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Erste Schritte geschafft, aber ...

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Aurora
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Aurora » 13.10.2018, 09:37

Liebe Mira,

ob dein Mann und seine Therapeutin nun gut finden wie du denkst oder fühlst sollte dir egal sein! Du bist ja ein mündiger Mensch. Ich finde das auch ehrlich gesagt von der Therapeutin jetzt nicht gerade sehr professionell, wenn sie so redet...

Es sollte dir egal sein - ist es ja aber nicht, verstehe ich seeehr gut. Da ist ja eine "Professionelle" und wenn die das schon sagt...

Das ist etwas, was auch ein Lernprozess ist. Du darfst zu deinen Empfindungen stehen und hast ein Recht darauf! Keiner hat da das Recht zu sagen, du bist falsch deswegen. Sinnvoll wäre es eher darüber zu reden, warum du so empfindest und dann zu einer Lösung zu kommen.
Ich habe manchmal einfach Gefühlseinbrüche, in denen kann ich nicht mehr positiv sehen, bekomme Panik, Angst vor der Zukunft, bin streitlustig und zugegebenermaßen wohl auch meine Tage. 🙈


Na und? Du bist doch ein Mensch und Menschen fühlen eben so. Da ist doch nicht immer eitel Sonnenschein! Und du leistest echt ja auch eine Menge! Da kommst du auch mal einfach an deine Grenzen. Das ist so. Du hast auch ein Recht darauf, streitlustig, mürrisch, traurig und zickig zu sein. Wenn das kein Dauerzustand ist :wink: . Damit muss dein Mann auch lernen umzugehen. Du kannst doch für ihn kein Schlaraffenland aufbauen, das ist doch illusorisch und realitätsfremd. Das Leben ist kein Schlaraffenland...
Ich könnte dort auch eine angehörigen Gruppe besuchen. Dafür bräuchte ich aber immer einen Babysitter.
Du bist ja hier in einer Angehörigen-Gruppe! Du kannst jederzeit herkommen und brauchst keinen Babysitter! Unser Austausch hier hat mindestens die Qualität einer realen Gruppe, das Einzige was fehlt ist das "Auge in Auge" Gespräch. Du kannst auch überlegen ob du in den geschlossenen Bereich wechselst, da geht es noch mal offener und direkter zu als hier im offenen Bereich, wo die ganze Welt mitlesen kann. Das kostet einen monatlichen Beitrag - aber ein Besuch einer realen Gruppe ist auch nicht überall kostenlos. Ein Klingelbeutel geht meistens rum...
Ich habe mich dann aber entschieden meine freie Zeit lieber mit Dingen zu verbringen die mir Spaß machen.
Super :D ! Da bist du auf einem sehr guten Weg! Das ist sooo wichtig. Ich habe Jahre dafür gebraucht um wieder dahin zu kommen, ich hab es bis heute nicht vollständig geschafft, leider.
Ich habe mich bis auf gestern gar nicht mehr mit der Krankenheit meines Mannes auseinandergesetzt. Natürlich habe ich mich informiert, viel darüber gelesen, und achte darauf keinen Alkohol im Haus zu haben etc. , aber es hat mich nicht belastet: ich war einfach zufrieden dass er er etwas ändert und wir weiter leben können.
Du musst dich doch auch gar nicht ständig mit seiner Krankheit auseinander setzen. Mein 2. Mann jetzt ist auch Alkoholiker, trocken seit 12 Jahren. Ich kenne ihn auch nur trocken. Ich setze mich da nicht ständig mit ihm und seiner Krankheit auseinander sondern mit meinen eigenen Anteilen, die mich haben coabhängig werden lassen. Grundsätzlich aber leben wir und lieben uns! Wir meistern unseren Alltag genau so, wie auch andere Menschen das machen, die keine Alkoholproblematik haben. Wir haben unsere Krankheiten, ich bin zum Beispiel durch alles, was so hinter mir liegt, chronisch depressiv geworden und inzwischen berentet. Trotzdem denken wir nicht dauernd daran sondern genießen unsere gemeinsame Zeit.

Und das ist es eben - gemeinsame Zeit. Mit kleinen Kindern schwierig, meine waren ja auch mal klein. Ich weiß das. Die Großeltern fallen weg, das ist schade aber eben Fakt. Vielleicht findet ihr ja die Möglichkeit, einmal im Monat einen Abend oder Tag nur für euch frei zu schaufeln. Es gibt Babysitter, Leih-Omas... Kannst du dir vorstellen, so etwas in Anspruch zu nehmen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Du gibst ja die Kinder nicht weg sondern ihr seid ja auch Mann und Frau. Und in dieser freien Zeit für euch wird ein Fundament ja auch gelegt, auf dem auch die Kinder sicher und glücklich laufen können. Denn zufriedene Eltern sind angenehmer als mürrische. Sag ich mal so ganz lapidar...

Puh, jetzt hab ich mich ja hier ausgelassen, sorry.

Ich wünsche dir ein gutes Wochenende
Aurora

Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 13.10.2018, 10:15

Hallo Aurora , du hast einfach nur recht 👍🏽 Und es spiegelt meine Meinung sowas von wieder. Ich habe einerseits natürlich auch Verständnis das mein Mann nach einem 10 Stunden Arbeitstag mit anschließend 3 Stunde. Therapie einfach keinen weiteren Bedarf auf Unternehmungen hat, aber ich muss mich jetzt wirklich zwingend mal um einen Babysitter für einen Abend im Monat kümmern. Oder ich brumme es ihm auf: der soll ja nicht denken ich würde mich auf ewig um alles kümmern

Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 13.10.2018, 19:42

Ich habe mich heute tatsächlich wieder „im Griff“ wir haben nochmal über alles gesprochen. Wir brauchen definitiv mehr Zeit miteinander und das wird jetzt angegangen! Ich bin wirklich stolz auf ihn wie er das alles meistert.. ich danke euch sehr für eure Antworten. Manchmal braucht man einfach andere die einem die Scheinwerfer wieder anschalten wenn man nichts mehr sehen kann. Wir sind auf einem guten Weg und werden das packen!
Auch wenn es sicher auch mal wieder tiefen gibt. Aber so ist das Leben wohl ....

sorra
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von sorra » 16.10.2018, 15:31

Hallo Mira!

Das klingt wunderbar, ich freue mich für euch! Ich hoffe, ihr findet die Zeit für euch, die ihr braucht.

Ich wünsche weiterhin alles Gute,
sorra

Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 17.10.2018, 20:38

Dankeschön! Im Moment ist alles einfach so anders! Anders gut! Aber für mich ist es auch eine riesige Umstellung: er ist ein neuer Mensch und für mich ist es oft schwierig dass zu begreifen. Wir streiten: konstruktiv ! Ein völlig neues Terrain für mich. Es ist alles besser. Aber manchmal hab ich diese Ängste und Panik in einer Seifenblase zu sitzen die jede Sekunde wieder platzen könnte. Habe Angst dass uns das ganze zuviel wird. Und doch will ich nach vorne schauen und ich ersehne jetzt schon so sehr das Ende dieser Therapie. Dabei stecken wie gerade erst am Anfang. Aber ich will wieder Zeit miteinander: Familienleben, Entlastung. Und ich muss den neuen trockenen Menschen endlich kennenlernen. Dafür fehlt die Zeit. Da sind wieviele fragen die mir wohl niemals beantwortet werden. Das warum? Vielleicht gibt es einfach keine Antwort darauf. Und das ist schwer hinzunehmen. Die nasse Zeit muss ich irgendwie aus meinem Gedächtnis streichen, aber doch kommen einige Situationen und Bilder immer wieder hoch. Heilt die Zeit wirklich alle Wunden ?

Sunny1976
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Sunny1976 » 17.10.2018, 21:18

Hallo Mira,
das Vertrauen wieder aufzubauen wird Zeit brauchen. Du musst ja auch nicht die nasse Zeit aus Deinem Gedächtnis streichen, das wird eh nicht funktionieren. Aber Du könntest schauen, ob Du die Dinge, die passiert sind, verzeihen kannst?

Was hindert Dich denn daran, Deinem Mann Fragen zu stellen, die Du gerne beantwortest haben möchtest?

Mario B.
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mario B. » 18.10.2018, 08:58

Mira0512 hat geschrieben:
17.10.2018, 20:38
Dafür fehlt die Zeit.
Hallo Mira,

ich habe mir jetzt einmal deine beiden Threads komplett durchgelesen, mein Rat an dich (und deinen Ehemann(: diese Zeit müsst ihr euch nehmen, anders wird es auf lange Dauer nicht funktionieren. Da spielt die Alkoholkrankheit deines Mann oder eine eventuelle Co-Abhängigkeit deinerseits nicht einmal ein Rolle. Denn so wie ich es aus deinen Posts verstanden haben, war ja schon vor der Eskalation (mir fällt jetzt kein besseres Wort ein) die fehlende Zeit miteinander ein grösseres Problem. Du hast ja geschrieben dass damals viel an deinem Mann hängen geblieben ist, ähnlich wie momentan, wo jetzt alles an dir hängen bleibt während dein Mann arbeitet und zusätzlich nebenbei seine Therapie macht.

Ihr solltet versuchen euch die nötige Zeit für eure Beziehung frei zu schaufeln, wenn das finanzielle (z.B. für einen Babysitter, Haushälterin, etc) dafür im Wege steht könntet ihr vielleicht versuchen eure Prioritäten bei den Ausgaben unter die Lupe zu nehmen. Du schriebst dass du Anfangs viele Hobbies ausgeübt hast und öfters weg warst, dieses Geld gibst du ja aktuell nicht mehr aus. Dein Mann trinkt nicht mehr, auch hier müsste es grössere Einsparungen geben. Wenn dann trotzdem keine finanziellen Reserven für eure Beziehung übrig sind (trotz dem enormen Zeitaufwand den dein Mann für seinen Lohn leistet - die Stundenanzahl die dein Mann pro Tag für die Arbeit aufbringen muss ist und war (!) einfach zu hoch m.E.) solltet ihr anderswo für Einsparungen ansetzten.

Das ganze ist natürlich eine Prioritätengeschichte, jeder muss für sich entscheiden was ihm (finanziell) wichtig ist.

Dass Beziehungen auseinander gehen weil nicht genügend Zeit aufgewendet wird um diese zu pflegen ist im Grunde ja nicht einmal ein Alkohol(sucht)problem. Dass Alkoholmissbrauch und deren Konsequenzen diese Problematik nicht einfacher machen steht natürlich ausser Frage.

Zeit kann viele Wunden helfen wenn man sich ein solides Fundament dafür aufbaut. Und eben auch die Zeit miteinander (und nicht nebeneinader her) verbringt. Momentan seid ihr ja auf einem guten Weg.

Gruss,

Mario B.

Mira0512
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Re: Erste Schritte geschafft, aber ...

Beitrag von Mira0512 » 18.10.2018, 12:43

Das Problem ist weniger ein finanzielles, eher ein organisatorisches. Wegen der Therapie haben sich auch seine Arbeitszeiten verschoben. Er geht morgens um 6 aus dem Haus und kommt um 21:30 ca wieder nach der Therapie. Das zerrt natürlich an meinen Kräften. Zusätzlich fehlen mir so Stunden in der Arbeit und ich arbeite jetzt jedes zweite Wochenende. Somit bleibt eigentlich nur jedes zweite Wochenende. Meistens sind wir beide einfach nur erledigt und kaputt. Aber ich merke schon beim aufschreiben: jedes zweite Wochenende wäre eigentlich drin. Wir müssen es nur mal anpacken da was zu machen

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