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2 Alkoholiker und ein Kind

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Yvonne78
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2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Yvonne78 » 01.09.2018, 06:08

Hallo ihr Lieben,

ich bin heute Nacht um 3 aufgeschreckt und habe nur noch Kopfkino.
Ich hatte ja mal erzählt, daß mein Mann in seiner Langzeit eine heimliche Liason mit einer ebenfalls zu therapierenden, 58-Jährigen Oma begonnen hat. Während ich zu Hause auf ihn gewartet habe und damit beschäft war, seinen verzapften Dreck weg zu räumen, sowie mich um die beiden Kinder zu kümmern, hat er mir jeden Tag erzählt wie sehr er mich liebt und parallel an dieser Alten rumgefummelt. Raus kam es recht schnell, weil sie ihm Liebesgesäusel gewhatsappt hat. Nun ist unsere Trennung eineinhalb Monate her und gestern haben die Kinder und ich die Begegnung der dritten Art erlebt. Eins ist anzumerken: genau das Selbe hat er damals mit mir und seiner Ex-Frau abgezogen: erst betrogen, dann mich hierhergeholt....jetzt weiß ich auch, warum seine beiden Ex-Frauen so einen Hass auf ihn haben....mit der ersten war es auch das Selbe...ein Muster also....man wird einfach ausgetauscht.
Nun gut...er hat bisher mindestens einmal die Woche einen Nachmittag mit unserem 4jährigen Sohn verbracht. Das war nie einfach für mich...mein Mann ist ja krank, aber ich wollte ihm eine Chance geben. Jetzt hat er sich aber eine Alkoholikerin ins Haus geholt, von der ich nichts weiß. Es wird darauf hinauslaufen, daß er sein Kind nicht mehr bekommt....die Verantwortung für ein Kleinkind kann ich einfach nicht 2 Alkoholikern überlassen.
Wir werden am Montag sicherlich nochmal reden, aber er lügt sowieso.

Versteht mich nicht falsch...wäre es eine normale Frau, die Verantwortungsgefühl ausstrahlt, müsste ich sie kennenlernen....aber jemand, der gerade mal 2 Monate aus der Klinik raus ist und dann noch so alt ( ich bin 40...sie 58 )...nee, da wächst mir alles nach innen und ich empfinde es als fahrlässig, so einer Person mein Kind anzuvertrauen. Und wer hier an Eifersucht denkt...nagut, unsere Ehe ist noch nicht mal kalt und ich wurde einfach ausgetauscht...das tut weh und macht wütend...ich bin auch soooo angeekelt...will aber in erster Linie mein Kind vom Alkoholismus fern halten.

Ich geh mal atmen...tief ein....aus...

Ingrid2012
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Ingrid2012 » 01.09.2018, 11:03

Liebe Yvonne,

Dein letzter Post hat schon dafür gesorgt, daß sich mir erst mal die Haare gesträubt haben.

"... heimliche Liason mit einer ebenfalls zu therapierenden, 58-Jährigen Oma begonnen hat"

Also ich bin älter als 58 Jahre, ich habe aber noch keine Enkelkinder, ich schreibe als trockene Alkoholikerin, und ich möchte nicht auf den Begriff Oma reduziert werden. (Und ich bin im Forum auch nicht die einzige, die älter als 58 jahre alt ist, und ich habe erfahren, daß die realen Großmütter hier sehr verantwortungsvoll mit ihren Enkelkindern umgehen! )

Und wenn Du Dein Kind "...nicht 2 Alkoholikern überlassen willst", da wäre für mich maßgeblich, ob beide trocken sind, oder weitersaufen.. Saufenden Leuten würde ich auch kein Kind überlassen. Kannst Du Dich denn nicht deren Status nachfragen, oder überprüfen?

Und warum willst Du nochmal mit Deinem Mann reden, wenn Du direkt behauptest, "aber er lügt sowieso"? Ist es da nicht sinnvoller, Dir Freund/innen, Gruppen o.ä. zum Reden zu suchen, die nicht lügen, oder die vielleicht auch mal Sachen sagen, die dir vielleicht weh tun könnten.

Du bist doch hier, um Dir selbst zu helfen, nicht Deinem Mann, der muß sich selbst Hilfe suchen, auch das wirst Du ihm nicht abnehmen können.

Ich wünsche Dir allees Gute
Ingrid

Yvonne78
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Yvonne78 » 01.09.2018, 18:42

Hallo Ingrid,

die Bezeichnung*Oma* bezieht sich auf mein Alter....und auf die Person, die sich so skrupellos meinem Mann an den Hals warf. Ich habe Respekt vor´m Alter...aber nicht vor dieser Frau. Ob sie trocken ist oder nicht weiß ich ja nicht....und selbst wenn...wer bitte ist denn zwei Monate nach einer Therapie stabil? Wenn ich meinen Mann frage, ob die Beiden wieder saufen....was meinst du, wird er antworten?

Egal...ich hab den ganzen Tag auf dem Thema herum gedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, daß ich mein Kind nicht zwei Alkoholikern ausliefern werde. So viel Verantwortung können die ja nicht inne haben, nachdem sie unser Leben zerstört haben...ohne den Hauch von irgendeiner Art Gewissen.

Und...Ingrid...wenn ich jemanden aus persönlichen Gründen abwertend betitle, dann gilt das nur für diese Person, weil sie mindestens dies, aber eigentlich viel Schlimmeres verdient hat...in meinen Augen. Die Alkoholkrankheit gerät dabei für mich in den Hintergrund, weil es Charakterzüge sind, die auch schon vorher da waren.

es grüßt recht freundlich Yvonne

Eule89
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Eule89 » 02.09.2018, 09:57

Liebe Yvonne,
ich war bisher stille Mitleserin bei dir.
Du bist wütend. Das kann ich wunderbar nachvollziehen. Ich hatte auch so ein Exemplar von der Sorte "Fremdgänger". Es hat mich unendlich viel Zeit, Tränen und Schmerz gekostet damit umzugehen. Und zwar genau so lange bis ich begriffen hatte (durch die Leute hier im Forum), dass mich meine Eut kein Stück weiter bringt. Ganz im Gegenteil. Sie ist hinderlich. Sie hat mich daran gehindert meinen Weg weiter zu gehen. Denn meine Gedanken kreisten immer nur um meinen XY. Und obwohl ich ihn bereits ein Jahr zuvor verlassen hatte (wir hatten immer wieder Kontakt zwischendurch), fühlte ich mich abserviert und "verlassen" als er dann etwas mit seiner Stiefschwester anfing und das dann heraus kam. Noch viel später stellte sich dann heraus, dass es da ein Muster gab, dass sich durch all seine Beziehungen zog. Es gab immer wieder andere Frauen, ob nun körperlich oder nicht, sei mal dahin gestellt.
Irgendwann aber begriff ich, dass ich genau in derselben oder einer ähnichen Situation mit ihm wäre, wenn er nicht saufen würde. Denn das ist nichts, was der Alkohol auslöst.
Wie du siehst, ich kann deine Wut und und deinen Schmerz verstehen. Aber es bringt dich nicht weiter. Erst wenn du das ablegst und diese Phase der Trennung hinter dir lässt, kannst du auch weiter gehen. Und dieser Punkt ist sehr wichtig - für dich und dein Kind.

Ich kann auch nachvollziehen (auch wenn ich selber keine Kinder habe - ich habe aber beruflich mit dem Thema zu tun), dass du dein Kind nicht in die Obhut der beiden geben kannst. Dass du ihnen misstraust, es deinem Expartner nicht gönnst. Aber jeder Vater und jedes Kind hat das Recht auf Umgang. Ist das Kindeswohl gefährdet, schalt das Jugendamt ein. Es gibt auch die Möglichkeit des betreuten Umgangs. Nur mal so als Beispiel.
Ich hoffe du findest deinen Weg und kannst irgendwann deine Wut, deinen Schmerz und deinen Hass überwinden. Denn dann wird es dir besser gehen.

Liebe Grüße
Eule8p

Yvonne78
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Yvonne78 » 02.09.2018, 15:38

Hallo Eule,

jemandem zu sagen, daß er nicht mehr wütend sein soll ist so wie einem Alkoholiker zu sagen, daß er nicht mehr trinken soll. :-(

Ich hatte meine Wut schonmal unter Kontrolle, ließ ihm alles frei was das Kind angeht...aber das war, bevor er sich die Alkoholikerin ins Haus geholt hat, mit der er mich schon vor der Trennung beschi***n hat. Ich gönne es ihm...das ist, was er verdient...aber mein Kind muss nicht in solchen Kreisen aufwachsen. Mein Kind hat ein Recht auf Unversehrtheit...und die können zwei Alkoholiker nicht gewährleisten. Genau das werde ich beim Jugendamt angeben und er kann den betreuten Umgang beantragen. Da er genau das nicht tun wird....er hat noch nie um etwas gekämpft ( er hat schon eine erwachsene Tochter, bei der wars wohl genau so ).

Natürlich bin ich zur Zeit wieder emotional * out off *...ber er lässt ja auch nichts aus, um mich zu demütigen. Was ist es denn, was er als Vater unserem Kind mit auf den Weg geben will? Leider kann ich den Kontakt nicht abbrechen, da der Hausstand immer noch nicht 100 % geklärt ist. Ich habe noch den ganzen Keller voll...den Schuppen...alles sein Zeug und wollte mich eigentlich fair verhalten...ich kann aber nicht mehr. Dieses Rumgeeiere zerrt an meinen Nerven, so daß ich mir morgen die letzten Schlüssel geben lasse.

Eule...ich weiß, daß die Wut mich lähmt, aber ich glaube sie ist besser zu ertragen, als die Trauer, die mich hin und wieder auffrisst. Immerhin habe ich ihn geheiratet, weil ich mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen konnte. Daß das Kind dazwischen steht, liegt im Moment in der Natur der Sache.

Aurora
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Aurora » 03.09.2018, 11:31

Hallo Yvonne,

Wut und Trauer, das gehört auch zusammen. Ein Teil der Trauer ist auch die Wut! Das weiß ich, denn ich habe mich sehr viel auch mit Trauer beschäftigt, beschäftigen müssen, denn ich habe meine Tochter und mein Enkelkind verloren und noch sehr viel andere Dinge. Es gibt verschiedene Trauerphasen, die immer passieren, bei jedem. Wenn man nicht in einer Phase stecken bleibt, was auch oft passiert. Ich weiß aber auch, dass es individuell ist, wie lange verschiedene Phasen dauern.

Ich verstehe deine Verletztheit sehr gut! Denn es ist unheimlich kränkend, was dein XY da macht. Ich verstehe es auch sehr gut, dass du ihm und seiner Freundin dein Kind nicht anvertrauen möchtest. Aus Wut und Traurigkeit heraus. Und aus Angst ob sie noch saufen. Nur weil jemand Alkoholiker ist heißt das aber nicht, dass er nicht zuverlässig ist. Wenn er/sie trocken ist. Was du ja nicht weißt in deinem Fall... Deine Vorsicht ist da nicht falsch.

Mein Mann ist auch Alkoholiker, er ist seit 12 Jahren trocken und einer der zuverlässigsten Menschen, die ich kenne. Er steht voll im Leben, wie jeder andere auch. Weil er seine Krankheit zum Stillstand bringen konnte. Ich schreibe dir das nur mal so als Beispiel, du schreibst ja, wenn du so abfällig über Menschen redest meinst du nur diese bestimmten und nicht alle. Aber ich persönlich finde es gut, sich auch das wirklich klar zu machen. Es wäre schade, wenn du gegen alles und jeden misstrauisch wärst, weil dir diese Dinge passiert sind.

Ich finde es gut, dass du dir Hilfe beim Jugendamt holst!

Viele Grüße
Aurora

Yvonne78
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Yvonne78 » 04.09.2018, 11:11

Hallo Aurora,

vielen dank für deine offene Geschichte...ich bin also doch nicht unnormal :-)
Gestern gabs ein kurzes Gespräch...anfangs mit viel Agression, später etwas gemächlicher....dabei gings um die Operationen, die uns bevor stehen und wer kommt wie wann wohin und so...und wo bleibt das Kind derweil. Ja und da kam plötzlich der Mann zum Vorschein, den ich mal aus tiefster Liebe geheiratet habe. Und heute hab ich Heul-Tag...weil eben diesen Menschen ich schon sehr vermisse und ihn überall sehe.
Letzlich ist beides schwer zu ertragen...Wut wie Trauer...und vielleicht muss man es mir noch 75 x sagen...die Zeit heilt alle Wunden. Im akuten Stadium kann man das eh nicht glauben.
Er hat auch geschworen, daß er mit dem Kind ausschliesslich alleine unterwegs ist. Daß alles Andere keine Option ist, habe ich ihm unmissverständlich klar gemacht....naja...da wollte er dann schon wieder wegradeln...wie immer.
Ich schwöre bei Gott, ich wollte meinen Frieden machen...und es ihm auch so sagen...aber offenbar bin ich noch nicht so weit. Vielleicht hängt er noch zu sehr davon ab, wie sich mein Noch-Mann verhält.

Ich geh weiter heulen...

Aurora
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Aurora » 04.09.2018, 13:45

Hallo Yvonne,

wie kommst du darauf, dass du unnormal bist :shock: ? Ich finde das ganz und gar nicht.

Du bist ganz tief verletzt worden. Das tut doch weh, und wie. Und da hast du gestern ein Stück des Mannes gesehen, der er mal war und den du geliebt hast, kein Wunder, dass du heute Heul-Tag hast. Lass dich einfach mal drücken.

Leider dauert es tatsächlich eine Weile, bis der Schmerz besser wird. Ich meine, du hast ja keinen Schalter im Herzen, den du umlegen kannst und alles ist gut. Das wäre toll, wenn man sowas hätte...
Ich schwöre bei Gott, ich wollte meinen Frieden machen...und es ihm auch so sagen...aber offenbar bin ich noch nicht so weit. Vielleicht hängt er noch zu sehr davon ab, wie sich mein Noch-Mann verhält.
Da ist was dran. Wenn er sich so verhält wie gestern, als du den Mann gesehen hast, der er mal war, dann löst das doch in dir was aus. Es spiegelt dann ein Bild von dem, was du in deinen Wünschen und Träumen gelebt hast, was ihr auch real mal gelebt habt. Dadurch wird der Verlust ja ganz deutlich. Er ist nicht mehr so, vielleicht war er das nie, vielleicht war es die rosa Brille, die du aufhattest? Ich kenne dieses Gefühl sehr gut aus meiner Trennung damals. Da war mein Ex dann plötzlich so, wie ich ihn kennen gelernt hatte und wie ich es mir immer gewünscht hätte. Und das hat mich schon hin und her geschleudert. Ich habe mir dann eine Art Feindbild aufgebaut, auf Anraten meiner Therapeutin. In solchen Momenten habe ich mir dann in mein Gedächtnis gerufen, was alles passiert war und warum ich mich getrennt hatte. Das hat ganz gut geholfen.

Ich wünsche dir trotz Heul-Tag einen guten Tag
Aurora

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