Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Miteinander oder Gegeneinander?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
Hull
neuer Teilnehmer
Beiträge: 206
Registriert: 06.04.2017, 13:12

Re: Miteinander oder Gegeneinander?

Beitrag von Hull » 16.09.2018, 13:09

Sunny1976 hat geschrieben:
16.09.2018, 12:30
Ich bin ein Mensch, der nicht gerne aneckt, der lieber Freunde als Feinde hat und immer Angst hat, doch etwas falsches zu schreiben. Das ist zwar schon etwas besser geworden als früher, aber als ich am Freitag Abend den Beitrag in Ziele's Faden geschrieben hatte, da hatte ich ehrlich gesagt schon Angst, das auf mich "eingedroschen" wird. Klar, auch mein persönliches Problem, aber es wäre einfach schön, wenn das Vertrauen gemeinsam wieder aufgebaut werden könnte.
Hallo Sunny,

das ist meines Erachtens die entscheidende Aussage und der Grund, weshalb Menschen mit diesen Charakterzügen leicht in die Rolle des "Co-Abhängigen" rutschen. Genau genommen, rutschen sie auch nicht durch Zauberhand dort hinein, sie leisten schon (unterbewusst) einen guten Beitrag zur Unterwerfung. Es ist durchaus interessant und lässt sich in alltäglichen Situationen leicht beobachten, bei den meisten Begegenungen zweier sich fremden Menschen ist nach einer kurzen Zeit - manchmal nach Sekunden - sofort klar, wer unterwirft und wer unterworfen wird. Im Tierreich wurde dieser sogar überlebensnotwendige Mechanismus perfektioniert.

Um aber - wie oft gewünscht - bei den eigenen Erfahrungen zu bleiben und selbst ein Beispiel des eigenen Innenlebens mitzuteilen: Sonach schreibe ich z. B. am Abend hier etwas, wovon ich weiß, dass es durchaus kontrovers diskutiert werden dürfte, anschließend gehe ich zu Bett und habe am nächsten morgen im Prinzip "vergessen", dass ich etwas Kontroverses geschrieben habe. Natürlich habe ich es nicht vollständig vergessen, aber die möglichen Antworten auf meinen Beitrag, die mich vielleicht angreifen könnten usw. werden gar nicht erst als Bedrohung wahrgenommen. Was soll uns in unserem kleinen Leben auf dieser Welt auch großartig passieren?

Vielleicht ist somit nicht der Umgangston das Problem - denn meines Erachtens herrscht in diesem Forum eine normale rücksichtsvolle Umgangsart, verglichen mit allen anderen Foren oder gar der Berufswelt usw. - sondern das Problem ist eher die verletzbare Wahrnehmung und eine gewisse Lebensangst. Natürlich habe ich so etwas nie selbst gefühlt, aber ich kann dir dennoch sagen, dass auch ich gewisse Erlebnisse in meiner Kindheit hatte, diese in mir aber nur ein "jetzt erst recht" auslösten und mir so vielleicht auch die alltäglichen Probleme als lächerlicher erschienen als bei anderen Menschen.

Grüße

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 31803
Registriert: 04.11.2004, 23:21
Geschlecht: Männlich

Re: Miteinander oder Gegeneinander?

Beitrag von Karsten » 16.09.2018, 14:34

Hallo Sunny,

Angst, hier etwas zu schreiben, sollte keiner haben.
Hier ist keiner besser oder schlechter, sondern nur in unterschiedlichen Lebenssituationen.

Ich selbst bemühe mich auch öfter, "jemanden zur Seite zu stehen", wenn ich merke, er oder sie kommt in der von Hull beschriebenen Unterwerfungsrolle.

edit: Gerade die etwas dominanten Schreiber haben ja einen Grund zum nachdenken, nämlich warum sie denn so eine dominante Rolle einnehmen ( müssen ) ?
Gruß
Karsten

Hull
neuer Teilnehmer
Beiträge: 206
Registriert: 06.04.2017, 13:12

Re: Miteinander oder Gegeneinander?

Beitrag von Hull » 16.09.2018, 17:10

Karsten hat geschrieben:
16.09.2018, 14:34
Hallo Sunny,

Angst, hier etwas zu schreiben, sollte keiner haben.
Hier ist keiner besser oder schlechter, sondern nur in unterschiedlichen Lebenssituationen.

Ich selbst bemühe mich auch öfter, "jemanden zur Seite zu stehen", wenn ich merke, er oder sie kommt in der von Hull beschriebenen Unterwerfungsrolle.

edit: Gerade die etwas dominanten Schreiber haben ja einen Grund zum nachdenken, nämlich warum sie denn so eine dominante Rolle einnehmen ( müssen ) ?
Gruß
Karsten
Hallo Karsten,

gleichzeitig könnte man fragen, weshalb die Unterworfenen diese Rolle einnehmen (müssen). Nur die menschliche Moralvorstellung, dass dem Unterworfenen geholfen werden muss, sorgt dafür, dass diese Frage nicht in beide Richtungen gestellt wird. Wer sich ein wenig mit der Evolutionstheorie des Menschen beschäftigt, mag vielleicht feststellen, dass erst mit dem Wohlstand ein aktiver Eingriff in das "Überleben des Stärkeren" stattfindet, sozusagen ein Experiment ungewissen Ausgangs.

Wenn wir von sadistischer Dominanz absehen (diese ist zu verurteilen), wird das bloße selbstsichere Auftreten von den Unterworfenen aber auch gerne zu einer Dominanz stilisiert, da es zu anstrengend oder ausweglos erscheint, sich mit diesen Menschentypen zu messen. Jeder kennt Wettbewerbstypen, Visionäre der Wissenschaft, sprich - Erfolgstypen, die alle in einem gewissen Sinne dominant sind oder zumindest ohne Kompromisse an die Erreichbarkeit des "Unmöglichen" glauben und dabei alle Hindernisse aus dem Weg räumen, sonst hätten sie eben keinen Erfolg. Diese "Dominanz" ist ganz einfach notwendig und letztlich das, was diese Menschen ausmacht; bloße Intelligenz oder Begabung reicht dafür nicht aus. Dass dies bei Gebieten, für die es im Prinzip egal ist, dominant zu sein, nicht gänzlich abgeschaltet werden kann, ist doch legitim. Ebenso legitim, wie zurückhaltende Personen nur selten und unter äußerster Vorsicht dann etwas möglichst sympathisches schreiben. Für mich ist weder das eine noch das andere problematisch. Die Frage, die man sich bei diesen Beiträgen allerdings auch stellen dürfen sollte, ist, inwiefern das Angepasste nun irgendetwas bringen sollte, außer vielleicht das Harmoniebedürfnis mit den Gleichgesinnten zu bekunden.

Grundsätzlich stimme ich aber zu, dass gerade in der jetzigen Situation in Deutschland haufenweise ziellose Menschen herangezüchtet werden, die im fortschreitenden Stadium des Narzissmus alle dominant sein möchten, obgleich keine echte Berechtigung oder kein echter Antrieb dafür vorhanden ist. Diese Folgen bekommen wir natürlich in allen Bereichen und somit auch im Forum zu spüren, überall färbt sich diese Orientierungslosigkeit auf die Verhaltensweisen der Menschen ab. Es werden Fronten gebildet, gut gegen böse, schwarz gegen weiß, Männer gegen Frauen usw.

Grüße

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 31803
Registriert: 04.11.2004, 23:21
Geschlecht: Männlich

Re: Miteinander oder Gegeneinander?

Beitrag von Karsten » 16.09.2018, 17:21

Hallo Hull,

wenn ich von mir ausgehe, habe ich genug Selbstbewusstsein, dass ich mich auch bei dominanten Menschen durchsetzen kann.
Sonst hätte ich das hier nicht 14 Jahre ausgehalten :)
Wir habe hier schon Tausende gehabt, die glaubten mit Wissen alleine nüchtern und trocken werden zu können und endlose Diskussionen führen wollten.
Letztendlich zählt nur die dauerhafte Nüchternheit und dafür muss man kein großes Wissen haben.

Da die Gesellschaft so ist, es hier auch ab und zu mal vorkommt, bin ich gerne bereit, den etwas Schwächeren ( wobei ich das eher so sehe, dass sich jemand nicht richtig ausdrücken kann, denn Angst sollte hier niemand haben müssen, was das Wort schwach vielleicht suggerieren könnte ) zu helfen.

Ich habe schon oft geschrieben, dass ein lernen aus einem Erfahrungsaustausch darin besteht, den anderen zu der Überzeugung zu bringen, die Erfahrungen annehmen zu wollen und nicht zu müssen.

Gruß
Karsten

Cadda
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 597
Registriert: 04.09.2017, 20:53

Re: Miteinander oder Gegeneinander?

Beitrag von Cadda » 16.09.2018, 17:41

Zum Thema hab ich genügend geschrieben, aber ich möchte Dir noch antworten, Sunny:

Es gab keinen Grund, auf Dich „einzudreschen“, denn Du hast Deine Meinung zwar deutlich, aber nicht verletzend geschrieben. Ich fand das Geschriebene auch gut und ich habe darüber nachgedacht. Man muss sich halt auch mal in die Lage des Schreibers versetzen und Kritik annehmen. Wenn man das so vorträgt, wie Du, dann erreicht mich das auch.
Im übrigen freut es mich, dass Du aus meinem Beitrag (vor dem Streit) etwas mitnehmen konntest.

Vielleicht bringt diese ganze Diskussion ja etwas Positives mit sich. Ich würde es schön finden, denn ich lese gern auch bei den Co‘s und kann da auch für mich viel mitnehmen. Zum Einen, weil ich es gefühlsmäßig immer noch nicht ganz auf die Reihe bekommen habe, mich genügend von meinem Ex-Partner abzugrenzen (der leider trinkt), aber nicht nur deshalb. Auch als Alkoholikerin.

Wir haben letztendlich hier alle etwas gemeinsam:
Die schlechte Erfahrung mit Alkohol.

Sunny1976
neuer Teilnehmer
Beiträge: 30
Registriert: 03.10.2017, 10:58

Re: Miteinander oder Gegeneinander?

Beitrag von Sunny1976 » 16.09.2018, 19:57

Hallo Hull, ich fühle mich weder als schwacher Mensch noch als eine Unterworfene. In vielen Bereichen in meinem Leben bin ich sehr stark, habe Selbstbewusstsein und bin auch dominant. Das sind die Bereiche, wo ich sehr gut bin!

Diesen speziellen Charakterzug von mir, den Du beschreibst, ist auch ein Teil von mir. Und ich gebe Dir auch recht, das ich dadurch leicht in die Co-Abhängigenrolle gerutscht bin. Du hast letztens einen Beitrag mit dem Thema "Gier" eröffnet. Dort beschreibst Du einen Wesenszug von Dir, nichts in normalem Maß machen zu können. Ist dies nicht auch ein typischer Wesenszug, um in eine Sucht zu geraten?

Penta
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2439
Registriert: 19.06.2010, 19:51

Re: Miteinander oder Gegeneinander?

Beitrag von Penta » 16.09.2018, 20:34

Hallo Sunny,
vielen Dank für deinen Beitrag.
Ich freue mich, dass du hier und anderswo von dir schreibst.
Viele Grüße, Penta

Antworten