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Wie weit hat der Alkoholkonsum mein Leben beeinflusst?

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Karsten
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Wie weit hat der Alkoholkonsum mein Leben beeinflusst?

Beitrag von Karsten » 29.08.2018, 18:05

Hallo,

nicht jeder war ja während seiner Saufzeit total gesellschaftlich und/oder sozial isoliert und hat den ganzen Tag damit verbracht, Alkohol zu trinken.
Ich kann da nicht von mir ausgehen, denn bei mir gab es nur noch den Alkohol.

Es ist wichtig, Menschen rechtzeitig zu erreichen, damit sie nicht erst so tief sinken müssen, um Lebensveränderungen zu vollziehen und sich ihrer Alkoholkrankheit stellen.

Daher möchte ich hier mal das Thema aufgreifen, wie weit der Alkohol das eigene Leben beeinflusst hat?

Gruß
Karsten

Cadda
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Re: Wie weit hat der Alkoholkonsum mein Leben beeinflusst?

Beitrag von Cadda » 29.08.2018, 21:20

Sehr stark. Als Jugendliche habe ich nur am Wochenende getrunken. Da hab ich mich aber schon die ganze Woche drauf gefreut, endlich zu „feiern“. Schon damals bin ich übers Ziel hinaus geschossen, getrunken, bis ich Kontrollverlust hatte. Später, als ich Führerschein hatte, hab ich mir jeden Sonntag vorgenommen „das geht so nicht, nächstes WE fährst Du selbst, damit Du keine *** baust“. Spätestens Freitags sah die Welt anders aus.

Im Laufe der Jahre entdeckte ich, dass man auch in der Woche aus Gemütlichkeit auch ja mal allein ne Flasche öffnen kann. Das wurde zur Gewohnheit. Bald „half“ Alkohol in allen Lebenslagen. Hauptsächlich um lustig zu werden und mutig, wenn es irgendwo hin ging.

Ich habe unter Alkoholeinfluss so viel furchtbar peinliche Dinge gerissen, dass ich danach oft trank, um diese selbst nicht mehr so schlimm zu finden. Das war dann der Teufelskreis.

Ja, der Alkohol hat mein Leben komplett beeinflusst. Entweder, weil ich ihn getrunken habe oder in meinen Gedanken. Sei es, weil ich wieder trinken wollte oder weil ich gerade wieder mal vor hatte, NICHT zu trinken. Selbst dann hat er mein Leben beeinflusst.

Ich hatte noch meinen Job, Familie und nach außen hin mein einigermaßen normales Leben. Meine Abstürze waren aber schon Jahre lang immer Thema und so richtig extrem wurde es die letzten Jahre, als ich mit meinem Ex zusammen war, der auch gesoffen hat.

Ich hab mich ans Steuer gesetzt, ich habe vor meinen Kindern getrunken und selbst auf der Arbeit war ich am Ende morgens manchmal nich nicht wieder klar, weil ich die Nacht durchgesoffen habe. Wenn ich daran denke, dann widert es mich an, weil ich immer ein zuverlässiger, vernünftig denkender Mensch war und grundsätzlich gegen meine eigenen Prinzipien verstoßen habe. Deshalb ist es für mich definitiv eine Krankheit, egal wie andere das sehen. Sonst hätte ich niemals so gehandelt.

Ja. Der Alkohol beeinflusst mein Leben, seit dem mit 14 Jahren das erste Mal betrunken war.

Deshalb bin ich jeden Tag froh über meine gewonnene Freiheit.

Hull
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Re: Wie weit hat der Alkoholkonsum mein Leben beeinflusst?

Beitrag von Hull » 29.08.2018, 21:45

Wie "weit" ist für mich hypothetisch zu definieren, aber feststeht, dass er es negativ beeinflusst hat und dies im Prinzip schon zu Beginn (im Jugendalter).

Ein normales Trinkverhalten war mir schon bei den ersten Versuchen nicht möglich oder richtig: erst gar nicht gewollt, denn es war damals schlichtweg das Höchste für mich, so viel zu trinken, bis es keinerlei Grenzen mehr gab. Nach zwanzig Jahren Alkoholmissbrauch kann ich feststellen, dass ich erstens - sobald ich den ersten Schluck Alkohol zu mir nahm - keine Kontrolle mehr besaß und zweitens, dass dieser Kontrollverlust stabil auf die Wochenenden beschränkt blieb. Ich hatte keine ernstlichen körperlichen Entzugserscheinungen, wie ich sie hier und aus anderen Quellen erst zu lesen bekam. Ob diese vom "Wochenendsaufen" noch gekommen wären oder ob der "Kater", der bis in den Montag und manchmal Dienstag nachhing, nicht doch schon ein kleiner Entzug war, - dies beschäftigt mich manchmal - aber eher aus theoretischem Interesse.

Im Großen und Ganzen bin ich mit vielen Verwarnungen entkommen, natürlich aber hätte ich mir durch einen kleinen Zufall auch jederzeit das Leben irreversibel verbauen können. Dabei kann ich es nun aber desto einfacher dabei belassen. Materiall und sozial gab es einige Beschädigungen, insgesamt stehe ich mit Diplom, fester Arbeit, gewissermaßen finanziellen Unabhängigkeit nicht schlecht da, dies aber nicht wegen, sondern ganz klar trotz Alkohol.

NNGNeo
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Re: Wie weit hat der Alkoholkonsum mein Leben beeinflusst?

Beitrag von NNGNeo » 30.08.2018, 00:18

hallo

es fing bei mir alles so harmlos an, das erste mal alkohol getrunken da war ich so ca. 13 oder 14 jahre, genau weiß ich das nicht mehr.
nur gelegentlich und nie soviel das ich besoffen war, nur ein bisschen angeheitert. das ging dann einigen jahre so, am wochenende wenn feiern angesagt war.
dann mit 17 jahren, erlebte ich meinen ersten vollrausch, der leider ziemlich heftig war und vermutlich eine alkoholvergiftung, das hat tatsächlich gereicht das ich von 17 - 20 jahren gar keinen alkohol mehr angerührt habe, nicht einen einzigen schluck. mit 20 jahren, da war ich grad in der ausbildung habe ich dann angefangen abends 1 - 2 feierabendbier zu trinken, jeden abend. ich hatte in dieser zeit sehr viel stress, es hatte mir geholfen nach der arbeit abzuschalten und einzuschlafen. es dauerte nicht lange da hat sich der konsum auch schon erhöht da ich mit 2 bier am abend nicht mehr hingekommen bin da die gewünschte wirkung nicht mehr bei so wenig bier einsetzte. innerhalb von 6 -7 monaten trank ich jeden abend schon 6 -7 flaschen bier, das jeden tag.

als ich mit meiner ausbildung fertig war habe ich das erste mal gemerkt das wenn ich nicht trinke entzugserscheinungen bekomme. heute weiß ich das ich zu diesem zeitpunkt schon alkoholiker war, damals ist es mir aber noch nicht mal in den sinn gekommen das ich alkoholiker bin. also habe ich einfach weitergesoffen, außerdem wollte ich doch auch gar nicht aufhören. ich arbeite doch schließlich ziemlich hart, da kann ich mir doch abends ruhig meine biere gönnen, das habe ich immer gedacht. mein konsum blieb sogar über jahre stabil, immer 7 flaschen bier jeden abend.

das ging dann mehrere jahre so, irgendwann habe ich dann angefangen unter alkoholeinfluss regelmäßig auszuticken, gewalt spielte sich immer wieder ab wenn ich gesoffen hatte und mein konsum steigerte sich das erste mal seit jahren wieder. doch auch das hielt mich immer noch nicht vom trinken ab. mit der zeit kamen die ersten gesundheitlichen probleme und mir war klar geworden das ich alkoholiker bin. eigentlich hätte ich mir hilfe suchen müssen, doch ich wollte es alleine schaffen vom alkohol loszukommen. ich wollte stark sein und mir von anderen auf gar keinen fall hilfe holen, geschweige denn mich überhaupt als alkoholiker outen. ich fing an zu versuchen kontrolliert zu trinken, immer und immer wieder, wollte zurück zu einem normalen trinkverhalten. länger als ein paar tage habe ich es nie geschafft. dann wollte ich aufhören, doch hilfe wollte ich immer noch nicht, also fing ich an immer wieder kalte entzüge zu starten, doch auch das ging meistens nur ein paar tage gut um dann wieder noch heftiger zu trinken als vorher. einmal habe ich 2 wochen durchgehalten, aber auf einer party habe ich dann wieder getrunken. das ging dann mehrere jahre so, meine gesundheitlichen probleme wurden immer schlimmer und zum schluss war ich nicht mehr in der lage auch nur einen tag ohne alkohol zu überstehen. die kalten entzüge die ich immer wieder gemacht habe, ich kann echt froh sein das mir nichts passiert ist. ich bin aber nicht nur einmal morgens aufgewacht mit starken schmerzen am ganzen körper während eines kalten entzugs, ich vermute mal es könnten vielleicht krampfanfälle gewesen sein, aber genau wissen tue ich es nicht. ich habe daran keinerlei erinnerung.

ich soff noch einige jahre und dann war ich endlich soweit mir die hilfe zu suchen die ich seit jahren gebraucht habe. seitdem darf ich bis heute trocken leben.

der alkohol hat mein leben doch ziemlich stark bestimmt, am anfang noch nicht so, aber mit den jahren immer mehr und mehr. ich habe in all dieser zeit aber trotzdem nie meinen führerschein verloren und bin auch nie betrunken gefahren, aber morgens unter restalkohol schon. das macht es nicht besser. ich bin immer noch arbeiten gegangen, egal wie schlecht es mir ging, hatte meinen geregelten tagesablauf und abends habe ich mich abgeschossen. nach außen hin hatte ich ein ganz normales leben, aber in wirklichkeit war bei mir gar nichts mehr normal und der alkohol hatte mich fest im griff. mein leben bestand eigentlich nur noch aus arbeiten gehen und saufen, alles andere war mir egal. habe immer dafür gesorgt das ich genug bier hatte und der rest war mir einfach nur egal, es war mir sogar egal ob ich meinen führerschein, mein job und all meine freunde und familie verlieren würde, hauptsache ich hatte was zu saufen. so sah mein leben damals aus.
grüße
NNGNeo

Penta
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Re: Wie weit hat der Alkoholkonsum mein Leben beeinflusst?

Beitrag von Penta » 30.08.2018, 01:08

Karsten hat geschrieben:
29.08.2018, 18:05
Hallo,

nicht jeder war ja während seiner Saufzeit total gesellschaftlich und/oder sozial isoliert und hat den ganzen Tag damit verbracht, Alkohol zu trinken.
Ich kann da nicht von mir ausgehen, denn bei mir gab es nur noch den Alkohol.
[...]
Daher möchte ich hier mal das Thema aufgreifen, wie weit der Alkohol das eigene Leben beeinflusst hat?

Gruß
Karsten
Hallo Karsten,
bei der Feststellung der totalen gesellschaftlichen und sozialen Isolation gibt es bei unterschiedlichen Menschen sicher verschiedene Schmerzgrenzen.
Als ich aufhörte zu saufen, fühlte ich mich sozial und gesellschaftlich isoliert.
Dieses Empfinden entstand u.a. dadurch, dass sich eine meine Töchter (die ältere) bereits offen wegen meiner Sauferei von mir distanziert hatte und sowas wie ein Freundeskreis nicht existierte.
Meine Ausfälle bei privaten Feiern fanden in den letzten Jahren meiner Saufkarriere deshalb seltener statt, weil ich seltener an ihnen teilnahm. Es gab regelmäßig Ausfallzeiten auf Arbeit und etwas wie Termintreue war von mir nicht zu erwarten, was in meinem Job ziemlich hinderlich ist.
Ich hatte einen guten Job, regelmäßiges Einkommen, (noch) meinen Führerschein...
Obwohl ich "alles" hatte, erlebte ich am 19.01.2010 einen Wendepunkt.
Es konnte also doch nicht alles gewesen sein, denn hätte ich keinen Leidensdruck verspürt, hätte ich keinen Anlass gehabt, mit dem Saufen aufzuhören und derart tiefgreifende Veränderungen in meinem Leben zu vollziehen, wie ich es in der Folge bis heute tat.
Der Tag meines Trinkstopps war derselbe Tag, an dem ich auch meine damalige Beziehung für beendet erklärte. Es änderte sich so ziemlich alles. Heute bin ich in einer anderen Beziehung, ich wohne anders, ich habe wieder zwei Töchter, deren Liebe und Zuneigung ich spüren kann, was tatsächlich eine neue Erfahrung für mich war, und zuletzt änderte sich trotz oder vielleicht auch wegen meiner inzwischen ganz bewussten Karriereverweigerung mein Job.
Ich habe heute immer noch einen guten Job, regelmäßiges Einkommen, (noch) meinen Führerschein. Heute kommt hinzu: eine gesunde Beziehung, eine Familie, sehr gute Freunde, Hobbys. Ich fühle mich nicht mehr isoliert. Weder gesellschaftlich noch sozial.
Gruß, Penta

kossi
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Re: Wie weit hat der Alkoholkonsum mein Leben beeinflusst?

Beitrag von kossi » 30.08.2018, 15:48

Hallo, habe mit 13 angefangen regelmäßig zu trinken. Langsam wurde ich zum Spiegeltrinker.Lange konnte ich meine Abhängigkeit verbergen.
Alkohol hat in meinem sozialen Umfeld einfach dazu gehört, mein Vater war Alkoholiker. Mit 15 habe ich meine Maurer lehre begonnen, der Alkohol war auf den Baustellen. Mit viel Glück konnte ich mein Leben meistern. habe meine Traumfrau geheiratet, 2 tolle Kinder großgezogen. Hab Fußball im Verein gespielt, Damen und Kinder trainiert, Trainerschein gemacht, der Alkohol war immer dabei. Schaffte es, wenn ich mit Kindern unterwegs war, nicht zu trinken.
Den Führerschein habe ich nie verloren, keinen Menschen verletzt, dafür danke ich Gott. Hatte immer Arbeit, im Dorf wurde viel gebaut, viel Schwarzarbeit , gutes Geld verdient. Meine Familie war immer gut versorgt. Aber, ich war immer unter Stress, der Alkohol brauchte Zeit für sich.
Habe viel Zeit verbracht Alkohol zu organisieren, so das es keiner gemerkt hat. Stress, wenn ich wusste jetzt kann ich nicht trinken, weil ich zB. mit der Jugendmannschaft unterwegs war. Wenn wir bei Feiern eingeladen waren, musste ich heimlich trinken, das meine Frau nicht merkt, wie viel ich schon wieder gesoffen hatte. der Alkohol hat mir geholfen mein Wesen zu verändern, seit ich trocken bin suche ich den Menschen der ich wirklich bin.
Irgendwann bin ich doch aufgefallen, als erstes, hat mir mein Arbeitgeber, ein Alkoholverbot auferlegt. Auch meine Frau hat gesagt sie kann nicht mehr,
höre ich nicht auf zu saufen, geht sie. Ich bin froh gewesen das mir in den Hintern getreten wurde, sonst wäre ich total abgestürzt.
Jetzt bin ich frei, meine Gedanken kreisen nicht mehr ums saufen, sondern ich habe wieder Platz für die wichtigen Sachen im Leben.

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