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Ich will da endlich raus

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Ziele
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Re: Ich will da endlich raus

Beitrag von Ziele » 11.09.2018, 21:00

@Hull

Was hat meine biologische Uhr damit zu tun? Ich denke jeder Mensch wünscht sich jemanden der ihm nahesteht, du nicht? Das ist doch völlig normal oder ist das für dich nicht so? Unternehmensaufbau als ideologische Handlung?
Meinst du wirklich dass man als Ersatz für eine Partnerschaft etwas aufbauen kann, woran man kein Interesse hat? Ich sagte, dass mich meine Kreativität erfüllt aber nur arbeiten, kann ich auch nicht. Auch ich muss meine Batterien auftanken und das macht zu Zweit sicher mehr Spaß als alleine und ich bin sehr gerne und gut mit mir alleine. Aber irgendwann ist Schluss und irgendwann fühlt man sich eben einsam.

Morgenrot
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Re: Ich will da endlich raus

Beitrag von Morgenrot » 11.09.2018, 23:25

Hallo Ziele,
Mir wird immer wieder versucht einzutrichtern, dass meine Wahrnehmung nicht stimmt, dass meine intuitiven Gefühle nicht stimmen (Vater u. XY)
das kenne ich sehr gut, und es ist eine bewährte Strategie bei nassan Alkoholikern, sie dient der Ablenkung vom eigentlichen Thema.
Also wird deine Wahrnehmung in Frage gestellt, und ein "guter" CO springt darauf an, und sucht mal wieder die Schuld bei sich.
Wir hatten dieses Thema mal bei einer Forttboldung über Sucht am Arbeitsplatz. Der Referent selbst war trockener Alkoholiker und arbeitet bei unsd im Betrieb in der Suchtberatung.
Er hat uns erzählt, wie wichtig es ist seiner Intuition zu vertrauen und das in fast 99% der gemeldeten Fälle, der Intuition richtig war.
Ich bin auch immer wieder ins zweifeln gekommen, das meinte ich in meinem ersten Beitrag mit den erlernten Mustern, schon quasi aus deiner Kindheit.
Da wurden dir vielleicht auch deine Beobachtungen "ausgeredet" , und solche Dinge setzen sich fort.

Ich sage Karsten Bescheid, damit er dich freischaltet.

lg Morgenrot

Ziele
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Re: Ich will da endlich raus

Beitrag von Ziele » 12.09.2018, 12:41

@Morgenrot

Natürlich wurden mir meine Wahrnehmungen ausgeredet. Vater suggerierte der Mutter und die wiederum suggerierte mir, dass das alles nicht so ist, wie ich das sehe. Ich wurde als das schwarze Schaf abgestempelt, welches nicht auf die Eltern hört, ich war an allem Schuld. Ich war die Böse. Getrunken hat aber mein Vater, nicht ich. Das ich primär deswegen Schei++e gebaut habe, damit mich mal jemand wahrnimmt und sich mit mir befasst, dass hat keiner gesehen. Ich habe vieles aufgearbeitet, vieles verstehe ich jetzt. Durch die Aufarbeitung kann man mir meine Wahrnehmung nicht so schnell austreiben.
(Gott sei Dank - ich bin da kein "guter" Co) Ich bin ein sehr intuitiver Mensch und kann guten Gewissens behaupten, dass ich mit meinem Bauchgefühl fast immer richtig liege. XY hat versucht bzw. versucht noch immmer mir glaubhaft zu machen dass ich die Dinge falsch wahrnehme und mir das alles einbilde.

Es macht mich so unendlich traurig, dass sich eine geliebte Person buchstäblich in den Tod säuft, nichts isst und in so kurzer Zeit so dünn und zerbrechlich geworden ist. Es ist psychisch und physisch nicht mehr zu übersehen. ich war geschockt als ich ihn nach vier Monaten gesehen hab. Er will sich keine Hilfe holen, und ich werde niemanden in den Tod begleiten, denn genau so fühle ich mich. Ich fühle mich als Sterbehilfe. Ich habe das Gefühl, dass er nicht mehr Leben will aber eine Person benötigt, die ihn quasi in seinem letzten Abschnitt begleitet. Leute er ist erst 40ig geworden. Es ist das erste Mal, dass ich schreibe, was ich wirklich empfinde und sehe. Es ist so unheimlich schwer für mich loszulassen, obwohl ich ganz genau spüre, wie sehr er leidet, ich sehe es in den Augen. All das kann ich in den Augen erkennen aber andererseits, wenn ich an diese Gleichgültigkeit und Kälte mir gegenüber denke, werde ich so böse, dass ich in sekundenschnelle von Mitgefühl auf Eiseskälte schalte.

Ich lese gerne im Bereich der trockenen Alkoholiker, da konnte ich viel für mich mitnehmen und besser verstehen. Die sind da viel mehr auf sich fokussiert und schauen auf sich. Ich denke, da kann man so einiges daraus lernen.

Ziele
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Re: Ich will da endlich raus

Beitrag von Ziele » 13.09.2018, 17:55

Ich habe für mich festgestellt, dass ich aufgrund von Einsamkeitsgefühlen dazu neige zu verzeihen. Aufgrund von Einsamkeit habe ich so oft verziehen und das Ergebnis davon war, dass ich mich danach nur noch schlechter gefühlt habe. Die Menschen an denen mir viel gelegen war, habe mich nur noch mehr verletzt. Mir fällt es momentan wirklich schwer klare Gedanken zu fassen und obwohl ich mir vieles von der Seele schreiben möchte, weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Je mehr ich versuche Dinge zu unternehmen, aktiv auf andere zuzugehen, desto weniger gelingt es mir. Auch das jetzt doof klingt, es ist so als ob der da oben mich zum Alleinsein verdonnert hat. Wie habt ihr es geschafft, Abstand von euren alkoholkranken Partnern/Eltern zu nehmen, was habt ihr für euch unternommen?

Yvonne78
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Re: Ich will da endlich raus

Beitrag von Yvonne78 » 13.09.2018, 20:13

Ich grüße dich,

Einsamkeit ist furchtbar und macht krank. Aber Einsamkeit sucht man sich auch aus...ob gewollt oder nicht. Allein deine Angst vor der Einsamkeit nimmt dir die Möglichkeit, ihr zu entfliehen. Ich habe gut reden, denn ich habe ja noch meine beiden Kinder. Aber die klaffende Wunde im Herzen, die, die mein Mann mir hinterlassen hat, hat auch mich in gewisser Weise einsam werden lassen.Ich habe mich von Trauer und Wut beherrschen lassen...2 Dinge, die nicht zulassen, daß die Wunde heilen kann. Jetzt, nach unzähligen Gesprächen ( auch mit meinem Mann, der sein wahres Gesicht zeigte )mit Menschen, die mich nie verletzen würden und viel Geschreibe hier, habe ich inneren Frieden gefunden. Mir ist klar geworden, daß irgendwo da draussen jemand nur auf mich wartet...jemand, der mein Herz auf´s Neue berührt und vergangenen Schmerz vergessen lässt. Und egal wie traurig oder wütend ich bin....die Sonne scheint trotzdem und das Leben geht weiter.
Es gibt da eine uralte Weisheit: nur wer sich selbst liebt, kann auch von anderen geliebt werden. Schau mal in dich hinein, verinnerliche dir das und erkenne deinen Wert. Du hast es nicht nötig, dir Zuneigung zu*erarbeiten*...Demütigungen für ein bißchen falsche Liebe zu ertragen...das hast du nicht verdient und das musst du für dich erkennen.

Was habe ich unternommen?..was man als Frau eben macht: ich habe eines Tages mein Trauerkloßkostüm abgestreift, mich vor den Spiegel gestellt und ein bißchen geschminkt ( mache ich sonst nur für Weihnachten )...was Nettes angezogen und bin erhobenen Hauptes einkaufen gegangen. Von diesem Tag an geht´s mir gut. Mein Mann hat mich nicht verdient, denn ich bin wertvoll und viel zu schade für diesen kaputten Menschen.

Ich wünsche dir ganz viel Mut für das Leben

Ziele
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Re: Ich will da endlich raus

Beitrag von Ziele » 13.09.2018, 22:07

Hallo Yvonne,

ja, es geht mir im Moment nicht so gut. Ich sehe im Spiegel zwar eine attraktive Frau, aber eine sehr traurige attraktive Frau. Und du hast Recht, allein die Angst vor Einsamkeit und Trauer nimmt mir die Möglichkeit dem zu entkommen.. Nein, ich habe es nicht verdient für ein bisschen falsche Liebe diverse Demütigungen zu ertragen, ich weiß dass auch in meinem Kopf aber an der Verinnerlichung happert es noch und daran muss ich arbeiten, deswegen bin ich auch hier. Hätte ich das schon verinnerlicht, ware ich sicher nicht in einer Beziehung mit einem Alkoholiker gelandet. Es ist schön zu lesen, dass es dir wieder besser geht, das gibt mir Mut und Hoffnung.

Lg Ziele

Yvonne78
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Re: Ich will da endlich raus

Beitrag von Yvonne78 » 14.09.2018, 08:18

Guten Morgen,

weißt du...meine Mama hat zu mir gesagt: wie man sich fühlt trägt man nach aussen. Wut und Trauer machen den schönsten Menschen hässlich.Ich selbst würde auch nie Kontakt zu Jemandem aufnehmen wollen, der sowas ausstrahlt. Ich würde dir so gerne sagen, wie du den Cut hinbekommst, aber jeder ist ja anders. Bei mir war´s ja wie gesagt der unsägliche Blödsinn, den mein Noch-Mann von sich gegeben hat. Mit jedem Wort erhob sich mein Haupt...mein Stolz hat mich sozusagen an den Haaren gezogen und mir so lange in´s Ohr geflüstert : das hast du nicht nötig...er lügt..ist krank...rette dich selbst....DAS LEBEN IST SCHÖN ...bis es Klick gemacht hat. Es tut mir natürlich nach wie vor leid um die Liebe die ich investiert habe, aber ich hatte ja auch was davon.
Und: in einer Beziehung mit einem Alkoholiker landet man aus manigfaltigen Gründen. Ich z.Bsp. hab´s schlicht nicht gewusst und bin da ganz gemächlich hineingeglitten....wie der Frosch auf der Herdplatte :-) So würde ich mich NIEMALS auf einen Spritti einlassen. Andere widerum geraten nur an solche...es ist ein Muster entstanden. Aber wie auch immer...auch ein Co braucht oft Hilfe, macht einen Entzug durch und viele erleben Rückfälle...wie der Kranke selbst.

Ich habe mir vorgestern nochmal einen Termin bei unserer Familien-und Suchtberatung geholt. Die kennen meinen Mann noch von Ende letzten Jahres und da will ich mich nochmal ausschütten, vielleicht ein paar Erklärungen und dann ist Schluss mit dem Thema.

Ziele, merk dir mal was: WIR sind schön...WIR sind schlau...WIR sind besser !!!!!!!!!

Rattenschwanz
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Re: Ich will da endlich raus

Beitrag von Rattenschwanz » 14.09.2018, 09:39

Yvonne78 hat geschrieben:
14.09.2018, 08:18

WIR sind besser !!!!!!!!!
Besser als was?

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