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Erste Schritte geschafft, aber ...

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 12.10.2018, 19:01

ich weiß nicht ob ich eine co bin oder nicht. Eigentlich ist das ja auch total egal. Ich will einfach nur ein schönes Leben mit meinen liebsten haben. Und ich will das er es schafft! Unbedingt sogar. Nur leider steht das nicht in meiner Macht. Und es macht mich gerade wahnsinnig nicht in die Zukunft sehen zu können...

Sunny1976
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Sunny1976 » 12.10.2018, 19:34

Hallo Mira,

Folgender Satz ist mir ins Auge gesprungen: Ich stemme seit er in Therapie ist alles alleine!

Und ich könnte mir auch vorstellen, das Du Dir das anders vorgestellt hast. Kinder, Haus, Hund... das ist eine große Aufgabe. Wenn ein Partner nass ist, dreht sich meistens alles um ihn, jetzt ist er trocken und im Grunde geht das jetzt weiter. Man muss sich selbst wieder mal zurück nehmen, denn im Moment ist es am wichtigsten seine Trockenheit aufzubauen und stabil zu halten. Du stehst hinten an.

Ist es denn wirklich das Thema Rückfall das Dich so belastet, oder vielleicht, das es Dir einfach reicht, auch jetzt weiterhin Dein Leben hinten an zu stellen?

Yvonne78
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Yvonne78 » 12.10.2018, 19:48

Liebe Mira,

meiner Ansicht nach ist jemand, der jahrelang mit einem Alkoholiker zusammenlebt ein Co. Wie sich das auswirkt und was jeder dazu beiträgt ist individuell. Eins aber haben alle Co´s gemeinsam: sie leiden!
Ich bin das beste Beispiel dafür, daß es mit einer Trennung nicht getan ist. Es entsteht eine große Lücke und wohin mit den alten Gewohnheiten? Ich mache auch noch einen Entzug durch und erwische mich bei dem Gedanken, daß ich lieber mein altes Leben zurück hätte, als weiter diese unerträglichen Schmerzen aushalten zu müssen. Irgendwas bewirft mich schon den ganzen Tag mit schönen Erinnerungen an meine große Liebe...egal wo ich bin, ich bin nur am heulen gewesen heute. Morgen habe ich vielleicht einen Wuttag...oder ich kann alles wieder sehen wie es ist...nämlich besser so. Was auch immer mich morgen erwartet...es ist ein Entzug mit immer wieder kehrenden Rückfallgedanken oder aber Euphorie ob meines neugewonnenen Lebens. Im Gegensatz zum Alkoholentzug aber habe ich keinen Zugriff mehr auf das Mittel der Begierde, so muss ich mich weiterhin den Entzugserscheinungen hingeben.

...und wenn es gar nicht mehr geht ruft meine Mama an und wäscht mir gehörig den Kopf...dann gehts auch wieder eine Weile

Yvonne78
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Yvonne78 » 12.10.2018, 19:57

Sunny...als mein Mann noch soff, drehte sich alles nur um seine Animositäten...ich war mit dem Meisten ganz alleine. Während der Therapie drehte sich alles um...niemanden interessierte, wie es mir und den Kindern ging ( Familie natürlich schon ). Als er wieder zurück war, war er der Held...also in seinen Kreisen...es gab gewiss Lorbeeren für die Trennung von seiner nervigen Ehefrau. Und auch jetzt geht es immer nur darum, was er will und braucht...bloß nicht zu harsch ansprechen...und immernoch interessiert es weder ihn noch irgendwen aus seiner SHG, was er seiner Familie angetan hat. Es dreht sich immer nur alles um den Alkoholiker. Ehrlich...ich kann´s nicht mehr hören. Klar gibts Hilfsangebote für die Angehörigen....aber die kannste an einer Hand abzählen.

Ach ich rege mich schon wieder auf...das ist nicht gut für die Verdauung :-(

Cadda
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Cadda » 12.10.2018, 20:06

Hallo Mira,

erst einmal finde ich es toll, dass Dein Mann es angeht und er eine Therapie macht. Ich würde ihm eine Chance geben. Es gibt genügend Menschen, für die man leider auf immer und ewig ein Säufer bleibt, der Wahrnehmungsstörungen hat, ob trocken oder nicht. Zum Glück denken nicht alle so, sondern wissen, dass es genügend Alkoholiker gibt, die es schaffen, ein trockenes Leben zu führen. Dass Dein Mann sich mit einem eventuellen Rückfall auseinander setzt, ist sogar sehr positiv. Wenn er es nicht tun würde, wäre die Gefahr viel größer, dass ihm ein Rückfall passiert. Es ist wichtig, die Gefahren zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern. Damit setzt sich Dein Mann auseinander und das ist auch gut so. Es KANN ein Rückfall passieren. Aber MUSS ja nicht sein. Ich würde mir auch nicht vorher Gedanken darüber machen, was wäre WENN und wie oft Du so etwas durchgehen lassen würdest. Das sind ungelegte Eier über die Du Dir da Gedankek machst. WENN es passieren sollte, kannst Du ganz nach der Situation und vor allem nach DEINEM Gefühl entscheiden, was Du tust.

Ich kann verstehen, dass das Rückfall-Thema unangenehm auf Dich wirkt. Aber es ist wirklich absolut positiv, dass er das nicht verdrängt und sich mit den Gefahren auseinander setzt.

Dass Du alles allein stemmen musst, ist sicherlich ein anderes Thema. Da würde ich unabhängig von der Alkoholsituation mehr Hilfe erbitten. Dass er zur Zeit sehr mit sich beschäftigt ist, finde ich gut. Aber allein gelassen solltest Du Dich dabei nicht fühlen.

Jedenfalls freut es mich, dass Dein Mann es konsequent angegangen ist und die Beziehung offensichtlich gern erhalten möchte. Warte einfach die Zeit ab. Dein Gefühl wird Dir schon sagen, wohin der Weg Dich führt.

LG Cadda

sorra
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von sorra » 13.10.2018, 02:26

Hallo Mira,

ich finde, ich finde Cadda hat es schon sehr gut ausgedrückt und möchte dies noch unterstreichen.
Es ist unglaublich, was für eine Veränderung dein Mann durchmacht. Die intensive Therapie, das viele Arbeiten, der Sport, das ist bewundernswert.
Das sein Heilungsprozess jegliche Energie in Anspruch nimmt, kann ich gut verstehen. Ich finde auch, dass Krebs ein guter Vergleich ist. Denn niemand kann etwas dafür und die Leute können in dieser Zeit leider nicht so viel tragen wie gesunde Menschen. Zu dem ändert sich bei Krebspatienten auch oft die Persönlichkeit, da man durch solche Krankheiten oft große Veränderungen durchmachen. Viele werden depressiv, frustriert und lassen es an die Angehörigen aus. Was ich damit sagen will, es ist schwer für die ganze Familie.

Du klingst sehr belastet. Ich fühle mich in meinem Leben schon sehr belastet und das Maß an Verpflichtungen kommt deiner Beschreibung nicht einmal nahe. Ich sehe es wie Cadda, ihr braucht eine Form der Hilfe die mit dem Alkohol nichts zutun. Jemand der euch entlasten kann bezüglich Kinder, Hund und Haus. Vielleicht eine Betreuerin, Hundesitterin, Haushaltshilfe was auch immer. Vielleicht ist es auch möglich die Arbeitsstunden zu kürzen? Ich denke, du brauchst Zeit für dich.
Und ihr braucht Zeit für euch als Paar, damit ihr eure Bindung wieder stärkt.

Ich denke der Rückfall steht für etwas anderes.
Du schreibst du hast vollstes Vertrauen zu ihm, dass er nicht mehr trinkt. Er beschäfitgt sich anscheinend in der Therapie damit und auch mit Bewältigungsstrategien. Klingt wunderbar, wenn du mich fragst. Ich sehe keine akute Gefahr.
Ob du ihn verlassen würdest, wenn soundso eintreten würde... Das ist doch egal, nicht? Wen interessiert schon, wie was passieren würde, wenn dies und das wäre. Es ist nicht so, dann braucht es dich nicht zu kümmern. Und zu gehen, weil man nicht mehr kann, macht niemanden zu einem schlechten Menschen. Wenn es nicht mehr geht, ist das leider so, du bist kein Übermensch. Aber ich denke, dass es völlig egal ist, wann die Grenze ist, ich würde mich damit befassen, sobald der Fall eintritt, auch wenn du dich dafür entscheidest, dich zu trennen. Unter gewissen Umständen würde ich mich auch von meinem Partner trennen, da mag es noch so ein tragisches Schicksal sein.
Eine Krankheit kann viele in die Knie zwingen, es ist nicht selbstverständlich, dass man bis zum Ende sein Leben damit beschwert, nur aus einem Verpflichtungsgefühl heraus.
Aber wie gesagt, ich sehe keine reale Gefahr, es klingt alles gut.
Kann es sein, dass Dinge von deinem Mann, als er noch nass war, noch an dir nagen? Hast du auch eine Therapeutin oder jemanden anderen, an dem du dich ab und zu stützen kannst?

Auf mich wirkt es so, als wäre das im Moment das wichtigste.

Alles Liebe,
sorra

sorra
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von sorra » 13.10.2018, 02:37

Ich habe gerade gelesen, dass du deine Therapeutin hast. Ist mir wohl kurz entfallen, entschuldige.
Beim nochmaligen Lesen denke ich, zwei Dinge:
1. Du brauchst eine Entlastung. Am Besten eine bezahlte Hilfe, die dir was von Kinder, Hund oder/und Haushalt abnehmen kann.
2. Du reagierst auf das Rückfallthema deshalb so extrem, weil eure Beziehung komplett vernachlässigt wird. Da fühlt man sich dem anderen natürlich auch nicht nahe und man hat keine Kraft mehr. Ich würde das ansprechen und versuchen, euch beide einen schönen Abend o.ä. freizuschaufeln.

Ich würde mich nicht wegen eventuellen Trennungen fertig machen. Es ist vollkommen normal und menschlich, dass einem irgendwann die Kraft ausgeht und man nicht mehr weitermachen kann. Dann muss man einen anderen Weg gehen. Das macht aber niemanden zu einem schlechten Menschen.
Nochmals möchte ich aber erwähnen, dass das alles nur mögliche Szenarien von einer Zukunftsvision, einem (Horror)Film in deinem Kopf sind, den du dir selber ausgedacht hast und vorspielst und danach Panik bekommst. Die Realität sieht momentan sehr anders aus und um die geht es.

Alles Liebe,
sorra

Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 13.10.2018, 07:56

Vielen, vielen Dank für eure Antworten. Das hat mir wirklich sehr geholfen.
Ich war gestern einfach so frustriert und ja ich glaube das Thema hat sich wirklich als Horrorszenario in meinem Kopf abgespielt. Ich habe die letzten Monate nie ernsthaft daran gedacht das mein Mann wieder rückfällig werden könnte. Wir haben unser Leben sehr auf den Kopf gestellt und viel verändert. Die gemeinsame Zeit bleibt wirklich sehr auf der Strecke, aber wir finden dafür einfach keine Lösung: meine Eltern können nicht auf die Kinder aufpassen, und zu seinen Eltern haben wir kaum Kontakt. Weniger arbeiten oder bezahlte Hilfen können wir uns im Moment einfach nicht leisten. Wir zahlen unser Haus ab . Ich leiste mir aber alle 2 Wochen eine Putzhilfe. Das ist aber irgendwie nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Mir fehlt mein Mann! Ich verbringe gern Zeit mit ihm. Wenn wir uns selten sehen, streiten wir deutlich mehr. Das frustriert mich und ich lasse es dann gerne auch an ihm aus.

Ich denke normal jeden Tag positiv, wir nutzen den freien Tag am Wochenende immer um mit den Kindern was zu unternehmen, aber es ist eben kein Ersatz für die zeit zu zweit.

Ich habe manchmal einfach Gefühlseinbrüche, in denen kann ich nicht mehr positiv sehen, bekomme Panik, Angst vor der Zukunft, bin streitlustig und zugegebenermaßen wohl auch meine Tage. 🙈

Ich habe meinen Mann nicht lange im nassen Zustand erlebt. Es hat bei ihm sehr schleichend angefangen und war dann ein halbes Jahr ganz schrecklich. Daraufhin habe ich ihn damals vor die Tür gesetzt.
Er hat umgedacht , er will diese Therapie, er will gegen die Krankheit kämpfen und darüber bin ich sehr froh.
Ich würde ihn niemals verlassen, solange er dabei bleibt.

Die Vergangenheit habe ich ganz sicher noch nicht aufgearbeitet, ich spreche mit Freunden viel darüber, aber ich habe keinen eigenen Therapeuten. Ich gehe nur manchmal zu paargespräche in seine Therapiegruppe mit.

Ich könnte dort auch eine angehörigen Gruppe besuchen. Dafür bräuchte ich aber immer einen Babysitter.
Ich habe mich dann aber entschieden meine freie Zeit lieber mit Dingen zu verbringen die mir Spaß machen. Ich habe mich bis auf gestern gar nicht mehr mit der Krankenheit meines Mannes auseinandergesetzt. Natürlich habe ich mich informiert, viel darüber gelesen, und achte darauf keinen Alkohol im Haus zu haben etc. , aber es hat mich nicht belastet: ich war einfach zufrieden dass er er etwas ändert und wir weiter leben können.

Ich wollte mich nicht von alleine mit dem Thema Rückfall beschäftigen. Ich habe meinem Mann gesagt, ich kann nichts versprechen bevor ich nicht in der Situation bin . Nur fanden er und die Therapeutin das wohl nicht gut so ....

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