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Erste Schritte geschafft, aber ...

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Mira0512
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Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 12.10.2018, 12:09

Hallo zusammen. Ein halbes Jahr ist es her, seitdem ich das letzte mal hier geschrieben habe .

Es ist viel passiert in dieser Zeit: mein Mann besucht viermal die Woche eine ambulante Therapie und Istanbul seit 6 Monaten trocken.
Er hat 15 kg abgenommen, macht viel Sport und hat sich auch sonst sehr positiv verändert.

Im Moment beschäftigt er sich in der Therapie mit möglichen Rückfällen und Bewältigungsstrategien dazu.

Kurz zu mir: ich kontrolliere ihn nicht, habe wieder Hoffnung auf ein besseres Leben und versuche die Krankheit nicht mein Leben beherrschen zu lassen .

Nur stoßen mir nun diese Rückfallgedanken ganz sauer auf: ich reagiere extrem feindselig und ablehnend sobald er davon anfängt: ich kann einfach keinerlei Verständnis aufbringen und mich überhaupt nicht zusammenreißen. Ich will einfach keinen Rückfall: ich kann nicht mehr!

Ich stemme seitdem er in Therapie ist alles alleine:
Er arbeitet extrem viel und geht danach zur Therapie. Es gibt also unter der Woche weder Familienleben noch Zweisamkeit. Am Wochenende muss ich dann leider selbst oft arbeiten. Ich bin mit 3 Kindern und Haus und Hund an meiner absoluten Belastungsgrenze angekommen. Ich kann ihm einfach nicht zusichern das noch länger mitzumachen. Weil ich einfach nicht mehr will! Ich ziehe diese Therapie mit ihm durch, trinke nicht mehr (in seiner Gegenwart oder zuhause), habe alle haushaltsaufgaben komplett übernommen (nicht weil ich sie nicht abgeben will, sondern weil er schlichtweg nur noch von 22:00- 5:00 morgens zuhause ist und sie nicht erledigen kann) und versuche mein Leben ganz normal zu leben. Ich habe totales Vertrauen in ihn, nicht zu trinken.

Aber mich belastet das Thema Rückfall plötzlich extrem : ich habe auch ein schlechtes Gewissen, und will es gar nicht aussprechen: aber ich glaube ich würde ihn verlassen. Ich will dann einfach nicht mehr. Ich habe doch auch ein Recht auf mein Leben ? Ich habe ihm gesagt ich wäre im Falle eines Rückfalls für ihn da, würde ihn unterstützen die Therapie weiter zu führen, aber ich kann ihm nicht versprechen dass meine Liebe oder ich selbst stark genug sind sowas noch weiter durchhalten zu können. Dann bin ich lieber allein mit den Kindern. Ich bin ich hart und herzlos ? Seine Therapeutin Ist wohl dieser Meinung: sie meint ich habe die Krankheit nicht verstanden ( habe ich sicher irgndwie auch nicht) und würde ja wohl meinen Mann auch nicht verlassen wenn er Krebs oder einen Bandscheibenvorfall hat? Ich weiß einfach nicht mehr was ich dazu sagen soll ? Ich weiss noch nicht mal was ich mir jetzt hier erwarte, aber ich bin gerade so gefrustet und muss das einfach mal nieder schreiben..Danke einfach mal fürs lesen

Yvonne78

Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Yvonne78 » 12.10.2018, 12:35

Mira...ich kann jetzt nicht auf deine ganze Geschichte eingehen ( weil sich mir da alles zusammenzieht ), aber auf die Therapeutin: ich habe meinem Mann verboten, unser Kind mit nach Hause zu nehmen, wenn seine neue Liebe ( seit Kurzem trockene Alkoholikerin ) auf seinem Sofa hockt. Ich habe schon kaum Vertrauen zu ihm....dann schon gar nicht zu einer fremden Säuferin. Ich weiß nicht, was er seiner Therapeutin erzählt hat, aber sie meinte, ich würde aus Rache ihn und sein Kind auseinander bringen wollen....also das erzählte er mir. Am Liebsten wäre ich dieser werten Dame mal gehörig auf´s Dach gestiegen... Ich erzählte das meiner Beraterin vom roten Kreuz und sie beruhigte mich damit, daß eine Therapeutin sowas nie sagen würde und die Wahrnehmungen eines Alkoholikers ( egal ob trocken oder nicht ) oft gestört sind. Diese Anekdote fiel mir zu deiner Geschichte ein. Was dein Mann denkt / fühlt ist sicherlich für ihn real...entspricht aber vielleicht nicht immer ganz der Realität.

Nur so ein Gedanke...ich wünnsche dir viel Kraft

Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 12.10.2018, 12:55

Vielen dank für deine Antwort. Ich glaube ihm ehrlich gesagt die Antwort der Therapeutin. Denn ich war auch schon mit in Gesprächen und sie brachte den Vergleich mit Krebs auch da schon. Mein Mann ist sehr bemüht trocken zu bleiben. Ich merke auch das es ihm gut geht damit. Uns fehlt einfach durch die Therapie auch gemeinsame Zeit. Mit 3 Kindern auch ohne Therapie schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Und so leben wir halt extrem aneinander vorbei. Ich will mich ein einziges Mal auf die Therapie einlassen. Ich will positiv denken können und ich kann einfach keine Strategien entwickeln wie ich im Falle eines Rückfalls reagieren soll oder würde. Denn ich bin ein Mensch mit Gefühlen und ich kann nicht sagen was ich genau machen würde: mein erster Gedanke ist : hau ab und leb dein Leben! Ich habe nur dieses leben und und ich werde es ganz sicher nicht von einem Rückfall zum nächsten verbringen! Ich bin nicht Mutter Theresa . Er hat eine Chance: er darf sie nutzen. Ich würde auch von niemandem verlangen sein Leben für mich mit wegzuwerfen . Dann fühle ich mich aber wieder grenzenlos egoistisch wenn ich sowas denke oder gar sage. Aber es ist kein Krebs ! Und auch kein Bandscheiben Vorfall !!! Denn beides verändert nicht die Persönlichkeit . Und mit seiner trinkenden Persönlichkeit werde ich keine Minute meines Lebens mehr verschwenden. Ich will schon gar nicht mehr mit zu diesen paargesprächen! Ich glaube die Therapeuten halten mich für das größte egoistischste Frauchen auf diesem Planeten. Aber die haben keinen Alkoholiker zuhause

Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 12.10.2018, 12:59

Nur eine kurze Nachfrage: dein Mann ist trocken und hat eine seit kurzem trockene neue liebe? Das klingt nach einer sehr explosiven Mischung 🙈. Ich hätte auch schwere Bedenken mein Kind abzugeben. Ich kann dich da sehr gut verstehen. Aber vielleicht schaffen sie es ja auch gemeinsam stark zu bleiben.....

Yvonne78

Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Yvonne78 » 12.10.2018, 13:47

Mira...ehrlich gesagt ist es mir völlig egal was die beiden tun. Als er noch gesoffen hat war ich gut genug alles für ihn zu regeln...jetzt ist er trocken und hat sich eine gesucht, die 18 Jahre älter ist als ich...weil sie ihn*versteht*. Nach dem, was er uns angetan hat wünsche ich ihm nur die Rechnung dafür. Trotz Allem darf er sein Kind sehen, es darf auch bei ihm schlafen...vorrausgesetzt er präsentiert ihm nicht seine Neue und macht einen großen Bogen um seine Suff-Familie. Hält er das ein, ist alles gut....deswegen weiß ich auch, daß er seinen Sohn nicht aufwachsen sehen wird, denn er hat all die Menschen um sich gescharrt, die dem Alkohol frönen...er ist charakterschwach und wird sich dem nicht ewig entziehen können....er hat immer Gründe gefunden, um sich die Birne zu zuknallen.

Meine Geschichte ähnelt deiner ( zumindest was die Zeit danach angeht ) leider nicht....gerne hätte ich meinen Mann im trockenen Zustand kennen gelernt, aber ich habe meine Schuldigkeit getan und durfte weg treten. Ich hoffe, daß es dir nicht auch so ergeht...das wünsche ich wirklich niemandem.

Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 12.10.2018, 13:53

das Hört sich wirklich ziemlich übel an. Aber würdes du ihn denn noch haben wollen? Ich persönlich wäre ehrlich an deiner Stelle froh ihn los zu sein . Wer mich nicht will hat mich schließlich auch nicht verdient. Schmeiß den Frust über Board und suche Dir ein neues Glück! Für dich !!!!! Nein mein Mann hat mich nie betrogen, sehr wohl belogen wegen dem Alkohol und das nagt schon sehr an mir.

Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 12.10.2018, 16:41

Ich wollte noch anmerken: wo sollte man denn einen Schlussstrich machen? Nach einem Rückfall , nach zwei oder drei? Wer garantiert dass es nicht 20 werden? Da geht man doch zwangsläufig mit kaputt ? Bleibt man ist man co, geht man ist man eine gefühllos und lässt einen Menschen mit einer Krankheit im Stich ? Man kann doch nichts richtig machen als Angehöriger?

Eule89
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Eule89 » 12.10.2018, 18:08

Hallo Mira,
es ist deine Entscheidung, wann für dich Schluss ist. Es ist dein Leben, das du lebst. Niemand ist deinen Weg gegangen. Niemand hat über deine Entscheidungen zu urteilen.
Co sein hat auch nicht unbedingt etwas damit zu tun, ob du bleibst oder nicht. Das sind Wesenszüge und antrainierte Gewohnheiten von "uns" cos. Um das "loszuwerden" gehört mehr dazu, als sich einfach zu trennen.
LG Eule89

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