Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Auf der Suche nach dem verlorenen Ich...

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Einhorn
neuer Teilnehmer
Beiträge: 22
Registriert: 03.09.2018, 15:51
Geschlecht: Weiblich

Auf der Suche nach dem verlorenen Ich...

Beitrag von Einhorn » 07.09.2018, 17:59

Ein freundliches Hallo an Alle,

irgendwie ist es blöde hier den Text aus meiner Vorstellung zu wiederholen, aber ich möchte einerseits mein Fädchen hier erstellen und anderseits wegen möglicher Rückschlüsse auf meine Person nicht all zuviele Informationen preisgeben.
Das darf dann gerne im erweiterten Bereich erfolgen, den ich beantragt habe.

Fürs erste daher nochmals meine Vorstellung:

Seit einiger Zeit verfolge ich nun hier schon die Beiträge. Zuerst anonym, nun habe ich mich angemeldet in der Hoffnung hier Denkanstöße, Rückhalt und Unterstützung zu finden.
Zu meiner Person:
Ich bin 56 (weiblich) und habe nach 26 Jahren (mehr oder weniger) die Beziehung mit meinem Partner vor einigen Monaten beendet.
Räumlich leben wir bereits seit einigen Jahren getrennt.

Vor einigen Jahren habe ich mich erstmals mit dem Thema Alkoholkonsum/-mißbrauch meines Partners auseinandergesetzt, da ich das vage Gefühl hatte, dass dies mit meinen psychischen Problemen in Zusammenhang steht.
Wie so viele Co-Abhängige habe ich den Aussagen meines Partners vertraut, dass sein Trinkverhalten normal ist.
Ich habe mich daher mit meinen "Schwächen" und Problemen auseinander gesetzt und konnte Dank einer Therapie und einiger Eigenarbeit auch meine Depressionen großteils bewältigen.

Wie ich Euch denken könnt, hat sich dadurch unsere Beziehung eher weiter verschlechtert.
Aber da ich von mehreren Menschen als eigenwillig, - ok auch stur - und bisweilen schwierig bezeichnet werde/wurde, bin ich davon ausgegangen, dass ich mehr an mir arbeiten muss. (Das tue ich regelmäßig und es bringt mir auch viele neue und positive Erkenntnisse).
Mein Beziehungsproblem hat es jedoch nicht gelöst sondern verschlimmert. selbst sachliche Gespräche waren kaum noch möglich. Ich war/bin voll von Aggressionen und anderen negativen Emotionen, die auch körperliche Beschwerden nach sich zogen.

Da einer der Angriffspunkte meines Partners meine Nikotinsucht ist, die ich auch selbst gern in den Griff bekommen würde, habe ich vor einiger Zeit wieder angefangen mit dem Thema Sucht und Abhängigkeit auseinander zu setzen.
Und irgendwie kam dann langsam die Erkenntnis, dass ich nicht nur Nikotinsüchtig sondern auch Beziehungsabhängig von meinem trinkenden Partner bin..
So bin ich dann hier gelandet und hoffe nun mit Eurer Hilfe die Suche nach dem verlorenen Ich fortzusetzen.

Yvonne78
neuer Teilnehmer
Beiträge: 73
Registriert: 30.07.2018, 04:52
Geschlecht: Weiblich

Re: Auf der Suche nach dem verlorenen Ich...

Beitrag von Yvonne78 » 07.09.2018, 20:37

Hallo und herzlich willkommen....

.....du erinnerst mich stark an mich selbst. Ich bin / war selbst Co-Abhängige und mein Mann schmiss mich/ unsere kleine Familie nach der Therapie einfach weg, um mit einer Alkoholikerin neu anzufangen. Unnötig zu erwähnen, wie der Hass mich drohte aufzufressen. Letzendlich kann man nichts weiter tun, als ganz weit weg zu laufen. Wie schwer das ist erlebe ich selbst jeden Tag. Kopf und Herz sind sich spinnefeind und man fechtet jeden Tag aufs Neue einen inneren Krieg aus, der unendlich und ausweglos scheint. Jeder sagt einem, daß die Zeit die Wunde heilt. Der Kopf stimmt dem zu...das Herz hört nicht hin. Wenn es ganz schlimm ist ( so wars bei mir ) äussert sich der Kummer sogar körperlich. Ich hatte im wahrsten Sinne des Wortes Herzschmerzen und kann nicht essen.
Ich kann dich gut verstehen, zumal der Verursacher deines Kummers sich warscheinlich trotzdem gut fühlt, während du leidest.

Ich kann dir leider nichts raten, da ich selbst noch in einer akuten Phase bin. Heultage wechseln sich mit Wuttagen ab, ich bin totunglücklich und fühle mich einsam. Meine Hassgefühle werden schwächer, weil viele Menschen auf mich einreden...also Menschen denen ich wichtig bin. Leider ist es immer noch so, daß meine Gemütsverfassung davon abhängt, wie er sich verhält. Wochenende ist schlimm, da hat er seine Neue da...ausserdem haben wir ein Kind ...Kontakt ganz abbrechen wäre für mich besser, aber für´s Kind nicht. Es ist alles verkorkst und verheddert, aber die Zeit wirds zeigen...das war immer so.

Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Weg...er ist gut und richtig

LG Yvonne

Gotti
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3501
Registriert: 04.02.2008, 20:01

Re: Auf der Suche nach dem verlorenen Ich...

Beitrag von Gotti » 08.09.2018, 07:00

Hallo Einhorn ! Herzliches Willkommen im Forum! :!:
Gut, dass du hierher gefunden hast, und dich austauschst. Das ist wichtig, denn im "eigenen Saft" brüten nützt keinem was. Schon gleich gar nicht deiner "Sturheit" oder sonstwelchen "Marotten", die wir alle haben! Läger alleine leben bringt das sowieso mit sich. Ich kenne mich da aus. :roll:
Meine beste Hilfe, mich zu finden, war die Reha, die ich vor zwei Jahren, in der für mich besten Klinik, fünf Wochen lang durchzog!
Ziehen musste ich damals wirklich viel! Erst mal mich dorthin, weil soooo weit von zuhause, dann gleich fünf Wochen, dann viel Sport und Gymnastik (körperliches Ziehen), dann ziehen an den Nerven, weil teilweise anstrengende Therapien und Mitpatienten, und zuletzt ziehen, weil Heimreise und Auszug aus dem gewohnten Leben! Und das zog ich dann durch, trotz Gebirge im Weg in Form von vielen persönlichen Schwierigkeiten zuhause, auf der Arbeit.... Meine Freundinnen stärken mich auch heute noch, indem sie mir zusagen, wie stolz sie auf mich sind, und ich mich selbst fühlen darf.
Zum Thema: Suchtbekämpfung - ich habe eine gute Zeit lang sehr viel mit meinem Mann mitgetrunken. Ich finde, viel. Aber ich habe es ehrgeizmäßig in den Griff bekommen. Ich wollte ihm beweisen, dass es geht. Viele Jahre lebte ich völlig abstinent. Um ihm zu helfen. Aber dazu hätte er erst mal eine richtige Therapie gebraucht.
Ich hatte jahrelang Therapie, und für MICH gelernt, dass ich mein Leben ganz alleine in den Griff bekommen kann und es jetzt jeden Tag tue. Es gibt auch Momente, wo ich mich alleine fühle, einsam.. die halte ich aus!,... , aber dann gibt es auch wieder Menschen, die ich anrufen kann, besuchen kann, die mich besuchen kommen, ich kann rausgehen .... Ich wage immer wieder Neues und tue mir immer wieder Gutes, denn dann vergehen ganz schnell die Sorgen! Meine neuestes "Projekt" wird ein altes Projekt - Fitnesstraining. Gezielte Übungen für meinen altersschwachen Rücken usw. In meinem Thread ( Ganz am Anfang, und doch mittendrin ) kannst du meine Geschichte von Anfang an lesen.
Für heute habe ich dich aber genug zugeschwatzt. :roll: :) Ich wünsche dir noch viele gute Posts und Hilfen, um deinen neuen Weg zu finden. Wichtig ist auch, Hinfallen ist normal, nur liegenbleiben nützt keinem was!
Liebe Grüße, Gotti.

Einhorn
neuer Teilnehmer
Beiträge: 22
Registriert: 03.09.2018, 15:51
Geschlecht: Weiblich

Re: Auf der Suche nach dem verlorenen Ich...

Beitrag von Einhorn » 08.09.2018, 11:07

Hallo und guten Morgen Yvonne78,
Danke für Deine Worte. Inwiefern erinnere ich Dich an Dich selbst?

Du schreibst, Deine Hassgefühle werden weniger weil so viele Menschen auf Dich einreden...?
Da sehe ich die Gefahr, sich wieder von anderen beeinflussen zu lassen.
Hass ich ein mächtiges Wort. Wut und Zorn ok, die gibts auch bei mir noch hin und wieder: Aber deutlich weniger.

Mir persönlich hilft es wenn ich mich als Soforthilfe erstmal vor dem Auslöser in Sicherheit bringe.
Maßnahme Nr. 2 ist dann tief und bewußt atmen und dann nehm ich mir falls es grad möglich ist meine Entspannungsmusik und versuche von 180 zumindest auf 120 runter zu kommen, so dass ich wieder halbwegs klar denken kann.
Hilft nicht immer, aber immer öfter.

Für mich ist es aber wichtig sich danach damit auseinander zu setzen. Sich zu fragen welche Situation hat die Wut ausgelöst? Warum bin ich wütend? Meistens muss ich mir dann eingestehen, dass ich entweder Erwartungen hatte, die enttäuscht wurden, oder neidisch bin weil andere etwas bekommen was ich selbst gerne hätte. Insofern kann die Wut helfen eigene Bedürfnisse zu erkennen.
Wenn ich mir dann über meine unerfüllten Bedürfnisse klar werde, schlägt die Wut dann oft in Traurigkeit um. Manchmal auch in Verzweiflung und Selbstmitleid.
Nicht unbedingt weil mein XY diese Bedürfnisse nicht mehr stillen kann, sondern weil ich keine Ahnung habe wie ich bestimmte Bedürfnisse selbst stillen kann. Dann fühle ich mich einsam und neige dazu mich zu verkriechen.

Morgenrot
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 13822
Registriert: 29.02.2008, 12:36

Re: Auf der Suche nach dem verlorenen Ich...

Beitrag von Morgenrot » 08.09.2018, 11:47

Hallo Einhorn,

herzlich Willkommen bei uns, in unserer Onlineselbsthilfegruppe.
sondern weil ich keine Ahnung habe wie ich bestimmte Bedürfnisse selbst stillen kann.
das ist eine Entwicklung, und dafür solltest du dir die Zeit nehmen, die du brauchst, und dich nicht entmutigen lassen, wenn es immer wieder mal schief geht.
Ich bin seit 10 Jahren hier, und hab da auch immer wieder Probleme.

Es ist wichtig, sich Wut und durchaus auch Hassgefühle einzugestehen, die hatte ich auch. Noch viel wichtiger ist es aber, da heraus zu kommen, denn diese Gefühle lähmen auch sehr stark, und führen mitten ins Selbstmitleid.
Wobei wir uns das auch manchmal zugestehen dürfen.
Es ist aber wichtig, sich auch die eigenen Anteile anzusehen, das heißt aber in keiner Weise, das ich in irgendeiner Form schuld bin am Trinken eines anderen.
Ich unterstütze es aber unbewußt in vielen Dingen.
Mit einem nassen Alkoholiker ist kein sinnvolles Gespräch möglich, das hast du bestimmt schon bemerkt.
Das er dich auf deine Nikotinsucht hinweist ist seine Taktik.
Er möchte in Ruhe trinken und haut dir Themen um die Ohren, wo du erst einmal knabberst, und dich hinterfragst. Schon ist das Thema Alkohol in den Hintergrund gedrängt, und er kann weitermachen.
Versuche dir nicht von anderen einreden zu lassen, wie du bist oder sein solltest, sondern fang an, dich um dich zu kümmern, damit es dir besser geht.

lg Morgenrot

Einhorn
neuer Teilnehmer
Beiträge: 22
Registriert: 03.09.2018, 15:51
Geschlecht: Weiblich

Re: Auf der Suche nach dem verlorenen Ich...

Beitrag von Einhorn » 08.09.2018, 11:50

@Gotti
Danke für Deine Worte
Ja das brüten im eigenen Saft, dass kenne ich. Meistens bin ich ja gerne alleine und denke über Gott und die Welt nach.
Wenn es mir allerdings schlecht geht, hab ich oft Schwierigkeiten da alleine wieder rauszufinden.
Mit Freunden ist das so eine Sache, ich hab mich selbst ja sehr isoliert. An dieser Baustelle gibt es noch viel zu arbeiten.
Aber das setzt Vertrauen in andere Menschen und auch in sich selbst voraus, Daran hapert es auch.
Es fällt mir auch schwer, andere so zu akzeptieren wie Sie sind. Meistens ziehe ich mich dann zurück weil ich mich unverstanden fühle.
Manche Verhaltensweisen sind für mich so deutlich, dass ich immer denke andere müssten das doch auch erkennen und zumindest so ähnlich sehen wie ich.
Das sind wohl Symtome der Co-Abhängigkeit.
Mein XY hat mir z.B. immer gesagt, unsere Beziehung wäre doch in Ordnung. Es sei doch normal das irgendwann alles weniger wird und einschläft. Das man nebeneinander herlebt und sich nichts mehr zu sagen hat. Man kennt sich eben. "Beziehungsarbeit" ist nicht nötig. Entweder es passt oder es passt eben nicht. Meine Vorstellungen von Beziehung seien einfach falsch, unrealistisch und zu "romantisch" und ich würde ohnehin alles tot diskutieren wollen. Ok vielleicht hat er Recht.
Aber da ist dann das kleine Teufelchen in mir, welches sagt schau Dich um. Es gibt so viele Paare in langjährigen Beziehungen da läuft es irgendwie anders. Oder hat zumindest den Anschein.
Meine Vorstellungen sind es nicht, nebeneinander auf dem Sofa zu sitzen, Klatsch und Tratsch auszutauschen, sich von der Glotze verblöden zu lassen und als Highlight mal zusammen essen zu gehen und sich Nachts gegenseitig was vorzuschnarchen. Dafür fühl ich mich viel zu jung.
Ich hab es trotzdem mitgemacht weil er es so wollte. Im Lauf der Jahre wurde ich immer unzufriedener. Bier und Glotze und schon stieg mein Aggressionsspiegel. Klatsch und Tratsch? Hallo? Haben wir nicht genug Dreck vor unserer eigenen Tür? Essen gehen? Im Prinzip nicht schlecht, aber immer nur Konsum und immer mit Alkohol.


Sorry, ist schon wieder ein langer Post geworden. Ich schweife oft ab und kann nicht auf den Punkt kommen

Einhorn
neuer Teilnehmer
Beiträge: 22
Registriert: 03.09.2018, 15:51
Geschlecht: Weiblich

Re: Auf der Suche nach dem verlorenen Ich...

Beitrag von Einhorn » 08.09.2018, 11:52

@ Danke Morgenrot
Diese Erkenntnis dämmert mir auch so langsam seit ich den Verdacht habe dass der Alkohol für seine Verhaltensweisen verantwortlich ist

Einhorn
neuer Teilnehmer
Beiträge: 22
Registriert: 03.09.2018, 15:51
Geschlecht: Weiblich

Re: Auf der Suche nach dem verlorenen Ich...

Beitrag von Einhorn » 08.09.2018, 13:57

:?: Frage an alle weil mich ein Thema gerade ziemlich beschäftigt. :?:

Ich habe meinem XY gegenüber nie klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, Warum ich mich entziehe.
Hab zwar gemeckert wegen Alkohol, ihm auch seinen Konsum vorgeworfen, aber nie ein Ultimatum gestellt oder so etwas in der Art,
Ich hatte und habe immer noch Angst, ich weiß ja wie er reagiert wenn ich das A.. Wort auch nur anspreche.

Ausgezogen bin ich eher unter einem Vorwand und die ganzen Jahre hab ich ja mehr auf dem Thema Beziehung rumgehackt weil ich dachte das wäre unser Problem. Ich habe ihm nur mitgeteilt, dass unsre Beziehung beendet ist. Ohne weitere Erklärung.

Andererseits weiß ich wie blöd das ist, wenn sich jemand einfach so ohne Feedback zurückzieht. Es nimmt einem die Möglichkeit damit auseinander zu setzen. Und es wirft viele Fragen auf. Vielleicht sogar bei einem Alkoholiker?

Da ich über gemeinsame Bekannte gehört habe, dass er gar keine Ahnung hat warum ich so komisch bin und mich von ihm distanziere, bin ich am überlegen, dass ich ihn wenigstens über die Gründe aufklären sollte.

Was ist Eure Meinung?
Und wie könnte man das sachlich darstellen?

Antworten