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Eltern auf der Kippe? Wie soll ich mich verhalten?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
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Ada
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Eltern auf der Kippe? Wie soll ich mich verhalten?

Beitrag von Ada » 14.01.2019, 17:43

Hallo zusammen..

ich bin neu hier im Forum, habe in der Vorstellung kurz meine Geschichte erzählt, aber nochmal so kurz wie möglich:
Ich bin 30 und meine Eltern trinken seit Jahren (so richtig aufgefallen ist es mir erst vor ca. 6 Jahren) jeden Abend; mein Vater mehr als meine Mutter. Beide trinken - zum Glück - keinen harten Alkohol, aber jeden Abend sind es so zwischen 2 und manchmal auch vier Flaschen Wein, oft noch 1-2 Bier davor.
Ich bin überzeugt davon, dass beide abhängig sind, auch wenn sich das Ganze noch im sozial akzeptierten Bereich abspielt (im Freundeskreis meiner Eltern wird auch viel getrunken). Sie trinken auch nie tagsüber und ich habe beide noch nie in einem Rausch erlebt. Aber natürlich gibt es immer wieder peinliche Situationen auf Feiern, oder Abende, an denen Unterhaltungen einfach enden, weil vor allem mein Vater sich nicht mehr richtig beteiligen kann..
Was mich eher schockiert, ist die hohe Toleranzgrenze von beiden; mein Vater hat nie einen Kater, er trinkt 3 Flaschen Wein und geht am nächsten Tag früh zur Arbeit, keine Spur von Nachwirkungen..und das jeden Abend.
Meine Mutter hat zwar manchmal Tage, an denen sie nichts trinkt, die sind aber eher selten und es ist auch nie länger als ein Tag..

Der Alkoholkonsum ist bei uns in der Familie häufig Thema, auch weil ich es immer wieder angesprochen habe und beiden klar gemacht habe, dass ich mir Sorgen um sie mache.
Trotzdem ist bisher nicht viel passiert. Es gab immer mal wieder Phasen, sogenannte "Entgiftungswochen", in denen sie dann auf Alkohol verzichtet haben (allerdings eher mit dem Grund, Gewicht zu verlieren..), danach hatte ich aber immer das Gefühl, dass es eher schlimmer wurde..
Im Urlaub ist es noch extremer; denn da hat man ja einen "Grund" zu trinken; dann "darf man das" ...

solche Wochen sind aber schon lange nicht mehr vorgekommen. Ich kann mich eigentlich an kein Abendessen in den letzten 5 Jahren erinnern, bei dem mal NICHT getrunken wurde.
Beide scheinen immer recht empfänglich zu sein, wenn ich mal wieder anmerke, dass ich mir Sorgen mache..sie reden dann davon, dass sie was ändern wollen. Aber passiert ist nie etwas.

Ich merke jetzt seit ungefähr 2 Jahren, dass ich mich in Anwesenheit meiner Eltern zunehmend verändere und längere Besuche zu hause, oder gemeinsame Urlaube für mich extrem stressig sind; ich bin oft sehr nah am Wasser gebaut, bin angespannt, genervt, schnippisch, gereizt, sehr distanziert beiden gegenüber, wortkarg, ... einfach nicht NETT, dabei sind beide eigentlich sehr liebevolle Eltern und wir haben ein inniges Verhältnis. Aber ich erkenne mich selbst oft nicht wieder und finde mich selbst richtig ätzend! trotzdem kann ich es nicht abschalten, es ist wie eine Art Selbstschutz...es macht mich vor allem fertig, weil ich merke, dass meine Mutter unter meiner Kaltschnäuzigkeit sehr leidet; sie ist ein sehr liebevoller Mensch und ihr geht es sehr nah, wenn ich diese Nähe nicht zulassen oder zurückgeben kann. Häufig weine ich nach bestimmten Situationen, weil es mir so leid tut, wie ich mich beiden gegenüber verhalten habe. Dann denke ich, das haben sie nicht verdient.

Ich habe einfach das gefühl, dass ich mich im Kreis drehe. Ich wünsche mir nichts mehr, als meine Eltern dazu überreden zu können, sich Hilfe zu suchen, oder ihnen zu helfen, irgendwie den Schalter umzulegen, aber es klappt einfach nicht. Und mittlerweile weiß ich nicht mehr, wie ich mich verhalten soll, weil ich den Kontakt eigentlich nicht einschränken möchte; denn bis auf diese Tatsache haben wir eigentlich immer eine schöne Zeit zusammen, und sie sind auch an meinem Leben interessiert, wir können reden, sind immer noch sehr vertraut, etc. ...
alles, was das Verhältnis zu vergiften scheint, ist, dass ICH mich so unwohl fühle, weil ich merke, dass ich total unter Strom bin, wenn ich mit ihnen zusammen bin.

Habt ihr irgendwelche Erfahrungen mit solchen Situationen gemacht?
Habt ihr Tipps, wie ich mich verhalten soll? Einfach gar nichts mehr kommentieren und das Verhalten ignorieren?
Bringt es etwas, nochmal das Gespräch zu suchen?

Würde mich über eure Antworten freuen!
Grüße,
Ada

Grünes Kistchen
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Re: Eltern auf der Kippe? Wie soll ich mich verhalten?

Beitrag von Grünes Kistchen » 16.01.2019, 12:52

Hallo Ada,

Alkohol ist gefüllt immer präsent, Fernsehen, Werbung, etc. Auf jeder Feier gibt es Alkohol, er gehört zum guten Ton. Trinkt man nicht mit, wird man schräg angeschaut. Sich bewusst gegen Alkohol zu entscheiden, ist manchmal nicht so einfach. Es fühlt sich für Deine Eltern nicht falsch an, alle trinken doch.
Du kannst Deine Eltern nicht davon überzeugen, etwas gegen Ihren Alkoholkonsum zu tun. Sie müssen selber erkennen, dass sie zu viel trinken. Sie sind erwachsen und für sich selber verantwortlich. Du kannst Deinen Standpunkt vor ihnen vertreten, dich klar klar positionieren. Ich habe auch jahrelang versucht meine Mutter davon zu überzeugen, sich behandeln zu lassen. Erfolglos. Deine beschriebenen Verhaltensweisen sind mir nur zu gut bekannt. Ich habe auch so reagiert, ob am Telefon oder bei Besuchen. Es ist Selbstschutz, weil man nicht wirklich wahrhaben will, was man sieht und hört.
Du kannst Dich beraten lassen, beim Gesundheitsamt geht das zum Beispiel.
Ich drücke Dir und Deinem Eltern die Daumen.

Viele Grüße!

Ada
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Re: Eltern auf der Kippe? Wie soll ich mich verhalten?

Beitrag von Ada » 16.01.2019, 22:39

Hallo Grünes Kistchen,

danke für deine Antwort!
Darf ich fragen, wie es deiner Mutter mittlerweile geht und wie eure Beziehung ist?
Hast du irgendwann resigniert und das Thema einfach nicht mehr angesprochen?

Viele Grüße!
Ada

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