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Auch neu hier..

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
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Josy
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Auch neu hier..

Beitrag von Josy » 15.08.2018, 11:55

Hallo zusammen,

schon seit längerem treibe ich mich als "Ghost" in diesem Forum herum und bin nun zu dem Entschluss gekommen, mich selber hier anzumelden um meine Geschichte zu erzählen mit der Hoffnung, wen zu finden der mich versteht.

Beim Überlegen der Wörter die ich schreiben will, überkommt mich sofort das Gefühl des Verrats. Sie ist doch meine Mutter, ich muss sie doch beschützen. Aber Nein. Denn eine Mutter ist sie schon lange nicht mehr.

Dass meine Mutter trinkt, ist mir vor ca. 10 Jahren wirklich bewußt geworden. Damals war ich 15 Jahre alt und für mich war es normal, dass es zuhause immer Alkohol gab. Daher hatte ich mir auch nie Gedanken über diverse Sekt- und Bierflaschen gemacht. Im Nachhinein fällt mir selber auf wie dumm das war.. Ich muss zusätzlich erwähnen, dass ich zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr Zuhause wohnte.

Ich kam nach einer längeren Zeit zu Besuch nach hause und fand erst zufällig, dann danach suchend diverse Flachmänner. Ich sprach meinen Vater drauf an woraufhin er meinte, dass sie versprochen hätte damit aufzuhören. Im Endeffekt glaube ich, dass er es nicht sehen wollte.

Im Laufe der Zeit machte sich dieses nämlich immer mehr bemerkbar da die Flaschen überall versteckt waren. Wobei man eigentlich nicht von verstecken reden kann, da es Orte sind/waren wo auch ich dran gehe. Genauso wie Kassenbons mit Vodka drauf. Könnte das ein Hilferuf sein?

In einem Gespräch mit meiner Oma erfuhr ich, dass meine Mutter schon immer trinkt und dass sie schon als Jugendliche durch extremes trinken aufgefallen ist. Meine Oma hatte meine Mutter zu dem Zeitpunkt des Telefonates schon aufgegeben. Sie ist schon älter und ihr fehlt die Kraft dazu.

Auch ich sprach meine Mutter öfter drauf an und sie meinte, dass sie kein Problem hätte. Meine Angst ist, dass sie das wirklich glaubt.

Vor 3 Jahren verließ mein Vater meine Mutter. Meine Mutter schätzte ihn nicht und war der Meinung, dass er überhaupt nichts tun würde obwohl er sich den Hintern für sie aufgerissen hat.

Von da an geht es nur noch bergab. Abends war sie nur noch betrunken zu erleben. Wenn sie frei hatte auch schon Vormittags. Bei Gesprächen mit meiner Schwester tolerierte sie dieses Verhalten und dass jeder mit Trauer anders umgeht. Das war vor 2 Jahren und seitdem ist der Kontakt auf das nötigste begrenzt da ich diese Meinung überhaupt nicht vertrete. Sie ist da eher wie mein Vater macht die Augen zu und lebt ihr perfektes Leben. Im Nachhinein beneide ich sie dafür.

Sie bekommt das alles auch nicht mit. Sie wird nicht tausend mal am Tag mit Anrufen bombardiert und muss sich eine lallende Mutter anhören die im Selbstmitleid versinkt. Genauso glaubt sie mir auch nicht und will sich auch nicht vom Gegenteil überzeugen.

Vor 1 1/2 Jahren musste ich wegen einer Trennung zu meiner Mutter zurück ziehen. Es gab da keine andere Möglichkeit. Da ich noch in der Ausbildung bin. Mein Freund und ich sind auf der Suche nach einer Wohnung aber das ist hier nicht einfach.

Erst seitdem ist mir das Ausmaß des ganzen bekannt.

Meine Mutter war immer eine starke Frau. Sie managte unser komplettes Familienleben inkl. Haushalt und ging nebenbei Teilzeit arbeiten. Von dieser Frau ist überhaupt nichts mehr übrig. Die Wohnung ist verwahrlost. Überall Dreck und es riecht nach Kotze und Alk. Die kleinsten Sachen überfordern sie schon. Sei es den Briefkasten zu öffnen.

Ich putzte die Wohnung. Einfach wegen der Tatsache, dass ich mich nicht wohlfühle. Auch koche ich Essen und erledigte die Einkäufe. Zusätzlich folgen noch die Extrawünsche. Zb. zur Bank fahren etc. Das wurde schnell Routine. Ob ich jemals ein Dankeschön gehört habe? Nein. Aber dafür darf ich mir anhören, dass ich nichts tue und sie ja alles machen würde. Wenn ich ihr aufzähle was ich alles mache lacht sie mich aus. So stellt sie mich auch vor dem Rest der Familie hin. Leider glauben die ihr.

Auch eskaliert die Situation Zuhause sehr schnell. Wir haben eine Regel. Dass sie mich in Ruhe lässt, wenn sie getrunken hat. Mittlerweile ist ihr das egal.

Immer diese Angst wenn ich von der Arbeit komme und die Wohnung betrete. Ich brauche sie nur anzusehen und ich weiß was Sache ist. Dann ist sie wer anders. Das Böse in Person. Dann fangen wieder die Vorwürfe an. Das systematische fertig machen. Zusammenhangloses Gerede. Beleidigungen. Böse Sprüche die sie zum totlachen findet.

Das Gegenteil dazu ist, wenn sie morgens aufsteht. Dann sitzt sie da, zitternd, eine kleine arme Seele die man in den Arm nehmen muss. Aber mich macht das noch wütender! Ich schäme mich auch dafür. Ich bin nur noch wütend und ich weiß nicht wieso.

Ich bin nun seit 3 Wochen in unserer Gartenlaube. Ich kann nicht mehr zu ihr. Ich sehe mich selber gefährdet. Ich habe Selbstmordgedanken. Selbst die Distanz vertreibt diese Gedanken nicht. Zusätzlich kann ich mich nicht mehr auf meine Ausbildung konzentrieren.

Sie war noch nie im Entzug oder ähnliches. Ich bin am überlegen ob ich mal alles an Informationen zusammen suche und mit ihr drüber rede. Zusätzlich überlege ich zu ihrem Arzt zu gehen, bei dem sie auch wegen des Nierenschadens in Behandlung ist, um ihn über die Alkoholsucht zu informieren. So als letzten Versuch ihr zu helfen. Ich will nicht, dass sie stirbt.

Was haltet ihr davon?

Josy

Aurora
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Re: Auch neu hier..

Beitrag von Aurora » 15.08.2018, 22:18

Liebe Josy,

dass du Selbstmordgedanken hast zeigt, wie immens belastend alles für dich ist. Gut, dass du da weg bist aus der Wohnung.
Das Zusammenleben mit Abhängigen macht leider auch die Mitbetroffenen kaputt. Du merkst das ja auch selbst. Du putzt und kochst und machst dir Sorgen und Gedanken, die Rolle ist verdreht, oder? Sie ist ja eigentlich die Mutter, du das Kind, auch wenn du erwachsen bist. Du hast die Verantwortung übernommen, es ist genau andersrum jetzt. Typisch.

Und dadurch hast du kein wirklich freies eigenes Leben mehr.

Ich kenne all das, was du fühlst, sehr gut! Nur dass es bei mir der Exmann war. Wenn Eltern betroffen sind ist das noch mal eine andere Hausnummer. Das ist ja noch mal eine andere emotionale Bindung.

Ich hatte es dir ja schon im Vorstellungsbereich geschrieben. Es wird wenig Sinn machen, ihr Info-Material zu geben, ihren Arzt zu informieren. Wenn deine Mutter alles abblockt dann kannst du sonst was machen. Sie muss es wollen.

Du hast jetzt das einzig Richtige und für dich Machbare getan. Du hast dich raus gezogen. Körperlich schon mal. Emotional wird das noch lange dauern. Hast du schon mal daran gedacht, dich selbst einem Arzt anzuvertrauen? Du bist doch völlig fertig. Du brauchst da auch Unterstützung.

Ich hoffe, du hast eine gute Nacht
liebe Grüße
Aurora

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