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Wenn Alkohol zur Selbstverständlichkeit geworden ist

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Struggling63
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Re: Wenn Alkohol zur Selbstverständlichkeit geworden ist

Beitrag von Struggling63 » 24.01.2019, 04:49

Guten Morgen Calida,
danke für den Hinweis. Wenn ich könnte, würde ich momentan auch weniger machen, aber das liegt nicht im Bereich des Möglichen. Ich bin eigentlich kein Mensch, der sich schnell überarbeitet, weil ich meine Grenzen kenne und Stress wo es geht vermeide. Aber momentan bin ich in einem Praktikum, wegen dem ich um 4.00 aufstehen, ziemlich weit fahren, und dann intensiv arbeiten muss. Ich versuch, es positiv zu betrachten und die Pausen, die ich hab, auch für mich zu nutzen. Bei all der Zeit fürs Praktikum und für mich selbst ist nur einfach wenig Platz für anderes. Nebenbei spielen sich in meinem "Liebesleben" ein paar mehr oder weniger chaotische Szenen ab, die dafür sorgen, dass ich auch emotional angespannt bin. Bisher kann ich aber erstaunlich gut mit allem umgehen und hoffe, dass sich das so hält. Erstmal freue ich mich auf das Wochenende, da versuche ich dann, die vorangegangenen 5 Tage zu verarbeiten und ein wenig zu mir zu kommen.
Bis bald! :)
Struggling

Struggling63
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Re: Wenn Alkohol zur Selbstverständlichkeit geworden ist

Beitrag von Struggling63 » 28.01.2019, 22:32

Hallo Leute,

Trockener Tag 27 geht gerade zu Ende. Mein Praktikum und mein Privatchaos beanspruchen mich 100%, aber ich nutze das bisschen Ruhe, das ich bekomme (am WE, im Zug beim Pendeln, Spätnachmittage nach der Arbeit) für so viel Reflexion wie möglich. Vor ein paar Tagen hatte ich eine wichtige Erkenntnis: Ich höre nicht nur meinetwegen mit dem Saufen auf, sondern auch, weil ich durch mein Verhalten in der Vergangenheit so viel Schaden angerichtet hab. Ich bin es auch meinem Umfeld schuldig, mich endlich zusammenzureißen, weil ich im betrunkenen Zustand oft Leute durch Worte oder Taten verletze. Diese Erkenntnis hat mich einen Schritt nach vorn gebracht, und je mehr ich von diesen Erkenntnissen habe, desto mehr wird die Einsicht, Alkoholikerin zu sein, real, und desto wichtiger wird mein Wunsch, abstinent zu bleiben.
Ich habe im Moment ein schlimmes Gefühl der Unzulänglichkeit und der Zurückweisung zu verarbeiten, weil ich mich in jemanden verliebt habe, der nicht das gleiche empfindet. Früher hab ich versucht, solche Probleme mit Alkohol zu bekämpfen. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich neue Wege finden werde. Bisher helfen mir Tagebuchschreiben, Sport, und Musikhören. Außerdem tut es gut, die Trauer voll zuzulassen und nicht unter literweise Alk zu verschütten.

Ich wünsche euch allen alles Gute!
Struggling

Calida78
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Re: Wenn Alkohol zur Selbstverständlichkeit geworden ist

Beitrag von Calida78 » 29.01.2019, 15:14

Hallo Struggling,
ich finde, es klingt gut, wie Du das machst. Du bist Dir über ziemlich viel bewusst. Pausen für Dich nutzen - das ist super!
Ich kann ja auch nicht raus aus meinem Leben - ich nehme mir dann auch Pausen, zum Beispiel nach der Arbeit erstmal eine Viertelstunde für mich - in Ruhe - und wirklich in Ruhe (ich habe zwei Kinder) - etwas lesen oder Musik hören, um runterzukommen. Wenn ich das nicht mache, dann merke ich auch ziemlich schnell, dass mir das dann nicht gut tut.
Liebeskummer ist total schmerzhaft! Das tut mir leid für Dich! Ich hab früher solche Gefühle auch mit Alkohol betäubt. Rückblickend sehe ich aber, dass ich mich dadurch in die Arme-Schweinchen-Rolle reinmanövriert habe: keiner liebt mich, ich bin's eh nicht wert, also muss ich am besten noch mehr trinken..... Aber es bringt nix. Ich könnte Dir jetzt noch x Gründe nennen, warum vielleicht alles irgendwann positiv erscheinen könnte. Das lass ich aber jetzt, denn jetzt hast du ja den Schmerz. Und es ist gut, dass Du ihn zulassen kannst.
Viele Grüße
Calida

Struggling63
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Re: Wenn Alkohol zur Selbstverständlichkeit geworden ist

Beitrag von Struggling63 » 06.02.2019, 07:04

Danke Calida! Mit dem Liebeskummer kann ich glaub ich ganz gut umgehen. Es ist zwar schmerzhaft, aber ich schreibe ganz viel Tagebuch, bin mir darüber bewusst was ich tu und warum ich wie denke. Der erste Schmerz ist glaub ich auch schon vorüber, ich finde, wenn man ehrlich und realistisch mit der Situation umgeht, kann man schnell "heilen". Und darin bin ich erstaunlicherweise sehr gut. Ich habe die Fähigkeit, ehrlich zu mir selbst zu sein und konstruktiv mit Problemen umzugehen, in den letzten Jahren immer weiter verbessert und fühle mich jetzt, als könnte ich mit ungefähr allem umgehen. Allerdings muss ich natürlich gestehen, dass es mit dem Alkohol verflucht lange gedauert hat, bis ich eingesehen habe dass es ein Problem gibt - perfektioniert hab ich diese Art der Verarbeitung also (noch) nicht. ;)

Heute ist Trockener Tag 36, ich fühle mich gesundheitlich wirklich gut.
Was mir momentan am meisten Freude bringt, ist die Tatsache, nicht mehr zu katern. Meine Hangover waren nämlich immer ziemlich übel, mit Kopfweh, Übelkeit, Erschöpfung, Selbsthass, emotionalen Tiefs. Neulich (an meinem Einmonatigen Alkoholabstinenz-Jubiläum!) war ich mit einer Freundin, die auch nicht trinkt, tanzen, und am nächsten Morgen war ich erschöpft, aber gut drauf. Da hatte ich wieder einen dieser Sonntagvormittage, die ich sonst mit ko..., Heulen und Schlafen verbracht hätte, und saß im Zug nach Hause, mit Croissant, einem riesigen Becher Kaffee und meinem Tagebuch, und mir schien die Sonne ganz intensiv ins Gesicht.
Das jetzt bewusst genießen zu können, mich immer fit und bereit zu fühlen und mich nicht mehr "krank zu machen", das ist für mich einer der Gründe warum ich aufhören will. Ich tu mir selbst nicht mehr weh durch mein Verhalten. Ich halte mich nicht mehr ab davon, schöne Momente zu erleben und sicher und zufrieden an einem Sonntag aufzuwachen. Ich will mir nicht mehr selbst im Weg stehen.

Klar gibt es manchmal Tage, an denen Saufdruck da ist - ich versuche, diese Situationen so gut wie möglich zu analysieren und herauszufinden, woher der Druck kommt und wie ich in Zukunft damit umgehen möchte.

Bis bald! Euch allen noch eine schöne Woche und viel Erfolg bei allem, was ihr anpackt!
Struggling

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Re: Wenn Alkohol zur Selbstverständlichkeit geworden ist

Beitrag von Struggling63 » 06.02.2019, 07:08

Noch ein Nachtrag zum Liebeskummer:
Natürlich geht es mir nicht total schnell wieder gut, aber ich finde, man durchläuft ja so Phasen, in denen man sich entweder ganz mies fühlt und es nicht akzeptieren kann, dass es nichts wird, oder man hat es akzeptiert und ist traurig und hängt noch an der Person, oder man hat schon teilweise damit abgeschlossen und hört auf die Person zu idealisieren, etc. ... Und ich hab mit der ersten Phase so gut wie abgeschlossen, weil ich eben gut darin bin, mir nichts vorzumachen. Ich kann die Situation jetzt akzeptieren und weiß, dass ich noch Zeit brauche bis es nicht mehr weh tut, aber ich gebe mich keinen Illusionen hin und arbeite daran, über diesen Menschen wegzukommen.

Cadda
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Re: Wenn Alkohol zur Selbstverständlichkeit geworden ist

Beitrag von Cadda » 06.02.2019, 20:12

Hallo Struggling,

nur kurz, da auf dem Sprung:

Wie Du Deine Rückfahrt im Zug beschreibst... großartig. DAS sind die kleinen Erlebnisse, für die es sich soooo sehr lohnt, trocken zu sein. Ich finde es toll, dass Du dasauch so bewusst wahr nimmst und das genießen kannst :-)

Liebeskummer... ätzende Erfindunf. Aber zum Glück geht’s vorüber und zwar schneller, wenn man (wie Du) realistisch mit der Sache umgeht.
Trotzdem, braucht es kein Mensch :-D

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