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Gegeneinander oder miteinander austauschen?

Jede Woche mindestens ein neues Thema zu Themen der Co-Abhängigkeit, für Angehörige und Kindern von alkoholkranken Eltern
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Karsten
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Gegeneinander oder miteinander austauschen?

Beitrag von Karsten » 15.09.2018, 13:56

Hallo,

auch hier das neue Wochenthema zum gleichen Thema wie im Alkoholikerbereich
viewtopic.php?f=6&t=36311

Wie fühlen sich Angehörige, wenn sie ihr Leben an einem alkoholkranken Menschen "verloren" haben und nun auch hier von Alkoholiker-innen belehrt werden, obwohl die als Angehörige gar keine eigenen Erfahrungen haben?

Ein Miteinander stelle ich mir da eher anders vor.
Bin mal gespannt auf Wortmeldungen.

Gruß
Karsten

Emma2010
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Re: Gegeneinander oder miteinander austauschen?

Beitrag von Emma2010 » 16.09.2018, 09:13

Ich denke mal, sofern man sich mal die Forumregeln durchgelesen hat, müsste es eigentlich möglich sein, sich miteinander auszutauschen.
Es gibt zudem auch sowas wie eine Streitkultur, und grade im Umgang mit Menschen, die ich via Internet kennenlerne, da reagiere mich
nicht untergriffig ab.

Als ich hier im Forum Hilfe gesucht habe, also in meiner sensiblen Zeit hier viel geschrieben habe, war ich froh über jede Antwort, auch wenn sie
mir nicht gefallen hat. Psychologen nennen es so: Was mich trifft, das trifft auch zu! Man könnte auch sagen, dass was mein Gegenüber wahrnimmt, sind die blinden Flecken, die ich selbst an mir nicht sehen kann.
(Sofern nicht an jemanden gerate, der mir eventuell aus Bosheit eine reinwürgen will).

Manchmal, wenn ich hier lese, beschleicht mich das Gefühl, dass jene, die derart verbal austeilen, versuchen seinem XY/Konfliktpartner indirekt, also via Forum noch was mitzugeben? Möglicherweise, wenn sich einer von beiden aus der Auseinandersetzung geschlichen hat?

Und glaube auch, allen in einer Online-Selbsthilfegruppe sollte klar sein, dass das Forum nicht alles abdecken kann, was an Demütigung, Verlust und Schmerzen vorhanden ist, manchmal braucht es auch psychologische/ärztliche Unterstützung.

Karsten
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Re: Gegeneinander oder miteinander austauschen?

Beitrag von Karsten » 16.09.2018, 10:04

Hallo Emma,
Emma2010 hat geschrieben:
16.09.2018, 09:13

Als ich hier im Forum Hilfe gesucht habe, also in meiner sensiblen Zeit hier viel geschrieben habe, war ich froh über jede Antwort, auch wenn sie
mir nicht gefallen hat. Psychologen nennen es so: Was mich trifft, das trifft auch zu! Man könnte auch sagen, dass was mein Gegenüber wahrnimmt, sind die blinden Flecken, die ich selbst an mir nicht sehen kann.
Ich sehe es auch manchmal so, dass jemand auf einen Beitrag "anspringt", der beschreibt, was in eigenem Leben nicht funktioniert oder falsch läuft.
Bei mir ist es manchmal so, wenn ich lese, bei jemanden ist alles gut und bestens, keine Probleme und jemand schreibt von einem sehr glücklichen Leben.
Mein Leben ist ok, aber sooo zufrieden und glücklich nun auch nicht wieder nicht.
Deshalb pieksen mich manche solcher Beiträge, weil ich dann mein eigenes Leben vor Augen geführt bekomme.
Emma2010 hat geschrieben:Manchmal, wenn ich hier lese, beschleicht mich das Gefühl, dass jene, die derart verbal austeilen, versuchen seinem XY/Konfliktpartner indirekt, also via Forum noch was mitzugeben? Möglicherweise, wenn sich einer von beiden aus der Auseinandersetzung geschlichen hat?
Das könnte auch bedeuten, dass jemand einen anderenn vor Fehlern bewahren möchte, die man selbst gemacht hat.

Gruß
Karsten

Emma2010
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Re: Gegeneinander oder miteinander austauschen?

Beitrag von Emma2010 » 17.09.2018, 17:20

Hi, Karsten
Bei mir ist es manchmal so, wenn ich lese, bei jemanden ist alles gut und bestens, keine Probleme und jemand schreibt von einem sehr glücklichen Leben.
Mein Leben ist ok, aber sooo zufrieden und glücklich nun auch wieder nicht.
Ich kenn das von mir nur dann, dass ich sooo glücklich bin, wenn ich grad verliebt bin. Leider wie man weiß, hält der Zustand nicht ewig an.
Ich vermute mal, das ist auch gut so, sonst würde man vielleicht dauernd beieinander picken?
Mein Freund ist ein Workaholik, kennt nur die Arbeit oder Faulenzen, Urlaub braucht er keinen. Daran habe auch ab und an zu
knabbern und zwischendurch bin misstrauisch, ob alles so stimmt.

Das gute dran ist, dass mir so mehr Zeit bleibt für mich, für meine Seminare und für meine Hobbies. Und inzwischen kenne mich gut genug, dass man es mir egal wies ist, nie ganz recht machen kann. Nur bin aber damit nicht so unzufrieden wie es scheint, ich brauche das, dass immer was zu tun ist.
Zu viel stillstand macht mich ganz hibbelig.

Würde denn alles gar sooo schön sein, was würde mir als Träumerin noch bleiben?
Nee, ich glaube, dieses Werden und sich Weiter entwickeln, bringt uns/mir langfristig sehr viel mehr Lebensfreude.

Eins darf man auch nicht vergessen, grade wenn man viel durchgemacht hat, der einmal entstandene Mangel tief drinnen, der ist auf unserer
Festplatte gespeichert, sodass alles was triggert, uns stets dran erinnert.
So gesehen wissen wir uns jetzt eindeutig besser zu behandeln. Und damit kann ich gut leben.

Freundliche Grüße
Emma

Speranza
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Re: Gegeneinander oder miteinander austauschen?

Beitrag von Speranza » 19.09.2018, 11:32

Hallo Karsten!
Wie fühlen sich Angehörige, wenn sie ihr Leben an einem alkoholkranken Menschen "verloren" haben und nun auch hier von Alkoholiker-innen belehrt werden, obwohl die als Angehörige gar keine eigenen Erfahrungen haben?

Ein Miteinander stelle ich mir da eher anders vor.
Ich sehe es etwas differenzierter jeder Mensch ist ja anders und sollte auch mit Respekt behandelt werden. Es geht ja nun nicht dass ich mich gegenüber den trockenen Alkoholikern so verhalte als hätte ich meinen Ex-Mann vor mir. Das sind für mich 2 verschiedene Paar Schuhe und ich kann meine persönliche Lebensgeschichte nicht auf Menschen projizieren die mit meinem Schicksal nichts zu tun haben.

Ich glaube wenn man seine eigene Geschichte noch nicht verarbeitet hat tut man sich schwer überhaupt mit Alkoholikern zu kommunizieren denn es kochen viel zu viele negative Gefühle hoch. Ich fühle mich überhaupt nicht belehrt wenn ein Alkoholiker seine Meinung äussert das ist doch sein gutes Recht. Ich muss mir ja nicht ständig jedes Paar Schuhe anziehen das da rumsteht und mich davon angesprochen fühlen.

Ich habe ja meine Geschichte gut verarbeitet und weiss auch dass es nichts bringt ständig Groll auf den Ex-Partner oder auf sich selbst zu hegen denn die Vergangenheit kann keiner mehr ändern. Ich habe aber soviel aus der Vergangenheit gelernt dass ich die Zukunft besser gestalten kann. Trotzdem kommen auch mir noch manchmal negative Gefühle an mein Erlebtes hoch, ich habe aber gelernt alleine damit umzugehen.

LG Speranza

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