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Können Angehörige wieder vertrauen?

Jede Woche mindestens ein neues Thema zu Themen der Co-Abhängigkeit, für Angehörige und Kindern von alkoholkranken Eltern
Karsten
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Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Karsten » 07.09.2018, 09:57

Hallo,

diese Woche das Thema Vertrauen von Angehörigen.

Angehörige werden ja von Alkoholikern sehr oft enttäuscht, wenn es um Versprechungen geht, dass sie keinen Alkohol mehr trinken werden.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung und weiss, wie lange es dauert, bis Angehörige einen Alkoholiker wieder vertrauen können.

Dem Betroffenen ist es in der Anfangsphase das Misstrauen eher unverständlich, weil sie von sich sehr überzeugt sind, keinen Alkohol mehr zu trinken.
Das erleben wir ja sogar hier. Erst eine große Euphorie und dann?

Bei Angehörigen spielen oft noch Gefühle eine große Rolle.

Wie lange habt ihr gebraucht, um wieder Vertrauen zu einem Alkoholiker aus eurem engen Umfeld aufbauen zu können?

Gruß
Karsten

Morgenrot
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Morgenrot » 07.09.2018, 10:57

Hallo Karsten,

das ist ja zur Zeit mein Thema.
Anfang Oktober ist mein xy 1 Jahr trocken. Das Leben ist stressärmer geworden, aber das Vertrauen muß wieder wachsen, jedenfalls empfinde ich es so.
Nach 30 Jahren Saufzeit kann wohl niemand von den Angehörigen erwarten, das alles gleich gut ist.
Ich finde es aber wichtig, das darüber gesprochen wird.
Im ersten Jahr glaube ich, das der trocken werdende Alkoholiker mit sovielem beschäftigt ist und diesen Punkt oft noch "zurücksetzt". ( Vielleicht kann mir ja hier mal jemand sagen, ob es wirklich so ist. )
Was ich bemerkt habe in diesem knappen Jahr ist, die Distanz die ich in der Saufzeit aufgebaut habe um mich zu schützen, und ich habe den Eindruck, das ich da auch noch Schutz brauche, für mich und trotz aller Verbesserungen.
Ich traue dem "Frieden" noch nicht.


lg Morgenrot

Sunshine_33
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Sunshine_33 » 07.09.2018, 11:40

Hallo,

Bei uns war es so, das mein Partner mir ab dem Tag, wo ich was gegen meine Sauferei tat, auch wieder vertraute.
Er war sich mitunter sicherer als ich selbst, das ich nie wieder trinken würde.
Bei uns kam wohl auch "erleichternd" hinzu, das wir auch gar nicht die hohe Rückfallquote kannten.
Ich wußte zwar, das viele rückfällig wurden, kannte aber keine Zahlen.
Zum Glück, denn das hätte mir sicher noch mehr den Mut genommen.

Meine anderen Angehörigen brachten mir ebenso gleich wieder viel Vertrauen entgegen.
Aber ich denke, auch hier war das Wissen über die Krankheit einfach zu gering, man könnte
also sagen, sie brachten mir auch aus Naivität gleich wieder ihr Vertrauen entgegen.

Es gab aber auch Momente, wo ich merkte, das ihr Vertrauen tief innendrin doch etwas angeschlagen war.
Sie versuchten dann, das zu überspielen und sich nicht anmerken zu lassen, aber ich merkte es doch :wink:
Es betraf aber nur ein paar Kleinigkeiten und da ich trocken blieb seitdem, ist das Vertrauen längst komplett wieder hergestellt.

Ich denke, daran kann man aber auch arbeiten.
Trocken werden bedeutet ja nicht, nur nicht mehr zu trinken. :wink:
Es bedeutet auch, sein Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen, Verantwortung zu tragen und auch zuverlässig zu sein.
Das waren alles Dinge, zu denen ich zu Saufzeiten nicht mehr in der Lage war.
Trocken aber sehr wohl und ich nahm das auch schnell in Angriff.
Das alles sahen ja meine Angehörigen auch und so verwuchsen sich im Laufe der Zeit wohl auch die "Restzweifel".
Zum Glück war mein Partner nie ein CO und konnte mich auch wieder "loslassen", was er auch gern tat.
So konnte ich mein Leben wieder so gestalten, wie ich das wollte und er seines auch.
Und so konnten wir auch zusammen wieder glücklich werden.

LG Sunshine

Carl Friedrich
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Carl Friedrich » 07.09.2018, 21:43

Hallo!

Mir wurde von Anfang an ein großes Grundvertrauen entgegengebracht. Das wollte ich auf keinen Fall enttäuschen. Meine Familie sah, dass ich es wirklich ernst meinte und ich ließ den Worten auch sofort konkrete Taten folgen(regelmäßige Fachliteratur, dieses Forum und die ambulante Therapie). Den Rest durfte ich mir dann langsam, jedoch stetig zurück erarbeiten. Da ich bislang rückfallfrei geblieben bin, hatte ich es auch leichter als andere.

Alles in allem steht der werdende Abstinenzler eindeutig in einer Bringschuld gegenüber seinen Nächsten.

Gruß
Carl Friedrich

Yvonne78
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Yvonne78 » 07.09.2018, 21:55

Hallo,

wenn ich das hier so lese, kann ich mich nur wundern.
So wie ihr es hier schreibt, ist Vertrauen etwas, was kommt und geht und kommt und...einfach so.
Mein Mann hat fast 40 Jahre lang getrunken und mein Vertrauen ist bei Null. Bei so vielen Jahren wird lügen zur Gewohnheit und sowas steckt man doch nicht so einfach weg. Was er jetzt von mir bekommt, ist ein Vertrauensvoschuss...fürs Kind.
Die Ehe ist eh im Eimer...aber das Vertrauen war schon lange vor dem Ende weg. Und selbst wenn wir noch zusammen wären...es hätte ewig gedauert, bis das Vertrauen wieder gewachsen wäre. Das eigene Misstrauen, was man hat, entwickelt ja irgendwann auch so eine Art Automatismus....sowas wischt man doch nicht einfach beiseite, nur weil der andere gerade nicht mehr säuft.

Aber genau das ist es, was mich an der Selbsthilfegruppe so genervt hat....kaum einer sagt, wie es wirklich ist.

Sunshine_33
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Sunshine_33 » 07.09.2018, 23:19

Aber genau das ist es, was mich an der Selbsthilfegruppe so genervt hat....kaum einer sagt, wie es wirklich ist.
Hauptsache Du weißt, wie es "wirklich" ist, Yvonne !
Andere Erlebnisse werden als Lügen abgetan. Kann ja gar nicht anders sein, ansonsten passt es ja nicht in DEIN persönliches Feindbild
vom alles zerstörenden Alkoholiker.
Ich kann Deine Wut verstehen, aber das lag wohl nicht nur an der Sauferei, das diese Ehe gescheitert ist.

Bei Deinen Beiträgen stehen mir echt die Nackenhaare hoch. Ich habe selten hier im Forum so viel Feindseligkeit und Abwertung gegenüber uns Alkoholiker gespürt.
Du scherst alle über einen Kamm, so wie wohl auch andere Menschen, nur damit sie in DEIN Weltbild passen.
Und bekommst dafür auch noch teilweise das Köpfchen gestreichelt, weil CO ja soooo viel Verständnis hat. :roll:
Gerade in Deinem Fall merkt man ganz besonders, das genau dieses Kopfstreicheln dazu führt, im Selbstmitleid festgehalten zu werden.
Das kann ich also echt nicht mehr als hilfreich empfinden, bei allen Wohlwollen und Verständnis.

Sunshine

Yvonne78
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von Yvonne78 » 08.09.2018, 16:55

@Sunshine
Genauso siehts aus...der Alki bekommt Verständnis, der Co meist nicht. Der Alki ist krank...der Co einfach nur...dumm?...oder was??
Der Alkoholiker zerstört...Vertrauen...Liebe...Familien. Das ist nie mein Weltbild gewesen, sondern eine Erkenntnis. Natürlich steckt hinter der Alkoholfassade ein Charakter, der ohne Stoff deutlicher wird. Aber Alkohol zerstört auch Hirn und Emotion des Säufers und zurück bleibt nicht etwa ein betrübter Alkoholiker, sondern das gebrochene Herz von Anderen.
Und natürlich schere ich alle über einen Kamm...denn Alkohol zerstört einfach alles...was gibts da zu diskutieren? Manch einer schafft den Absprung...aber dann zu behaupten, daß alle ganz easy verziehen haben und alles wieder rosig ist im Umfeld......sorry, aber das ist, was Alki´s gerne machen....die Konsequenzen für ihr Handeln nicht tragen so tun, als wär nichts gewesen.

Krankheit hin oder her...allein ihr seid verantwortlich für das Leid, was ihr anderen zugefügt habt.

Sorry...aber du ( und alle anderen Alkoholiker ) bist wohl der allerletzte Mensch, der verstehen könnte, wie es mir geht. Mein Mann ist genauso selbstgefällig wie du und genau deshalb bin ich neuerdings feindselig. Ja ich weiß wie es wirklich ist...denn ich bin wirklich und meine Verletzungen sind wirklich!

sue05
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Re: Können Angehörige wieder vertrauen?

Beitrag von sue05 » 08.09.2018, 19:16

Hallo Yvonne,

hui, das sind ja echt die Klischee-Hämmer, die Du hier raushaust...
Ich bin auch "Alki" und ich frag mich beim Lesen Deiner so hasserfüllten Kommentare, ob es vielleicht sein kann, dass sich Deine Feindseligkeit und Deine Wut auch an Dich selbst richtet? Weil Du es so lange zugelassen hast, dass Dein Ex Dein Vertrauen so missbraucht hat? Und Du Dich vielleicht fragst, ob Du selbst nicht früher etwas für Dich hättest tun können? Soll keine Unterstellung oder Vorwurf sein, sondern einfach mal nur so als Gedankenanstoß! Ich bin nämlich der Ansicht, dass das, was uns an anderen stört oder wütend werden lässt, immer auch etwas ist, was mit uns selbst zu tun hat...

Viele Grüße
Sue

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