der Alkohol trinken kann. Meine Kinder sind darüber wohl die glücklichsten Menschen, gemeinsam mit mir zusammen.

Antworten