Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Positive Dinge der Nüchternheit

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 32912
Registriert: 04.11.2004, 22:21
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholiker

Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Karsten » 01.02.2019, 17:09

Hallo Mario,

da meinen wir ja irgendwie das Gleiche.
Wir sehen es hier jeden Tag, dass neue Mitglieder es schleifen lassen, um nicht zu sagen, sie sind einfach zu faul, sich hier auszutauschen.

Zur Trockenheit gehören ein paar Dinge, damit man nicht wieder rückfällig wird.

Für mich sind das großen Dinge und sind eher in Fleisch und Blut übergegangen.

Im Gegensatz dazu, was das Saufen für Arbbeit gemacht hat.
Jeden Tag Alkohol beschaffen und sich verstecken, um in Ruhe saufen zu können.

Es ist halt so, dass nur nicht trinken, nicht reicht.
Wenn das für dich keine Freiheit ist, ist das für eher etwas, dass man die negativen Dinge sucht und die positiven Dinge nicht sehen kann.

Wäre es denn für dich schlimm, wieder zu saufen?

Gruß
Karsten

Hartmut
Moderator
Moderator
Beiträge: 15128
Registriert: 13.02.2007, 22:21

Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Hartmut » 01.02.2019, 18:07

Hallo Mario,

Freiheit und Unabhängigkeit gibt es nicht. Ich bin in allen Lebenslagen eingeschränkt. In der Familie ,im Beruf und im Privaten. Aber in der Sucht habe ich im Gegensatz zu der nassen Zeit nun die Möglichkeit mich frei zu entscheiden ob ich unabhängig vom Alkohol bleibe. Ich und nur ich habe es in der Hand. Wenn ich dem Alkohol als solchen nachtrauere, weil ich eingeschränkt bin ihn nicht mehr zu trinken, dann würde ich mir Gedanken machen woher das kommt.

Freiheit und und Unabhängigkeit hat auch den Sinn, mich frei zu entscheiden . Ich muss nur bereit sein die Konsequenzen meiner Entscheidung zu tragen.

Gruß Hartmut

Penta
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2457
Registriert: 19.06.2010, 19:51

Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Penta » 02.02.2019, 05:44

Hallo Mario,
Wenn ich mein Rückfallrisiko minimieren will kann ich bei weitem nicht mehr tun und lassen was ich will.
Die Frage, die sich aus diesem Satz für mich ergibt, ist einfach, ob du tatsächlich dein Rückfallrisiko minimieren willst?
Denn, wenn du es tatsächlich wollen würdest, würdest du damit genau das tun, was du willst.
Damit bin ich (vielleicht wieder leider) dabei, dass es sehr wohl darauf ankommt, ob ich das, was ich sage (oder schreibe) auch tatsächlich genau so meine.
Wenn ich schreibe oder sage, dass ich mein Rückfallrisiko minimieren will, ist das, was ich damit in den Zusammenhang bringe, genau das, was ich will.
Wenn du allerdings dein Rückfallrisiko nicht so minimieren möchtest, wie es hier an vielen Stellen beschrieben wird, willst du offenbar etwas Anderes.

Ich will keinen Kuchen mit Fusel drin essen.
Ich will auf keiner Party abhängen, auf der sich andere volllaufen lassen.
Ich will keinen Alkohol in meiner Wohnung haben...

Also ich mache nichts, was ich nicht will.

Gruß, Penta

joschi018
neuer Teilnehmer
Beiträge: 211
Registriert: 21.11.2010, 22:32

Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von joschi018 » 02.02.2019, 06:48

Also ich mache nichts, was ich nicht will.
Genauso sehe ich es auch!

In meiner nassen Zeit habe ich gerne Zeug wie MonCheri gegessen oder Eierlikör auf dem Dessert. Das esse ich nun nicht mehr, weil ich es so entschieden habe.
Dadurch geht mir aber kein Stück Lebensqualität verloren, denn durch die Entscheidung für ein alkoholfreies Leben habe ich weit mehr gewonnen.

Calida78
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2412
Registriert: 13.07.2015, 11:13

Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Calida78 » 02.02.2019, 11:34

Hey!
Geht mir genauso wie Penta.
Ganz am Anfang hatte ich den Gedanken: Oh, dann ich ja gar nicht mehr auf eine Party gehen. So, und dann hab ich das auch erstmal gemieden. Dann aber ziemlich schnell festgestellt, dass ich das gar nicht möchte und nicht brauche. Weil es nicht zu mir passt. Ich bin von Natur aus jemand, der schnell reizüberflutet ist und lieber ein oder zwei Leute in Ruhe trifft. Das alles wurde nur durch Alkohol verstellt und ich brauchte Zeit, um mich wieder zu entdecken. Und heute graut mir vor kaum etwasmehr als irgendwo betrunkene Leute um mich zu haben. Ich hab die Fülle und die Vielfalt wieder entdecken dürfen und es gibt so viel Schönes, dass ich tun kann. Ich möchte es nicht wieder eintauschen.😊
LG Calida

Carl Friedrich
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1519
Registriert: 06.07.2015, 22:47

Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Carl Friedrich » 02.02.2019, 12:11

Calida78 hat geschrieben:
02.02.2019, 11:34

Ganz am Anfang hatte ich den Gedanken: Oh, dann ich ja gar nicht mehr auf eine Party gehen. So, und dann hab ich das auch erstmal gemieden. Dann aber ziemlich schnell festgestellt, dass ich das gar nicht möchte und nicht brauche. Weil es nicht zu mir passt. .....

Und heute graut mir vor kaum etwas mehr als irgendwo betrunkene Leute um mich zu haben. Ich hab die Fülle und die Vielfalt wieder entdecken dürfen und es gibt so viel Schönes, dass ich tun kann. Ich möchte es nicht wieder eintauschen.😊
Hallo!

Das hat Calida zutreffend beschrieben. Mir geht es ganz genau so.

Gruß
Carl Friedrich

Elli21
neuer Teilnehmer
Beiträge: 12
Registriert: 03.02.2019, 17:58
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Elli21 » 06.02.2019, 20:29

Hallo ihr "alten Hasen" und beneidenswerten Ex-Alkis!
Ich habe erst am 27.1.2019 aufgehört und kämpfe oft gegen diesen fiesen Verführer in meinem Kopf. :cry: Aber ich habe schon in dieser kurzen Zeit gesehen, wie viel Lebensqualität mir die Nüchternheit schenkt, wie viel Lebensfreude damit verbunden ist, wie der Geist wieder zum Leben erwacht ....
Alkoholsucht ist untrennbar mit einem zwanghaften Alltag verbunden. Ich brauche mir da nur mein "Beschaffungswesen", die Versteckerei, die Heimlichtuerei vor Augen zu halten. Schon jetzt nach kurzer Zeit fühle ich mich richtig BEFREIT und wenn ich befreit bin, dann habe ich doch ein Stück FREIHEIT gewonnen, oder nicht?
Eine andere Sache ist, was ich mit dieser FREIHEIT anfange. Das ist momentan mein großes Problem. Der Satz von Karsten " nicht trinken allein reicht nicht" hat mich gerade sehr erschüttert. Für mich ist "nicht trinken allein" zur Zeit schon gleichermaßen herausfordernd wie erstrebenswert. War das bei euch am Anfang auch so oder habt ihr gleich euer Leben komplett umgekrempelt?
Herzlichen Gruß an alle
Elli

Ernest
neuer Teilnehmer
Beiträge: 137
Registriert: 21.11.2017, 19:03

Re: Positive Dinge der Nüchternheit

Beitrag von Ernest » 06.02.2019, 22:15

Guten Abend zusammen

Penta schrieb: Also ich mache nichts, was ich nicht will.

Ich kann von mir dies nicht behaupten. Ich muss das Wort "will" mit "darf" ersetzen.

Ich möchte vieles, aber ich darf vieles nicht. Unter anderem eben auch keinen Alkohol mehr trinken.

Und irgendwann wird - wie ich bei LZT lese - dieses Nicht-Dürfen zur Selbstverständlichkeit. Und es werden keine Gedanken mehr darob verschwendet.

Na - und irgendwann, hoffe ich, werde ich auch soweit sein.

Gruss
Ernest

Antworten