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Ratlos, hilflos, verzeifelt

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Lunali
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Ratlos, hilflos, verzeifelt

Beitrag von Lunali » 07.12.2018, 17:27

Hallo,

vielleicht ist hier jemand der mir einen Rat geben kann.

Ich weiß einfach nicht mehr wie ich mich verhalten soll.

Mein Sohn ist 22, hat eine stationäre Therapie gemacht, war danach ganz kurz in einer Nachsorge, wo es ihm aber überhaupt nicht gefallen hat. Er hatte einen Vorfall, ist falsch damit umgegangen und deshalb rausgeflogen.

Seit dem wohnt er bei seinen Großeltern (weil dort viel Platz ist und fast immer jemand da). Hat wieder einen Job in seinem erlernten Beruf gefunden in dem es auch keinen Schichtdienst gibt (hatte er vorher und kam er nicht so recht mit klar), nur ab und zu eine Spätschicht.

Ich behaupte er war ca ein halbes Jahr trocken, dann kam erneut ein Vorfall und etwa eine Woche später noch einer. Er hat beteuert, dass es nur die beiden Male waren und ich/wir hatten auch das Gefühl er hätte sich wieder gefangen.

Dann aber kam wieder ein Tag an dem ich mir sicher war, dass er nicht nüchtern war. Er hat es aber abgestritten und seit dem hatte wir öfter mal den Verdacht. Ich weiß einfach nicht was ich tun soll...also dass ich nichts tun kann weiß ich ja, aber wie verhalte ich mich? Wir stehen uns alle sehr nahe, wohnen nur zwei Straßen voneinander entfernt.

Ich weiß nicht, ob ich nicht viel zu misstrauisch bin und ihn damit vielleicht sogar wieder in die Sucht schiebe...geschoben habe?

Aber vertrauen fällt mir unendlich schwer...ich glaube ihm einfach nicht.
An vielen Tagen ist es dann wieder so, dass ich nicht glaube, dass er getrunken hat und dann denk ich auch manchmal ich bilde mir das ein.

Soll ich jetzt einfach so tun als wenn nichts wäre?

Aurora
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Re: Ratlos, hilflos, verzeifelt

Beitrag von Aurora » 07.12.2018, 21:53

Hallo Lunali,

erst mal ein herzliches Willkommen!

Zuerst einmal streiche den Gedanken aus deinem Kopf, dass du deinen Sohn in die Sucht schieben könntest. Er selbst entscheidet sich dafür oder dagegen, da hat niemand Einfluss darauf, nur er selbst. Oder stellst du ihm die Pullen vor die Nase und flößt ihm was ein?

Dass es dir schwer fällt zu vertrauen finde ich normal. Im Zusammenleben mit Abhängigen passieren so viele Versprechen, die dann gebrochen werden, dass das Vertrauen da ganz schön kaputt geht. Das geht wohl fast allen so. Also ich habe es jedenfalls schon oft gehört und weiß es von mir selbst. Da war es auch so.

Auch diese Gedanken, du könntest dir nur einbilden dass er getrunken hat, kenne ich. Es ist dieses Verdrehen der eigenen Wahrnehmungen. Mein Exmann stand schwankend und lallend vor mir und hat geschworen, keinen Tropfen angerührt zu haben. Er wäre nur so erschöpft und deshalb so komisch (das war eines seiner Argumente). Und etwas in mir wollte es einfach glauben. Ich wollte es glauben, weil ich der bösen Wahrheit nicht in die Augen blicken wollte. Im Laufe der Zeit hat sich dadurch bei mir aber viel verschoben und ich wusste gar nicht mehr, was nun richtig und was falsch wäre. Ich habe mir selbst nicht mehr vertraut.
Soll ich jetzt einfach so tun als wenn nichts wäre?
Hm, schwierige Sache. Was heißt das, du tust als ob nichts wäre? Du kannst deinem Sohn ruhig deine Gedanken und Gefühle sagen, finde ich. Ob er was damit anfangen kann weiß ich nicht. Ich finde es wichtig, dass es dir damit gut geht und du nicht in Sorgen und Gedanken um ihn fest steckst und das Leben nicht mehr genießen kannst. Du warst lange für ihn verantwortlich, er ist ja dein Kind und brauchte dich viele Jahre um erwachsen zu werden. Nun ist er groß und deine Verantwortung ist nicht mehr dieser Art wie damals. Er darf nun selbst entscheiden, was er aus allem macht. Und du darfst das ja für dich und dein Leben auch.

Ich weiß aber, wie schwer das einer Mutter fällt... ein Kind ist immer irgendwie ein Kind. Geht mir jedenfalls so. Es ist schwer, da los zu lassen und zu akzeptieren, dass die Kinder das Leben anders leben als wir dachten und es ihnen gewünscht haben, wünschen. Das ist eine der schwersten Aufgaben, die eine Mutter hat, finde ich.

Ich wünsche dir einen schönen Abend und liebe Grüße
Aurora

Lunali
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Re: Ratlos, hilflos, verzeifelt

Beitrag von Lunali » 09.12.2018, 10:31

Hallo Aurora,
danke schön.

Ja, eigentlich weiß ich ja, dass ich keinen Einfluss darauf habe und nur er selbst das entscheidet.
Aber es fällt mir leider unendlich schwer so gar nichts machen zu können und die Angst etwas falsch zu machen ist leider trotzdem manchmal da.
Ich hatte ihn schon einmal "losgelassen" als er auszog und es fiel mir gar nicht so schwer. Jetzt, wo wir uns wieder sehr nahe gekommen sind fällt es mir viel schwerer.
Aber mir bleibt nur abwarten und anzunehmen was noch so kommt.

Danke für deine Worte und viele liebe Grüße

Sandstrand2
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Re: Ratlos, hilflos, verzeifelt

Beitrag von Sandstrand2 » 10.12.2018, 15:00

Liebe Lunali,
leider bin ich selbst noch zu "ratlos", um helfen zu können. Aber ich möchte Dich gerne umarmen, das muss alles so unglaublich schwer für Dich sein. Auch wenn meine Kinder noch klein sind, so fühle ich als Mutter doch sehr mit.
Hier im Forum sind sicher viele Menschen, die Dich etwas tragen können auf Deinem schwierigen Weg... gut, dass Du hierher gefunden hast...
Viele liebe Grüße
Sandstrand

Sunny1976
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Re: Ratlos, hilflos, verzeifelt

Beitrag von Sunny1976 » 10.12.2018, 19:39

Hallo Lunali,

bei mir war mein Ex-Ehemann süchtig, von daher kann ich Dir nur aus dem Blickwinkel schreiben:
Lunali hat geschrieben:
07.12.2018, 17:27
Ich behaupte er war ca ein halbes Jahr trocken, dann kam erneut ein Vorfall und etwa eine Woche später noch einer. Er hat beteuert, dass es nur die beiden Male waren und ich/wir hatten auch das Gefühl er hätte sich wieder gefangen.

Dann aber kam wieder ein Tag an dem ich mir sicher war, dass er nicht nüchtern war. Er hat es aber abgestritten und seit dem hatte wir öfter mal den Verdacht. Ich weiß einfach nicht was ich tun soll...also dass ich nichts tun kann weiß ich ja, aber wie verhalte ich mich? Wir stehen uns alle sehr nahe, wohnen nur zwei Straßen voneinander entfernt.
Das ist für Dich bestimmt sehr schwierig. Ich kann Dir einfach nur den Tip geben, auf Deine Wahrnehmung zu vertrauen. Man merkt es einfach, ob jemand nüchtern ist oder nicht. Lass Dich da nicht verunsichern.
Lunali hat geschrieben:
07.12.2018, 17:27
Ich weiß nicht, ob ich nicht viel zu misstrauisch bin und ihn damit vielleicht sogar wieder in die Sucht schiebe...geschoben habe?
DU kannst ihn - wie schon auch Aurora geschrieben hat - nicht in die Sucht treiben. Das hat er ja bereits selbst geschafft. Ich weiß aber was Du damit meinst. Als Angehöriger hat man aber vielleicht das Gefühl, das wenn man etwas falsches sagt oder tut, daran Schuld ist, das er wieder trinkt. Mittlerweile glaube ich aber, das dieses Gefühl nur aufkommt, wenn der Partner/Sohn etc. den trockenen Weg eh nur halbherzig geht. Hier im Forum habe ich so viel gelesen, auch bei den Alkoholikern. Und mittlerweile denke ich, dass nur das nicht mehr trinken eben auch nicht ausreicht. Dazu gehört eben noch so viel mehr. Wenn jemand mit voller Inbrunst dabei ist, sich Hilfe holt, zur SHG geht und alles, dann hat man als Angehöriger vielleicht auch nicht das Gefühl, das nur ein Wort von uns reichen würde, um jemanden wieder zum trinken zu bringen.

Lunali hat geschrieben:
07.12.2018, 17:27
Aber vertrauen fällt mir unendlich schwer...ich glaube ihm einfach nicht.
An vielen Tagen ist es dann wieder so, dass ich nicht glaube, dass er getrunken hat und dann denk ich auch manchmal ich bilde mir das ein.

Soll ich jetzt einfach so tun als wenn nichts wäre?
Das wird doch bestimmt nicht funktionieren, oder? Gerade als Mutter kann ich mir nicht vorstellen, das Du einfach die Augen verschließen kannst. Die Frage ist ja von Dir, wie Du weiter damit umgehen kannst. Das kann ich Dir leider auch nicht sagen. Von einem Ehemann kann man sich trennen, von seinen Kindern jedoch nie. Ich stelle mir Deine Situation sehr schwierig vor, und kann Dir da leider auch keinen Rat geben.

Alles liebe und viel Kraft wünscht
Sunny

Lunali
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Re: Ratlos, hilflos, verzeifelt

Beitrag von Lunali » 11.12.2018, 15:56

Hallo Sandstrand,
vielen Dank für deine Umarmung und ich drücke dich auch
Leider habe ich das am Anfang wohl falsch gelesen, den Beitrag kann ich mir nicht leisten. Aber es tut auf alle Fälle gut hier zu sein und ein bisschen was lesen zu können. Und ich freue mich sehr über jede liebe Antwort, das gibt irgendwie Kraft.
Vielen Dank und viele liebe Grüße

Lunali
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Re: Ratlos, hilflos, verzeifelt

Beitrag von Lunali » 11.12.2018, 16:09

Hallo Sunny,
ich versuche meiner Wahrnehmung zu trauen...die sagt mir, dass er eben zweimal wieder was getrunken haben könnte, aber an den anderen Tagen völlig nüchtern war. Das ist für mich einfach rätselhaft.
Das er den Weg nur halbherzig geht, könnte natürlich sein, den Eindruck habe ich aber eigentlich nicht...er geht wenn es seine Arbeit zulässt zur SHG und hat grade alles daran gesetzt in eine Gruppentherapie zu kommen.
Aber er ist leider ein sehr sensibler Mensch und zieht sich jeden Schuh an...er kämpft damit seit der Therapie, aber ich glaube er gewinnt oft nicht.
Vielen Dank für deine Worte und auch für dich alles Liebe und viel Kraft, danke.

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