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Hilfe oder Vertrauensbruch?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

destiny90
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Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von destiny90 » 04.01.2019, 08:21

Mein Partner ist alkoholabhängig. Er befindet sich gerade in einer Abwärtsspirale, trinkt immer häufiger. Teilweise fängt er morgens schon an. Da er überwiegend im Homeoffice arbeitet, hat er auch jederzeit Zugriff auf seinen "Stoff". Wenn ich am Morgen aus dem Haus gehe, weiß ich nicht, was mich Abends nach meiner Rückkehr erwartet. Am Schlimmsten aber sind die Tage, an denen seine Kinder da sind. Alle zwei Wochen für 4 Tage/Nächte. Er setzt sich dann selbst so unter Druck, weil er weiß, dass er gerade dann nichts trinken darf. Und greift wieder zur Flasche, weil er diesem Druck nicht standhalten kann.
Bisher konnte er noch alles verheimlichen und ich musste ihm versprechen, nicht darüber zu reden. Aber die Kinder sind nicht blöd und merken es immer wieder, dass er nicht nüchtern ist. Trotzdem traut sich keiner, das Thema anzusprechen.
Nur einmal war er bisher so betrunken, dass sein Sohn ihn angeschrieen hat, dass er nicht mehr kommen will, wenn er nochmal so "komisch" ist.
Am nächsten Morgen hat er sich bei seinen Kindern entschuldigt und versprochen, dass es nicht mehr vorkommt. Nur: seine Versprechen in dieser Hinsicht kann er schon lange nicht mehr einhalten.
Ich weiß gerade nicht wirklich, wie ich mich verhalten soll. Sollte ich die Kinder beiseite nehmen und mit ihnen darüber reden? Sie haben doch ein Recht darauf, zu erfahren, was los ist, oder nicht? Oder lehne ich mich damit zu sehr aus dem Fenster? Sollte ich mit der Mutter der Kinder reden? Ich bin auch Mutter und könnte sie verstehen, wenn sie die Kinder nicht mehr zu ihm lässt. Hintergehe ich ihn damit? Oder helfe ich ihm?
Er hat einmal damit gedroht, sich umzubringen, wenn die Kinder nicht mehr zu ihm dürfen. Lasse ich es einfach so laufen, fühle ich mich selbst wie eine Lügnerin. Es ist doch unfair den Kindern gegenüber. Spreche ich jedoch mit ihnen, bringe ich evtl. einen Stein ins Rollen, dessen Auswirkungen ich noch überhaupt nicht abschätzen kann. Das macht mir Angst.
Vielleicht erhalte ich hier einige Tipps, vielleicht aber auch erst nächste Woche bei der Suchtberatung.
Heute Abend und das Wochenende werden wieder kritisch.

lütte69
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von lütte69 » 04.01.2019, 10:07

Hallo Destiny,

herzlich willkommen im Forum. Deine Zwickmühle kann ich gut verstehen. Wie wäre es, wenn Du ihm vorher eine Ansage machst. Entweder er tut was gegen seine Sucht (nicht nur wenn die Kinder da sind, sondern grundsätzlich) oder Du redest mit der Mutter der Kinder offen über Deine Bedenken. Ich würde die Kinder da nicht so reinziehen.

Was ich hier im Forum gelernt habe ist, dass jeder für sein Leben verantwortlich ist, also auch Dein Partner. Er, und nur er, hat die Möglichkeit sein Leben zu ändern. Andersrum bin auch nur allein ich für mein Leben verantwortlich. Das bedeutet, dass ich mir darüber klar werden musste, wie ich leben will und ob mein Partner mit seiner Sucht da rein passt. Ich bin damals ausgezogen und im Prinzip war mir egal, was passiert. Der Stein kam ins Rollen - es hat sich was bewegt. Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, dass was passiert. Wie sagt Einstein so treffend: "Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert".

In diesem Sinne viel Kraft und Geduld
Lütte

destiny90
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von destiny90 » 04.01.2019, 13:08

Vielen Dank Lütte. Du hast sicher recht, mit dem was du sagst. Aber die Kinder wurden schon längst mit reingezogen. Wenn die Frage kam, was denn mit Papa los ist, habe ich bisher nur geantwortet: "Es geht ihm nicht gut". Grundsätzlich ist es ja auch nicht gelogen, dennoch fühle ich mich wie eine Lügnerin.
Aber sicher ist es die bessere Entscheidung, mit der Mutter, statt mit den Kindern zu sprechen. Ich bin gerade völlig überfordert mit der Situation.
Es hilft mir aber schon sehr, dass ich hier im Forum darüber schreiben kann und Feedback von anderen Betroffenen erhalte.
Auch ist mir der Termin bei der Suchtberatung sehr wichtig und ich erhoffe mir einiges davon.
Ich liebe diesen Mann und ich hoffe so sehr, dass er es schafft und wir eine gemeinsame Zukunft haben.

lütte69
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von lütte69 » 04.01.2019, 15:40

Hallo Destiny,

ich kann dir dazu nur sagen, dass sich bei mir erst was geändert hat, als ich angefangen habe, mich zu verändern. Die Veränderungen gingen gegen alles, was ich gefühlt habe. Ich habe rein kopfmäßig gehandelt, das Gefühl kam irgendwann hinterher. Leider reicht unsere Liebe oftmals nicht, um eine Veränderung im Alkoholkonsum dauerhaft zu erreichen. Bei mir hat erst mein Auszug ihn zum Nachdenken und Handeln gebracht.

sonnige Grüße
Lütte

destiny90
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von destiny90 » 04.01.2019, 15:43

Aber ihr habt anschließend nicht wieder zusammengefunden, so wie ich das herauslese?

Carl Friedrich
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von Carl Friedrich » 04.01.2019, 16:36

Hallo!

Bei mir machte s erst klick im Kopf, als mir die Familie die Pistole auf die Brust gesetzt hat: Entweder Therapie oder Trennung. Das war zu einem Zeitpunkt, als ich nicht mehr in der Lage war, mal Saufpausen einzulegen, wie es mir früher immer gelungen war.

Vor dem finalen Gespräch hatte sich meine Familie, ohne mich zu informieren, Rat bei der Suchtberatung eingeholt und für mich dort einen Termin ausgemacht. Ich bin hingegangen. Wir sind immer noch zusammen.

Gruß
Carl Friedrich

lütte69
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von lütte69 » 04.01.2019, 20:10

Hallo Destiny,
Doch, wir sind immer noch zusammen. Kein leichter Weg. Das war mir beim Auszug aber egal, wie es ausgeht. Ich musste weg, sonst wäre ich eingegangen.

Sonnige Grüße
Lütte

destiny90
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von destiny90 » 07.01.2019, 07:56

Hallo, das macht mir ein wenig Hoffnung. Vielleicht gibt es doch noch einen Weg. Aber erst einmal muss sich etwas ändern, das weiß ich. Heute ist mein Termin bei der Suchtberatung.

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